Maurizius-Reisebericht :Mauritius zum runterkommen

14tägiger Aufenthalt auf Mauritius, Nur Flug und Hotelsuche auf eigene Faust vor Ort, fernab der 5Sterneressorts aber trotzdem auf hohem Niveau.

Maurizius etwas anders

Meine Feundin und ich hatten einige harte Monate hinter uns und ein paar Tage Erholung sowohl nötig, als auch verdient. Wir haben uns drei Tage vor Heilig Abend nach Flügen umgesehen, ohne dabei ein besonderes Ziel vor Augen zu haben - einzige Voraussetzung: Sommer, Sonne, Strand, Meer und viel Ruhe.

Wir sind bei L´Tur Last Minute dann auf Flüge nach Mauritius gestoßen - rd. 580€ zzgl railandfly-Ticket nach München, Abflug am 31.12., Ankunft dann 10Std später im neuen Jahr. Kurzentschlossen haben wir gebucht - ohne große Ahnung von der Insel zu haben; Indischer Ozean, irgenwo bei La Réunion, mit bekannten Postwertzeichen.

Ich habe dann im Internet verschiedene Seiten nach Infos und Unterkünften durchsucht - ohne mir dabei im Klaren darüber zu sein, daß über den Jahreswechsel Hauptsaison ist und noch andere Menschen vor uns die Idee hatten, zu verreisen...
Wir beide sind überhaupt keine Pauschaltouristen und meiden Orte, die zu touristisch erschlossen sind. Wir sind immer auf der Suche nach Plätzen, die "Special" sind, die eine besondere Aura und Charme haben, dabei aber auch nicht unseren Geldbeutel sprengen. Das hat die Auswahl allerdings noch weiter eingeschränkt.

Nun denn, wir sind wieder da - und es war toll!

Ich habe zunächst in einem Reiseführer (Reise Know-How, Mauritius&La Réunion von Wofgang Dörr; war uns sehr nützlich!) ein kleines Hotel Restaurant im Osten der Insel gefunden: Le barachois, zwischen Vieux Grand Port und Bamboo Virieux; kleine Bungalows direkt an einer Lagune mit eigener Austern- und Krabbenzucht. Man hat von seiner Terasse einen unglaublichen Blick über die Lagune auf Mangroven, Zuckerrohrfelder und die dahinterliegenden Bamboo-Mountains, auf der linken Seite liegt das Meer -
ein perfekter Platz, um bei einsetzender Dämmerung mit Gin Tonic in der Hand den ersten Abend zu begehen!

Der Laden ist etwas in die Jahre gekommen, genau wie seine etwas verschrobene Besitzerin, die aber allemal schon einen Besuch wert ist. Das Personal ist extrem hilfsbereit und freundlich, aber auch etwas verpeilt. Dafür haben die Räume alle modernste Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlschrank. Das Essen (lt der Inhaberin das beste Restaurant der Insel...)
ist creolisch-international und wirklich gut - die Seafoodspieße muss man unbedingt probieren, dafür kann man den Hummer getrost beseite lassen; der ist zu teuer, wie überall auf der Insel und den gibt´s auch besser.

Das große Manko am Le Barachois ist, daß kein Strand zum baden in der Nähe liegt. Es besitzt zwar einen Pool, aber wenn man sich auf einer "Trauminsel im indischen Ozean" befindet, ist das irgendwie unbefriedigend..

Wir haben vier Nächte hier verbracht zu je 70€ incl. Frühstück und VAT.

Ursprüglich war der Plan, mit eigenem Leihwagen die Insel zu erkunden. Wir haben uns dann aber erkundigt und festgestellt, daß ein Taxifahrer für den ganzen Tag (abhängig von der Strecke und vom Verhandlungsgeschick...) ungefähr genausoviel kostet wie der Wagen und wir haben keinen Stress den Weg zu finden, Zeit die Landschaft in uns aufzusaugen und gleich einen ortskundigen Führer an Bord.
Wir haben bereits am zweiten Tag die Bekanntschaft von Sanjay und seinem Cousin Niresh gemacht. Beide, unglaublich freundlich und zuverlässig, Niresh mit sehr guten Englischkenntnissen und Sanjay als Scout, der wirklich jeden Winkel und Feldweg der Insel kennt, haben wir für unsere Ausflüge über die Insel dann immer wieder direkt angerufen und gebucht - und mit beiden und darüberhinaus mit Sanjay´s Frau Preety verbindet uns mittlerwile soetwas wie eine Freundschaft.

