Bangladesch-Reisebericht :Auf dem Landweg nach Tibet und zurück

Kalkutta - Dhaka - Kalkutta

Von Kalkutta aus habe ich mich dann auf den Weg nach Dhaka, der Hauptstadt Bangladeshs gemacht. Die Fahrt im klimatisierten Bus war aeusserst angenehm, und so gingen die 12 Reisestunden bequem vorueber. Eine junge Frau hat sich waehrend der gesamten Fahrzeit uebergeben - es war fuer sie extrem unangenehm, aber auch fuer die Mitreisenden war es kein Sahneschlecken das nicht enden wollende Wuergen zu vernehmen. Der Grenzuebetritt dauerte rund 2 h - von einer Wirtschafsmacht Indien spuehrt man an den Grenzen nichts, wuesste man nicht, dass die Gebaeude als Grenzposten verwendet werden, hielt man sie wohl fuer eine Behausung von Obdachlosen Alkoholikern. Der Metalldetektor, durch den jeder Buspassagier laufen musste war nicht mehr als eine billige Holzattrappe. Es war allerdings interessant, einen weiteren Grenzuebergang zu machen.
In Dhaka angekommen machten Xavier aus der Schweiz und ich mich auf ein Hotel zu finden. Die Suche nach diesem dauerte relativ lange, da die meisten Hotels keine Auslaender aufnehmen. Die Suche wurde lediglich durch einen Besuch in einem klimatisierten chinesischen Lokal unterbrochen, in welchem ich leckere Nudeln ass. Um rund 12 Uhr nachts war dann eine Bleibe fuer die kommenden drei Tage gefunden - im 7 Stock eines einfachen Hotels.
Ich habe Dhaka als ein wahnsinnig arme, dreckige und ueberbevoelkerte Stadt erlebt, die alledings die Heimat von unzaehligen netten Menschen ist. Man fuehlt sich nahezu ueberall wie ein Prominenter, ist man doch pausenlos von vielen neugierigen Menschen umringt, die einen nach Herkunft und Grund des Aufenthalts in ihrem Land fragen. Der Verkehr ist mit dem indischen zu vergleichen, es herrscht pures Chaos auf den Strassen und die wenigen Verkehrspolizisten scheinen lediglich die Kuereinlage in diesem nie zu enden wollenden Tanz zu sein. Da wird gepfiffen und gewunken, sich gedreht und gewendet, dem Schritt nach vorn folgt einer zur Seite und kommt ein Auto oder Rikshaw zu nah, so kann es auch mal zu einem weiten Ausfallschritt kommen. Am Fluss habe ich eine kleine Bootsfahrt gemacht, wobei man, die Konsitenz des Wassers und auch die Sauberkeit in Betracht ziehend nicht einmal mehr von einer Kloake sprechen kann. Die Menschen leben im Muell hier, wie auch in vielen Orten Indiens die ich besuchte, und ich behaupte, dass sich niemand die wahre Bedeutung von Dreck oder Muell vorstellen kann wenn er noch nicht in diesem Teil der Erde war. In Europa, und in all den Laendern die ich bis jetzt bereist habe habe ich verglichen mit Bangladesh und auch Indien NIEMALS Muell oder Dreck gesehen. Man muss einmal hier gewesen sein um sich dies ueberhaupt vorstellen zu koennen. Da verkaufen Menschen auf Bergen von vergohrenen und verfaulenden Abfaellen Suppen und Reisgerichte, waehrend 2 Meter daneben die Gesamten Faekalien einer Grossstadt in den Fluss schiessen - unglaublich. Ich muss hier immer an einen Bekannten meiner Familie denken, der mir von seiner ersten Indienreise berichtet hat, dass er Doerfer sah, die komplett zugemuellt waren - ich dachte damals ich koenne es mir vorstellen, jetzt da ich es mit eigenen Augen sah, weiss ich, dass meine Vorstellungskraft nicht so weit reichte (Du hattest Recht Helmut).
Ausser dem Verkehr, der sich bis tief in die Nacht hinein zu bewegen scheint, der Armut und den vielen unglaublich netten Menschen habe ich in Dhaka nichts besonderes gesehen - ich muss dazu sagen, dass man sich, wenn sich oefters bzw. fuer eine laengere Zeit im Subkontinent aufhaelt ueber relativ wenige Dinge wundert - Menschen die am Strassenrand leben gehoeren genauso wie teure Juweliere und Hotels zum Alltagsbild, dass sich einem pausenlos darbietet. Sich anbruellende Menschen, die sich nach einer Minute versoehnlich die Hand reichen, urinierende Taxifahrer auf dem Buergersteig und ein forsches "One water" ohne Hallo und Danke gehoeren zum Alltagsleben der Menschen.
Nach drei Naechten in Bangladesh fuhr ich auch schon wieder zurueck nach Indien, um eine Erfahrung reicher und nun auch wissend, wie der schmutzige Fleck Erde, den ich aus Thailand heimfliegend aus dem Flugzeug sah von unten aussieht. Fuer mich war es ein wertvoller Abstecher und eine interessante Erfahrung in Bangladesch gewesen zu sein, dem Land des Nobelpreisgewinners Mohammad Yusuf, der mit Mikrokrediten die Armut in der Welt ausrotten will, allerdings wuerde ich keine separate Bangladeshreise empfehlen, aber das ist meine Meinung, und ich war ja auch nur in Dhaka.

Verkehr in Dhaka

Verkehr in Dhaka

Mit Xavier aus Genf in Dhaka

Mit Xavier aus Genf in Dhaka

Dhaka

Dhaka

© Daniel S., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich plane eine Reise die mich über den Landweg von Deutschland - Osteuropa - Naher/Mittlerer Osten - Indien bis nach Lhasa führt. Zurück will ich über die ehemaligen Sowjetstaaten reisen und schließlich in der Türkei entscheiden ob es über die Ex-Jugoslawienstaaten oder erneut Osteuropa zurückgehen soll.
Details:
Aufbruch: 14.02.2009
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 15.10.2009
Reiseziele: Deutschland
Tschechische Republik
Polen
Ungarn
Rumänien
Bulgarien
Türkei
Georgien
Armenien
Iran
Pakistan
China
Tibet
Nepal
Indien
Bangladesch
Kirgisistan
Usbekistan
Mazedonien
Albanien
Montenegro
Bosnien und Herzegowina
Der Autor
 
Daniel S. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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Daniel über sich:
Hallo

ich komme aus dem tiefen Süden des Landes und Reisen ist meine Leidenschaft genauso wie Photographie.

Generell interessiere ich mich auf meinen Reisen für die Landessprachen, die Kultur, die Religion, die Menschen, die Politik und natürlich gehe ich auch meiner Leidenschaft, der Photographie nach.

"Voyager, c'est l'ecole de la vie !"

"A man becomes old when his regrets take the place of his dreams"

"Wer den Duft der großen weiten Welt nicht geatmet hat, der hat niemals gelebt."

Oder wie schrieb es einst Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen: "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen (...) des Lebens ruf an uns wird niemals enden ..."