Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

INDIEN SPEZIAL: goldenes jubiläum - 12000 km in indien

ich habe überlebt! knapp 12000 km in indien auf einem motorrad und überlebt. das ist doch schon mal 'ne leistung.

aus diesem grund fühle ich mich auch berufen, ja geradezu verpflichtet, den geneigten lesern eine antwort zu geben auf die immer drängendere frage: "ralf, du alter haudegen, wie hast du das gemacht?".

unterwegs in leh

unterwegs in leh

nun, die kurze antwort wäre "glück gehabt", aber sowohl ihr als auch ich haben ein wenig zeit, deshalb kann die antwort ruhig länger ausfallen, oder?
zu diesem zweck nun habe ich eine reihe von hinweisen, vermischt mit erfahrungen, in worte gefasst und sie, bescheiden wie ich nun mal bin, "leersätze des meisters" genannt. wohlan:

leersätze des meisters

  • es gibt regeln im indischen straßenverkehr, auch wenn du nichts davon merkst. es hält sich zwar keiner daran, niemals, aber ab und an doch. im zweifelsfall, und diesen fehler machen anfänger oft, nicht bremsen, sondern hupen! sehr laut hupen, denn die lautstärke der hupe sagt viel über deine rechte auf der straße aus und für die vielen männlichen verkehrsteilnehmer auch viel über deine schwanzlänge. lass dir deshalb eine hupe mindestens halb so groß wie das motorrad einbauen, zur not verzichte auf gepäck.


  • die straßenverhältnisse sind besser als du glaubst, aber schlechter als du meinst. manche sprechen allerdings - in anlehnung an den touristentypischen durchfall in mexiko - von "des straßenbaumeisters rache". löcher im asphalt sind aber nicht das ergebnis von pfuscherei oder unkalkulierbaren wetterverhältnissen, sondern von banaler korruption. erhebungen dagegen sind das ergebnis von idioten. es gibt die kleinen-unscheinbaren, viele mittelgroße und schlimmstenfalls natürlich auch sehr große erhebungen, die meistens auch noch im schatten eines baumes versteckt liegen. letztere werden auch "pilotenschein für anfänger" genannt. wenn du zehn davon überlebt hast, darfst du bei der lufthansa anrufen und eine 30%ige gehaltserhöhung verlangen.


  • noch nicht allgemein bekannt, aber jetzt hier publiziert: in indien gibt es ein biologisch hochinteressantes selbstmördergen. nicht nur menschen tragen es in sich, nein, auch viele hunde, hühner, kühe, affen usw. dieses gen scheint für eine schicksalhafte aktivität verantwortlich zu sein - dem ich-lauf-jetzt-mal-über-die-straße-und-schau-nicht-verhalten. obwohl das darwinsche prinzip auch hier seine wirkung entfaltet und einige der bedauernswerten genträger aus der lebensmitte reißt, so muss ihm andererseits doch eine enorme verbreitung attestiert werden. wenn du also jemanden am straßenrand stehen siehst, ihr euch gegenseitig in die augen blickt und du deshalb beruhigt gas gibst .... sei gewarnt: er wird trotzdem loslaufen! aber er kann nichts dafür - es sind die gene!


  • fahre immer mit licht, auch wenn du der einzige bist. die straße wird dadurch nicht besser, deine verkehrsgegner nicht klüger, aber du wirst zumindest bemerkt. wie sehr wird dir klar werden, wenn wildfremde menschen auf dich zustürmen (achtung: nicht mit obigem punkt verwechseln!), um dich darauf hinzuweisen, dass dein licht an ist. hausfrauen verlassen den heimischen herd, kinder hören mit dem spielen auf, männer kratzen sich nicht mehr die eier, sondern geben dir aufgeregt zeichen. soviel aufmerksamkeit wirst du nicht mal einheimsen, wenn du tagsüber mit einem stück klopapier am kopf durch die marktstraßen gehst (getestet!).

wenn am abend, kurz vor mitternacht, auch die anderen verkehrsteilnehmer sich dazu entschließen licht anzumachen, sei darauf gefasst, dass dich alle blenden. ganz ruhig, das ist normal. fahr genau vor sie und blende zurück. das ist die einzige sprache, die sie verstehen![/punkt]

  • der indische staat ist uns im umgang mit geisteskranken weit voraus. schon seit einiger zeit gilt hier die maxime, dass sich auch diese menschen aus eigener kraft und arbeit heraus ernähren sollen. aus diesem grund werden in indien, natürlich ohne jedwede prüfung, führerscheine für busse und lastwagen an geisteskranke ausgegeben. das macht sich natürlich bemerkbar. die frage ist nun, wie man die geisteskranken von den anderen unterscheiden kann? die antwort lautet: überhaupt nicht! das ist einerseits ein erfolg für den indischen staat, andererseits grund vieler schweißausbrüche und herzattacken bei motorradfahrern. im zweifelsfall ist der entgegenkommende fahrer ein geisteskranker und du tust gut daran die straße rechtzeitig zu verlassen .... falls du noch kannst! neben geisteskranken sind leider auch noch sehbehinderte fahrer unterwegs. aber keine sorge, die meisten haben blindenhunde auf dem beifahrersitz. diese gut ausgebildeten hunde bellen wenn es gefährlich wird und der fahrer weicht dann irgendwohin aus. schwierig kann es werden, wenn man selbst gerade irgendwohin fährt oder der blindenhund ein sehr kleiner hund ist, der nicht nach draußen schauen kann. in diesem fall .... viel glück!


die befolgung dieser hinweise erhöht die lebenschancen drastisch, wenn auch nicht für jeden.
die beste zeit für eine reise in indien auf dem motorrad sind übrigens die tage zwischen januar und februar, da sind erfahrungsgemäß alle inder im auslandsurlaub.

eine komplette ausführliche studie über das indische verkehrswesen kann bei einem freund bestellt werden. bitte rückporto beilegen und den umschlag an

d. oppelbruch
krankenhausweg 1
09110 unfallort

schicken. vielen dank für die aufmerksamkeit.

Hinweis der Redaktion: die Fortsetzung von Ralfs Reise gibt es hier: Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien: Thailand, Laos, Kambodscha und Myanmar

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!