Wir haben in den darauffolgenden Tagen die Buchten der Umgebung besucht:

Trou d´eau douce

Schon mal gar nicht schlecht; langer weißer Sandstrand mit einigen Privathäusern, schön Gelegen mit guten Möglichkeiten, die Schnorchelausrüstung ersten Test zu unterziehen.

Bell Mare

Wow - wie im Prospekt! Türkisgrünes Wasser, feinkörniger Sand, lange Strände, bunte Fische, Palmen.

Vom Ort Blue Bay (kleines und echt mieses Dörfchen mit fünf oder sechs Shops, in denen man gefakte Designerklamotten zu völlig überzogenen Preisen erstehen kann) gelangt man erst mal zum `Public Beach`, der am Wochenende von vielen Einheimischen besucht wird. Die richten sich dann fast häuslich ein und verbringen das gesamte Wochenende mit allen Verwandten und Freunden dort. Es herrscht fast schon Volksfestatmosphäre, aber nur wenige Meter weiter beginnen dann die Traumstrände.

Den Strand entlang reihen sich 4- und 5-Sterne Hotels aneinander. Wer es sich gutgehen lassen möchte, kann seinen Lunch im The Plantation verbringen - ausgezeichneter Service, äußerst schmackhaftes Essen und der erste gute Kaffee seit Tagen. Durch die Hotels sind natürlich viele Touristen da, aber der Strand ist so weitläufig, daß man sich nicht auf die Füße tritt.

Blue Bay

Rückwirkend betrachtet für uns der schönste Strandabschnitt, an den wir später auch zurückgekehrt sind ( s.u. )

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Am fünften Tag sind wir umgezogen; wir haben auf unseren Erkundungszügen die Domaine de Chasseur entdeckt (eigentlich wollten wir nur Abendessen, aber nachdem wir gesehen haben, wo man isst...)

Die Domaine ist ein Naturreservat, unglaublich schön gelegen mit einem Panoramarestaurant auf dem Bergipfel - splendid, wie der Endländer zu sagen pflegt!
Wir haben uns zwei Tage eingebucht; die Hütten, es gibt nur 7 Stück, passen sich wunderbar in die Natur ein und man hat einen großartigen Blick auf die Landschaft und das Meer. Im Reservat leben um die 800 Hirsche, Widschweine, ettliche Vögel, Marder. Als Jäger kann man sich hier einen Jagdführer mieten und sich selbst auf die Pirsch begeben, für weniger jagdbegeisterte bietet das Gelände Möglichkeiten zum wandern, fotografieren, es werden Quadtouren angeboten, Rope-Jumping und Bogenschießen. Unweit liegt die Domaine d´Ylang-Ylang, wo sich sehr günstig das Öl der Bäume erstehen lässt.

Und wer auch dazu keine Lust verspürt, wird hier einfach nur Ruhe finden!
Außer dem allgegenwärtigen Zwitschern der Vögel, daß einen übrigens auf der ganzen Insel begleitet, hört man hier gar nichts! Wir sind einen Morgen zum Sonnenaufgang aufgestanden (der wegen des Dunstes über dem Meer leider nicht so spektakulär ausfiel..) und konnten von unserer Terrasse ein ganzes Rudel Hirsche beobachten, die keine 50m von unserer Hütte über eine Lichtung gewandert sind. Die Tage haben wir mit lesen und ausgedehnten Spaziergängen verbracht und abends haben wir uns von der hervorragenden Küche des Restaurants verwöhnen lassen - und während die Köche das Wild zu Burgundergulasch, Hirschcurry oder Widschweinbraten á la creole veredelten, zogen über unseren Köpfen große Flughunde ihre Bahnen in der Abenddämmerung...zum Weinen schön und so kitschig-romantisch, daß man fast brechen möchte!

Die Preise lagen wieder bei rund 70€ incl. Frühstück (sehr gut!) und ungefähr 2000 MRs, also gut 50€, für das Abendessen incl. Wein, Getränke und netter Bedienungen.

