Südindien - Kerala Oktober 2015

Reisezeit: September / Oktober 2015  |  von max kistler

kleine Tour durch "gods own country", wie die Bewohner ihren indischen Bundesstaat stolz nennen.

Ankunft in Kochi

warum Kerala?

Im Herbst hatten wir 14 Tage Zeit für eine kleine Reise.
Kerala ist uns empfohlen worden als Einstieg in das "incredible India", das ja als Reiseland nicht immer einfach sein soll. Kerala ist einer der reichsten und am besten entwickelten Bundesstaaten in Indien. Das liegt vielleicht daran, dass dort seit 1957 die indische Kongresspartei und die kommunistische Partei abwechselnd die Wahl gewinnen und die Regierung stellen?
Kerala ist grün, denn an der Bergkette der Western Ghats stauen sich die Wolken des indischen Ozeans und sorgen für reichliche Regenfälle. Dieser Wasserüberfluss führt zu den weltweit einzigartigen "backwaters", einem System von Kanälen und Lagunen, das sich über mehr als 200km parallel zur Küste erstreckt und den Verkehr mit Booten einfacher macht als den Landweg. An den Berghängen des Hinterlandes ziehen sich riesige Teeplantagen in die Höhe, unterbrochen von Gewürzgärten, in denen all das wächst, was wir für unsere Weihnachtsbäckerei brauchen und was den Reichtum der indischen Küche ausmacht.
An der Küste gibt es endlose Sandstrände, die genau so schön sind wie die in Goa, aber nur zum Teil touristisch erschlossen sind.
Und all das wollen wir uns ansehen.

Kerala ist tropisch grün und wird oft von der KP regiert

Kerala ist tropisch grün und wird oft von der KP regiert

Strand am Nationalfeiertag

Strand am Nationalfeiertag

Famlie in den Backwaters

Famlie in den Backwaters

Kochi - Weltkulturerbe und sehr lässig

Der Anflug auf Kerala war erstaunlich. Das Flugzeug schwenkt über der Küste ein und unter uns sieht es aus wie im Allgäu. Alles grün, Hügel, Wälder und Wiesen, gesprenkelt mit roten Ziegeldächern. Später zeigt sich, dass die Wälder Palmenhaine und die Wiesen Reisfelder sind. Der Mensch sieht halt nur, was er kennt. Der Flughafen ist übersichtlich, wir wechseln Geld und warten auf die vom Guesthouse versprochene Abholung. Die kommt nicht und so organisieren wir uns ein Taxi. Tickets nach Fort Kochi, der alten Stadt, gibt es zum Festpreis.
Im Guesthouse Christville Homestay große Aufregung, sie hatten uns einfach vergessen. Das Zimmer ist billig, sauber und schlicht und reicht uns für die beiden Übernachtungen.

per Wlan direkter Draht nach oben

per Wlan direkter Draht nach oben

Wir machen uns auf, ein wenig unsere Umgebung zu erkunden. Nicht das erste Mal in Asien, aber das erste Mal in Indien. Und Fort Kochi verblüfft uns: die uralte Stadt liegt auf einer Halbinsel vor der Küste und ist keine dieser gesichtslosen asiatischen Städte, in denen man vor Werbeschildern keine Häuser mehr sieht. Die Strassen sind sauber, der Verkehr chaotisch aber entspannt, Fußgänger werden nicht gejagt, sondern vorbeigewunken, und es sind weniger Bettler zu sehen als in einer deutschen Stadt.

Wir bummeln ohne großen Plan durch die Strassen und stossen eher zufällig auf manche Sehenswürdigkeiten.

Eine große Promenade führt an der Küstenlinie entlang, sie ist für Familien und indische Touristen ein beliebtes Ziel an diesem Sonntag. Die "chinesischen Netze" sind in Betrieb und eine große Attraktion, auch wenn die Fischer meistens nur eine Handvoll kleiner Barsche im riesigen Netz haben.

