Palau-Reisebericht :(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

Zum Inselhüpfen im Pazifik - Palau

Besuch einer ehemaligen deutschen Kolonie

Mittwoch, 28. August 2013 - es geht in den Pazifik! Raus aus den großen Metropolen Asiens und rein in die Inselwelt Micronesiens, nun beginnt das Inselhüpfen im Pazifischen Ozean. Auf dem Flug nach Palau werde ich die erste (rechnerische) Weltumrundung vollenden. Bis Taiwan habe ich 39.339 Flug- und Rotelkilometer zurückgelegt, nach Koror auf Palau sind es noch einmal 2.406 Flugkilometer. Eher zufällig, aber für diesen Anlass passend, habe ich ausnahmsweise und einmalig auf meiner Reise einen Businessclassflug. Der war ein special offer meines Reisebüros und kostete mich nichts zusätzlich (nochmals Danke, Frau Thevissen bei Explorer!).

Und so begann mein Reisetag mit der Busfahrt zum Flughafen und einem ausgiebigen Frühstück in der Air China-lounge. Ok, ich hab´s genossen, dass mir mal der A... nachgetragen wurde, im Flieger namentlich angesprochen (Mister Beilow), Zeitung hier, Sektchen da, aber das Beste war die Beinfreiheit!!! Die habe ich wirklich genossen.

Knapp 4 Stunden dauerte der Flug von Taipeh aus, dann war ich auf Palau. Der Airport ist auf der Insel Airai, auf der sonst nicht allzuviel los ist. Es ist drückend schwül und heiß, mir beschlägt die Kamera und wie so oft die Brille. Mein Hotel liegt auf der Nachbarinsel Koror mit der gleichnamigen Stadt; in 15 Minuten ist man mit dem Auto dort. Beim Anflug konnte ich noch die vielen kleinen Inseln als grüne Tupfer im türkisblauen Meer sehen, nach der (kurzen) Immigration mit Blumenkranz von einem Hula-Mädchen war es 15 Minuten später stockdunkel.

Noch am ersten Abend mache ich eine erste Erkundungstour. Koror besteht weitestgehend aus einer Hauptstraße, von der einige unbedeutende Nebenstraßen abgehen. Auf dieser Hauptstraße spielt sich das Leben ab. Und so sind bis tief in die Nacht viele locals und einige Touris unterwegs.

Palau besteht aus insgesamt 356 Inseln, die meisten unbewohnt und klein, 6 große Hauptinseln bilden den Mittelpunkt des seit 1994 unabhängigen Staates. Von 1899 bis 1914 war es Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea, allerdings sind so gut wie keine Spuren mehr zu sehen. Es gibt den "german channel", ein Durchbruch durch das Korallenriff zum Hafen, welcher von den Deutschen errichtet wurde und heute noch die Hauptzufahrt für Schiffe ist. Ansonsten sind im Nationalmuseum noch immer die Ausstellungstafeln einer deutsch-palauischen Gemeinschaftsaktion zur Kolonialgeschichte zu sehen, obwohl der Ausstellungzeitraum bereits einige Jahre zurückliegt.

Der Reiz Palaus liegt in seiner Natur, die sich jedoch überwiegend dem Wassersportfreund und Taucher erschließt. Auf Koror ist es kaum möglich, sich dem Dschungel (obwohl unmittelbar hinter der Hauptstraße gelegen) oder der Küste zu nähern. Um die Schönheiten zu genießen, müsste man nach Rockisland oder auf andere Inseln fahren. Und da liegt das Problem: aus meiner Sicht wird der Besucher geneppt, er wird ausgenommen. Alles ist darauf ausgerichtet, die wenigen Touris (ca. 100.000 im Jahr, überwiegend Japaner, Phillipinos und Amerikaner) zu erleichtern. Tagestouren nach Rockisland werden für 100 US $ angeboten, will man buchen, kommen noch mal 100 $ für Permits, Eintritt, dieses und jenes hinzu. Und wenn man dann genervt auf eigene Faust los will, ist die Bootsüberfahrt für 4,50 $ zu bekommen. Allerdings geht die Rückfahrt erst 2 Tage später, d.h. man benötigt 2 Hotelübernachtungen. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Aufenthalt. Ausreisesteuer 20 $ zzgl. Umweltschutzsteuer von 30 $, Nachtflüge, die das doppelte Hotelbuchen für diese Nacht erfordern ... Also, am besten in ein Tauchresort und die (Unterwasser-)landschaft genießen, den Rest vergessen.

Touristisch ist Palau auch wenig erschlossen, sowohl was Sehenswürdigkeiten angeht, als auch den ÖPNV betreffend. Zu Fuss gehen oder Taxifahren sind angesagt. Und beides machte ich dann auch, zu Fuss erkundete ich alles, was an einem Tag unter diesen Wetterbedingungen - es ist über 30° C heiß und regnet mehrfach am Tag heftig, aber kurz - möglich ist; Folge war ein heftiger Sonnenbrand. Die beiden Häfen (T- und M-Dock genannt) schaue ich mir an, ebenso wie das private Etpisonmuseum, welches eine kleine ethnologische und heimatkundliche Sammlung beherbergt. Das Nationalmuseum ist auch einen Kurzbesuch Wert, und wenn man dann noch auf die Insel Meyungs rüberwandert (es gibt einen Damm) und dort das Nationalhospital, den Sitz des Präsidenten und eine alte japanische Wasserflugzeugrampe besucht, hat man das meiste gesehen.

In Koror bleibt noch das nette Aquarium, das höchste Gericht in einem alten japanischen Gebäude und (für mich) noch die Feuerwehr. Hier zeigte sich noch einmal eindringlich, wie gut überdacht Entwicklungshilfe sein sollte. Der Hof vor der Feuerwache war übersäht mit Ambulanz- und Löschfahrzeugen jeden Alters und jeder Herkunft, die alle nicht mehr einsatzbereit waren und nun dort jahrelang verrotten. Ein einziges Löschfahrzeug war einsatzbereit, der Rest ist Schrott!!

Es gibt ein kleines Besucherbüro mit Informationsmaterial, dort erfuhr ich, dass es in Koror selber und in Airai in der Nähe der US-Botschaft einige Relikte aus dem 2. Weltkrieg gab. Panzerwracks und Geschütze sowie eine zerbombte Ruine des ehemaligen japanischen Kommandopostens und eines Hospitales gibt es zu sehen. Und das schaute ich mir dann auf einer mit einem Taxi organisierten Rundfahrt auch noch an.

Am letzten Abend wollte ich dann auch einmal palauisch essen gehen, schließlich war ein lokales Restaurant direkt gegenüber meines Hotels. Die Speisekarte las sich sehr interessant, es gab z.B. Fledermaussuppe, Mangrovenkrabben, die man als Lebendware aus dem Becken auswählen konnte und jede Menge seafood. Ich wählte dann aber etwas vegetarisches...

Insgesamt war ich von Palau etwas enttäuscht, das mag aber daran liegen, dass ich keinen Tauchurlaub dort machte. Aber nicht jeder Ort in dieser Welt kann schöner sein als der vorherige, insoweit war ich trotzdem froh, dort gewesen zu sein.

Ein Problem machte mir aber dann doch noch zu schaffen, die Technik. Internet läuft - sofern überhaupt vorhanden - nur ausgesprochen langsam, Handy funktioniert nur im Tribandsystem (also für mich nicht) Akkus laden geht nur mit 110 V, die mag mein Handy auch nicht. Und so bin ich seit Palau etwas abgeschnitten von den üblichen Kommunikationswegen.

Ein letzter Blick auf den Flughafen Taipehs aus der Businessclass

Ein letzter Blick auf den Flughafen Taipehs aus der Businessclass

Herrliche Wolkenformationen gab es über der Philippinischen See

Herrliche Wolkenformationen gab es über der Philippinischen See

Die ersten kleinen, grünen Inseln Palaus kurz vor der Dämmerung

Die ersten kleinen, grünen Inseln Palaus kurz vor der Dämmerung

Welcome in ... dem ersten Hai-Schutzgebiet der Welt

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Ein japanischer Schrein

Ein japanischer Schrein

Am T-Dock, einer der wenigen Stellen, an denen man auf Koror ans Meer kommen kann

Am T-Dock, einer der wenigen Stellen, an denen man auf Koror ans Meer kommen kann

Schöne, bunte Autokennzeíchen gibt es auf Palau

Schöne, bunte Autokennzeíchen gibt es auf Palau

Einen kurzen, aber dennoch guten Eindruck über die Geschichte und Bräuche Palaus erhält man im Etpisonmuseum

Einen kurzen, aber dennoch guten Eindruck über die Geschichte und Bräuche Palaus erhält man im Etpisonmuseum

Der "Palau-Shop", eine Boutique und zugleich Sitz des deutschen Honorarkonsuls

Der "Palau-Shop", eine Boutique und zugleich Sitz des deutschen Honorarkonsuls

Gut gemeint und schlecht gemacht - internationaler Fahrzeugschrott steht vor der Feuerwache und wartet darauf, vor Rost zu zerfallen.

Gut gemeint und schlecht gemacht - internationaler Fahrzeugschrott steht vor der Feuerwache und wartet darauf, vor Rost zu zerfallen.

Ein mikronesisches Langhaus - Bai genannt - im Nationalmuseum

Ein mikronesisches Langhaus - Bai genannt - im Nationalmuseum

Hier die Giebelseite des Langhauses

Hier die Giebelseite des Langhauses

Eine interessante Serie von Schautafeln im Nationalmuseum stellt die kurze deutsche Kolonialzeit in Mikronesien dar.

Eine interessante Serie von Schautafeln im Nationalmuseum stellt die kurze deutsche Kolonialzeit in Mikronesien dar.

Wohnen am Dschungel - unmittelbar hinter den Wohnhäusern beginnt der dichte Dschungel, der sich auf der schmalen Insel bis ans Meer hinzieht

Wohnen am Dschungel - unmittelbar hinter den Wohnhäusern beginnt der dichte Dschungel, der sich auf der schmalen Insel bis ans Meer hinzieht

Der High Court von Palau

Der High Court von Palau

Eine Lagune nahe der Marina

Eine Lagune nahe der Marina

Eine Lagune trennt die beiden Inseln Koror und Ngerkabesay und verfügt über einen netten, kleinen Erholungspark

Eine Lagune trennt die beiden Inseln Koror und Ngerkabesay und verfügt über einen netten, kleinen Erholungspark

Bomben als Gartenschmuck

Bomben als Gartenschmuck

Die alte japanische Landerampe für Wasserflugzeuge

Die alte japanische Landerampe für Wasserflugzeuge

Blick vom Aquarium auf die Lagune

Blick vom Aquarium auf die Lagune

Hier lohnt sich ein kurzer Besuch

Hier lohnt sich ein kurzer Besuch

Leider nicht in freier Natur gesehen, sondern nur im Aquarium

Leider nicht in freier Natur gesehen, sondern nur im Aquarium

Seestern im Aquarium

Seestern im Aquarium

Japanischer Schwimmpanzer, halb im Schlamm versunken, im bunkerdurchzogenen alten Regierungsviertel Korors

Japanischer Schwimmpanzer, halb im Schlamm versunken, im bunkerdurchzogenen alten Regierungsviertel Korors

Zwillingsflak vor dem japanischen Befehlsstand auf der Insel Airai

Zwillingsflak vor dem japanischen Befehlsstand auf der Insel Airai

Auch zwei alte, zerschossene Panzerwracks stehen an der Ruine

Auch zwei alte, zerschossene Panzerwracks stehen an der Ruine

Durch massiven Bombenbewurf ist von dem japanischen Befehlsstand nur noch eine halbzusammengefallene Ruine übrig.

Durch massiven Bombenbewurf ist von dem japanischen Befehlsstand nur noch eine halbzusammengefallene Ruine übrig.

Die japanisch-palauische Freundschaftsbrücke - erst wenige Jahre alt - ersetzt einen koreanischen Brückenbau, der nicht lange hielt und zusammenfiel; sie verbindet Airai mit Koror

Die japanisch-palauische Freundschaftsbrücke - erst wenige Jahre alt - ersetzt einen koreanischen Brückenbau, der nicht lange hielt und zusammenfiel; sie verbindet Airai mit Koror

Der japanische Friedhof mit alten zivilen Gräbern und Kriegsgräbern wird noch immer von der japanischen Minderheit benutzt

Der japanische Friedhof mit alten zivilen Gräbern und Kriegsgräbern wird noch immer von der japanischen Minderheit benutzt

© Rolf Bilo, 2013
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