Laos-Reisebericht :Fahrrad..Erde..Ein Jahr.."Runde Sache"

Laos

"Sabaai dii" ihr Lieben!
Das war die Begrüßung auf laotisch! Auf Thai hieß es ja noch sa wat dii, und daran seht ihr, die beiden Sprachen sind sich im allgemeinen sehr ähnlich, gut 90% wird untereinander verstanden. Bezahlt wird in kip, doch der Thai-baht wird oftmals akzeptiert.
Nach einem Monat Laos und mittlerweile 7 von 13 verstrichenen Reisemonaten gibt's hier das neue Update aus einem Land, das an unberührter und unveränderter Natur, in der nur ca. 6 Millionen Menschen leben, kaum noch zu übertreffen ist. Es sollten am Ende 4 Wochen Aufenthalt werden, kürzer war einfach nicht möglich, wenn man Laos wirklich erleben will.
In Laos ist der französische Einfluss vielerorts deutlich spürbar in Architektur, Straßenführung, Namensgebung udgl., daher ein kurzer Einblick in die Historie. Ab dem 14. Jahrhundert wuchs das Lan Xan Königreich mehr und mehr, verdrängte andere Königreiche, erreichte im 17. Jahrhundert das größte Ausmaß zur größten Macht in Südostasien. Ab dann verfiel es mehr und mehr unter der Macht der Siamesen , die das Gebiet des heutigen Lao als Pufferzone gegen die zunehmenden Franzosen verstanden. Die Franzosen vertanden eine geschickte Taktik einer Mischung aus süßem Gerede und Kanonenboot- Diplomatie um die Siamnesen zur Aufgabe aller Gebiete östlich des Mekong zu zwingen. Laos war somit geboren. Die Franzosen taten reichlich wenig für Laos, erlaubten einzig die Opiumproduktion um für die Verwalter Berühmtheitgrad für den Träumer- Lebensstil zu erreichen. Die erste nationalistische Bewegung gab es schließlich nach dem Abzug der Japaner am Ende des 2. Weltkrieges um das Land zu den französischen Regeln zurückzuführen. Die Franzosen kamen zurück und verschwanden 1953 im Guten Sinne. Ab dann war Laos gute 20 Jahre lang bis 1973 der Theaterschauplatz des geheimen Krieges, in dem die Nordvietnamesen Unmengen Kriegsmaterial in den Osten Laos schafften und die USA dort ihre größte Bombardierungsoffensive aller Zeiten startete. Nun, soweit zur Geschichte. Im Moment befindet sich das noch immer kommunistische einparteiengeführte Land in einem Umbruch und erfährt zunehmend westlichen Charakter.
Somit zur Reisegeschichte. Der Bericht hat wieder einmal gut Länge bekommen, nehmt euch daher gern eine halbe Stunde Zeit für einen kurzen Ausflug nach Laos.
Der Grenzwechsel von Thailands Chiang Kong mit dem Boot auf die andere Seite des Mekong river ins Laotische Huay Xai verlief "beinahe" ohne Aufregung. Kann nicht leumden, dass ich Opfer einer Tuk-Tuk-Fahrer- Grenzbeamtenmafiaaktion wurde, in dessen Fettnäpfchen mit Sicherheit regelmäßig Reisende treten. Viele Thailandreisende die nach Laos wechseln planen oftmals auf den letzten gültigen Visatag, da allein schon Thailands Norden zu umfangreich ist, um vor Ablauf der 4 Wochen bereits einen Grenzübergang zu vollziehen. Nun, mein Visa verstrich am 07.04., der Grenzübergang sollte nach Lonelyplanet und Aussage anderer Reisender bis 18:00 möglich sein. Mit Busankunft um 16:30 war nach ganz sicherer Aussage des Herrn Tuk Tuk seit 16:00 kein Laos mehr möglich. Nach einer weiteren Nacht in Thailand erfuhr ich denn am nächsten Morgen am Pier doch die 18:00- Version, den Grenzbeamten ließ das natürlich kalt, mich kostete es einen Tag Visaüberziehung von 500 Baht. (nicht die Welt, doch dafür hätte es in Laos auch paar Mal was leckeres zu Essen gegeben- das versoffen wahrscheinlich am Folgeabend der Herr Tucktuck und der Grenzbeamte ).