Es wird früh dunkel und auf der Suche nach einem Restaurant erwischt uns der erste tropische Regenguss. Es bleibt warm, aber wir sind in Minuten durchnässt, trotz Regenschirm, den uns die freundliche Gastgeberin geliehen hat. Da kaunm noch jemand auf der Strasse ist und auch keine Rikschas mehr fahren, eilen wir zurück und fallen, erschöpft von Nachtflug und Jetlag, nur noch ins Bett.

Am nächsten Morgen wartet die Gastgeberin im Wohnzimmer im Erdgeschoss schon mit dem Frühstück auf uns: "European breakfast or Keralien breakfast?"
Zuerst einmal eine Tasse Chai - die lokale Teezubereitung mit Milch, Zucker und Kardamon, die so oft von der einen in die andere Tasse geschüttet wird, bis sie schäumt. Neuguierig bestelle ich ein "keralien breakfast" und bin dann von vier Chapatis, gefüllt mit einem Kartoffel-Curry, völlig überfordert. Das wäre die Portion für einen Schwerarbeiter.

Wir brechen auf, um die Stadt weiter zu Fuss zu erkunden. Es hat etwa 30° und es ist leicht bewölkt, ein leichter Wind, soweit alles ganz angenehm. Wenn wir schon am Meer sind, dann wollen wir auch den Strand sehen. Wir folgen den Wegweisern, stellen fest, dass man in jedem zweiten Haus ein Zimmer mieten kann, freuen uns über manche Absurdität und dann ist die Überraschung groß.

Interessante Verbote: in Kerala herrscht Prohibition

Interessante Verbote: in Kerala herrscht Prohibition

Der Strand ist breit und groß und weitgehend menschenleer.

Der Strand ist breit und groß und weitgehend menschenleer.

Klar, es ist Montag, ein normaler Arbeitstag, aber auch am Sonntag ist der Strand mehr ein Platz zum Spazierengehen als zum Sonnenbaden und Schwimmen. Die meisten Menschen können nicht schwimmen und da die Inder mehr als prüde sind, kommen Badehose und Bikini nicht in Frage.
Das bleibt uns "Westlern" reserviert und ist hier überhaupt nicht angesagt.
Also: zurück in die Stadt, die viele ganz erstaunliche Entdeckungen zu bieten hat.

Bäume, auf denen Pflanzen wachsen

Bäume, auf denen Pflanzen wachsen

freundliche Strassenlokale unter Bäumen, auf denen Pflanzen wachsen

freundliche Strassenlokale unter Bäumen, auf denen Pflanzen wachsen

kleine Büros unter Bäumen, auf denen Pflanzen wachsen (mit Parkverbot!)

kleine Büros unter Bäumen, auf denen Pflanzen wachsen (mit Parkverbot!)

Die Menschen, denen wir begegnen, sind freundlich und jedes Lächeln kommt dutzendfach zu uns zurück.

Die Menschen, denen wir begegnen, sind freundlich und jedes Lächeln kommt dutzendfach zu uns zurück.

Die Verständigung ist nicht immer einfach, denn viele Menschen sprechen kein oder nur rudimentäres Englisch und wir können auf Malayalam, der Sprache von Kerala, nur die wichtigsten Worte:
guten Tag = "namaskaaram", einfacher geht "hello", "danke" heißt "nanni", besser gleich zweimal, also "nanni nanni". Wichtig ist auch "nein danke" = "illa nanni" und schon ist der nervige Rikschafahrer fassungslos. "Schémike" ist immer hilfreich, es meint "sorry" bzw "entschuldigen Sie".

Übrigens, "Indisch" gibt es nicht, die 29 Bundesstaaten haben 23 anerkannte Amtssprachen, Hindi und Englisch sind am verbreitesten. Hier sprechen die Leute Malayalam mit einem unglaublich rollenden "R", ein Spaß für Bayern, aber schon ein paar Worte sind schwer zu merken.

