Kambodscha-Reisebericht :Südostasien, nur wohin?

INFORMATIONEN: Kambodscha: Landweg

Okay, Kambodscha ist ein unglaublich armes Land im Osten Thailands und bekannt durch 2 Dinge:

  • Angkor Wat, die ungluecklicherweise zerfallene Tempelstadt

  • Pol Pot, der gluecklicherweise verstorbene Diktator

Und dort fahre ich jetzt hin.

Hier ein kurz gefasster Erfahrungsbericht zum Thema "Wie komm ich da hin?".
Duerfte nicht von allgemeinem Interesse sein, sondern nur von Belang, wenn man da tatsaechlich hin will ...

Die Anfahrt von Bangkok kommend.

Die Anfahrt von Bangkok kommend.

0. Uebersicht

0.1. Verkehrsmittel
Prinzipiell gibt es 3 verschiedene Wege:

  • Flug

  • Touri-Bus (Khao San Road)

  • oeffentliche Verkehrsmittel (Bus oder Bahn)

Eine ausgesprochen ausfuehrliche, erschlagende und englische Gebrauchsanweisung gibt es hier: Cambodia Overland.
Bei mir gibt es erstens nur die KNAPPE Zusammenfassung, die auf die Laenge des Originaltextes schliessen laesst (sollte aber eigentlich reichen), und zweitens gibt es bei mir nur oeffentliche Verkehrsmittel - Geschmackssache ...
Ich bin direkt nach Siem Reap (Kambodascha) gefahren, das ist dort, wo auch Angkor Wat ist. Der Weg dorthin geht ueber die Grenzstation zwischen Aranya Prathet (Thailand) und Poipet (Kambodscha).

0.2. Zeitpunkt
Zuallererst sollten Sie sich einen Flug nach Bangkok besorgen
Von dort bis zur kambodschanischen Grenze (Aranya Prathet) geht's per Bus oder Bahn. Bus ist schneller als Bahn. Also Bus.
Stellt sich noch die Frage nach dem Zeitpunkt:

  • Die ganze Tour (bis Siem Reap) in einem Tag schafft man nur, wenn man richtig frueh aufsteht. Aufbruch per Bus vor 8 Uhr, um die Grenze noch vor den Khao-San-Touri-Frachtern zu erreichen, die sonst fuer 2 Stunden die Passkontrolle blockieren.

  • Oder die gemuetliche Variante, irgendwann los (vor 5 oder so) und in Arunya Prathet uebernachten. So hab ich's gemacht.


1. Von Bangkok nach Aranya Prathet
Wann auch immer Sie fahren, der Bus startet am Northern Bus Terminal:
Der Bequemlichkeit halber (ist naemlich verdammt weit) habe ich mir ein Taxi genommen (45 Minuten, 110 Baht/2,75 Euro). Dem Taxifahrer erzaehlen Sie: "Satahni Morchit!", das bedeutet "Morchit Station" und ist der Name des Northern Bus Terminal. Wenn er nicht versteht, was Sie wollen, versuchen Sie es mit "Chatuchak!" und erklaeren ihm, dass es um Busse geht (sonst faehrt er Sie naemlich zum Weekend-Market, der genauso heisst - und da ist es ziemlich langweilig, wenn grad kein Wochenende ist).
Am nicht zu kleinen Busbahnhof angekommen, nichts wie rein ins ERDGESCHOSS. Sie wollen einen Erste-Klasse-Bus, ist schneller, gar nicht teuer und Sie werden auch hier trotzdem der einzige Wessi sein. Da sich der Preis nach der Laenge der Strecke richtet, wollen Sie natuerlich den billigsten Erste-Klasse-Bus. Also auf zum Schalter 30, "Aranya Prathet", blaue Schrift. Kostet 164 Baht, ungefaehr 4 Euro bei 4,5 Stunden Fahrtzeit. Bus Nummer 30 faehrt so ca. jede Stunde, und zwar an Parkbucht 121.

Essen am Northern Bus Terminal. Die Maedels sind ganz begeistert - wovon, sag ich nich.

Essen am Northern Bus Terminal. Die Maedels sind ganz begeistert - wovon, sag ich nich.

Ich bin der einzige Farang im ganzen Bus. Es kommen immer mehr Thailaender dazu und nur ein Platz bleibt frei. Und zwar der neben mir. Schaetzungsweise bin ich einfach zu exotisch. Diskriminiert jedoch fuehle ich mich nicht.

Okay, nur ein Bus. Langweilig.

Okay, nur ein Bus. Langweilig.

2. Von Aranya Prathet zur Grenze

In Aranya Prathet angekommen, nehmen Sie entweder ein Tuk-Tuk zur 5 km entfernten Grenze (40 Baht/
1 Euro) oder ins Zentrum (30 Baht/0,75 Euro) - Empfehlung: Garden 1 Hotel, tolles Zimmer, 150 Baht/3,75 Euro. Die Tuk-Tuk-Preise sind Festpreise, Feilschen bringt nichts, ausser dass Sie sich blamieren.