Das andere Ufer mit "Brave Blacky" erreicht, setzte ich mich nach 2 Stunden Visacheck aufgrund all der Touristenflut und einem Beinahecrash mit dem Rad auf dem Weg zur Anlegestelle (da auf einmal wieder Rechtsverkehr!!- die Dame im Auto sowie meiner einer schauten uns gut 5 Sekunden lang verdutz an, ehe sie mir meine Fahrbahnseite durch Handbewegung deutlich machte ) in die 2 Tages- Fähre nach Luang Prarang. Nun, die meisten anderen Eingeschifften wählten die gleiche Reisevariante und so legte sich "BB" aufs Dach und genoss das Flusspanorama von oben. Nun, unter dem Dach gab es dafür mehr zu erzählen,

das kleine Mädel aus Norwegen wollte mir ein wenig aus ihrer mitgebrachten Lektüre vorlesen- als ich den Titel las, dachte ich, ich träume noch! Ist das nicht manchmal irrer Zufall im Leben?

Das Schiff machte so am ein oder anderen Flussdörfchen vor Anker, um das herangeschaffte Gut zu entladen. An diesem "Pier" ging nicht alles rund.

Nach dem ersten Laostärkerchen selbstverständlich inclusive "beer lao" in Pakbeng..

erreichten wir am Folgeabend das östlich gelegene Luang Prarang.

Das kleine Lao- Mädchen hielt den Kapitän die Fahrt über ordentlich bei Laune,

und die Schiffahrt selbst hatte wunderschönes abwechslungsreiches Uferpanorama,..

..Fischer bei ihrer alltäglichen Arbeit, eine Menge sich im Wasser tümmelnde Wasserbüffel, verwirrte Blicke mancher Dorfkinder bei Anbetracht der vorbeituckernden Schar Fremdlinge auf dem Boot, einen photografiersüchtigen von backbord nach steuerbord und retour eilenden Russen und so manches mehr zu bieten.

Luang Prarang ist neben der Landeshauptstadt Vientiane Lieblingsdomizil Laoreisender und so verstehen sich hier viele Restaurants und Gasthäuser o Mass.

Anbetracht der genialen Lage verwundert das auch nicht.

Auf den frisch eingetroffenen Komfortmatratzen hatten mit Sicherheit andere Touristen ihre Freude, ich bin das harte Schlafen ja schon gut gewöhnt im lowbudget- Schlafgemach

So eine Wassermelone für gerade mal 30€ Cent, das sind ca. 3'000 kip, ja ihr seht, wenn hier jemand nicht mit Nullen umgehen kann, dann ist er in Lao am falschen Ort und ist schnell um sein Geld betrogen. Mit den beiden Ungarn hier war das lecker süsse Obst schnell verschlungen.

Auch so manches deutsches Prachtexemplar auf 4 Rädern findet sich in Luang Prarang. Daß diese beiden gut gepflegten Lieblingskinder von Oldtimerfreunden ihren Weg in den Mekong gefunden haben, ist vermutlich den Franzosen anzuhaften.

Lest mal das untere Schild aus einem kleinen Nachbardorf. Ist es nicht witzig, wo die deutsche Sprache überall hingetragen wurde. Ob hier auch deutsche Kinder zur Schule gehen?

Insbesondere LP. Strassen sind sehr berüchtigt für die überall stattfindenden watersplash-Attacken. Einen Moment nicht aufgepasst, ist die Umsonst-Dusche garantiert. Wie gut, daß alles schnell wieder trocknet.

