Antarktis-Reisebericht :Rückenwind

Antarktis

Der Wahnsinn hat mich fuer einen kurzen Moment geritten, als ich last minute eine Tour zur Antarktis gebucht habe. Eigentlich war dieser Tripp nicht Teil meiner Planung Suedamerika, doch die vielen Begegnungen mit Menschen, die dort waren, haben mich ermutigt. Es war eine flankierende Massnahme zur Sprengung meines Reisebudgets, die sich zu 500 % gelohnt hat. Die Tour war voellig ausgebucht, ich lasse mich auf die Warteliste setzen mit einer 2 % Chance aufs Schiff zu kommen. Daraus wurden 100 % und innerhalb von 20 Stunden war ich auf dem Wasser.
Dieser Kontinent ist mit grossem Abstand die schoenste Landschaft, die ich je gesehen habe, unfassbare Eiswelten.

Ueberfahrt durch die Drake Passage

Ueberfahrt durch die Drake Passage

Die Fahrt geht von Ushuaia an Cape Horn vorbei durch die Drake Passage, eines der stuermischsten Seereviere der Erde. Wir wurden gewarnt unsere Tabletten gegen Seekrankheit zu schlucken. 14 m Wellen sind dort normal, aber was sich uns bot, kam einer Kaffeefahrt auf dem Rhein gleich. Das Meer flach und Sonne pur. Die Leiter der Expedition waren selbst erstaunt, wir haben die beste Ueberfahrt der Saison erschwischt.

Der Kontinent selbst ist nur schwer in Worte zu fassen. Es ist eine andere Welt, eine Eiswelt in weiss und blau, die so unglaublich schoen ist, dass man alles um sich herum vergisst. Du stehst nur da und staunst. Bei der Landung jagte ein Highlight das naechste, die ersten Eisberge, die von der Antarktis wegdriften, dann die ersten kargen Felsspitzen, die ersten Gletscher. Ein grosses Gebirge ueberzogen mit einer dicken Schicht Schnee und hunderte Meter hohes Eis. Offener Mund ist quasi Dauerzustand.

Erste Landspitzen

Erste Landspitzen

Fauna auf Aitcho Island

Fauna auf Aitcho Island

Nicht nur die Landschaft nimmt dich gefangen, auch die Tierwelt ist sehr artenreich. Nie haette ich so viel Leben in einer so unwirtlichen, eiskalten Umgebung erwartet. Pinguine, Seeloewen, Robben und endlich Wale; Buckelwale, Finnwale und auch Orkas.

Maulender Seeloewe

Maulender Seeloewe

Die Brutalitaet der Natur haben wir in einer Jagd erlebt. Ein Seeleopard erlegte drei Pinguine zum Vesper. Ein einzigartiges Schauspiel, dass dir Schauer ueber den Ruecken jagt, verzweifelt kaempft der Pinguin um sein Leben, aber erfolglos. Er wird einfach in der Luft zerrissen, ja richtig zerrissen.

Seeleopard bei der Arbeit

Seeleopard bei der Arbeit

Die Expedition bestand in taeglichen Ausfluegen per Schlauchboot und Landungen auf vorgelagerten Inseln und schliesslich am Festland in Niko Harbour.

Eisbaer aufm Gletscher

Eisbaer aufm Gletscher

eisblaue Lagune

eisblaue Lagune

Erstkontakt mit Pinguin

Erstkontakt mit Pinguin

Kaiserwetter in der Antarktis

Kaiserwetter in der Antarktis

Wir heben ab!

Wir heben ab!

marmorierte Hundsrobbe

marmorierte Hundsrobbe

Der Besuch der Forschungsstation Vernadsky (Ukraine) fuehrte uns automatisch in die suedlichste Bar der Welt. Diese Bar wurde von einem Forscher eroeffnet, der dort selbstgebrannten Wodka verkaufte. Diese Tradition wird bis heute beibehalten und von uns natuerlich unterstuetzt.

Hau wech!

Hau wech!

Wilhelmina Bay ist ein Paradies fuer Wale und ein Paradies fuer uns Expeditionsteilnehmer. Kaiserwetter offenbarte uns eine phantastische Landschaft und eine Bucht voller Buckelwale, die majestaetisch durchs Wasser gleiten. Da Wale erfolgreich und schnell jagen, haben sie viel Freizeit, die sie tollend im Wasser verbringen.

Buckelwal taucht ab

Buckelwal taucht ab

Buckelwal ist langweilig

Buckelwal ist langweilig

unglaublich schoene Wilhelmina Bay

unglaublich schoene Wilhelmina Bay

Net kratze, waschen!

Net kratze, waschen!

Vulkanstrand auf Deception Island

Vulkanstrand auf Deception Island

Zum Schluss noch ein kurzes umweltpolitisches Statement. Ein Teilnehmerin, aus den USA natuerlich, fragte den Glaciologen, ob er denn an den Klimawandel glaubt? Seine Antwort: "Das ist keine Frage des Glaubens, es ist offensichtlich. Sehen Sie in Ihren Garten und beobachten die Jahreszeiten. Sehen Sie sich die Gletscher in den Alpen an und die vielen Wetterverschiebungen und -extreme. Die Eismassen an den Polen reduzieren sich kontinuierlich.
Und ob er nun Mensch gemacht ist oder nicht, wir muessen alles daran setzen ihn auf ein Minimum zu begrenzen."

Einst das Steckenpferd unserer Klimakanzlerin, heute in Vergessenheit geraten nach einem langen europaeischen Winter. Wenn die Pole abgeschmolzen sind, verlieren wir grosse Strahlungsreflektoren, an deren Stelle Wassermassen treten, die die Strahlung absorbieren und das Wasser aufheizen. Auf der Nordhalbkugel fuehrt dies zum Ausfall des Golfstroms und innerhalb von 10 Jahren ist Europa wieder von Eis ueberzogen. Es muss also nicht zwingend waermer, es kann auch bitter kalt werden.

Nach dieser Expedition ist die Antarktis fuer mich mehr als nur ein Eisklotz. Sie ist ein Paradies aus Eis und das Nervensystem unseres Planeten.

An dieser Stelle raeume ich noch ein weit verbreitetes Geruecht aus: In der Antarktis gibts keine Eisbaeren, sondern nur in der Arktis! Wer also keinen Eisbaeren auf dem Bild entdeckt hat, lag voellig richtig.

© Marco Burkhart, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am Donnerstag, 28. Januar früh fuhr ich mit dem geliehenen Citroen "Jolly" Jumper, über die Elbbrücken Richtung Freiburg. Auf Delta Radio lief "Rückenwind" von Thomas D. Ich dachte nur, was gibt es passenderes als Titel für dieses Kapitel?
Details:
Aufbruch: 31.01.2010
Dauer: 14 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Argentinien
Chile
Antarktis
Brasilien
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Botsuana
Sambia
Mosambik
Südafrika
Namibia
Ruanda
Tansania
Der Autor
 
Marco Burkhart berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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