Kirgisistan-Reisebericht :Auf dem Landweg nach Tibet und zurück

Kashgar-Osh

In Kashgar habe ich am Abend bevor ich nach Kirgisistan weitergereist bin noch zwei Allgaeuer getroffen (aus Sonthofen und Blaichach). Was fuer ein netter Zufall, die zwei netten jungen Maenner dort zu treffen und mit ihnen im leichten allgaeuer Dialekt zu sprechen. Es war schon etwas seltsam, sich am Rande der Wueste Taklamakan und am Fusse des Pamir Gebirges ueber Bieberkopf, Parktheater und Big Box zu unterhalten, und nach kurzer Zeit haben wir das Thema gewechselt und ueber unsere Reise gesprochen. Zufaelligerweise ging einer der beiden Herren mit dem Sohn eines Bekannten meiner Eltern zur Schule und er genoss ebenfalls den Unterricht des genannten Bekannten - die Welt ist nicht so gross. Wir haben einen kurzen, aber netten gemeinsamen Abend verbracht und ausgemacht, dass wir uns im schoensten Teil Deutschlands, da waren wir uns natuerlich alle einig, einmal treffen werden.
Von Kashgar aus ging es dann mit dem Bus ueber den Irkeshtam Pass durchs Pamirgebirge nach Kirgisistan. Die Fahrt war zwar lang, aber die Tatsache, dass ich mir eine Bett, das fuer fuenf Personen bestimmt ist lediglich mit einem Kanadier teilte machte die Fahrt wirklich sehr angenehm und unterhaltsam. Die Fahrt zur Grenze verging wie im Flug. Lange unterhielt ich mich mit einem netten und gebildeten Uzbeken, der sehr gut englisch sprach und mit dem ich mich in Samarkand, seiner Heimatstadt in Uzbekistan wieder treffen moechte. Die Grenze zu ueberqueren brauchte lange Zeit - die Chinesen, die in der gesamten Provinz Xinjang sowohl Internet und internationale Telefonate sperrten (bis Anfang Oktober) nahmen die Gepaeckkontrolle sehr genau. 155 meiner 155 auf der sd Karte befindlichen Bilder wurden genau ueberprueft, und siehe da, der Beamte entdeckte eine Unregelmaessigkeit und rief sofort seinen Vorgesetzten zu unterstuetzenden Begutachtung der besagten Aufnahme. Er wies darauf hin, dass die Aufnahme ausser der Moschee in Kashgar auch uniformierte Soldaten zeige und dies nicht erlaubt sei zu photographieren. So nahm er meine Karte und verschwand in einem kleinen Raum. Es dauerte wohl rund 1 Stunde bis ich meine Karte, nun mehr mit 147 Aufnahmen wieder ausgehaendigt bekam. Von Wiederherstellung bereits geloeschter Dateien hatten die Beamten wohl noch nichts gehoert, aber hauptsache man macht irgendetwas. Ich bin allerdings nicht sonderlich erpicht drauf, die Bilder wiederherzustellen, da ich bereits unzaehlige Aufnahmen der Moschee vor einigen Monaten machte. Auf der kirgisischen Seite ging es dann rascher und als wir diese passierten, wurden die Strassenverhaeltnisse schlechter und die Fahrt damit etwas wackeliger. Lange habe ich mich mit John aus Kanada unterhalten und es schien, dass die reisenden Chinesen und Uzbeken pausenlos schliefen - zumindest machten sie keinen Mucks. Als der Bus an einer steilen Stelle pausierte, da der Motor ueberhitzte schlief ich schliesslich auch ein, ehe ich von der warmen Morgensonne rund 10 Stunden spaeter wieder geweckt wurde. 10 Stunden Fahrt, und der Bus hielt kein einziges Mal an - es scheint, dass die Menschen in Kirgisistan weder essen noch trinken noch bereits verzehrtes wieder ausscheiden. Es bedurfte einiger Ueberredungskunst und Iterationen des Bittens, ehe der Busfahrer anhielt um John und mir die Moeglichkeit zu gewaehren, uns dem am Vorabend getrunkenen zu entledigen. Ich erwartete, dass der ganze Bus aufspringen wuerde um die Freilufttoilette aufzusuchen, allerdings bestaetigte sich meine bereits vorher vermutete Annahme ueber Kirgisen - die muessen einfach nicht aufs Klo !!! Ein einsamer Chinese huschte blitzeflink aus der Bustuere heraus und verschwand hinter einem stacheligen Busch ehe er vom Hupen des Busfahrers daran erinnert wurde, dass er sich beeilen solle.
Um rund 10 Uhr ist der Bus in Osh angekommen. Die Stadt ist wohl eher ein sich weit erstreckendes Dorf mit vielen schattenspendenden Baeumen und unzaehligen aelteren und neueren deutschen Autos. Es erinnert mich ein wenig an Osteuropa, waeren die Leute nicht noch so asiatisch. Die Gesichter sind wohl Allerweltsgesichter, in Nepal waeren sie wohl Nepalis, in Indien Inder aus Darjeeling, in China Chinesen usw. Es ist fuer mich besonders interessant hier zu sein, in diesem Land, das niemand kennt und die meisten nicht einmal auf der Karte finden wuerden. Ich denke, es gibt einiges zu entdecken hier, und mich freut es nun schon auf morgen, denn da werde ich in die Berge aufbrechen ehe ich mich aus Bishkek, der Hauptstadt wieder melden werde.

© Daniel S., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich plane eine Reise die mich über den Landweg von Deutschland - Osteuropa - Naher/Mittlerer Osten - Indien bis nach Lhasa führt. Zurück will ich über die ehemaligen Sowjetstaaten reisen und schließlich in der Türkei entscheiden ob es über die Ex-Jugoslawienstaaten oder erneut Osteuropa zurückgehen soll.
Details:
Aufbruch: 14.02.2009
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 15.10.2009
Reiseziele: Deutschland
Tschechische Republik
Polen
Ungarn
Rumänien
Bulgarien
Türkei
Georgien
Armenien
Iran
Pakistan
China
Tibet
Nepal
Indien
Bangladesch
Kirgisistan
Usbekistan
Mazedonien
Albanien
Montenegro
Bosnien und Herzegowina
Der Autor
 
Daniel S. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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Daniel über sich:
Hallo

ich komme aus dem tiefen Süden des Landes und Reisen ist meine Leidenschaft genauso wie Photographie.

Generell interessiere ich mich auf meinen Reisen für die Landessprachen, die Kultur, die Religion, die Menschen, die Politik und natürlich gehe ich auch meiner Leidenschaft, der Photographie nach.

"Voyager, c'est l'ecole de la vie !"

"A man becomes old when his regrets take the place of his dreams"

"Wer den Duft der großen weiten Welt nicht geatmet hat, der hat niemals gelebt."

Oder wie schrieb es einst Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen: "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen (...) des Lebens ruf an uns wird niemals enden ..."