Nun, und von allen bislang gesehenen Mönchsgarnituren gefiel mir bis dato die geschickte Orange-gelb Farbabstimmung am besten.

Anscheinend ein laotischer Brauch, daß das Wachpersonal unter Moskitonetz im Gasthauseingang die Nacht verbring.

Mit Blacky wurde dann die erste von vielen folgenden Lao- Radetappen in Angriff genommen. Das 120 km nördlich gelegene Pak Mong auf zumeist flacher Strecke entlang und über das Pak Ou'Flüsschen wie gemacht zum einradeln.

Seht, in Deutschland ist oft ein Fahrrad nicht genug für ein verwöhntes Kind wie mich, in Laos müssen drei Dreikäsehochs auf einem (gilt übrigens auch für Mopeds) Vorlieb nehmen. Aber dafür hat der Gruß auch dreifaches Gewicht.

Naturell ist dieses Land im mittleren Mekong einfach nur Augenweide pur und zum strampeln wie gemacht. Die Strassen sind meist sehr angenehm zu fahren, weisen fast immer guten Straßenbelag ohne Schlaglöcher auf. Burma beispielsweise war da diesbezüglich schon meist ein härterer Kampf. Doch Vorsicht, Laos Norden hingegen bietet das Duell mit den Bergen, also wirklich nur gut eingefahrenen Radfreaks zu empfehlen, sonst wird die schöne Landschaft zum Argusfeind.

Das tolle daran, wenn man sich hier auf dem Rad bewegt, sind die unterschiedlichen Reaktionen der Einheimischen. Dies reicht von erschrocken über neugierig bis hin zu äußerst aufgeschlossen. Diese Momente lassen sich natürlich vom Fahrrad wunderbar mit der Kamera festhalten, was meist unmöglich ist, wenn man mit dem Bus reist.

Den Monsun hatte man eigentlich erst auf Mai bestellt, doch daran hält er sich nicht immer. Jedenfalls war die Nacht und auch der Morgen vor der Weiterfahrt in Pak Mong Richtung Luang Nam Tha im Nordwesten über Oudomxay Himmelsdusche satt.

Daß der Streckenverlauf nicht so angenehm wie am Vortag sein sollte, das konnte ich aus meinem zum Radeln schlechthin miserablen Lao-Kambodia-Vietnam- Kartenmaterial ersehen , doch dass man aus mehreren hundert Kurven einfach nur einen Strich von A nach B zeichnet, an dem keine Höhenangaben zu finden sind, und z.B. eine 60 statt wirklicher 85 km daran zeichnet, das ist schlechthin Mord an Radfahrern. Erlaube es mir nicht, hier den Landkartenherausgeber zu nennen, doch empfehle ihm, sein Geld besser in der abstrakten Kunst zu verdienen.

Manchmal ist es allerdings auch besser, man weiß nicht, was alles vor einem liegt, denn dann geht immer noch mal was, kennt jeder Radfahrer.

Nach 150 km, zwei Pässen hinauf auf über 1500 Meter und ab Oudomxay abwechselnen Teer- Stein- Schlammpisten und Wasserlöchern, lief mein Akku an diesem Tag leer und so setzte ich mich in Na Mor in einen rettenden Bus nach Luang Nam Tha.

Der Zwischenstopp war quasi Gurke pur. Man kann die Damen dort ja nicht mit ihrem Gemüse sitzen lassen.

Von Luang Nam Tha gab ich Blacky am Folgetag die Sporen die 60 km hinauf nach Muang Sing, ideales Bergzeitfahren. Hatte nur meinen mehr und mehr um unwichtigen Balast erleichterten Hinkelstein- Rucksack zu tragen und keine Wagen mit Steinen zu schieben, wie dieser Arbeitstrupp hier.

Dieser Ort liegt am legendären goldenen Ländereck von Laos, China, Thailand und Myanmar und ist quasi ein kultureller Schmelzpott. Thai Lü und Thai Neua mischen sich mit Thai Dam, Akha, Hmong, Mien, Lolo und Yunnanesen. Schwierig daher herauszufinden, auf wen man nun hier stieß.

