So war es damals in Zypern

Zypern-Reisebericht  |  Reisezeit: September 1988  |  von Inge Waehlisch Soltau

Nach Nord-Zypern

Wir hatten uns für ein paar Tage ein Mietauto genommen und fuhren am Morgen sehr früh ab von Protaras, denn wir wollten möglichst "viel vom Tag haben".
Nach zwei Stunden Fahrzeit waren wir in Nikosia und suchten dann in der Nähe des Hotels "Ledra Palace" einen Parkplatz. Danach gingen wir zu Fuss zum griechisch-zypriotischen Zoll, den wir problemlos passieren konnten. Man sagte uns nur, wir sollten vor 18 Uhr zurück sein.
Danach ging es zum türkisch-zypriotischen Grenzpunkt, wo wir etwas für ein Visum bezahlen mussten. Dann winkte man eines der bereit stehenden Taxis für uns herbei und überliessen es uns, mit dem Fahrer etwas auszuhandeln.
Mohammed ein etwas älterer Mann mit einem noch älteren Auto sprach etwas deutsch und englisch, und so vereinbarten wir mit ihm einen Festpreis für eine Route zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Nord-Zypern.
Wir wechselten nach der "grünen Grenze" noch etwas Geld, und dann ging es los.
Mohammed fuhr zuerst mit uns zum mittelalterlichen Gebirgskastell St. Hilarion.
Das Kasell liegt auf einem steilen Kalkfelsen mit einer phantastischen Sicht auf Kyrenia und das Meer.
Dieser Bau wurde unter schwierigsten topographischen Bedingungen durchgeführt.
Um den Verfall etwas aufzuhalten wurden die mittelalterlichen Ruinen abgestützt und konserviert aber nicht rekonstruiert.
St. Hilarion ist gut mit dem Auto zu erreichen, Mohammed wartete auf einem Parkplatz im Auto, und wir kletterten hinauf.
Nachdem hier nur ein kleines Kloster war, welches um 1100 aufgelöst wurde, wurde das Gelände anschliessend mit Wehranlagen befestigt. Diese´waren allerdings kein Hinderungsgrund für Richard Löwenherz, der im Jahr 1191 u.a. auch St. Hilarion einnahm. Der Besitzer wechselte im Laufe der Jahrhunderte ständig, bis nach dem Schleifen der Festung durch die Venezianer die Burg allmählich in Vergessenheit geriet.
Am Südhang sieht man noch die Burgmauer aus byzantinischer Zeit, die Fundamente anderer alter Bauten sind verborgen zwischen Felsbrocken und Gestrüpp.
Um die obere Ebene mit weiteren Gebäuderesten zu sehen, muss man in Höhe der Zisterne einen beschwerlichen Aufsieg machen. Der ehemalige Burghof ist dicht bewachsen mit Wacholdersträuchern und Schwarzkiefern.
Es war ganz schön anstrengend bei der Hitze, zumal Mohammed uns eine Zeitvorgabe mit auf den Weg gegeben hatte.
Aber der Blick von oben war wirklich einmalig.

St. Hilarion

St. Hilarion

Blick von St. Hilarion auf Kyrenia

Blick von St. Hilarion auf Kyrenia

Weiter ging es nach Kyrenia (auf türkisch Girne). Das malerische Städtchen liegt an einer schönen Hafenbucht und ist von Olivenhainen und Johannisbrotböumen umgeben. Hinter dem Ort ragen die Kyrenia-Berge auf.
Vor der Teilung der Insel war Kyrena sehr beliebt vor allem bei englischen Touristen.
Im Altertum und im Mittelmeer war der Hafen wichtig als Kriegs- und Handelsplatz. Es wurde dann aber während Jahrhunderten beschaulich. Nach der türkischen Invasion 1974 wurde der Ort nur noch von Fährschiffen, Segel- und Fischerbooten angelaufen.
Eine Sehenswürdigkeit ist die Zitadelle, die wir besichtigten. Sie gehört zu den ältesten und besterhaltensten Festungsanlagen auf der Insel. Nachdem das Kastell im 10. Jahrhundert von den Byzantinern gegründet wurde, wurde es später immer weiter ausgebaut, vor allem unter der Herrschaft der Venezianer.
Man kann die Georgskapelle, die königlichen Wohnräume, sowie die Bastionen und Verliese besichtigen.
Wir hatten auch noch Zeit, das Schiffswrackmuseum zu besichtigen mit dem einmaligen Ausstellungsstücks eines reich beladenen Handelsschiffs aus der Zeit von Alexander dem Grossen, das etwa 300 v.Chr. sank und mit samt seiner Ladung fast vollständig erhalten ist.

Kyrenia

Kyrenia

Zitadelle

Zitadelle

Weiter ging es zur in der Nähe gelegenen Klosterruine Bellapais, ein beliebtes Ausflugsziel in Nordzypern. Die Abtei wurde im 13. Jahrhundert von Augustinermönchen gegründet, im 14. Jahrhundert weiter ausgebaut von Pränonstrtensern und zuerst von katholischen Genuesern und dann von türkschen Eroberern zerstört.
Die Dorfbewohner nutzten die Ruine als Steinbruch zum Bau für ihre Häuser. Inzwischen wurde die Abtei restauriert, und es finden hier kulturelle Veranstaltungen statt.
Zwischen den Bogenruinen wurden hochwachsende Zypressen gepflanzt. Das Klosterareal umfasst eine Kirche mit Glockenturm, ein Refektorium, ein Dormitorium und Lagerräume.
Von hier aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf die hügelige Landschaft bis hin zum Meer.
Anschliessend fuhr Mohammed mit uns zu einem nahe gelegenen Restaurant, wo wir gut und günstig essen konnten. Er freute sich sehr, dass wir ihn zum Essen einluden.

