Eritrea-Reisebericht :Eritrea 2010

Eritrea? Die Blicke des Gesprächspartners verraten eine Mischung aus Unverständnis und Sprachlosigkeit.
Ist das da bei….na, da wo die alle hungern?

Intro

Warum nach Eritrea ?

In der Tat. Das Wissen in unseren Breiten über dieses Land ist eher begrenzt.
Die Leute die dann doch etwas über dieses Land wissen, können meist nur mit Negativfakten aufwarten.
Das hat einen einfachen Grund. Wenn Eritrea in der europäischen Presse auftaucht dann mehrheitlich mit Statistiken, die belegen sollen, dass dieses Land nicht unseren demokratischen und sozialen Maßstäben entspricht.
So zählten die Reporter ohne Grenzen (ROG) in der "Rangliste der Pressefreiheit 2010", Eritrea zu der Gruppe der zehn repressivsten Länder der Erde.
Eritrea gehört mit einem Pro-Kopf Einkommen von circa 300 US-Dollar pro Kopf (2008, African Development Bank) zu den ärmsten Ländern der Welt.
Ebenfalls wird von der WHO festgestellt, dass Eritrea mit einer Unterernährungsquote von 66 % zu den 29 Ländern der Erde gehört, in dem die Ernährungssituation insgesamt als extrem beunruhigend eingestuft wird.
Nur selten findet man positive Nachrichten, dabei hat Eritrea doch einige, für Afrika beispiellose Geschichten zu erählen.
Neben Asamara wäre unter anderem die eritreische Staatsbahn zu erwähnen.
Nach einem fast dreißigjährigen Unabhängigkeitskrieg mit Äthiopien, begann 1994 der Wiederaufbau der 118 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Massawa und Asmara. Diese spektakuläre Gebirgsbahn beginnt ihre Fahrt in Massawa aus der Höhe von einem Meter über dem Meeresspiegel und schlängelt sich auf abenteuerlicher Trasse bis auf 2.350 Meter. Doch schon vor Ende des Krieges hatten Lastwagen den gesamten Güterverkehr im Land übernommen. Der Wiederaufbau folgte somit weniger ökonomischen Zielen, sondern war für den Staat ein Projekt mit hohem Symbolwert. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden Hilfsangebote aus dem Ausland abgelehnt. Tunnels die als Bunker dienten wurden beräumt, gesprengte und beschädigte Brücken wieder neu errichtet, Gleise und Schwellen, die als Geschützstände herhalten mussten wurden gesammelt und wieder verwendet. Auch die Dampflokomotiven aus den dreißiger Jahren wurden mit primitivsten Mitteln wieder fahrbereit gemacht.
Zwischen 1998 und 2000 wurden die Arbeiten durch einen erneuten Grenzkonflikt mit Äthiopien und die damit verbundene Einberufung von Männern zurückgeworfen.

Trotz aller Widrigkeiten - im Jahr 2000 fuhr der erste Zug. Seit dem pilgern immer wieder Eisenbahnfreunde in dieses Land um dieses lebendige Museum mit Technik aus den dreißiger Jahren zu bestaunen. Seit 2009 gibt es sogar einen regelmäßigen Ausflugszug für die Touristen. Doch mit den rund 16.000 ausländischen Besuchern, von denen sich bestenfalls zwanzig Prozent auf die Bahn verirren, kann die Eisenbahn keine Gewinner erwirtschaften.

Im November 2009 besuchte eine Delegation der Eritrean Railway (ER) Italien, um Reparaturwerkstätten, sowie Gleis- und Schwellenhersteller um sich dort zeitgemäßes Know How anzueignen. Auf dieser Reise wurde ebenfalls erwogen italienische Fahrzeuge zu erwerben. Eine, vom Reiseveranstalter FarRailTours gesponserte Wissensreise, führte eine Delegation der ER im September 2010 zur Innotrans in Berlin, der weltgrößten Bahnmesse sowie zur Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB). Dort besuchte man ebenfalls die Werkstatt und lernte, wie ein effizienter und effektiver Betriebsablauf organisiert wird.
Um dem devisenschwachen Eritrea einen Start in das neue Bahnzeitalter zu erleichtern, spendet die Dänische Staatsbahn, die Ausrüstung des kürzlich geschlossenen Ausbesserungswerkes in Arhus nach Eritrea. Die Reederei MAERSK spendet zwei Container und übernimmt den Transport. Angestoßen wurde das ganze Projekt von René Strandbygaard, dem CEO der Copenhagen Film Company. Die Organisation in Eritrea und Deutschland übernahm das Berliner Reiseunternehmen FarRailTours.
Farrail ermöglichte einer begrenzten Anzahl von Interessierten diese Spende auf dem Weg vom Hafen in die Hauptstadt zu begleiten.
Diesem Angebot konnten wir nicht widerstehen und kombinierten diese Tour mit vorangestellten Zusatztagen in Keren und Asmara.

© Jörg M. Seifert, 2010
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 26.11.2010
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 06.12.2010
Reiseziele: Eritrea
Der Autor
 
Jörg M. Seifert berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Jörg M. über sich:
Wir haben chronisches Fernweh.
Therapieversuche findet Ihr auf: http://www.intertourist.de/