Doch eines fand ich schnell heraus, es war Laos- New year "4 Tage lang", glaube vom 13. Bis 16. April..

..und so suchte ich nur nach einer geeigneten Party, um auch diesen Jahreswechsel gebührend zu feiern. Fündig wurde ich dann mehr oder weniger beim Landschaftauskundschaften, als ich plötzlich vor dem chinesischen Grenzübergang stand. Nun, dem Polizeitrupp war nicht zum Arbeiten und so nahmen sie mich in ihre Runde auf. Den Kasten "beer lao" gabs dann von meiner Seite als Gastgeschenk, dafür wurde ich ordentlich mit laotischer Kost verwöhnt.

Wahrscheinlich ein Brauch, jedenfalls nachdem die Mädels uns Mannen alle nass genug hatten, nahmen sie sich selbst in die Mangel.
Ja das war Party Lao'la, und so hielt sich die Trauer um das entgangene Osterfest auch in Grenzen. Am Morgen nach der langen Nacht führte die Reise zunächst auf Blacky zunächst zurück nach Luang Nam Tha, von dort mit einem Bus nach Oudomxay und weiter mit einem Minibus nach Nong Khiaw.

Nong Khiaw ist der geeignete Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt den Nam Ou river hinauf nach Muang Ngoi, einem süßen abgelegenen Laodörfchen, zu dem keine Straßen führen.

Schon recht beeindruckend, wie der Bootsführer den Kahn so gekonnt durch die ein oder andere Stromschnelle hindurch schleuste, ließ schon manchmal den Atem länger anhalten, wenn das Wasser sich über die Reling kämpfte.

Schließlich war das 200 Einwohnerdörfchen dann doch halbwegs trocken erreicht,

und Langeweile kam hier ganz sicher nicht auf, wenn man lanschaftsverliebt ist. Und so verknallte ich mich in jene Paddies und das atemberaubende Bergpanorama. Bislang konnte ich meine Gedanken doch meistwegs so steuern, Einsamkeit und Heimweh nicht aufkommen zu lassen. Wenn man zudem meist überall auf andere Reisende stößt, ist dies ebenfalls sehr entgegenkommend. Nun, das Schicksal einer solchen Reise besteht allerdings immer wieder aus den Worten "Abschied nehmen".

Nun, Tränen flossen hier am Tag der Abreise nicht, denn hierfür waren meine Gedankengänge zu sehr auf meine Ersatzkamera fixiert. Ja, ihr hört richtig- "Ersatzkamera". Meine gute in Indien erworbene Kamera fiel mir noch vor dem morgendlichen Cafe in Luang Prarang eine Woche zuvor zu Boden und meldete Totenstille an. Kameras sind in Laos unverschämt teuer und so entschied ich mich für ein Gebrauchtes Stück, sozusagen das gleiche Sonymodell mit ein paar Megapixel weniger. Ein Fehler wie sich denn herausstellte, denn bereits nach einem Tag streikte der Zoom und nun am Morgen in Muang Ngoi legte sie sich zu meiner anderen Kamera schlafen. Das zehrte an den Nerven, nun war ich in Laos inmitten dieser Traumlandschaft und konnte nicht mehr knipsen bis der Finger wund war. Wollte mir dann den Frust von Nong Khiaw weiter in östliche Richtung aus dem Leib treten. Kann nur sagen, am Ende war nach gut 50 km in Vieng Kham Schluss und ich trug diesen Tag als den schwärzesten in meinem Laosaufenthalt ein. Seid ihr schon einmal Rad gefahren und konntet auf eurem besten Stück nicht sitzen, da euch dort etwas so ungemein schmerzte, wenn ihr auch nur ein wenig Druck darauf ausgeübt habt? Ja, so fühlte es sich an. Es ging daher zumeist im Stehendtritt einen gemeinen Pass hinauf, der einsetzende Regen gab mir dann schließlich den Rest.Es war nicht Blackies Schuld.
In Viang Kham nannte man mir denn Zeiten, zu denen Busse passieren sollten. Doch alle dreie, auch der nachts um 12 kam nicht, weshalb ich mich denn wahrlich durch 3 Bier entstresst einquartierte und auf einen erfolgreicheren Folgetag hoffte, an dem die Nacht Abheilung versprechen sollte. Siehe da, der Herr war gnädig und am nächsten Morgen ließ es sich tatsächlich wieder fast schmerzfrei auf dem Sattel Vorlieb nehmen und so ging es per Pedaltrip weiter 115 km nach Vieng Thong, Blacky war glücklich, daß ich ihm wieder richtig die Sporen gab und daß er seine Arbeit im Eilgalopp verrichten konnte. Bilder konnte ich glücklicherweise für gut eine Woche bis Vientiane mit der Handykamera schießen, so war das Bildarchiv halbwegs gerettet.

Vieng Thong erreicht, war das Glück einmal mehr auf meiner Seite, denn es fuhr tatsächlich noch ein erhoffter Bus die 150 km nach Xam Neua im Nordosten Laos. Der Busfahrer versuchte sich an einer neuen Rekordzeit und so war Festhalten auf den ausgelutschten Kunstledersitzen angesagt. Einzig einmal fand ich mich auf dem Boden wieder, nachdem ich versuchte auf dem hintersten Sitz mich schlafen zu legen und das Schlagloch meist auf eben diesen Sitzen die größte Wirkung verspricht. Jedenfalls sprach das zunächst für eine frühe Ankunftszeit, wenn denn 20 km vor Ziel nicht der letzte Sprit vom hungrigen Motor verbrannt worden wäre. Nun, zunächst öffnete der Lao- Schumi den Deckel neben dem Fahrersitz zum Motor und versuchte mehrmals, Sprit manuell anzupumpen, um denn nach jeweils abnehmender Sekundenfahrt festzustellen, dass sich kein Tropfen mehr im guten Tank befand. Mitsamt meiner Fahrradleuchte verschwand er in der Dunkelheit, den Bus geschickt inmitten der Fahrbahn platziert und kehrte denn auch schon nach 15 Minuten mit einem vollen Benzinkanister zurück. Für uns drei Fahrgäste und den genervten Fahrer war somit Sam Neua gerettet.

Von Sam Neua startete ich dann am nächsten Morgen eine kurze Radtour nach Vieng Xai, dem Ort unweit der Vietnamgrenze, in dem Kalksteinpeaks mir einer Vielzahl von Caves den Ausflug dorthin nicht bereuen lassen.

Mit meinem braven Hengst konnte ich mich dort in völlig untouristische Gefilde begeben, in dem sicherlich Touristen seltenst anzutreffen sind.
Bauern bei der Ernte, die Sägerei,..

Neulandgewinn auf Laomanier,..

Und jede Menge padies für den Augengaumen.

Zurück in Xam Neua, führte die Busfahrt, bei deren Geschwindigkeit man ebenso gut hätte nebenher radeln können und aufgrund defekter Gangschaltung die Gänge suchenden Busfahrer, meist bei 5 km/h die Berge hinauf,..

..nach Phonshavan, einem Ort mit ausgedehnten weiten Straßen und architektonisch eher Laountypischem Baustiel.

Doch hier finden sich nicht unweit die "plain of jars", deren Entstehung bis heute ungeklärt ist. Vermutungen liegen bei der Lagerung von Wein vor hunderten von Jahren.

Dieser russische Panzer viel der damaligen US- Bombardierung zum Opfer, doch die unnötig bombardierten Steinkrüge blieben allesamt heil, einzig die Einschlaglöcher rund um das beeindruckende Menschenwerk weisen noch darauf hin. Ein Glück, dass die Kriegsfliegerpiloten sich womöglich einen Whiskey zu viel vor dem Abheben erlaubten.

