GR 221 Tramuntana Mallorca - Ruta de Pedra en sec

Spanien-Reisebericht  |  Reisezeit: November 2017  |  von Jessica & Sven Winkler

TAG 6 Esporles - Herberge Ses Fontanelles

10 Stunden Tour - kann in 2 Etappen gegangen werden.

Wir haben so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Nachdem wir uns in einer kleinen Bäckerei mit LEckereien fürs Frühstück eingedeckt haben nehmen wir noch einen Cafe in einem der Strassencafes und schnürn die Stiefel gegen 9 uhr. Hätten wir gewusst was der Tag für uns bereithält, hätten wir uns vielleicht 2 oder 3 Stunden früher auf die Socken gemacht.. wenn wenn wenn......

Die ersten Kilometer gehen unspektakulär zu Fuss auf weichem Waldboden. Wir nehmen nicht den Abzweig nach Bayalbufar sondern gleich weiter Richtung Estellencs. Dort gibt es weder Cafe noch Bar noch Supermarkt. Dabei haben wir uns schon so auf einen 2. Cafe gefreut... zompfg...
In Esporles haben wir uns am Nachmittag mit reichlich Wegproviant und auch Vesper für Abends eingedeckt.. Ich spüre die Macht auf meinen Schultern

Wir entdecken ein neues Refugi dass noch nicht in unserer Karte eingetragen war. Sa Coma dén Vidal. Mit 22 Übernachtungsplätzen die gute Mitte zwischen unserer Etappe.. Wir würden bei nochmaliger Begehung dieses Refugi als weiteren Stopp einplanen. Aber noch ziehen wir gut gelaunt daran vorbei. Wir sind guter Dinge, haben 40 min laut Karte über die STrasse gespart. Treffen kurz nach dem Refugi einen deutschen Singlewanderer, der ebenfalls im gestrigen Backpacker übernachtet hat. Er kam vor 2 1/2 Std ( und er geht schnell !! ) von Ses Fontanelles.. Die Besitzer der Pension würden schon auf uns warten.. ja ne is klar.. Das war um 15Uhr.
Wir steigen weiter auf. Eine Traumhafe Hochebene empfängt uns. Hier gibt es nach dem übersteigen der Leiter 2 Möglichkeiten. Entweder man klettert über den Esclop drüber oder aussenrum.. Wir gehen aussenrum. Der Weg ist von hier an sehr schlecht gekennzeichnet und manchmal reichen 4 Augen nicht aus um zwischen dem Hüfthochgewachsenen Dissgras, Steinen, Palmen, Schafen und Ziegen das nächste Steinmännchen zu finden. Es wird langsam dunkel und wir haben keine Ahnung wo wir sind.. Es sieht aus wie total verlassenes Gebiet.. Vor uns eine tote Ziege.. Wir werden beobachtet. 4 Augen sind auf uns gerichtet. 2 vom Bullen und die andern 2 von seiner Frau.. Jetzt bloss nicht panisch werden.. Gut zuredend gehen wir ruhig an beiden vorbei, gruessen nett und verlieren den Weg.. Also wieder zurück.. Ola da sind wir wieder.. Ihr habt nicht zufällig ne Ahnung wo wir hin müssen oder ??? Verzweiflung macht sich breit.. Nach einiger Minuten, der Moment ist wie gefroren tritt der Stier zur Seite, wendet seinen Kopf in die andere Richtung und gibt die Sicht auf den Trampelpfad frei dem wir weiter vorsichtig weiterfolgen. Die Umgebung ist von der untergehenden Sonne in ein sanftes rot getaucht. Wunderschön.. Wir übersteigen eine weitere Leiter. Von unserem Etappenziel immer noch nichts in Sicht. Wir sind umrundet von Bergen. Das immer schwächer werdende Licht macht die Suche nach den Männchen nicht leichter.. Wir springen wie die Böcke im Schnellschritt über das Felsige Gelände bergab, dann mitten durch Urlaub über Stöcke, Steine, Bäume, Äste.. So langsam finde ich mich mit dem Gedanken ab, hier oben zu übernachten. Von weitem können wir Scheinwerfer von Autos erkennen, die sich stundenweit weg anfühlen. Handyempfang haben wir schon lange keinen mehr um evtl. die Familie der Pension zu kontaktieren dass es ein bisschen später werden kann oder vielleicht auch nicht nur ein bisschen.

Am Ende des Plateaus, es geht ringsum nur noch steil bergab und es ist stockfinster ist es dann soweit, Trotz Stirnlampe finden wir weder Männchen noch Farbklecks dass auf den richtigen Abstieg hinweist.. Ok, jetzt ganz ruhig bleiben..bloss nicht panisch werden.. was soll einem hier oben schon passieren. Wir haben Schlafsack, Jacke, Regenponcho, Wasser und sogar noch proviant im Sack..Vielleicht gesellen sich noch ein paar Schafe oder Ziegen zu uns und wärmen uns über Nacht mit ihrer Wolle.. ??!! Ok Jessi, ganz ruhig... Wir gehen zum nächsten Steinhaufen zurück und suchen von dort nochmal alles ab und siehe da.. wer suchet der findet.. Sven hat ihn.. ein sich steil in serpentinen abwärtsschlängelnder Pfad soll es sein.. Also gut, versuchen wirs.. schlimmer kanns net werden. Immer schön ein fuss vor den andern setzen..Blick nach unten gerichtet im schwachen Schein der Stirnlampe. Mittlerweile ist es 18.30h. wir haben wieder geraden Boden unter den Fuessen. Einige Meter später passieren wir auf einem Karrenweg einen Wegweiser Esporles-St.Elm.. . Wir sehen ein schwaches Licht aus dem Nix in der Dunkelheit leuchten.. Wir folgen dem Weg und treffen auf eine Art Hof.. Dankbar schwing ich mit vollem Elan den Klöppel der Türklingel. Ein Mann kommt um die Ecke zum Tor.. Ich leuchte ihm mehrere Sekunden mit meiner Stirnlampe direkt in die Augen, nichts wissend wer vor mir steht, nur glücklich das alle meine Knochen den schwierigen Abstieg in der Dunkelheit ohne erwähnenswerten Schaden überlebt haben. Abgesehen von meiner Psyche..
Einige Minuten später sitzen wir mit 2 Dosen eiskaltem Bier vor unserem Schlafraum auf der Terrassenbank und sagen nix mehr
Die Dusche ist zwar kalt, aber das ist uns heute so was von egal.. wie unwichtig einem doch auf einmal solche Dinge erscheinen und wie gut Brot und Käse schmecken als wir zusammen mit Wiebke unserer Zimmergenossin, die noch 6 Tage des Weges vor sich hat am Tisch sitzen und von unserer Tour berichten. - So schön kann leben sein.

Die Pension von Patrick und Britt ist übrigens sehr zu empfehlen. Die beiden haben sich hier ein autarkes plätzchen im Esclop Gebirge geschaffen.. Abendessen gibt es keins, auch keine Kochmöglichkeiten, dafür kaltes Wasser, mit Liebe hergerichtete Zimmer und ein grandioses Frühstück. Ses Fontanelles gehört zu Ctra. Andratx-Estellencs und liegt bei km103
Tel. 0034 971 940 941

Ses Fontanelles

Ses Fontanelles

überlebt

überlebt

Du bist hier : Startseite Europa Spanien Spanien-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Inselüberquerung ca 130km 6500hm von Pollenca - St. Elm
Details:
Aufbruch: 06.11.2017
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 13.11.2017
Reiseziele: Spanien
Der Autor
 
Jessica & Sven Winkler berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors