Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

INDIEN SPEZIAL: brian - ein hundeleben

brian von der glf (gloves liberation front)

brian von der glf (gloves liberation front)

als ich brian zum ersten mal sah, wirkte er ein wenig sonderbar auf mich. er stieg gerade von seiner armeegruenen enfield und schaute ernst, fast unnahbar. dann verschwand er in einem teuren lokal.
das zweite mal traf ich ihn in im "nubra valley", fuer mich ein mehrtagesausflug von leh. er war mit einem deutschen unterwegs in die richtung aus der ich gerade kam. wir hielten nebeneinander und die beiden beschlossen mich zu begleiten. an meinem zielort angekommen setzten wir uns in ein gartencafe und unterhielten uns ein wenig.
zwei dinge erschienen mir bemerkenswert: brian, als amerikaner, spricht deutsch und er liebt hunde. ich meine nicht so wie wir vielleicht hunde moegen oder tiere im allgemeinen, nein, er liebt hunde abgoettisch. ich glaube er koennte stundenlang ueber hunde reden, besitzt aber zum glueck genuegend taktgefuehl um es nicht zu tun. die beiden verabschiedeten sich, aber kurz darauf traf ich brian wieder und er bat mich fuer ihn ein zimmer in leh zu reservieren. so begann eine fuer mich interessante bekanntschaft.
wir trafen uns in der folgenden zeit unregelmaessig, aber doch recht haeufig und machten auch gemeinsam einen ausflug nach "tso moriri". bei fast allen treffen hoerte ich mindestens eine interessante geschichte aus seinem leben. brian hat schon so viel gemacht bzw. in so vielen berufen gearbeitet, dass er dabei zwangslaeufig einiges erlebt hat. ich habe ihn gefragt, ob er was dagegen hat, wenn ich ueber ihn berichte. nein, hat er nicht, aber ich soll seinen nachnamen weglassen. ok, kein problem.

bevor ich aus dem reichen fundus drei geschichten herausgreife, ein paar fakten: brian ist aelter als ich, so mitte bis ende 40, brillentraeger und mit dem harmlosen aussehen eines versicherungsagenten gesegnet. er ist leidenschaftlicher berufspilot (nach einer verpfuschten augen-op die naechsten jahre wohl eher weniger) und lebte vor dieser reise in manhatten. er hat allerdings auch schon als fotograf gearbeitet, ein paar jahre in nepal gelebt (er spricht immer noch leidlich gut nepali), wo er als reporter fuer die nepalesische airline bzw. deren bordmagazin gearbeitet hat und er war jahrelang als dokumentarfilmer in der welt unterwegs, lange begleitet von seinem labrador orwell (hab ich den namen richtig geschrieben brian?). in indien war er schon ein dutzend mal und suedostasien kennt er wie seine westentasche. deutsch kann er, weil seine mutter eine deutsche ist, spanisch kann er sicher auch und franzoesisch stellt offenkundig auch kein problem dar. brian kann george bush auf den tod nicht leiden und das macht ihn auf jeden fall schon mal symphatisch

aber jetzt zu den geschichten, wobei zwei aus der zeit als dokumentarfilmer stammen und eine aus dem fruehen privatleben:

a) brian sitzt in einem recht einsamen cafe im afghanistan der vortalibanzeit. er ist der einzige erkennbare auslaender dort und am nebentisch sitzen drei baertige maenner in landestracht, die sich auf englisch unterhalten. einer der drei fuehrt das grosse wort. "die ganze westliche welt und insbesondere amerika ist ein unmoralischer sauhaufen! es muss ordnung geschaffen werden und dafuer muss noch viel blut fliessen!" in dem stil geht es weiter, also richtig schoen muslimisch-fundamentalistisch.
falsch, es ist nicht osama bin-laden, der da diesen quatsch von sich gibt, nein, es ist ....... cat stevens.
ein bekannter amerikanischer saenger, der frueher mal begeisterter christ, dann ueberzeugter buddhist war und jetzt, bis zum heutigen tag, tiefglaeubiger muslim ist. selbiger tritt heute haeufig im fernsehen auf und macht auf vermittler unter den religionen, eroeffnet ueberall auf der welt koranschulen und laechelt fleissig. brian dagegen kriegt das grosse kotzen, wenn er dieses gesicht sehen muss.