3. Grenzformalitaeten
Sobald Sie an der Grenze angekommen sind (wie gesagt, nach Moeglichkeit vor 12.30 Uhr), passen Sie erst mal auf, dass die kambodschanischen Haendler dort bleiben, wo sie sind, naemlich ausserhalb des Tuk-Tuks. Das ist bei mir nicht ganz unproblematisch, faehrt doch mein Tuk-Tuk-Fahrer extra-langsam, vermutlich, um das Aufspringen zu erleichtern.
Raus aus dem Tuk-Tuk und den Schildern (bzw. dem Spalier von Haendlern und bettelnden Kindern) folgen bis zum thailaendischen Immigration Office.
Den Haendlern dabei auf gar keinen Fall Aufmerksamkeit schenken, noch nicht mal per Blickkontakt - man wird sie sonst nie wieder los. Auf die Frage nach dem "Wohin" auf keinen Fall mit "Siem Reap" antworten, denn dann ist man Freiwild. Besser ist dann die Antwort "Swai", das ist der einheimische Name fuers naechste Kaff namens Sisophon und zeigt, dass man kein Neuling ist (von wegen!). Und das Gepaeck immer schoen festhalten, es wird gestohlen!!!
Die Thailaender stempeln einen ohne Probleme aus und mit etwas Glueck und Freundlichkeit erhaelt man auch noch einen kleinen Khmer-Sprachkurs:
Hallo: "Sua sedai."
Danke: "Oh kun."
Ciao: "Lia hey."
Kann man dann auch gleich anwenden.
Dann weiter dem Spalier von Haendlern folgen bis zum Visa-Buero. Das Visum kostet 1000 Baht und ein Passfoto, nicht, wie offiziell verlautet, nur 20 Dollar und zwei Passfotos. Da gibt es auch kein Feilschen. Ist ja wohl klar, wohin die zu viel gezahlten 3,50 Dollar wandern. Der Visumsantrag wird von Mittelsmaennern uebernommen, die das Geld und den Pass durch die Gegend reichen und vermutlich fett Provision kassieren. Sie lassen einen nicht bis zum Visumsschalter vor.
Mit dem fertigen Visum geht's dann einfach geradeaus zum Check-in, kurz die Einreisepapiere ausfuellen und abstempeln lassen.

4. Von Poipet ueber Sisophon nach Siem Reap
Sobald Sie kambodschanischen Boden erreichen, wird Ihnen der Unterschied sofort auffallen: Es ist staubig, nicht asphaltiert, laut und die Leute sind bitterarm.

Was Sie jetzt wollen, ist Folgendes:

  • ein Fahrzeug mit Klimaanlage (keine Angst, es werden noch genug Moeglichkeiten kommen, authentisch zu reisen)

  • ein Fahrzeug, das FAST voll ist (um die Wartezeit auf weitere Kunden zu vermeiden)

  • ZWEI Sitze in diesem Fahrzeug, fuer Sie und Ihr Gepaeck

  • und das zu einem Preis von insgesamt 300 Baht (7,50 Euro, 100 Baht bis Sisophon und 200 Baht fuer den Rest der Strecke bis Siem Reap, teilweise ist Umsteigen noetig)

Ein paar hundert Meter nach der Grenze befindet sich ein Kreisverkehr. Dort warten groesstenteils leere Fahrzeuge. Also falsche Ecke. Gehen Sie also weiter, so um die 500 Meter, und im Zweifelsfall sogar bis zum Marktplatz von Poipet, was noch mal ein Stueck weiter ist (Motortaxis sind dort teilweise umsonst, weil eh alle zusammenarbeiten). Dort schauen Sie nach herumfahrenden Toyota "Camrys", die suchen noch Mitfahrer. Preis aushandeln, basta.

So weit die Theorie. Bei mir lief's ein bisschen anders. Ich habe keine fast vollen Kleinfahrzeuge ausmachen koennen und habe darum einen fast vollen Bus genommen. Vermutlich waere noch etwas feilschen drin gewesen, ich habe 350 Baht bezahlt. Dafuer musste ich nur 10 Sekunden warten und habe den letzten Platz bekommen, wie gewuenscht mit meinem Gepaeck neben mir. Und der letzte Platz ist neben dem Fahrer, darum gibt's hier auch so tolle Fotos.

Roadworks.

Roadworks.

Die Fahrt selbst dauert dann noch mal so um die 4,5 Stunden fuer knappe 160 Kilometer. Verglichen mit den 11 Stunden von vor 5 Jahren, ist das doch schon mal was. Ein paar Esspausen gibt's auch und darum auch Kontakt mit den hohen kambodschanischen Preisen.

In Siem Reap suchen Sie sich ein Guesthouse (sorry, keine Empfehlung) und dann kann der "Spass" auch schon losgehen.

Und wie komm ich da wieder weg?

Phnom Penh - Bangkok in einem Tag.

Phnom Penh - Bangkok in einem Tag.

Ich musste von Phnom Penh nach Thailand, also gibt's hier nur diese Beschreibung. Die eignet sich dafuer aber sowohl fuer Fahrten nach Bangkok, als auch fuer Fahrten zu den oestlichen thailaendischen Inseln (Kho Chang, Kho Samet, ...).
Prinzipiel gibt es auch hier wieder verschiedene Wege, der einfachste ist sicherlich der per Flug. Doch fuer 85-97 Dollar nach Bangkok, zzgl. verschiedener Gebuehren, war das etwas zu teuer fuer mich. Ausserdem kann man natuerlich jedes Ziel per Bus erreichen, fuer die Strecke PP-BKK braucht man dabei allerdings 2 Tage.
Erst seit Ende letzten Jahres gibt es dank neuer Strassen eine Moeglichkeit, den langen Weg nach Bangkok innerhalb eines Tages zu schaffen. Das funktionniert jedoch bisher zuverlaessig nur in die eine Richtung, da man auf den thailaendischen Nachtbus angewiesen ist.
Die Route fuehrt von Phnom Penh aus suedwestlich an Sihanoukville vorbei (perfekte Strasse) und nach Kho Kong (naja), dort ueber die Grenze und weiter nach Bangkok oder jedwedes andere Ziel.

Flussueberquerung in Suedwest-Kambodscha.

Flussueberquerung in Suedwest-Kambodscha.

1. Phnom Penh: Fruehmorgens (spaetestens um 8 Uhr) an der Suedwest-Seite des Central Market ein Share-Taxi nach Kho Kong ergattern (Tipps zu Taxis s. vorheriges Kapitel). Standardpreis: 400 Baht. Ist man der letzte Gast (und nur dann), lohnt es sich, zu handeln.
2. Kho Kong: Nach mindestens fuenfeinhalb Stunden Fahrt - in der Trockenzeit und ohne Wartereien auf die 4 zu benutzenden Faehren - erreicht man Kho Kong. Dort wird man vor einer riesigen, neuen Bruecke abgesetzt.
3. Die Bruecke: kostet Maut, drum muss man sich ein Motorradtaxi suchen oder den bisherigen Fahrer ueberzeugen. Kostet dann also nochmal ein paar Dollar, wieviel genau habe ich vergessen, wird nach meiner Heimkehr nachgeliefert.
4. Die Grenze: Der Goodbye-Stempel der Kambodschaner ist umsonst, kostet also keine 100 Baht. Wird Geld verlangt, genuegt nach verschiedenen Berichten die Drohung mit der Tourismuspolizei oder sogar einfach nur ein abwehrendes aber freundliches Laecheln. Der thailaendische Stempel ist umsonst, bei ueber 30 Tagen Verweildauer braucht man aber ein Visum vorab. Nach Aussage der thailaendischen Botschaft Deutschland muss man beweisen koennen (Flugticket), dass man nur 30 Tage bleibt. Wird aber wohl nie nachgeprueft.
5. Transfer: Die naechste thailaendische Stadt ist Trat, der etwas laengere Transfer zum dortigen Busbahnhof kostet Festpreis 100 Baht. Dort kann man sich dann entscheiden, wohin es gehen soll, Bangkok oder Pattaya ...
Mit etwas Glueck (in meinem Fall) wartet aber an der Grenze ein erst seit kurzem fahrender Khao San Road-Bus, der einen fuer 400 Baht zusammenpfercht und dafuer aber innerhalb von nur 5 Stunden nach Bangkok bringt. Die Zeitersparnis ist enorm, da weitere Wartezeiten wegfallen und der Minibus auch recht flott unterwegs ist. Der Preis ist ungefaehr derselbe, wie der fuer einen oeffentlichen Bus (100 Baht Transfer nach Trat + max. 200 Baht Fahrtkosten + 100 Baht fuers Taxi in Bangkok mitten in der Nacht = 400 Baht).

© Martin Gädeke, 2003
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem offenbar vor wenigen Stunden die thailändische Botschaft in Kambodscha abgebrannt ist - offenbar nicht ohne Fremdeinwirkung - stehe ich nun vor dem Scherbenhaufen meiner hochtrabenden Kambodscha-Pläne. Sicher scheint im Augenblick nur die Landung in Bangkok - die Frage nach dem "Wohin" wird sich dann wohl dort lösen.
Details:
Aufbruch: 08.02.2003
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 23.03.2003
Reiseziele: Katar
Thailand
Kambodscha
Phnom Penh
Laos
Kambodscha-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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