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Am Abreisetag kam dann allerdings ein Dämpfer; wir, besser ich, hatten uns entschlossen, auch die Westküste zu besuchen und das obwohl man uns geraten hatte, besser eine Unterkunft nahe Blue Bay zu suchen.
Wir haben also unseren privaten Fahrdienst abgerufen, der uns dann voller Zuversicht, nach Flic en Flac gebracht hat; Oh mein Gott - das hätte fast den einzigen Streit während des gesamten Urlaubs verursacht; fast wie an der Costa Brava, steht hier ein Apartmenthaus neben dem anderen, der Strand ist so lala und alles in allem ist der Ort eine einzige Zumutung. Nur am Südende befinden sich einige große 5-Sterne-Hotels, die wir uns aber erstens nicht leisten konnten und zweitens hoffnungslos ausgebucht waren.

Wir sind dann weitergefahren Richtung Tamarin und Grand Rieviere Noir.
Unser Plan sah vor, daß wir uns einen Bungalow/ein Apartment oder dergleichen in einem Pivathaus suchen. Davon gibt es hier zahlreiche und auch wirklich sehr schöne und fast alle bieten sie Unterkünfte zur Miete an - allerdings nicht über den Jahreswechsel: es war wirklich ALLES ausgebucht!

Nach sechs Stunden Suche, dann eine Erleuchtung: das Hotel Mariposa
ein kleines familiengeführtes Hotel mit 16 Apartments, direkt am Meer, groß, hell, mit eigener Küche und dem breitesten Kingsize-Bett, das wir beide je gesehen hatten! Wir haben uns für 70€ die Nacht in einem Sunset-Apartment mit Blick auf den Strand eingebucht und fünf Tage lang überhaupt nichts gemacht - und es war toll! Wir haben uns im nahe gelegenen Supermarkt eingedeckt, abends selber gekocht, wurden von unseren Nachbarn, einem sehr herzlichen polnischen Ehepaar, auch mal eingeladen oder wir haben die Hausdame überredet, für uns zu kochen - Entspannung pur!

Es stellte sich später heraus, daß wir unglaubliches Glück hatten denn das Hotel war sowohl in der Woche vor uns, als auch direkt im Anschluss komplett ausgebucht. Das Haus ist zwei Jahre alt und sehr gepflegt, dafür sorgt Dweena, die Inhaberin und Managerin. Sie ist weitgereist, hat überall auf der Welt in FirstClass-Hotels gelernt, spricht perfektes Englisch und hat ein so offenes Wesen, daß man sich gleich verbal umarmt fühlt, wenn man sie trifft.

Über Dweena haben wir dann auch die Unterkunft für die letzten Tage in Point d´Esny, zwischen Mahébourg und Blue Bay gefunden; die Adresse stammt zwar aus unserem Reiseführer, der auch hier wieder nicht gelogen hat, aber auf Mauritius kennt man sich halt und die Einheimischen haben alle Verwandte, Freunde oder zumindest gute Bekannte überall auf der Insel.

Villa Chantemer, Point d´Esny

An diesem Strandabschnitt haben sich die reichen Einheimischen sehr luxoriöse Eigenheime direkt an, oder besser auf den Strand gesetzt.
Die Villa wird geführt von Mdme Sinclaire, und die Frau ist eine Erscheinung!
Divenhaft aber fehengleich schwebt sie durch Ihr Haus und gibt die eine oder andere Geschichte aus Ihrer Zeit in London zum besten oder leistet den Gästen beim Abendessen Gesellschaft - sofern nette Gäste zu Besuch sind und dafür trägt sie persönlich Sorge..! Die Zimmer sind alle mit viel Liebe zum Detail und und großem Gespür dekoriert und man fühlt sich sehr schnell sehr wohl. Das Essen gehörte zum Besten, was wir auf der Insel bekommen haben und der Garten, der direkt an den schönsten Abschnitt des Strandes grenzt, war für drei Tage unser festes zu Hause.

Allerdings lässt Mdme Sinclaire einen schon spüren, daß man Gast in Ihrem Hause ist und nicht in einem Hotel! Sie erwartet gute Manieren, gepflegte Konversation und wenn die Gäste nicht ihren Erwartungen entsprechen, bekommt man auch Das zu hören! Während unseres Aufenthaltes bei Ihr gab es einige Auseinandersetzungen mit einem Ehepaar mit Kleinkind infolgedessen sich in den nächsten Monaten wohl keine Kleinfamilien mehr bei ihr zu melden brauchen...

