Snapshots of India

Reisezeit: Januar / Februar 2005  |  von Timmi from Hawaii

Auf nach Pushkar!

Also bin ich mittags nach Pushkar abgereist. Ein besonderes Vergnügen, weil ich morgens meinen Magen ausgerechnet mit einer Orangenlimonade aus der Büchse überstrapaziert hatte, mich ein wenig in Magenkrämpfen wand und mich fragte, ob dieser Bus mit dem ich da fuhr eigentlich einen normalen Bus-Motor oder vielleicht nur einen Hilfsmotor von einem Rasenmäher hatte. Denn wir kamen überhaupt nicht vorwärts, trotz autobahnartiger Strasse, trotz guter Sicht, trotz dem Willen des 12-Jährigen Busfahrers, uns alle ums Leben zu bringen. Es waren nicht mal Tiere auf der Strasse. Aber nee, der Bus wollte nicht schneller als 30 fahren (und bis wir auf diese Höchstgeschwindigkeit beschleunigt hatten, dauerte es jedes mal 5 Minuten!)

Dann hatten wir plötzlich einen Platten und fuhren gar nicht mehr. Idealerweise befanden wir uns in diesem Moment auf der Überholspur der Gegenfahrbahn. Keine Ahnung wie wir dort hingeraten konnten, aber dort standen wir nun, mitten in der Wüste auf dem Mittelstreifen einer Autobahn und ich krümmte mich vor Magenschmerzen über die rostige Mittelleitplanke.

Der ideale Ort für einen Reifenwechsel 
(Man beachte: In Indien fährt man links)

Der ideale Ort für einen Reifenwechsel
(Man beachte: In Indien fährt man links)

Es war ein wahres Wunder mit welchen Mitteln die da nun begannen ihren Bus zu reparieren zwischen dem ausweichendem, wild hupenden Gegenverkehr. Nach einer Stunde ging es weiter obwohl ich schon dachte, das wird nix mehr, es stellte sich nämlich heraus dass das Ersatzrad viel zu gross war. Aber dass störte niemanden. Was nicht passt wird passend gemacht und so beschleunigten wir erneut in bedenklicher Schieflage auf unsere höllischen 30 Stundenkilometer. Und wir kamen sogar noch vor Sonnenuntergang in Pushkar an!

Om!

Pushkar, ein wahnsinnig heiliger Ort mit heiligem See und heiligen Ghats (diese Stufen zum Baden) und jeder Menge heiligen Leuten. Auch ganz viele heilige Touristen. Alle zugekifft, grinsend und vermeintlich so angezogen wie die Inder. Mit gebatikten Saris und Pumphosen und so. Eine Mischung aus Khao-San Road und Kreuzberg. Genau meine Kragenweite!

Aber Pushkar ist irgendwie ein gemütlicher Ort. Es ist dort so, wie Indien immer im Fernsehen aussieht. Mit See, Tempeln und ein paar Hügeln aussen rum. In der Luft liegt ein beruhigendes Ommmmmm! Staubige, verwinkelte Gassen mit Basaren, allerhand Tiere und ein unbeschreiblich schönes Sonnenlicht, dass sogar die Schatten in unbekannte Farben taucht. Es ist unglaublich gemütlich hier im Vergleich zu den stinkenden Millionenstädten in denen ich mich die letzte Woche herumgetrieben hab. Ich blieb ich für die nächsten fünf Tage und kurierte meinen Magen aus.

Welcome to stay

Eine Woche hatte ich mit niemandem deutsch gesprochen und nun hatte ich in meiner neuen Unterkunft einen Nachbarn mit dem ich das ausgiebig tun konnte. Denn Christian, ein wirklich uriger Oberbayer, hatte ganz schön viel zu erzählen. Er war sparsamer als jeder Schwabe. Vielleicht wird man so, wenn man jahrelang mit dem Fahrrad durch Afrika und Südamerika fährt. Vier Monate Indien schob er eben mal so zwischen zwei Touren rein. Und weil er so sparsam war, wohnte er im Zimmer neben mir, denn unsere Guesthouse war sicherlich eines der günstigsten in ganz Pushkar. Aber auch eines der charmantesten. Es befand sich in der Altstadt neben einem kleinen Tempel und unser Vermieter war Brahmane, das Haus deshalb lila. (ja, so ist das.) Ich hatte es rein zufällig gefunden, weil es mir gefiel und ich spontan durch den Vorhang ging, der offensichtlich der Eingang war. Man kam zunächst in einen kleinen Garten mit Palmen und rechts und links jeweils zwei kleinen Zimmern. Oben drüber gab es noch eine Galerie mit weiteren Zimmern und einer Dachterrasse mit Affen wo jeden Tag die Sonne schien. Mein Zimmer war so schlicht, dass es nicht mal Möbel gab. Alles war weiss und lila gekalkter Stein und in einer Ecke gab's eine Matte zum Schlafen. An der Decke eine nackte Glühbirne. Ich fand es - wirklich! - perfekt.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die versammelten Berichte eines planlosen Reisenden, der am Ende von Indien nichts Neues findet. Nur sich selbst.
Details:
Aufbruch: 21.01.2005
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 22.02.2005
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Timmi from Hawaii berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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