Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

pushkar - wo die seele frieden findet: holi - das farbenfest

oh oh oh, jetzt bin ich doch noch dageblieben. mittlerweile werden es dann 11 tage in pushkar, aber ich wollte das "holi"-fest noch hier verbringen.
holi ist eines der schönsten feste in indien und mit sicherheit das farbenprächtigste. eigentlich ist es ja das "wasserfest" und damit feiert man in indien den frühlingsbeginn (komisch, bei uns würde man bei 35 grad im schatten den hochsommer feiern .
das fest findet immer bei vollmond statt und besteht aus zwei teilen: der erste teil findet am abend des vollmondes statt. da werden überall feuer entzündet, die leute feiern (leider auch manchmal mit ein wenig zuviel alkohol) und es werden überall (besonders hier in pushkar) kleine zeremonien abgehalten. um ca. 22.00 uhr traf sich hier in pushkar die masse der einwohner am mainbazaar (also dem haupteinkaufsplatz), und um einen aufgehäuften strohhaufen herum saßen viele männer mit opfergaben vor sich. ein priester segnete über mikrofon alle anwesenden und erzählte vermutlich noch einiges mehr, aber das verstehe ich ja nicht. von den vielen hotels und dachrestaurants schauten die touristen herunter, und durch den vollmond schien es fast taghell. auf ein kommando hin stürmten alle in die mitte und der strohhaufen wurde angezündet. im strohhaufen befanden sich - und das ist typisch indien - einige donnerschläge, die manche anwesende kurz vor den herzinfarkt brachten. die menge wurde ausgelassener, die ghats wurden gestürmt, hunderte von trommelspielern fingen gleichzeitig an, ihre instrumente zu verdreschen und einige priester segneten die willigen mit einem roten punkt auf die stirn. um mitternacht herum machte ich mich auf den heimweg und sobald ich im zimmer angekommen war, schloss ich die fenster so gut wie möglich, denn die feierlichkeiten gingen die ganze nacht.
der zweite teil startet am frühen morgen danach und dauerte ungefähr bis mittag. bei vielen touristen ist dieser morgen gefürchtet, ich aber liebe es: jeder der sich jetzt in die stadt traut, sollte farbpulver dabeihaben. das gibt es vor dem fest überall zu kaufen und auch am morgen selbst kann man sich noch eindecken. extra für diesen anlass habe ich mir aus deutschland alte kleidung mitgenommen, die ich nachher wegschmeißen kann, denn einen teil des pulvers kriegt man nie wieder raus. ich hatte grünes pulver gekauft und machte mich um ca. 10 uhr in die stadt auf. es dauerte keine 5 minuten und ich sah aus, als hätte ich mich in farbe gewälzt. besonders die kinder sind hellauf begeistert, sie decken sich zusätzlich mit wasser ein, teilweise auch mit den auch bei uns bekannten wasser-pumpguns. die werden aber nicht nur mit wasser gefüllt, sondern auch gleich mit farbe. jaaaa, das kann spaß machen. manchmal trifft einen auch unvermittelt ein schwall farbwasser von oben, meistens gerade dann, wenn man sich besonders sicher wähnte. aber ich war tapfer und habe fleißig ausgeteilt. die meisten erwachsenen reiben sich allerdings die farbe nur auf die backen und grüßen sich freundlich. selbst auf dem motorrad wird man nicht verschont, und natürlich sind touristen (insbesondere frauen) eine sehr beliebte beute. pia, meine norwegische nachbarin, wollte ganz schlau sein und hatte sich über die ghats bis in die stadtmitte geschlichen. sehr erfolgreich, aber dann traf sie leider auf mich ... sorry pia ... hehehe.

nach dem marsch durch die stadt.

nach dem marsch durch die stadt.

danach brauchte ich über eine stunde, um den gröbsten dreck von mir abzuwaschen. einiges, insbesondere am rücken, wird mich wohl noch wochen begleiten. die hose nehme ich jetzt zum motorradputzen her, das hemd nagele ich an die wand meines zimmers, und die neuerdings farbige unterhose behalte ich als trophäe.

naaaa, das nenne ich einen livebericht! heute vor drei stunden erlebt und schon im netz.

das "bild des tages" (vom 07.03.04) auf www.spiegel.de zeigt auch nochmal eindrücklich, was hier an holi los ist. bild in neuem fenster öffnen...

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!