Die Zimmer liegen zwischen 50 und 90€ und wenn man direkt bucht, akzeptiert sie auch gerne Euro.

Alles in allem haben wir in den 14 Tagen gefunden, wonach wir gesucht haben - Sommer, Sonne, Strand und Meer und RUHE!
Wir haben uns während einiger Ausflüge hauptsächlich den landschaftlichen interessanten Süden angesehen und nahcfolgend kommen noch einige Tipps für Leute, die ihren Urlaub ähnlich verbringen möchten.

Allgemeines

Mauritius ist eigentlich eine Insel für Pauschalurlauber und geboten wird einem gehobene Mittelklasse bis zum erlesenen 5-Sternetempel.

Wer sich aber abseits davon ein Bild von der Insel machen möchte, muss sich dabei auf die Einheimischen einlassen können, sollte wenigsten fließend englisch oder noch besser französisch sprechen und Geduld haben - wir haben die Plätze nach denen wir gesucht haben gefunden, aber wir
haben sie auch suchen müssen!

Wer Mauritius besucht, muss nicht unbedingt viel Geld ausgeben; wir haben pro Kopf für Flug, Unterkunft und Leben ca. 1500€ ausgegeben, dafür haben wir sehr gut gelebt und noch besser gegessen!

Es gibt auf Mauritius keine giftigen oder gefährlichen Tiere, aber man sollte sich darauf einrichten, öfter mit größeren Insekten konfrontiert zu werden -
und große Waterbugs (Kakerlaken!) besuchen einen überall dort, wo Menschen Müll fabrizieren, auch in den besten Hotels und gerade in der Domaine de Chasseurs waren wir sehr dankbar für unser Moskitonetz, daß uns nicht nur vor Moskitos bewahrt hat... Mückenschutz gehört übrigens überall auf der Insel ins Handgepäck, denn gerade Abends werden die kleinen Biester ganz schön lästig!

Man hat einige Male versucht, uns mit der VAT, der Mehrwertsteuer über´s Ohr zu hauen; uns wurden die Preise genannt, auf Nachfrage incl. VAT und bei der Abrechnung gab es dann blöde Diskussionen, weil die Steuer dann doch zusätzlich berechnet wurde - locker bleiben! Mit einigen ruhigen und klärenden Worten kommt man hier schon weiter und anschließend war alles nur ein kleines Versehen oder Mißverständnis und man lacht gemeinsam darüber...

Tipps

Auf unseren Touren sind uns verschiedene Gästehäuser und Hotels aufgefallen, die man unbedingt besuchen sollte, wenn man Ruhe und Abgeschiedenheit sucht:

Domaine de Chasseur, Grand Bois; zwischen Mahébourg und Grand Port
s.o.

Andrea Lodges und l´Exile; beide nordwestlich von Souillac an der Südküst gelegen: Häuser, für die man wohl die Bezeichnung `Hideaway` erfunden hat; auf einer Zuckerplantage gelegen, bieten sie Ruhesuchenden und Naturfreunden genau was diese suchen, aber in sehr edlem Rahmen.
Wer das ganze Jahr schwer arbeitet und nun vorhat, mal ´runterzukommen´ und dabei die liegengebliebenen Bücher des letzten Jahres aufholen möchte, ohne dabei auf den Komfort eines erstklassigen Hauses mit ausgezeichneter Küche und atemberaubender Landschaft zu verzichten, ist hier richtig!
Das ganze hat natürlich seinen Preis; hier zahlt man rund 6000MRs, das sind etwa 150€ pro Nacht im eigenen Bungalow.

Restaurant La Bougainville, Blue Bay
Nicht von der Optik täuschen lassen! Das Essen ist ausgezeichnet und im Gegensatz zu den anderen, vermeintlich guten, Restaurants zeichnet es sich durch eingutes Preis-Leistungsverhältnis aus.

Unbedingt probieren: die Sautierten Shrimps als Vorspeise und das Chicken with Rodrigues Chillis - scharf, aber es lohnt sich!

© Oliver Bischoff, 2007
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 31.12.2006
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.01.2007
Reiseziele: Maurizius
Der Autor
 
Oliver Bischoff berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.