Klosterruine Bellapais

Klosterruine Bellapais

Nach dem Essen ging es weiter zum Barnabas-Kloster. Der Apostel Barnabas ist der Schutzheilige von Zypern und der Begründer der orthodoxen Kirche. Er wurde in Salamis als Sohn jüdischer Eltern geboren und nach seiner Erziehung in Jerusalem ein Anhänger von Jesus. Im Jahr 45 kehrte er mit dem Apostel Paulus für lurze Zeit nach Zypern zurück. Später kam Barnabas erneut nach Zypern, diesmal in Begleitung des Apostels Markus. Er gründete die erste Christengemeinde, wurde Bischof von Salamis und starb den Märthyrertod, als syrische Juden ihn steinigten und auf einem Scheiterhaufen verbrannten.
Die Entdeckung der Gebeine von Barnabas führte im 5. Jahrhundert zur Gründung dieses Klosters.
Dies alles erzählte uns Mohammed, der uns nicht nur chauffierte sondern auch ein recht gutes Wissen über die nordzyprischen Sehenswürdigkeiten und ihre Geschichte verfügte.

Kloster Barnabas

Kloster Barnabas

Kloster Barnabas

Kloster Barnabas

Anschliessend ging es nach Salamis, diese legendäre Stadt wurde um das Jahr 1184 v.Chr. gegründet, und mit dem natürlichen Hafen war sie für zwei Jahrtausende wichtigster Handelsplatz der Insel. Zur Blütezeit hatte Salamis rund 100.000 Einwohner.
Mehrere Erdbeben in der Zeit von 33 bis 333 n.Chr. richteten schwere Schäden an, aber vollkommen zerstört wurde die Stadt dann im Jahr 647 n.Chr. durch arabische Invasoren. Für die Einwohner der umliegenden Gegend wurde die Ruinenstätte dann ein beliebter Steinbruch.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Salamis wieder entdeckt und zum Teil freigelegt. Der grösste Teil liegt aber noch verborgen unter dem Sand der mit Akazien, Pinien und Zypressen bewachsenen Fläche.
Die bemerkenwertesten Funde waren ein Gymasium sowie die römischen Bäder. Es sind auch noch Reste des Aquädukts zu sehen, der einmal 60 km lang war.
Freigelegt wurde das antike Theater, mit Plätzen für 20.000 Zuschauer eines der grössten im Mittelmeerraum. Hier finden im Sommer Aufführungen statt.

In Salamis

In Salamis

Die letzte Destination unser Tagesrundfahrt war Famagusta. Vor der Teilung der Insel war die Stadt nicht nur ein wichtiger Hafen sondern mit dem schönen langen Sandstrand auch eine beliebte Feriendestination.
Die ganze Stadt machte einen verlassenen Eindruck, dazu war die Neustadt direkt am Meer mit dengrossen Hotelbauten eingezäunt und von Militär bewacht. Man durfte dort auch nicht fotografieren. Ich hätte gern festgehalten, wie trostlos dieser Anblick war...
Sehenswert sind immer noch die Festungsmauer um einen Teil der Altstadt und die Zitadelle am Hafen aus dem 14. Jahrhundert.
Etwas verdeckt konnte ich von weitem ein Foto machen von der ehemaligen Kathedrale St. Nikolaus, die von 1298 bis 1312 erbaut wurde. Bereits 1571 begann die Umwandlung des christlichen Gotteshauses in einen Versammlungsort der Muslime. Alle Skulpturen und Abbildungen auf Fresken und die Einrichtung wurden fortgeschafft. Teppiche bedeckten dann den Boden, und die Böden, Wände und Säulen wurden kalkweiss angestrichen.
Aus der Kathedrale wurde dann die Lala-Mustafa-Moschee.
Es war nicht nur traurig zu sehen, dass diese einstmals prächtige gotische Kirche schon vor langer Zeit in eine Moschee umgewandelt wurde, und sondern auch in welchem vernachlässigten Zustand fs,söd vor allem das Innnere war.

Famagusta

Famagusta

Ehemalige St. Nicholas Kirche

Ehemalige St. Nicholas Kirche

Von Famagusta ging es dann zurück in den türkischen Teil von Nikosia. Wir bezahlten Mohammed und bedankten uns für seine viele Informationen. Aber wir waren auch froh, dass wir die Tour mit dem alten Auto gut überstanden hatten. Denn die Bremsen haben eindeutig nicht mehr richtig funktioniert. Das merkte man daran, dass Mohammed beim Parken möglichst immer seitwärts gegen einen Randstein o.ä. fuhr.
Wir suchten noch kurz die Markthalle Bandabuliya auf und kauften ein paar Kleinigkeiten.
Problemlos - und rechtzeitig vor 18 Uhr - gelangten wir wieder in den griechisch-zypriotischen Teil von Nikosia.
Es war schon zu spät sich länger dort aufzuhalten, aber das holten wir dann im nächsten Jahr nach.

In unserem Hotel war man sehr gespannt über unsere Eindrücke von diesem Trip, denn es gab einige Angestellte, die aus dem Norden stammten. Und sie hatten Tränen in den Augen, vor allem ein junger Mann an der Rezeption, der in Kyrenia geboren war. Es war ihnen leider nicht gestattet, wenigstens mal - wie wir - für einen Tag in die ehemalige Heimat zu kommen...

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Protaras - Paphos - Nikosia - Im Norden der Republik Zypern - Nord-Zypern sowie Schiffsausflüge nach Israel und Ägypten
Details:
Aufbruch: 02.09.1988
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 30.09.1988
Reiseziele: Zypern
Israel
Ägypten
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 13 Monaten auf umdiewelt.