b) das telefon klingelt in der new yorker wohnung. als brian abhebt, meldet sich ein mann, der vorgibt der praesident der burmesisch-amerikanischen handelskammer zu sein (die es allerdings nicht gibt). er bittet brian kurz zu warten und brian kann deutlich hoeren, dass der mann verzweifelt versucht ein tonbandgeraet zu starten. schliesslich scheint es geklappt zu haben und er bittet brian nochmal seinen namen zu sagen. im folgenden berichtet der mann brian von einem gerichtsverfahren in burma, das in seiner (brian`s) abwesendheit gegen ihn gefuehrt worden ist. er ist zum tode verurteilt worden! er fragt brian allen ernstes, ob dieser bereit waere nach burma zu kommen, um das urteil vollstrecken zu koennen!!!!!!!!! offenkundig hat brian abgelehnt, versteh das wer will

der hintergrund ist ein dokumentarfilm, den brian ein paar jahre zuvor gedreht hat. zu diesem zweck war er mit einem kameramann im grenzgebiet zwischen burma und thailand unterwegs. dort wohnt ein bestimmter volksstamm, der mit der militaerregierung burmas auf kriegsfuss steht. vermutlich wollen beide seiten den lukrativen drogenhandel an sich ziehen. brian trifft nach vielen umwegen und unter mithilfe durchgeknallter und kriegsgeschaedigter amerikanischer cia-agenten schlussendlich den damals weithin bekannten drogenkoenig der region. dieser mann ist, sein beruf laesst es vermuten, nicht gerade ein einfacher charakter. etliche asiatische journalisten haben bereits ihr leben gelassen, weil sie vielleicht eine unerwuenschte frage gestellt oder das muttermal auf der falschen seite hatten. brian bekommt sein interview mit der massgabe keine frage zu wiederholen, also mit der ersten antwort zufrieden zu sein. er kanns natuerlich nicht lassen und stellt eine frage dreimal (es ging um den mordauftrag an den chemikern einer rivalisierenden drogenorganisation). die leute um den drogenkoenig erblassen zusehends, aber der antwortet ruhig, nur dreimal voellig anders und gibt schliesslich auch den auftrag zu. das interview geht weiter, endet und brian und sein kameramann werden in ihre huette gebracht. am sehr fruehen morgen werden die beiden geweckt und zu einem spaziergang aufgefordert, ihr gepaeck koennten sie ruhig dalassen. die beiden scheissen sich natuerlich in die hosen, weil sie wissen, dass die anderen, ermordeten journalisten, auch auf sog. spaziergaengen erschossen worden sind. brian faengt an die trumpfkarte des amerikaners auszuspielen, also die internationalen verwicklungen und spannungen, die sein und des kameramanns tod hervorbringen wuerden. die beiden untergebenen des drogenkoenigs ziehen wieder ab und brian und sein begleiter koennen uebergluecklich am morgen mit dem ganzen filmmaterial abziehen. erst viel spaeter wird brian erfahen, dass es ein zufaellig anwesender onkel des drogenkoenigs war, der in seine argumentation ein einsehen hatte und seinen neffen ueberzeugt hat, sie leben zu lassen.

nur nebenbei sei noch erwaehnt, das er mit detailliert von den burmesischen foltermethoden berichtet hat und einmal ein angebot erhalten hat mit einem flugzeug voller waffen nach burma hineinzufliegen, genau in einen korridor, der von rebellen freigehalten werden sollte, flach ueber den baumwipfeln. er hat angenommen (!), weil er wusste, dass das niemals realitaet werden wuerde.

sei`s drum, das todesurteil besteht jedenfalls noch und brian taete gut daran, nicht nochmal nach burma einzureisen.

