Karibikkreuzfahrt unter vollen Segeln

Martinique-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar / Februar 2007  |  von Manfred Sürig

Autorundfahrt durch Süd-Martinique

Montag, 22.Januar 2007
Den ersten Tag im subtropischen Klima wollen wir nicht gleich in der prallen Sonne segeln, Martinique hat viele Überraschungen für uns bereit, die wir mit dem Mietauto erkunden können: die trockene Südspitze der Insel mit sandigen Badestränden, einen Teil der Ostküste, den wir hoch oben von der Kurve der Landstraße aus übersehen können und dabei zwar weitere schöne Buchten, aber auch Brandung auf den Riffen davor entdecken können. Schließlich bunte Märkte mit verschiedensten Gewürzen und jeder Menge an Rum und Mixgetränken. Und da hier mit Euro bezahlt wird, drohen wir schon in einen ersten Konsumrausch mit anschließender Kostprobe zu verfallen. Zum Mittag bescheiden wir uns in einer französischen Bäckerei mit leckeren Sandwiches, die die Chefin mit Gelassenheit in zwanzig Minuten frisch für uns zubereitet. Hektik ist hier absolut unerwünscht, der Skipper hatte recht mit seiner Empfehlung, allenfalls die Südhälfte der Insel abzufahren, für die 150 km würden wir den ganzen Tag benötigen. Und doch überrascht uns die Vielfalt auf so engem Raum: an der Ostseite führt die Straße über steile Berghänge mit 20 % und mehr Gefälle/Steigung in kleine Badeorte an Hängen mit üppiger Vegetation und darin versteckten Ferienhäusern. Nach der notwendigen Getränkepause an der Grande Anse reicht es dann gerade noch zu kleinen Fotostops an markanten Höhepunkten: An der Küste vor einer winzigen Vulkaninsel, von der aus man mal die Insel verteidigt hat oder auf die man später Sträflinge verbannt hatte. Und an der Hauptverkehrsstraße dürfen wir eine Rumdestille nicht auslassen. Sie arbeitet zwar im Moment nicht, weil keine Erntekampagne ist, aber in den fein rausgeputzen Empfangsräumen wird der Rum an die Touristen zu Höchstpreisen verscherbelt. Agrar-Rum aus Martinique soll sich von allen anderen Rums der Karibik unterscheiden. Wir sehen klar den Unterschied im Preis und bleiben (noch) bescheiden.

Kaum sind wir an Bord, bewirtet AnnMarie uns mit einem reichlichen guten Essen und Sigi hat den Tag zum Bunkern von 60 von uns georderten Flaschen Rotwein "Cabernet Sauvignon", einem soliden Polster an Bierdosenpaletten und feinsten frz. Camemberts und sonstigen Überraschungen genutzt. Mit einer leicht beschwingten Bettschwere finden wir in unsere Kojen und selbst unser gegenseitiges Schnarchen stört uns nicht.

Dienstag, 23.Januar 2007

Mein Wecker hat sich nicht abstellen lassen und ist auf 6.40 Uhr programmiert. Eigentlich die richtige Zeit zum Aufstehen kurz vor Sonnenaufgang. Aber Wolfgang will sich keinem Streß aussetzen. So stehe ich erst mal allein auf und sofort ist Sigi an Deck, um mich mit der Bordtechnik vertraut zu machen als ich ihm sage, dass ich am liebsten ein Bad außenbords nehmen würde. Zwei kurze Griffe an der Winschkurbel und schon senkt sich lautlos die Badeplattform am Heck herab. Eine geniale Konstruktion, die nach Sigis Entwürfen in St. Marten gebaut wurde: Badeplattform, Badeleiter, Davitt fürs Schlauchboot und Halter für die Solarpaneele in einem, außerdem kann man über eine Rolle auch noch einhand den Außenbordmotor des Dinghys hochziehen, wenn man mal einen längeren Törn über bewegte See macht. So ein Törn steht heute an, also lernen wir die Bortdroutine gleich am ersten Tag kennen, und so sieht sie aus:
Wer als erster wach wird, läßt die Badeplattform möglichst leise ab (ich schaffe das nicht geräuschlos und sorge auf diese Weise dafür, dass alle gleichzeitig aufstehen) und sich in die See stürzen, Morgentoilette im Adamskostüm als Vollbad. Anschließend steigt man nach einigem Schwimmgenuß, bei dem sich die Entsorgung meist von selbst einstellt, wieder auf die Badeplattform, wo schon ein Schlauch mit warmem Süßwasser zum Abspülen des Salzes von der Haut bereithängt. Nach dem Abtrocknen hat AnnMarie den Frühstückstisch gedeckt, der einem Frühstücksbuffet im Hotel in nichts nachsteht. Um neun wird die Kurzwelle angeschaltet, um auf Schweizerdeutsch Hugos Wetterbericht zu hören. Hugo liegt irgendwo in der Karibik auf seiner 55 Fuß-Yacht unter Antiguaflagge und nutzt seine ausgefeilte Bordtechnik zum Empfang von Wetterkarten und seine starke Sendeanlage, um seine Interpretation der Wetterlage allen deutschsprachigen Seglern in der Karibik bekanntzugeben. Anschließend holt er sich brandaktuelle Stationsmeldungen von Seglern, die sich gerade in Puerto Rico, auf Kuba oder Jamaika oder auch in Venezuela, Trinidad oder Curacao ebenso wie in Martinique, den Grenadinen oder in St.Marten aufhalten können.
Fast alle berichten von östlichen Winden zwischen 18 und 12 Knoten und einigen wenigen Schauern, es ergibt sich ein anschauliches Bild des Wetters um 9 Uhr morgens. Sigi weiß, dass über Mittag der Wind schon mal zulegen kann, ganz besonders an den Nord- oder Südspitzen der Inseln, und so läßt er im Großsegel ein Reff, um auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein, wenn es dicker kommen sollte.

Die Badeplattform hochgeklappt..

Die Badeplattform hochgeklappt..

.....und runtergelassen zum Baden

.....und runtergelassen zum Baden

© Manfred Sürig, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach 7 Jahren mal wieder zum Segeln in die Karibik, mitten im hiesigen Winter. Es sollte eine Traumreise werden, und dieses Mal wurden alle Erwartungen erfüllt und übertroffen dank der Umsicht, Toleranz und liebevollen Bewirtung durch des Eignerehepaar der AMBASSADOR.
Details:
Aufbruch: 21.01.2007
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 14.02.2007
Reiseziele: Martinique
St. Lucia
St. Vincent und die Grenadien
Grenada
Trinidad und Tobago
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.