Der Bauer, der sein Gelände durch Fliegerbomben umzeunt hat, erfreut sich dem seltenen Besucherandrang.

Per Bus ging es weiter ins südlicher gelegene Vang Vienne. Das Rad nahm das ein oder andere Mal auf dem Dach neben den Motorrädern Vorlieb.

Vang Viengs Kalksteinlandschaft atemberaubend, es gibt Höhlen, die kilometerweit in den Berg hineinführen, die man nur auf einem LKW- Schlauch auf Wasserwegen erkunden kann udgl., einzig der Ort selbst hat sich zur Laos Partymeile herausgeputzt, in der eine Bar die andere schmückt und zumeist Engländer zu tief ins Glas schauen. Eine Nacht kann man hier schon mal alt werden.

Die Dörfer drumherum sind jedoch noch Lao, wie man es immer liebt.

Auch der Plattfuß auf den Steinwegen sollte einen das Bike nicht zurückschieben lassen müssen. Reparaturdienst ist hier angemeldet.

Die weitestgehend flach hügeligen und verglichen mit den Etappen in den Bergen eher harmlosen 160 km weiter südlich zur nur 300 000 Einwohner zählende Laos Hauptstadt Vientiane wechselten von zunächst angenehmer Fahrt in ein Beine-putt auf den letzten 20 km. Womöglich die bis dahin im Norden ungewohnte Mittagshitze oder schlicht das falsche Frühstück. Jedenfalls hab ich beim fünfmaligen Stopp mit Abliegen meine Waden noch nie derart pulsieren sehen. Dauerte denn auch über einen ganzen Tag, bis wieder normales Körpergefühl angesagt war.

Vientiane ein Stück moderner als der Rest des Landes bietet ganz angenehme Innenstadtatmosphäre, Unmengen an Mekongriverrestaurants,

Das Patuxai, die Lao- Arc de Triumph- Kopie einst von den USA 1969 für einen Flughafenzugang gebaut,

den Buddhapark und so manches mehr.

Der nächste Bus führte weiter südöstlich nach Vieng Kham. Von dort ging es mit dem Rad 80 km über Khoun Kham entlang durch eine Naturlandschaft wie in einer Computerspiel-Rallyestrecke, die alle paar Minuten ihr phantstisches Lanschaftsbild ändert...

nach Tham Khong Lo, einem Lao- Phänomen, in dem eine 8 km langen Cave mit dem Boot durchfahren werden kann und dessen Weite und Höhe vereinzelt fast 100 Meter aufweisen- einfach gigantisch!!

Das Boot charterte ich gemeinsam mit diesem Radelphanatiker aus Frankreich, der gut 35 kg Gepäck von Indien bis hierher verteilt in zwei Fronttachen, zwei Gepäckträgertaschen und einer fünften auf den hinteren beiden gestrampelt hat- und das mit Sandalen! Da blieb mir die Sprache weg. Dem Bike würde so mancher noch nicht einmal den Weg zum nächsten Bäcker zumuten, doch es hielt.

Am Folgetag in Savannakhet stieß ich denn auf diesen Briten, der sein Gepäck lieber über dem Rahmen befördert, da man sich da ja so bequem beim Radeln drauf legen kann, ..hätte da persönlich Angst einzuschlafen. Beachtlich auch hier, er schaffte das Nonstop von Bangkok hierher. Ihr seht also, es gibt noch eine Vielzahl anderer Radelwütiger Alleingänger, die alle ihre eigene Taktik fahren. Meist findet sich die ideale Abstimmung erst nach hunderten von Kilometern auf der Reise. Auch meine Ausrüstung sah zu Beginn noch ganz anders aus.

