Südböhmen - rund um den Lipno-See

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2018  |  von Angelika Gutsche

Rožmberk: Burgen und Schlossgespenster:

Abends und nachts donnert und blitzt es erneut und wahre Sturzfluten prasseln vom Himmel. Am Morgen ist die Luft gereinigt und die Sonne strahlt. Also auf zum an der Moldau gelegenen Bergstädtchen Rožmberk nad Vltavou (Rosenberg an der Moldau) mit seiner Burg, das der Reiseführer als beispielhaft für eine Böhmerwald-Ortschaft bezeichnet.
Wir fahren nach Navi, das uns in Frymburg weg von der Hauptstraße auf ein schmales, nagelneues Sträßchen leitet, das noch in keiner Karte verzeichnet ist. So kommen wir in den Genuss einer zauberhaften Natur. Auf unserer Fahrt durch Nadelwälder hinauf in die Berge begegnen wir so gut wie keinem anderen Fahrzeug. Dafür kreuzt ein Rehbock unseren Weg, der uns etwas schräg beäugt. So ein richtiges Adalbert-Stifter-Erlebnis. Bei 800 m Höhe erreichen wir ein kleines Dorf mit Gasthaus, von dem aus ein Sträßchen hinunter nach Rožmberk führt.
Dieses Sträßchen endet praktisch am „Hintereingang“ von Rožmberk. Die Hauptstraße des Ortes ist aufgerissen und wird saniert. Kein Durchkommen. Also parken wir und machen uns zu Fuß auf den Weg über die Moldaubrücke und beginnen den Aufstieg zum malerisch über Ort und Fluss thronenden Schloss.

Rožmberk nad Vltavou

Rožmberk nad Vltavou

Die Burg soll von dem legendär reichen Ritter Witiko, den Adalbert Stifter in seinem gleichnamigen Roman verewigte, gegründet worden sein. Der Mythos besagt, dass Witiko, der 1194 starb, sein Erbe unter seinen fünf Söhnen aufteilte. Jeder Sohn bekam dazu eine Rose in jeweils einer anderen Farbe: golden, silbern, rot, grün und schwarz. Die Söhne machten verschiedene Burg zu ihren Sitzen und die jeweiligen Rosen fanden in das Wappen der Burgherren Eingang.
Da in einer echten Ritterburg das Gespenst nicht fehlen darf, geistert in Rožmberk eine weiße Frau durch das Schloss, die von Franz Grillparzer in der Tragödie „Die Ahnfrau“ verewigte wurde. Die weiße Frau findet sich abgebildet auf einem Gemälde im Rosenberg Saal der Burg. Es handelt sich um die 1430 geborene Berta von Rosenberg, die als 16-jährige zwangsverheiratet wurde, sich während ihrer Hochzeitsfeier aber noch einmal mit ihrem Geliebten, dem schmucken Grafen Sternberk traf. Ihr Gatte erfuhr davon und verfolgte sie bis zu ihrem Tod mit unstillbarem Hass. Seither muss die Unglückliche nachts durch die Gemächer geistern.
Spukgeschichten machen hungrig. Also runter von der Burg, über die Moldau ins Restaurant am Hauptplatz. Auf einer Terrasse an der Moldau beobachten wir die ablegenden Kanuten. Das Essen suche ich nach der Beilage aus: Es müssen wieder böhmische Knödel sein, auch wenn die Moldau-Forelle fast ebenso verlockend ist. Aber dazu passen halt keine Knödel.

© Angelika Gutsche, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Baden - Wandern - Radeln - Wassersport oder doch lieber Kultur? Rund um den Lipno-See ist für jeden Geschmack etwas geboten.
Details:
Aufbruch: 22.05.2018
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 29.05.2018
Reiseziele: Tschechische Republik
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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