Kambodscha-Reisebericht :Südostasien, nur wohin?

KAMBODSCHA: Letzte Tage

Angesichts der Tatsache, dass der Rollerfahrer recht flott und offenbar ohne Bremse unterwegs ist, bewahrt die Kuh geradezu stoische Ruhe.

Angesichts der Tatsache, dass der Rollerfahrer recht flott und offenbar ohne Bremse unterwegs ist, bewahrt die Kuh geradezu stoische Ruhe.

Zurück in Phnom Penh, wo wir leider die Motorräder zurückgeben müssen, verbringen wir unsere Tage größtenteils müßig.
Pizza, Drogen, Korruption:
Drogen sind in Kambodscha natürlich illegal. Will also ein Gastronom Marihuana an Touristen verscherbeln, muss er erst mal die Polizei "bezahlen". Die bewacht dann das Restaurant, damit den Touristen nichts passiert, während die ihre Pizza essen.
Pizzas gibt es in verschiedenen Ausführungen:

  • nur Pizza,

  • "Happy Pizza",

  • "Very Happy Pizza" und

  • "Very Very Extremly Happy Pizza" (nur für Geburtstagskinder).

Tja, erstens kenne ich mich mit Drogen überhaupt nicht aus, zweitens wird man nur durch Erfahrungen klüger und drittens hat einer meiner Schweden heute Geburtstag. Um es kurz zu machen, lustig ist's zwar schon, aber jeglicher Eigenständigkeit und jeglichen klaren Gedankens beraubt zu sein, ist für mich letzlich kein Spaß. Und da auch der nächste Tag nur zur Hälfte von mir geprägt wird und zur anderen Hälfte vom Liegen in einer Hängematte, ist diese Pizza nicht gerade eine Bereicherung meines Urlaubs.

Sonnenuntergang am See vor meiner Hängematte in Phnom Penh.
Und zwar so, wie ich ihn gesehen habe.

Sonnenuntergang am See vor meiner Hängematte in Phnom Penh.
Und zwar so, wie ich ihn gesehen habe.

Die restliche Zeit in der Hauptstadt verbringe ich mit Bummeln auf Märkten und flirtend mit den Mädels aus der Nachbarschaft.
Der hübschen Tochter vom Waschsalon nebenan gebe ich ein wenig Französisch-Unterricht - was sich ausschließlich auf die Sprache bezieht! - und von der Internet-Cafe-Tochter lasse ich mir die Stadt zeigen. Aber in erster Linie bin ich faul und warte auf meine Abfahrt.
Währenddessen verlassen mich meine beiden schwedischen Reisekumpanen in Richtung Vietnam und ich bleibe zurück, hoffnungslos, einsam und genervt von meiner drohenden Ausreise aus diesem tollen Land.

3 Mönche beim traditionellen Frühstück-Beschaffungs-Gang. Nach erhaltener Spende (Essen oder Geld) empfängt der Spender in Demut einen im Chor gesungenen Segen.
Auch ich trage meinen Obulus bei, verstehe jedoch leider kein Wort von dem Gesinge.

3 Mönche beim traditionellen Frühstück-Beschaffungs-Gang. Nach erhaltener Spende (Essen oder Geld) empfängt der Spender in Demut einen im Chor gesungenen Segen.
Auch ich trage meinen Obulus bei, verstehe jedoch leider kein Wort von dem Gesinge.

Fahrrad-Rikschas sind in Kambodscha immer noch ein beliebtes Fortbewegungsmittel.

Fahrrad-Rikschas sind in Kambodscha immer noch ein beliebtes Fortbewegungsmittel.

Phnom Penh - Bangkok Overland an einem Tag?
Ich muss irgendwie zurück nach Bangkok, weil ich dort 2 Freundinnen aus Deutschland treffen will. Nur wie soll ich die weite Distanz überwinden? Jeder, den ich frage, sagt mir, es gebe nur 2 Möglichkeiten: Flug oder 2 Tage über holprige Pisten. Ich habe weder Lust auf einen 105-Dollar-Flug noch auf 2 Tage Zeitverlust inklusive Rückenschmerzen.
Im Internet stoße ich auf eine alternative Route über Südwest-Kambodscha, die nur mit sehr viel Glück und nur in eine Richtung (nämlich nach Thailand) an einem Tag zu schaffen ist.

Ein Beifahrersitz für zwei im Share-Taxi nach Thailand.

Ein Beifahrersitz für zwei im Share-Taxi nach Thailand.

Also beschaffe ich mir frühmorgens im Stadtzentrum Phnom Penhs ein Sammeltaxi, mit dem netten Nebeneffekt, dass ich mir den Beifahrersitz teilen muss. Und zwar mit einer wunderschönen Kambodschanerin. Herrgott, und ich Idiot bin 2 Wochen mit dem Motorrad sinnlos durch die Gegend gegurkt, anstatt die Sprache zu lernen. Echt, so eine Zeitverschwendung.
Jetzt sitze ich also eng auf eng in diesem Schalensitz, fluche still vor mich hin und höre mich laut sagen: "Khniom tschmoa Martin", womit mein Khmer auch schon an seine Grenzen stößt. Doch sie nimmt's locker, lacht sich halb kaputt bei meinem lächerlichen Versuch, meine erste Jack-Fruit zu essen. Ich bin hilflos wie ein kleines Kind, habe keine Ahnung, wie ich dieses riesige Obst in meinen Mund bringen soll. Sie geht mir zur Hand, zerlegt mir die Frucht in mundfertige Stücke und reicht mir eins nach dem anderen, ich selbst muss nur noch kauen. Die 6-stündige Taxifahrt ist ausgesprochen kurzweilig, tolle Landschaft, tolle Reisebegleiterin.

Jack-Fruit.
Vorher-Nachher-Foto.

Jack-Fruit.
Vorher-Nachher-Foto.

Wir haben Glück, es ist wenig Verkehr - vielleicht weil Sonntag ist - und die 4 Fähren, die man zwischendurch immer mal wieder nehmen muss, warten immer schon auf uns. So haben wir keinerlei Verzögerungen und erreichen die Grenze schon um 2 Uhr. Mit schmerzendem Herzen lasse ich mich ausstempeln und finde (entgegen meiner eigentlichen, reichlich komplizierten Routenplanung) auf der anderen Seite einen Touri-Bus, der nur noch auf mich wartet und mich direkt nach Bangkok bringt. Offiziell existiert dieser Bus noch gar nicht, muss ganz neu sein. Ich erspare mir 3 Umsteigereien und geschätzte 7 Stunden zusätzliche Fahrtzeit und schon um 20 Uhr, statt wie geplant um 3 Uhr, befinde ich mich wieder in der vollkommen überfüllten Khao San Road (in die ich eigentlich gar nicht wollte ...) und brauche eine geschlagene Stunde, um ein Zimmer zu finden.

© Martin Gädeke, 2003
Du bist hier : Startseite Asien Kambodscha Kambodscha-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem offenbar vor wenigen Stunden die thailändische Botschaft in Kambodscha abgebrannt ist - offenbar nicht ohne Fremdeinwirkung - stehe ich nun vor dem Scherbenhaufen meiner hochtrabenden Kambodscha-Pläne. Sicher scheint im Augenblick nur die Landung in Bangkok - die Frage nach dem "Wohin" wird sich dann wohl dort lösen.
Details:
Aufbruch: 08.02.2003
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 23.03.2003
Reiseziele: Katar
Thailand
Kambodscha
Phnom Penh
Laos
Kambodscha-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors