Mazedonien-Reisebericht :Durch das Land der Skipetaren

Mazedonien

Der Grenzübertritt vom Kosovo verlief unproblematisch. Den Versicherungsschein, den ich für den Kosovo abschließen musste, musste ich vorlegen, der Grenzer behielt diesen ein. Ursprünglich hatten wir geplant direkt bis zum Ohrid See zu fahren um dort noch eine Wanderung im Galichica Nationalpark vorzunehmen. Jetzt hatten wir umorientiert und wollten statt dessen die Ausgrabungsstätte Stobi besuchen.
Kurz hinter der Grenze begann schon die Autobahn, die ein zügiges Vorwärtskommen versprach. Bald zeigte sich eine Mautstation, der wir uns ein wenig beunruhigt näherten, da wir noch keine Gelegenheit zum Geldumtausch hatten. Glücklicherweise bot man an, dass auch in Euro bezahlt werden könne. Und dies zu einem fairen Umrechnungskurs. Allerdings hätte man bei Bezahlung in Euro keinen Anspruch auf Wechselgeld. Aber 1,50 € fanden wir noch passend. Leider reichten die nicht allzulange und das nächste Mauthäuschen tauchte auf. Diesmal waren 2,00 € fällig, die wir auch noch fanden. Am dritten Häuschen wurden wieder 2,00 € verlangt, diesmal musste ich mit einem 5,00 € Schein bezahlen - und erhielt Wechselgeld. Glück gehabt. Zwischenzeitlich hatte ich bei Tankstellen vergeblich versucht einen Geldautomaten zu finden. Nach dem dritten Häuschen fuhren wir von der Autobahn ab. Insgesamt 5,50 € für noch nicht einmal 100 km Autobahn waren doch ganz schön happig.
In einem kleinen Ort fanden wir dann einen Bankautomaten und versorgten uns erst einmal mit einheimischen Geld - dem mazedonischen Dinar.

Stobi

Die Ausgrabungsstätte in Stobi hat den eingelegten Umweg nicht gelohnt. Im wesentlichen wurden hier nur Grundmauern und einige Mosaike frei gelegt.

Stobi: eine ziemlich ebenerdige Angelegenheit

Stobi: eine ziemlich ebenerdige Angelegenheit

Highlight sind hier die großflächigen sehr gut erhaltenen Mosaike

Highlight sind hier die großflächigen sehr gut erhaltenen Mosaike

Man braucht schon etwas Vorstellungskraft um sich aus den spärlichen Grundmauern die antike Stadt vorstellen zu können. Ich fand lediglich den spätrömischen Bischofssitz relativ sehenswert, weil die Fundstücke (mit den umgebenden Mosaiken) in gutem Zustand waren. Ein Besuch lohnt jedoch nur, wenn man zufällig in der Nähe weilt oder vorbei fährt.

Weiter ging es über Landstraßen über Prilep und Bitola nach Ohrid. Wenigstens entfiel hier die lästige Maut. Mazedonien verfügt auf diesem Streckenabschnitt über keine sehenswerte Landschaft. Felder wechseln sich mit Weiden ab, diese wiederum mit Feldern. Ab Bitola kann man dann links den Prespa See sehen und man kommt in die Ostausläufer des Galichica Nationalparks. Hier wird es bergig und kurvig und man bekommt schöne Aussichten geboten.

Tsar Samuel's Fortress

In Ohrid stellten wir zunächst das Auto ab und begaben uns zu Fuß zur Tsar Samuel's Festung. Die mächtigen Mauern dieser eindrucksvollen Anlage, hoch über dem Altstadtkern gelegen, kann man schon von weitem bewundern. Den Namen hat die (ursprünglich byzantinische) Festung von Zar Samuel, als Ohrid ein Teil des damaligen bulgarischen Reiches im 10.Jahrhundert war.
Heute zeigt sich die Festungsanlage in einem ausgezeichneten Zustand.