Jedenfalls, ich liebe die gesunde Abwechslung und setz mich auch mal gerne in einen dieser nostalgischen Busse, in denen Lao/ Thaimusik aus den Lautsprechern schallt und das kunterbunte Lichterlo gelegentlich in Reisepartystimmung kommen lässt.

Schließlich war Pakse, weit südlich erreicht. Pakse ist im Süden Laos der Drehangelpunkt zu vielen sehenswerten Gegenden wie dem Bolavenplateau im Osten, Chong Mek im Westen oder Champasak im Süden.

Traf nicht das erste Mal wieder auf Laoreisende aus anderen Orten und so gab es hin und wieder Wiedersehendfreude.

Zunächst besuchte ich meine alte Gastfamilie in Thailand in Chong Mek, von der mir vor gut 5 Wochen der Abschied etwas schwer viel. Mit dem Rad waren die 50 km schnell runter.

Musste dann erfahren, dass ich das wahre Sinthanon damals nicht sah, da ich zu früh die Kehrtwende machte. So war diesmal Strandatmosphäre in einer dieser gemütlichen Seehütten angesagt. Alles in einem ein fast genialer Eintagestrip nach Thailand, wenn ich denn nicht das 30 Dollar Neueinreisevisa nach Lao hätte zahlen müssen.

Die darauf folgende Dreitagesradtour hinauf aufs Bolavenplateau sollte viel versprechend werden. Zunächst stieß ich auf den wahrhaftig ersten Lao- Trainingsradfahrer, und denn auch noch im klasse Sportdress. Wahrlich ein Land im Umbruch! Seine Absicht, auf mein Rad aufzusitzen blieb allerdings bei einem Versuch. Der Sattel blieb unerreicht.

Was glaubt ihr wohl ist das hier unten links im Bild? Da es sich bewegte glaubte ich zunächst auf etwas wie eine Riesenschildkröte gestoßen zu sein.

Hier die Auflösung. Jedefalls war der Sonnenschutz hier 100%ig gewährleistet.

Nun, wenn man dann als Radfahrer hinter einem Bananenlaster herfährt und weiß, wie energiereich dieses gute Obst ist, so hofft man natürlich auf eine herabfallend Straude. Das Obst hielt sich gut fest und so kam der Energieschub nicht zustande.

Manchmal sind die Laoten auf den Motorrädern völlig vermummt um sich vor der Hitze zu schützen und testen die Belastung ihres Gefährts aufs äußerste.

Was in Laos beim Radfahren auch hohen Motivationsfaktor verspricht, sind die vielen kleinen Kinder, die scheinbar nur an der Straße stehen, bis ein fremdes Wesen vorbeifährt um dann euphorisch "saba dii" zu schreien. Macht wirklich Freude!

Tat Lo reizt mit Wasserfällen,

mehreren umliegenden Dörfern, deren Bewohner sich über Besucher freuen,

einer Holzbrücke, sozusagen eine wahren Herausforderung, wenn man weiß dass der Wasserfall nur wenige Meter dahinter liegt.

Weiter ging es über Tha Tang, Sekong vorbei an weiteren herabstürzenden Flußwässern..

..und nach einer Stunde Regenwartezeit in Richtung Plateau auf stolze 1200 m Höhe. Dieses riesige fast ebene Gebiet das reinste Phänomen, da es sich von aller umgebenden Landschaft weit abhebt und ein völlig anderes Leben verspricht. Der völlig durchnässte Sandweg ließ die Reifen z.T. tief eingraben und machte schnelles Vorankommen unmöglich, beglückte das ein oder andere Mal durch schönste Wasserfälle in unberührter Landschaft. Aber hier war der Jungle und das ließ nicht müde werden, denn wer möchte schon ohne Zelt im Jungle übernachten?

Paksong schien an diesem Abend unerreichbar, fehlten noch 40 km und in einer halben Stunde hätte es dunkel sein sollen. Urgh! Und dann kam da diese riesige Regenwand auf dem Weg entgegen. Sag euch, so schnell hab ich noch nie meine Absicht geändert, denn solch einen Prasselregen hab ich noch nie auf mich zukommen sehen, da rutschte mir förmlich das Herz in die Hose. In diesem Moment war eines klar- Homestay!

