Zwischen Pauschalurlaub und Expedition. Was ist Erlebnisreise?
Das Angebot auf dem Reisemarkt liegt zwischen diesen beiden Polen: Auf der einen Seite stehen die Standardangebote, die Pauschalreise mit festen Zeiten und klaren Abläufen. Auf der anderen Seite gibt es die Expedition mit Individualreisen, bei denen immer wieder Neues auf einen zukommt und viel Eigenverantwortung gefragt ist. Erlebnisreisen liegen dazwischen. Sie kombinieren ein Gerüst mit vielen eigenen Aktivitäten und Eindrücken.
Abgrenzung: Studienreise vs. Aktivreise vs. Erlebnisreise
Im Bildungskontext wird unter Studienreise eine Reiseform verstanden, die der Vertiefung bestimmter Kenntnisse dient. Thematisch gegliederte Tage, fachkundige Reiseleitung, ausgewiesene Schwerpunkte auf Kultur, Geschichte oder Naturwissenschaften zeichnen sie aus, oft mit hohem Informationsgehalt und planbaren Programmpunkten.
Aktivreisen dagegen rücken die körperliche Betätigung in den Vordergrund. Ein Glossar beschreibt die Aktivreise als Urlaubsform, bei der sportliche Aktivitäten wie Wandern, Radfahren, Klettern, Wassersport oder Yoga im Mittelpunkt stehen. Ihr Ziel ist nicht in erster Linie das passive Erholen, sondern die Kombination von Bewegung, Naturerlebnis und persönlicher Herausforderung.
Erlebnisreisen greifen Elemente beider Formen auf, ohne sich in erster Linie bildungs- oder sportorientiert zu zeigen. Die Anbieter dieser Reisen verbinden geführte Einblicke in Kultur und Natur mit aktiven Elementen und Freiraum für spontane Begegnungen. In der Praxis sind es Kleingruppen, lokale Guides und Programme mit unterschiedlichen Intensitäten, die eine Rolle spielen. Erlebnisreisen mit Vivido Travel oder anderen Anbietern stellen diese Reisen sehr oft so zusammen, dass sie zwischen klassischer Rundreise und reiner Aktivreise schwanken und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade anbieten.
Typische Bausteine einer Erlebnisreise
Erlebnisreisen haben einige Strukturmerkmale gemeinsam. Sie werden in der Regel in Kleingruppen von 8 bis 16 Teilnehmenden durchgeführt, was einerseits einen Austausch untereinander möglich und andererseits Anpassungen vor Ort flexibel macht.
Programmbausteine sind oft so angelegt, dass sie verschiedene Ebenen verbinden:
- Aktivitäten wie moderate Wanderungen, Radtouren oder Bootsfahrten
- Besuche bei lokalen Produzenten, Initiativen oder Familien
- geführte Rundgänge durch Städte, Naturparks oder historische Stätten • Zeitfenster für eigene Erkundungen oder individuelle Pausen
Im Gegensatz zur klassischen Rundreise, die in kurzer Abfolge mehrere Sehenswürdigkeiten ansteuert, wird bei Erlebnisreisen stärkere Verdichtung angestrebt. Statt zehn Orte in zehn Tagen anzufahren, werden weniger Stationen gewählt, die dafür umso intensiver von verschiedenen Seiten erlebt werden. Damit wächst die Chance auf echte Begegnungen und auf ein tieferes Verstehen lokalgeschichtlicher Zusammenhänge.
Rolle von Sicherheit, Nachhaltigkeit und lokaler Wertschöpfung
Mit dem Aufschwung der Erlebnis- und Adventure‑Reisen wird das Problem Sicherheit und Nachhaltigkeit stärker thematisiert werden müssen. Aus Marktberichten ist zu erfahren, dass ein Teil der Nachfrage aus Regionen mit akzeptabler touristischer Infrastruktur kommt, die Zielgebiete häufig aber in Ländern liegen, die über sensible Ökosysteme und begrenzte touristische Kapazitäten verfügen.
Reiseveranstalter, die sich in diesem Segment bewegen, werden merken, dass sie solche Vorgaben mehr und mehr in ihre Produktgestaltung einbeziehen müssen. Dazu gehört die Wahl von Unterkünften in einheimischer Hand, die Einbeziehung von Projekten wie Gemeindetourismus oder Schutzgebieten und die Verständigung über Anforderungen, Risiken und alles, was der Reisende mitbringen muss.
Wer eine Reiseform zwischen Pauschalurlaub und Expedition sucht, kann sich an einigen Leitfragen orientieren. Welchen Körperlichkeitsgrad möchte man, wie wichtig ist einem vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit Kultur und Geschichte, wie viel Eigenverantwortung verlangt man sich hinsichtlich Organisation und Durchführung.
Erlebnisreisen sind für Reisende konzipiert, die einerseits großen Wert auf Komfort und Planbarkeit legen, andererseits aber bereit sind, geplante Programme mit aktiver Mitwirkung und offenen Begegnungen zu würzen. Die Mischung aus vorgegebener Route, kundiger Reiseleitung und Freiraum für individuelle Eindrücke macht diese Form für viele zur goldenen Mitte zwischen vollorganisierter Pauschalreise und selbstentworfener Tour mit Expeditionscharakter.