Von der sehr gut erhaltenen Festungsanlage aus hat man einen sehr guten Blick auf den See und die Stadt Ohrid. Im Hintergrund die Berge des Galichica Nationalparks

Von der sehr gut erhaltenen Festungsanlage aus hat man einen sehr guten Blick auf den See und die Stadt Ohrid. Im Hintergrund die Berge des Galichica Nationalparks

Nach dem Besuch der Festung ging es dann zügig in die Altstadt zur Unterkunft. Die Straßen hier sind derart eng, dass man zwar mit dem Auto durchfahren kann, an ein Parken jedoch nicht zu denken ist. Daher mussten wir die Koffer einen guten Teil des Weges über schlechtes Kopfsteinstraßenpflaster wuchten. Wie erhofft gab es in der Pension eine Waschmaschine - und es war erst einmal Wäsche waschen angesagt. Abends gab es dann noch eine leckere mazedonische Lammkeule mit Honigsoße.

Der nächste Morgen überraschte dann mit Regen, Nebel und ziemlicher Kälte.

Der Blick auf den Galichica war durch dicke Wolken verdeckt.

Der Blick auf den Galichica war durch dicke Wolken verdeckt.

Kloster Sveti Naum

Ursprünglich wollten wir an diesem Tag zunächst die Passstraße zwischen Trpejca und Otheshevo durch den Galichica zum Prespasee erkunden. Diese soll zwar etwas Gebühr kosten, ansonsten aber mit schönen Natureindrücken belohnen. Da vom Galichica aber lediglich Wolken erkennbar waren, fuhren wir nach Sv. Naum (auch Sankt Naum).
Dieses liegt kurz vor der albanischen Grenze etwa 30 km hinter Ohrid. An der Zufahrt zum Galichica kamen wir vorbei. Hinter Trpejca weist ein großes Schild darauf hin. Kann man gar nicht verfehlen. Bald kamen wir dann zum Kloster. Der Regen war mittlerweile so stark, dass wir unsere Regenjacken überziehen mussten.

Das Kloster Sv. Naum erinnert entfernt an eine dreischiffige Kirche

Das Kloster Sv. Naum erinnert entfernt an eine dreischiffige Kirche

Das Kloster stammt ursprünglich aus der Zeit der Tsar Samuel's Festung und wurde vom Namensgeber mit Unterstützung der bulgarischen Zaren gegründet. Im 19.Jahrundert brannte es weitgehend ab, so dass die heutige Anlage im Wesentlichen eine Rekonstruktion darstellt. Das Innere bietet nicht viel Platz und zeigt hauptsächlich Bilder (auch viele Fresken) aus dem Leben des heiligen Naum.
Um dem ewigen Regen ein wenig zu entkommen dehnten wir den Besuch innerhalb etwas aus. Infolge des Wetters fanden glücklicherweise kaum Besucher hierher. Beim Verlassen des Klosters hatte der Regen eine kleine Verschnaufpause eingelegt, wodurch wir Gelegenheit bekamen das Umfeld zu besichtigen. Es handelt sich um eine liebevoll angelegte Anlage mit gepflegten Gärten, wunderschönen Springbrunnen, malerischen Zierteichen und Beeten. Pfaue stolzieren durch die Anlage, auf der man Boote leihen kann oder es sich in einer der vorhanden Lokalitäten gut gehen lassen kann. Heute war jedoch fast alles geschlossen, selbst die Pfaue schauten aufgrund des Mistwetters ziemlich verdrießlich drein.

Die Stadt Ohrid

Zurück in der Pension stellten wir fest, dass aufgrund des nasskalten Wetters die Wäsche so gar nicht trocknen wollte. Da musste der Fön erst einmal ne Stunde lang strapaziert werden...
Anschließend war ein Stadtrundgang durch Ohrid angesagt. Bei Ohrid handelt es sich um eine typische Touristenstadt, mit ihren Andenkenläden, Restaurants und Reisebüros. Ohrid ist sehr sauber, das kann allerdings auch am Regen gelegen haben, der den Schmutz vielleicht weggespült hat.
In vielen der Andenkenländer konnten wir solche und ähnliche Andenken entdecken:

Aufgrund griechischer Proteste muss sich Mazedonien FYROM (Former Yugoslav Republik Of Macedonia) nennen. Griechenland befüchtet bei Anerkennung des Namens "Mazedonien" Gebietsansprüche dieses Landes. Dass diese Befürchtungen nicht allzuweit hergeholt ist, zeigen Karten von Mazedonien auf Andenken und auch auf wehenden Fahnen, die nicht das heutige Staatsgebiet Mazedoniens zeigen, sondern das Territorium des antiken Königreiches Mazedonien. Und da befinden sich auf einmal nahezu der gesamte griechische Norden sowie Teile von Albanien und Bulgarien in Mazedonien. Dass den Griechen das nicht gefällt dürfte klar sein. Vergleichbar wäre die Tatsache, wenn wir Deutschen Souvenirs mit unserem Territorium von 1937 verkaufen würden.

