Kasachstan-Reisebericht :Kirgistan - Kasachstan

Oben und Unten - Almaty (Alma-Ata)

Geschafft.

Geschafft.

Oben und Unten - Almaty (Alma-Ata)

Am Morgen werden selbstverständlich Gruppenfotos gemacht und dann verfolgt uns die kirgisische Gastfreundschaft noch bis über die nahe gelegene kasachische Grenze. Ein junges Ehepaar mit einem kleinen Jungen nämlich nimmt uns mit bis zur nächsten Stadt, Kegen, wo wir an einem Bankautomaten die ersten Tenge abheben. Rasch fällt auf, dass hier alles etwas geordneter, "moderner" erscheint. Auch die Preise steigen an. Unser Ziel ist Almaty, ehemals Alma-Ata, die bedeutendste Stadt in Kasachstan. Busse fahren keine von Kegen aus, wir müssen wieder ein Taxi nehmen. Unsinnigerweise suchen wir uns in der Stadt ein bestimmtes Guesthouse aus, das von dem Busbahnhof, auf dem wir mit dem Taxi landen, zudem ein gutes Stück entfernt ist. Der Unsinn besteht vor allem darin, dass wir partout die Suche - und es ist eine lange Suche - nicht vorzeitig aufgeben, obwohl die Nummer, die wir wählen, um uns anzukündigen, gar nicht mehr existiert. Selbst bei der (erneut unpräzise) angegebenen Adresse kann niemand uns genauere Auskunft geben. Wir irren deshalb, immer mit den Rucksäcken auf dem Buckel, noch eine Weile herum, ehe Karin in einer kleinen Seitenstraße ein Reisebüro entdeckt. Dort fragen wir erneut und haben Glück, denn eine ausgesprochen hilfsbereite Frau, leistet Unterstützung. Zunächst stellt sie fest, dass es diese - für uns die ursprüngliche Zugnummer - von einem Klavier spielenden Koreaner gemanagte Pension gar nicht mehr gibt. Dafür besorgt sie uns ein Zimmer im Hotel »Turkestan«, einem gar nicht mal so schrecklichen Bau aus Sowjetzeiten. Das Zimmer ist nichts Besonderes, aber doch mit allem ausgestattet, was auf der Reise häufig außer Reichweite lag und ist nun nach der bestimmt eineinhalbstündigen Rumlauferei sehr willkommen. Nun endlich - es ist schon wieder Nachmittag - haben wir Augen für Almaty. Der Guide nennt es eine geradezu europäisch anmutende Stadt. Das ist hoch gegriffen. Zwar lassen zahlreiche Nobelläden diesen Eindruck stellenweise zu, aber wenn man sich die Fassaden vom ersten Stockwerk an aufwärts betrachtet, ist man den Eindruck auch schnell wieder los, ab da nämlich herrscht meist gräuliche Tristesse. Selbst die Fassade des teuersten Hotels der Stadt hat allenfalls Wohnblockformat. Aber davor und dazwischen ist Almaty wieder eine ausgesprochen grüne Stadt. Wir lassen uns einfach treiben, besondere Sehenswürdigkeiten liegen nicht auf dem Weg. Im »Hofbräuhaus« (wo niemand Deutsch versteht, nicht einmal das Wort richtig ausspricht) trinken wir ein wirklich gutes, frisch gezapftes Bier. Auch über die Schaschlikspieße zum Abendessen gibt es nur Gutes zu vermelden. Vom Balkon unseres Hotelzimmers blicken wir auf den jetzt geschlossenen Gemüsemarkt. Davor rattert in bestimmten Abständen eine alte Straßenbahn vorbei. Beim Frühstück in einer Marktkaschemme lassen wir uns bei der Rechnung übers Ohr hauen (selbst schuld). Wir möchten nun Almaty näher kennen lernen, bewegen uns dazu hügelaufwärts und es ist wie die Demonstration einer idealtypischen in Oben und Unten geteilten Stadt: Je weiter man in die Oberstadt hinaufgelangt, je weiter weg von den Schmuddelkindern der Unterstadt, desto teurer wird alles - für uns spürbar an dem bisschen Gastronomie, das wir in Anspruch nehmen -, desto mehr Luxusmarken werden vertrieben, desto dicker die Autos. Sieht man sich jedoch die Wohnhäuser an, kommt man ins Grübeln, fragt sich, warum darauf so wenig Sorgfalt verwendet wird. Ganz anders die Parks. Überall Wasserspiele in den zahlreichen Brunnen, außerdem Skulpturen und Denkmäler. Einmal gar ein großer Skulpturengarten, den Karin komplett abzufotografieren scheint. Wir folgen zunächst einer vorgegebenen Spazierroute, merken jedoch, dass wir darin bezeichnete Abschnitte bereits von unsrer gestrigen Hotelsuche kennen und folgen auch jetzt wieder keinem bestimmten Plan. Karin macht den Vorschlag eine Veranstaltung mit Ringkämpfen zu besuchen; griechisch-römisches Ringen ist so etwas wie der Nationalsport. Aber ähnlich wie oft bei Fragen nach dem Weg, erhalten wir auch jetzt nur unklare Informationen und geben die Suche nach einiger Zeit wieder auf. Auf dem Rückweg in Bischkek werden wir es noch einmal probieren. Zum (unbefriedigenden) Abendessen probiere ich neugierdehalber ein Gläschen kasachischen Wein, er schmeckt süß und fruchtig. Karin hat sich eine Erkältung zugezogen, wir müssen mal sehen, wie es morgen weitergeht.

Wohnwelten in Almaty.

Wohnwelten in Almaty.

© Peter Kiefer, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zentralasien stand schon viele Jahre auf unserer Agenda, nun endlich hatte sich eine Gelegenheit ergeben. Es war eine recht bewegte Reise, auch im körperlichen Sinn, denn Kirgistan, das Hauptziel, ist ein fast durchweg gebirgiges Land. Spaziergänge wurden rasch zu Wanderungen, das Reiten auf Pferden spielte eine Rolle.
Details:
Aufbruch: 12.07.2014
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 08.08.2014
Reiseziele: Kirgisistan
Kasachstan
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.