Sollten sich die Dinge unerwartet anders ergeben und hast du keinen Einfluss mehr darauf, dann sind es womöglich am Ende die schönsten Erfahrungen.

Jedenfalls wurde ich von einer Familie auf dem Plateau liebst aufgenommen, muss eher sagen gerettet. Bekam Unterschlupf und Verpflegung. Verständigung mit Zeichensprache und meinem Thai Phrasebook, doch es klappt tatsächlich immer irgendwie.

Es regnete die ganze Nacht wie aus einem Meer und der Sand auf der Straße am nächsten Tag war wie weggespült. 40 km auf diesem Untergrund schüttelt nicht nur wach sondern lässt dich danach prüfen, ob die Arme noch nicht abgefallen sind.

Es gab des weiteren den ein oder anderen Wasserfall mehr zu bestaunen,

ehe es wieder hinunter ins Tal Richtung Pakse ging.

Als vorletztes Ziel auf dem Weg Richtung Kambodia war ein Stop bei der ehemaligen Hauptstadt des Lao- Königreiches, dem Wat Phu Champasak, gut 50 km südlich von Pakse nicht zu vermeiden.

Die letzten beiden Laotagdomizile waren nach weiteren 120 km erradelt und nannten sich Don Khong und Don Det im Si Phan Don, zwei größeren der insgesamt gut 4000 Inseln.
Natürlich ging es dorthin mit dem Boot und wie hier in Lao so üblich, gibt es den "handsome"- Gruss.

Es gab schon einmal den ersten Blick über das Mekongwasser nach Kambodia,

Einen weiteren Blick auf den größten (nicht höchsten) Wasserfall Südostasiens, wenn er denn in der Regenzeit die Mekongwassermassen auf Dong Khon hinabstürzen lässt. In der Trockenzeit wirkt er fast unscheinbar.

Statt Zuckerrohrsaft, Mango oder Melone gab es kurz vor Ausreise noch meine erste Lao- Kokosnuss und die Vitaminversorgung war gerettet. Übrigens auch eine Lao Spezialität sind gefüllte Mango mit Reis- köstlich
!

So meine Lieben, dies war Laos in 4 Wochen, hoffe ihr hattet ein wenig Freude am Lesen trotz der vielen Bildserien. In Cambodia sind nicht mehr als 2 Wochen eingeplant ehe es nach Vietnam geht. Daher das nächste Mal kürzer-versprochen
Habt Spaß!
khawp jai!!!!
Viele liebe Grüße,
Peter

© Peter Greiner, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
13 Monate Weltreise geschmückt mit unvergleichbar schönen Erfahrungen auf einer Vielzahl von Radabschnitten sowie dem Leben unter den Menschen durch Homestay, langen Busfahrten auf Reissäcken in Myanmar, Bergvölker in Laos und vieles mehr. Die Reise führt durch Ungarn nach Griechenland, Dubai, Indien, Japan, China, Myanmar,Thailand, Laos, Vietnam, Malaysia, Philippinen, Borneo, Singapur, Sydney, Chile, Argentinien, Brasilien, Florida, Mexiko und findet in Madrid ihr Ende.
Details:
Aufbruch: 28.08.2008
Dauer: 13 Monate
Heimkehr: 28.09.2009
Reiseziele: Großbritannien
Ungarn
Serbien
Griechenland
Vereinigte Arabische Emirate
Indien
China
Japan
Hongkong
Myanmar
Thailand
Laos
Kambodscha
Vietnam
Malaysia
Philippinen
Singapur
Australien
Neuseeland
Chile
Argentinien
Uruguay
Brasilien
Paraguay
Vereinigte Staaten
Mexiko
Spanien
Der Autor
 
Peter Greiner berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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