Costa Rica - Dschungel, Feuerkegel und Tukane

Reisezeit: Dezember 2002 - Januar 2003  |  von Anke Schlingemann

La Fortuna - El Arenal

02.01.2003 Sarapiqui - La Fortuna

Auf die für 25 US$ am Vormittag angebotene "Hilking-Tour" verzichten wir, nachdem wir herausgefunden haben, dass es sich eigentlich nur um einen kleinen Vogelspaziergang handelt, genauso wie auf eine Rafting-Tour, die einige Mitreisende unternehmen. Stattdessen starten wir einen selbstorganisierten "Pineapple Walk".

Die Lodge ist von Ananasplantagen umgeben, wobei die Früchte ein unterschiedliches Reifestadium aufweisen. Wir können einigen Arbeitern beim Besprühen der Felder und beim Ernten zusehen.

Nachdem wir noch einige Zeit auf dem schön angelegten Gelände der Lodge verbracht haben, werden wir zur Weiterfahrt zum 95 km entfernten Ort La Fortuna abgeholt.
Gegen Mittag kommen wir in La Fortuna an und damit auch in der bis zur Grenze nach Nicaragua reichenden nordöstlichen Provinz des Landes - Guanacaste, benannt nach dem Guanacasta-Baum (wegen seiner ohrenähnlich geformten Früchte auch Ohrenbaum genannt), dem Wappenbaum Costa Ricas.

Im Hotel Montana de Fuego beziehen wir unsere Lodge mit Blick auf den 1643 m hohen, noch aktiven Vulkan Arenal. Am 29. Juli 1968 weckte ein Erdbeben den schlafenden Riesen auf, dieser brach aus und begrub mit seinen Lavamassen die nahe gelegenen Stadt Tabacon. Seitdem grummelt er unentwegt vor sich hin und es vergeht fast kein Tag ohne eine kleinere Eruption.

El Arenal

El Arenal

Leider ist der Arenal an diesem Tag in dichte Wolken gehüllt. Die Spitze des Vulkans lässt sich nicht einmal erahnen. Dieser Zustand ändert sich auch nicht, als wir zur nahe gelegenen Aussichtsplattform fahren. Ein Grummeln, bei dem Wasserdampf aus dem Vulkan ausgestoßen wird, lässt sich jedoch ab und zu hören.

Die meisten Touristen -so auch wir- entschädigen sich mit einem Besuch des Tabacon Resorts, ein feudales Thermalbad, dass von einem heißen, schwefligen, vom Arenal kommenden Fluss gespeist wird. Nachdem wir den Massenansturm etwas hinter uns gelassen haben, finden wir noch ein ruhiges Plätzchen in einem der Becken. An die Temperaturen, die bis zu 40 Grad C erreichen, muss man sich erst gewöhnen. Das Thermalbad ist sehr schön angelegt. In der aufwändig bepflanzten Parkanlage erreicht man teilweise über Brücken eine Vielzahl unterschiedlicher Becken mit künstlich angelegten Wasserfällen. Der richtige Ort für ein entspanntes Bad. Auch nach dem feucht fröhlichen Zeitvertreib befindet sich der Vulkan leider immer noch in den Wolken, so dass eine weitere Fahrt zur Aussichtsplattform ausfällt.

03.01.2003 La Fortuna - El Arenal

Der Tag empfängt uns mit noch dichterem Nebel als am Vortag. Als wir morgens die Vorhänge zurückziehen, können wir kaum 50 m weit gucken - vom Vulkan ist rein gar nichts zu erkennen. Nach dem Frühstück fahren wir mit einem Taxi zum 5 km entfernt gelegenen Ort La Fortuna. In der "Official Tourist Information" informieren wir uns über Ausflugsziele und erfahren, dass auch am vorherigen Abend ein Blick auf den Vulkankegel möglich war, allerdings nur von der anderen Seite des Vulkans aus. Die von uns angesteuerte Aussichtsplattform bietet nur an wenigen Tagen einen freien Blick auf den Vulkan, wohingegen die im Nationalpark gelegene gegenüberliegende Seite -aufgrund der Windbedingungen- fast jeden Tag einen freien Blick bietet. Angesichts des schlechten Wetters und des damit verbundenen derzeit nicht vorhandenen Vulkanblicks benötigen wir noch etwas Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob wir noch einmal 20 US$ pro Person aufwenden wollen, um möglicherweise doch keine Vulkanaktivität zu sehen.