Aufgrund griechischer Proteste muss sich Mazedonien FYROM (Former Yugoslav Republik Of Macedonia) nennen. Griechenland befüchtet bei Anerkennung des Namens "Mazedonien" Gebietsansprüche dieses Landes. Dass diese Befürchtungen nicht allzuweit hergeholt ist, zeigen Karten von Mazedonien auf Andenken und auch auf wehenden Fahnen, die nicht das heutige Staatsgebiet Mazedoniens zeigen, sondern das Territorium des antiken Königreiches Mazedonien. Und da befinden sich auf einmal nahezu der gesamte griechische Norden sowie Teile von Albanien und Bulgarien in Mazedonien. Dass den Griechen das nicht gefällt dürfte klar sein. Vergleichbar wäre die Tatsache, wenn wir Deutschen Souvenirs mit unserem Territorium von 1937 verkaufen würden.

Highlight der Altstadt ist das antike Theater aus griechischer Zeit. Aufgrund des sehr gut erhaltenen Zustandes wird es auch heute noch für Auftritte im Rahmen des Ohrider Sommerfestivals genutzt.
Den Abend beschlossen wir mit einem urigen mazedonischen Gericht in einem der zahlreichen Restaurants in Ohrids Innenstadt.
Abschließend wurde der Fön noch strapaziert, bis er glühte. Dafür war die Wäsche dann trocken und unser Zimmer schön warm. Da die Außentemperaturen sich um die 5 Grad bewegten, war dies ein ganz angenehmer Nebeneffekt.

Vom Ohridsee nach Griechenland

Da wir für die Fahrt nach Gjirokaster in Albanien, die etwas längere Strecke über Griechenland gewählt hatten (etwa 1 Stunde länger) hieß es früh aufstehen. Gegen 06:00 begaben wir uns in die Kälte und mussten feststellen, dass die Fahrzeugscheiben zugefroren waren. Die Außentemperatur betrug lediglich -2 Grad.
An Bitola vorbei waren wir schnell an der mazedonisch - griechischen Grenze und da der Diesel in Mazedonien etwa 30 ct preiswerter als in Griechenland ist, wollte ich das Auto noch schnell volltanken. Leider erwischte ich jedoch die falsche Tanksäule und füllte Super ein. Zum Glück fiel das Missgeschick noch auf, bevor der Motor angelassen wurde. Fahren konnten wir mit dem Auto zumindest nicht bevor der Tank abgelassen und ausgeblasen wurde. Blöderweise war Sonntag und alle Werkstätten hatten zu. Nach über zwei Stunden gelang es dem Tankstellenbetreiber jemanden zu finden, der das übernimmt. Insgesamt dauerte die Warterei etwa 4 Stunden, Zeit, die eigentlich gar nicht vorhanden war. Wenigstens hatte ich endlich genug Zeit alle Überreste des blöden Aufklebers aus Priština abzukratzen.
Bemerkenswert. war die Hilfsbereitschaft des Betreibers und seines Personals, die sich richtig reingekniet haben um uns zu helfen. Ein Achselzucken und ein Verweis auf die gegenüberliegende Werkstatt, die am Montag wieder öffnet, hätten es auch getan....

Wenigstens verkürzte der herrliche Anblick der umliegenden bis zu 2.600m hohen Baba Berge die Wartezeit

Wenigstens verkürzte der herrliche Anblick der umliegenden bis zu 2.600m hohen Baba Berge die Wartezeit

© Gerd Dorn, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Rundreise durch den östlichen Balkan
Details:
Aufbruch: 30.09.2017
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.10.2017
Reiseziele: Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Kosovo
Mazedonien
Griechenland
Albanien
Der Autor
 
Gerd Dorn berichtet seit 18 Monaten auf umdiewelt.