c) das amerikanische rechtssystem, ja das land an sich, ist bekannt fuer seine aberwitzigen millionenklagen. auch brian ist einmal auf eine million amerikanische dollar verklagt worden und der prozess hat fuenf jahre und viel schweiss in anspruch genommen. was war passiert:
brian hat eine wohnung in los angeles. neben ihm wohnt eine junge frau in seinem alter. man kommt sich naeher, hat ein verhaeltnis und trennt sich wieder. soll vorkommen
irgendwann klopft es an seiner tuer und draussen steht ein junger, sehr grosser mann. "bist du brian?" ... "ja" .... "ich werde dich umbringen!" das war der beginn einer langen "freundschaft". es stellt sich heraus, dass der mann der neue freund der nachbarin ist und von dem bereits beendeten verhaeltnis erfahren hat. von diesem tage an war es vorbei mit der ruhe in der wohnung. es folgten verschiedene kleine attacken, um brian fertigzumachen. das auto zerkratzt, beschimpfungen, vor die tuere wird meterhoch mist gekippt .... gute nachbarn eben. die junge frau laeuft mit bluterguessen durch die gegend, aber - und das ist ja nicht das erste mal das man sowas hoert - das scheint kein grund zur trennung zu sein. brian ruft irgendwann auch mal die polizei, aber der beamte ist eher aergerlich darueber, dass er wegen so einer lappalie das auto verlassen muss. der polizist erklaert dem psychopathen, dass es verboten ist jemanden direkt mit dem tode zu drohen, aber es waere legal zu sagen "wenn du meine freundin nicht in ruhe laesst, dann bring ich dich um". vielen dank herr polizist. es kommt wie es kommen muss, brian kauft sich zu seinem schutz ein gewehr. eines tages braucht er es auch tatsaechlich, als der verrueckte hinter ihm herrennt um ihn zu schlagen, vielleicht auch zu toeten. er erreicht mit grosser muehe seine wohnung und greift sich die waffe, der irre hinter ihm. im letzten moment richtet er die ungeladene waffe auf den verfolger und droht zu schiessen. der bleibt stehen und streckt die arme in die luft. brian versucht mit ihm zu reden und fragt was er denn tun muesse um endlich ruhe zu haben. der junge mann antwortet ihm er muesse ausziehen und nie mehr die junge frau ansehen, geschweige denn mit ihr sprechen. "ok ok, alles kein problem" sagt brian und laesst die waffe sinken. da stuerzt der irre vorwaerts, brian hebt die waffe und stoesst sie ihm mit voller wucht in den magen. da kruemmt er sich nun, der geistig kranke wurm und die freundin ruft gerade die polizei an, weil sie angst um ihren liebsten hat. brian verlaesst derweil den ort des geschehens und laesst den geisteskranken vor sich hinkotzen. als die polizei ankommt schildert das paerchen die ausgehende gefahr und schwoert stein und bein, dass brian noch in seiner wohnung ist .... bewaffnet. daraufhin stuermt die spezialeinheit des lapd die wohnung und legt sie in schutt und asche.

bis daher ist das ja schon eine geschichte, bei der man nur kopfschuettelnd zuhoeren kann, aber es kommt noch besser bzw. wir koennen den kopf noch staerker schuetteln. der junge mann verklagt brian auf die bereits genannte summe wegen dem schock, den er angeblich erlitten hat, als brian mit der waffe auf ihn zeigte.

das verfahren zieht sich hin und der psychopath hat einen anwalt zum bruder, das heisst es kostet den irren nicht viel. nach fast fuenf jahren treffen sie sich endlich vor gericht wieder, es steht eine aussage gegen die andere. der geisteskranke erzaehlt das uebliche maerchen vom wertvollen mitglied der gesellschaft, sozial engagiert, beruflich erfolgreich ...... ja, ja, bis zu dem tag, an dem er in die muendung blickte. seitdem sei er psyisch fertig.
es tritt die junge frau als zeugin auf, von ihr haengt alles ab. und tatsaechlich, sie bestaetigt eine geschichte, zum glueck die von brian. die geschworenen beraten nur kurz und weisen die klage ab. noch im gerichtssaal droht der psychopath "ich bring dich um", aber der richter meint nur er wolle sowas in seinem gerichtssaal nicht hoeren. amerika, was bist du doch fuer ein tolles land.

so, dass war es mit den geschichten. abruptes ende, was? es muss aber sein, obwohl ich noch seiten fuellen koennte.
vielen dank brian ..... wir bleiben in kontakt. wenn du mal wieder in deutschland bist, melde dich bei mir.

brian in natura

brian in natura

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!