Malawi-Reisebericht :Mosambik/Malawi Sommer 2006

Unfreiwilliger Ausflug nach Blantyre/Malawi

Tag 13

Es war der unheilvolle 13. Tag unserer Reise, als das Drama zuschlug. Nein, genau 50 % unserer Gruppe fand alles halb so wild, sagte sich "hallo, wir sind in Afrika - shit happens" und nahm die Problembewältigung auf. Die anderen 50 %, darunter natürlich die betroffene Person "V." empfanden - jeweils aus unterschiedlichen Gründen und Sichtweisen - den heutigen Tag allerdings schon als Drama. An der Grenze zu Malawi hätten wir alle bei der Einreise eigentlich überhaupt kein Problem haben sollen, EU-Bürger bekommen das Visum am Grenzübergang gegen Zahlung von 20 USD (können auch 30 gewesen sein, weiß ich nicht mehr so genau). E. als Südafrikaner hatte sowieso kein Problem. Wir 4 Deutschen auch nicht. Nur "V." als Schweizerin, die das Visum laut Auskunft der Botschaft von Malawi in Zürich ebenfalls an der Grenze hätte bekommen sollen, bekam es nicht. Dabei hatte sie alles richtig gemacht: Sich bei der Botschaft erkundigt, darum gebeten, das Visum trotzdem vorab in der Schweiz ausgestellt zu bekommen, was man dort abgelehnt hatte, weil es ja angeblich überhaupt kein Problem sein sollte, das Visum an der Grenze zu bekommen. Sie hatte sogar noch insistiert und daraufhin ein Empfehlungsschreiben der malawischen Botschaft in Zürich bekommen, nur eben das Visum nicht. Und das verweigerte man jetzt und heute auch hier an der Grenze. Wir versuchten alles und der Grenzbeamte war auch total nett, aber er blieb bei seiner Auskunft: Sie hätten den entsprechenden Visa-Aufkleber nicht und wir müssten zum Immigration office nach Blantyre. "V." war ehrlich verzweifelt und vergoss sogar Tränen, was den Grenzer zwar zu Trost-Sprüchen und Umarmungen verleitete, aber nichts an seiner Entscheidung änderte. Das Problem war: Es war Samstag, Blantyre nicht auf unserer geplanten Route, ein Umweg von über 100 KM und das Immigration office nur bis 16.00 Uhr geöffnet. Außerdem mußte ich auf jeden Fall am übernächsten Tag in Lilongwe sein, weil ich ja von dort zurückflog. Wir diskutierten dann auch nicht lange und E. sprach ein Machtwort: Let´s face the problem ! Gesagt, getan: Wir bretterten nach Blantyre.

Ich kürze es ab: Die ganze Angelegenheit dauerte mehrere Stunden - afrikanische Bürokratie ! Während "V." mit einem Mitreisenden im Immigration office wartete und wartete und wartete, bewachten E. und ich abwechselnd das Auto, andere gingen Kaffee trinken. Da jegliches Mittagessen flach fiel, besorgten wir Pizza-to-go. Nachdem "V." endlich den schicksalsträchtigen Stempel im Pass hatte (zu 50 USD und es war exakt genau derselbe, den wir anderen auch hatten !), konnten wir endlich Blantyre verlassen und uns auf den Weg zum Lake Malawi machen. Hier hätten wir normalerweise bereits vor Stunden eintreffen sollen, hätten einen entspannten Nachmittag am See gehabt und das schöne Camp in aller Ruhe genießen können, aber es läuft nunmal nicht alles immer nach Plan - schon gar nicht in Afrika ! Dafür sollte man Verständnis haben, wenn man in Afrika reist, wer das nicht aufbringen kann, ist definitiv auf dem falschen Kontinent ! Bei der abendlichen Zubereitung des Essens machten einige wegen des heutigen Tagesverlaufs eine sehr verletzende Bemerkung "V." gegenüber und da bei ihr die Nerven ohnehin blank lagen, flossen jetzt wieder Tränen. Das war der Moment, wo bei mir die bisherige Antipathie in regelrechten Hass umschlug. Mir war es jetzt scheißegal, wer sich in welcher Weise am Kochen, Abwaschen und sonstigem beteiligte oder nicht, für mich bestand die Gruppe fortan nur noch aus den mir sympathischen 50 % und den Rest ignorierte ich, so gut es eben ging. Zwar bedeutete das auch, daß "V.", E. und ich nach wie vor wesentlich mehr Arbeit verrichteten, als der Rest, aber das war´s mir wert. Niemanden der anderen hätte ich noch gefragt oder gebeten...

Egal, kommen wir zum wesentlichen: Das camp war toll, der Lake Malawi ist wunderschön, es gab ein angrenzendes Hotel, wo "meine" 50 % den heutigen Tag an der Bar ausklingen ließ, wobei wir "V." auch wieder aufgemuntert bekamen. E. bemühte sich jedenfalls nach Kräften, uns Mädels wieder zum Lachen zu bringen. Das gelang ihm auch mit der Schilderung seiner Vorlieben, was Frauen anging: Seine Traumfrau durfte keinen Damenbart haben, musste dafür aber zwingend über schöne Füße verfügen ! Ok, sein Prioritätenkatalog war eben etwas unüblich.

Da wir ja erst im Dunkeln angekommen waren, gab´s heute nicht ein einziges Foto. Dafür morgen. Damit wir doch noch den See etwas genießen könnten, verschoben wir die Abfahrt auf den spätest möglichen Zeitpunkt.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Campingsafari mit kleiner Gruppe, Start in Johannesburg/Südafrika - Ende in Lilongwe/Malawi und viel wunderschönes Mosambik unterwegs !
Details:
Aufbruch: August 2006
Dauer: unbekannt
Heimkehr: August 2006
Reiseziele: Südafrika
Swasiland
Mosambik
Malawi
Der Autor
 
Sabine Herrmannsen berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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