Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

jodhpur - die blaue stadt

mich von mt. abu zu lösen, war nicht leicht, denn die leute die ich dort getroffen habe, waren schon schwer in ordnung. schlussendlich entdeckte ich noch ein "carrom-brett" (eine art fingerbillard auf einem ein quadratmeter großen brett) und es fanden sich auch noch opfer ... äähhh gegner (ich sag nur ralf/deutschland gegen mathew/südafrika 6:0). ich stand kurz vor einer weltkarriere, aber was sind schon geld und ruhm gegenüber der immensen hitze, die mich erwarten würde, wenn ich meine abreise noch weiter hinauszögern würde...

der weg führte mich über ranakpur (siehe nächstes kapitel "am rande erzählt") nach jodhpur, der blauen stadt.
die straße war gut, und es ging schnell voran (80 km/h). dann plötzlich ein stau auf halber strecke. der grund war ein frontalcrash zweier lastwagen. die fahrerkabine des einen lastwagens sah aus, als hätte thor mit seinem hammer draufgeschlagen. der fahrer wurde gerade mit einer decke abgedeckt. die zweite hälfte der strecke fuhr ich deutlich langsamer.

jodhpur in blau.

jodhpur in blau.

jodhpur ist eine millionenstadt und hat als einzige attraktion das größte fort indiens zu bieten (gähn!). von dort aus hat man einen guten blick auf die blau angestrichenen häuser der altstadt, die - ihr werdet es erraten haben - der stadt den entsprechenden beinamen gegeben haben. früher dachte ich immer, das wären alles häuser von brahmanen (also der priesterkaste), aber offenbar ist es auch eine modefarbe oder nur eine billige farbe, aber in jedem fall - mit einer speziellen beimischung versehen - auch eine farbe, die gegen regionale schädlinge hilft.
apropos schädlinge: nach insgesamt über einem jahr in indien habe ich hier die ersten ratten gesehen! ich dachte vor meinen reisen immer, in indien würde es vor ratten nur so wimmeln, aber außer dem typischen pfeifton konnte ich bisher nie etwas entdecken. und jetzt gleich zwei:
eine huschte über den marktplatz und die andere wollte wohl auch mal huschen, war aber nicht schnell genug. jetzt ist sie nur noch einen halben zentimeter dick.

viel interessanter als das fort ist das gassengewirr der altstadt, wo man noch allerhand handwerksberufe von nahem bestaunen darf, in indien wie immer in verschiedenen gassen angesiedelt. ich wohnte z.b. in der gasse der holzverarbeiter. die gassen sind teilweise sooo eng, dass nur ein einziger mensch durchpasst.
wenn ich gerade mal keine streifzüge mache und von kindern "gezwungen" werde, cricket zu spielen, dann mache ich ausflüge in die umgebung. abgesehen von einem ausflug zum sonnenuntergangspunkt des hiesigen stausees, machte ich mit danny noch einen kurztrip zu den gärten von mandor, etwa 10 km außerhalb.

affenfütterung in den gärten von mandor.

affenfütterung in den gärten von mandor.

Danny ist ein recht junger israeli und nachdem wir uns schon in bundi und mt. abu gesehen haben, hat sich eine kleine freundschaft entwickelt.

wir pilgern also durch den garten, bestaunen die tempel, die pflanzen und das spiel der affenbanden, die hier regelmäßig gefüttert werden. ein wenig müde setzen wir uns in den schatten eines strauches, als sich ein junger inder zu uns gesellt. ohne große vorreden beginnt er von den schwierigkeiten vorehelichen geschlechtsverkehrs zu erzählen. häää, was soll das denn?! danny versteht kein wort und irgendwann sagt der junge dann noch was von "250 rs". ich übersetze das mal für danny (und euch): der junge hält danny und mich für ein schwules paar und bietet uns seinen hintern für 250 rs an. danny ist entsetzt und kann das kaum glauben. ich dagegen überlege kurz und lehne dann dankend ab ....... es ist einfach zu teuer ......... hey, das sind schließlich zwei abendessen

danny und kamel (danny ist oben).

danny und kamel (danny ist oben).

danny beruhigt sich wieder, den typen (er klebte uns sozusagen am hintern) haben wir irgendwann auch noch losbekommen und so endet der abend auf einer dachterrasse mit einem fantastischen essen. auf dem nachhauseweg sind die gässchen schon fast menschenleer, der himmel klar. ein warmer wind weht mir straßenstaub und den geruch von räucherstäbchen in die nase.
ich freu mich schon auf jaisalmer, die stadt in der wüste.

jodhpur, im hintergrund das fort.

jodhpur, im hintergrund das fort.

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!