Zunächst einmal steht eine Wanderung zum Wasserfall La Catarata auf unserem Programm. Per Jeep-Taxi lassen wir uns die 5 km lange Schotterpiste bis zum Wanderweg hochfahren und werden kurz hinter dem "Pferdeparkplatz" (das Schild "Horse parking" amüsiert uns sehr) abgesetzt.

La Catarata

La Catarata

Über einen schmalen Pfad (mit teilweise sehr glitschigen Stufen) kann man hinab zum Wasserfall klettern, der mehrere zum Schwimmen geeignete Becken speist. Die 6 US$ Eintritt ist dieser ca. 70 m hohe Wasserfall sicherlich nicht wert; dennoch eine schöne Wanderung.

Zu Fuß gehen wir zurück nach Fortuna. Leider fängt es an zu regnen. Wir sind schon ziemlich durchnässt, als wir endlich eine Unterstellmöglichkeit finden - aber bei den sommerlichen Temperaturen trocknet die Kleidung schnell wieder. An der Hauptstraße angekommen werden wir von einem Bus in die Stadt mitgenommen.
Nachdem wir für unser abendlich geplantes Picknick eingekauft haben, ringen wir uns doch noch durch und buchen die abendliche Tour zum Vulkan.

Nachmittags müssen wir leider mit ansehen, wie sich der Himmel immer weiter zuzieht, was sich mit Beginn der Tour leider nicht ändert - der Vulkankegel ist immer noch in Wolken. Als der Fahrer den gleichen Weg zur Aussichtsplattform wie am Vorabend einschlägt, wächst unser schlechtes Gefühl weiter an. Einige 100 Meter von der Plattform entfernt beginnt zunächst eine Wanderung durch den Regenwald des Parque National Arenal. Unser "Think positive, you will see red lava"-Guide führt eine interessante Tour mit vielen Erklärungen durch den Regenwald, was unsere Stimmung etwas hebt. Auch nach der einstündigen Tour ist der Vulkan noch in Wolken. Wir fahren zu einem anderen Aussichtspunkt auf der anderen Vulkanseite und sind erstaunt, dass die Wolkendecke hier wesentlich dünner ist. Inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen. Schon nach wenigen Minuten erleben wir, wie -begleitet von einem starken Grummeln- , feine Lavaströme den Abhang hinunterfließen. Immer noch verdecken einige Wolken den Kegel. Der Anblick wird jedoch noch spektakulärer, als der Kegel kurze Zeit später fast wolkenfrei ist und eine Vielzahl von Lavaströmen die Silhouette des Kegels in der Dunkelheit nachzeichnen. Von dem kleinen Feuerwerk sind wir ganz begeistert. Lediglich einige andere Tourteilnehmer nerven uns etwas, weil sie in völliger Dunkelheit versuchen, den weit entfernten Vulkan mittels Blitzlichtgewitter zu fotografieren.
Auf der Lodge-Veranda genießen wir später dann unser abendliches Picknick. Zwei Frösche haben sich offensichtlich verirrt und kleben an der Scheibe unserer Veranda. Von unserem Picknickplatz aus sehen wir den Vulkan wieder in Wolken gehüllt - das soeben gesehene Lava-Schauspiel lässt sich so nur schwer nachvollziehen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Stationen u.a.: Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge, Tortuguero Nat. Park, La Fortuna - El Arenal, Monteverde Nebelwälder, Manuel Antonio Nat. Park, San Jose, Meseta Central, Vulkan Poas
Details:
Aufbruch: 27.12.2002
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 10.01.2003
Reiseziele: Costa Rica
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!