Wir finden eine lange Strasse, die Fort Kochi von der West- bis zur Ostseite durchschneidet und machen uns auf den Weg zur Lagune und dem ehemaligen jüdischen Viertel, einer weiteren Sehenswürdigkeit. Dabei gehen wir unserer Lieblingsbeschäftigung nach: mit großen Augen bestaunen, dass die Welt woanders doch so ganz anders funktioniert. Und wenn wir fotografieren wollen, bitten wir: "tschiri, tschiri !!" was so viel heißt wie "bitte lächeln" und es funktioniert!

ja klar, in Indien laufen die heiligen Kühe auf der Strasse. 
Und im Restaurant gibt es würziges beef-curry.

ja klar, in Indien laufen die heiligen Kühe auf der Strasse.
Und im Restaurant gibt es würziges beef-curry.

Die ganze Folklore in einem Bild: Indien

Die ganze Folklore in einem Bild: Indien

Normal, das dritte Kind hätte auch noch Platz.

Normal, das dritte Kind hätte auch noch Platz.

es gibt moderne Supermärkte.....

es gibt moderne Supermärkte.....

.........und klasssischen Einzelhandel in der dritten Generation.

.........und klasssischen Einzelhandel in der dritten Generation.

Brotfladen werden auf der Strasse gewalkt

Brotfladen werden auf der Strasse gewalkt

und das ist sowas wie der Schulbus.

und das ist sowas wie der Schulbus.

Damit wir nicht verhungern, kaufen wir für 30 Cent eine große Tüte Maniok-Chips. Frisch frittiert, fettig, kross und nahrhaft.

Damit wir nicht verhungern, kaufen wir für 30 Cent eine große Tüte Maniok-Chips. Frisch frittiert, fettig, kross und nahrhaft.

Ein Bild für Spezialisten: Lochkarten-gesteuerter Webstuhl für sehr feine Dhotis ( die Männerröcke). Baujahr 1910 !

Ein Bild für Spezialisten: Lochkarten-gesteuerter Webstuhl für sehr feine Dhotis ( die Männerröcke). Baujahr 1910 !

Auch in dieses Geschäft und die Weberei dahinter wurden wir freundlich hereingebeten. Sicher in der Hoffnung, dass wir etwas kaufen. Aber als wir klar gemacht hatten, dass wir diese extrem feinen Baumwollstoffe bewundern, aber in Europa Männer nicht im Rock herumlaufen können, war das Gelächter groß und wir wurden einfach weiter mit großer Freundlichkeit durch die Werkstatt geführt. Ähnlich war es auch in der am Nachmittag fast leeren Schule, in die wir uns neugierig einfach über den Hof eingeschlichen haben. Das Hallo bei den Kindern war groß und die Lehrerin, statt zu schimpfen, trieb die Kinder zusammen, damit sie uns ein Lied vorsingen. In Bayern nur schwer vorstellbar.

Nachsitzen?

Nachsitzen?

Klassenzimmer in der kleinen Privatschule

Klassenzimmer in der kleinen Privatschule

Sollte sich dennoch ein Tourist in dieser fremden Welt nicht sicher fühlen, so hilft die Touristenpolizei so gut sie kann. Es sollte nur kein Auto dazu benötigt werden. Aber es könnte auch bedeuten, dass die Touristenpolizei hier einfach so wenig zu tun hat, dass das Auto nie fahren musste.

to serve and protect

to serve and protect

Es war schon später Nachmittag, die Füsse waren müde und die Augen übervoll und wieder einmal hatten wir die touristischen Highlights dieses Ortes verpasst. Für den Rückweg in das Homestay erwischen wir dann die einzige weibliche Rikschafahrerin von Fort Kochi. Wir waren stolz auf sie!

Am Abend waren wir noch in einem "angesagten" Lokal essen. War nix Besonderes. Freundlicherweise fing der Platzregen an, als wir schon saßen und hörte auf, als wir gehen wollten. Am nächsten Morgen verließen wir unsere wirklich sehr freundliche Gastfamilie und fuhren, luxuriös, per Taxi für € 35.-die 80km zum Sozialprojekt BASIS.

unsere Gastgeber in Kochi

unsere Gastgeber in Kochi

© max kistler, 2015
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 26.09.2015
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 09.10.2015
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
max kistler berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.