Südböhmen - rund um den Lipno-See

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2018  |  von Angelika Gutsche

Adalbert Stifters Geburtsort Horní Planá

Am nächsten Tag fahren wir in die Ortschaft. Horní Planá (Oberplan) ist der Geburtsort von Adalbert Stifter (1805 – 1868). Sein Geburtshaus liegt direkt an der Durchgangsstraße. Es beherbergt eine Ausstellung zum Leben und Werk des Dichters mit Totenmaske, Sargschlüssel, Siegelring und seinem Zylinder.

Geburtshaus von Adalbert Stifter (Horní Planá)

Geburtshaus von Adalbert Stifter (Horní Planá)

1842 verfasste Stifter die Dichtung Der Hochwald, in der auch Oberplan eine Rolle spielt. Seine Kindheit im Böhmerwald ist die wichtigste Inspirationsquelle für sein späteres Schaffen. Stifter war Verfechter eines sogenannten „sanften Gesetzes“, das besagt, „alles Stille, Kleine und Gewöhnliche sei der Ursprung alles Großen und Edlen“. Zu seinen Dichtungen gehört auch Bergkristall (1853), 2004 von Josef Vilsmaier verfilmt. Stifter meets Vilsmaier, daraus resultierend ein rührseliger Weihnachtsfilm für Kinder.
Die Umstände seines Todes waren tragisch und sind nicht restlos geklärt. Der schwer dem Alkohol verfallene Stifter soll sich mit einer Rasierklinge selbst die Gurgel durchschnitten haben. Doch war dies wirklich die Todesursache? Und falls ja: War es Selbstmord oder ein Unfall?

Adalbert Stifter: Totenmaske und Sargschlüssel

Adalbert Stifter: Totenmaske und Sargschlüssel

Anlässlich des heuer begangenen 150. Todestages von Adalbert Stifter hatte ich einige seiner Novellen gelesen. Die perfekte Einschlaflektüre, friedlicher Schlummer anschließend garantiert. Wie bezeichnete ihn doch Thomas Mann: „Ehrenretter der Langeweile“.

Adalbert Stifter: Gemälde und Schreibtisch

Adalbert Stifter: Gemälde und Schreibtisch

Da Stifters Vater Flachshändler und Weber war, befindet sich im ersten Stock des Geburtshauses eine Ausstellung über Flachsverarbeitung. Im Innenhof des Gebäudes hat eine Fotoausstellung das Moldau-Flusstal und dessen Veränderung der Landschaft und Menschen im Laufe der Zeit zum Thema.
Der Bau des Moldau-Staudamms erfolgte in den 1950er Jahren als Hochwasserschutz für Prag und Budweis. Das Moldau-Tal wurde geflutet und bildet seitdem den fischreichen Lipno-Stausee, das „Böhmische Meer“, mit einer Länge von 45 Kilometern und einer Breite bis zu 4 Kilometern.
Es ist unglaublich, dass diese umwälzenden Veränderungen bei Landschaft und Menschen, wie in der Fotoausstellung dokumentiert, in nur so kurzer Zeit erfolgten.
Während das Südufer des Lipno-Sees immer noch naturbelassenes Wandergebiet ist, hat sich das Nordufer in eine Touristenhochburg mit einem Campingplatz am anderen verwandelt. Überall bietet man Kanutouren an, geeignet auch für Familien mit Kindern. Ein im Hochsommer von Badefreunden, Surfern und Seglern überlaufenes Freizeitparadies. Für den, der’s mag.
Wir verlassen Stifters Geburtshaus und folgen dem Sträßchen links davon den Berg hinauf. Es führt uns zum bronzenen Adalbert-Stifter-Denkmal aus dem Jahre 1906.

Bronzedenkmal von Adalbert Stifter in Horní Planá

Bronzedenkmal von Adalbert Stifter in Horní Planá

Nun ist Stärkung angesagt. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz machen wir wieder im Restaurant Tothos Halt und testen die Qualität des Lipno-See-Zanders. Auf Rahmspinat mit Rösti mundet er köstlich! Espresso und Apfelstrudel runden das Menü ab.
Abends ziehen über dem See schon wieder schwere Gewitter auf.

© Angelika Gutsche, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Baden - Wandern - Radeln - Wassersport oder doch lieber Kultur? Rund um den Lipno-See ist für jeden Geschmack etwas geboten.
Details:
Aufbruch: 22.05.2018
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 29.05.2018
Reiseziele: Tschechische Republik
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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