Panama-Reisebericht :In Düsseldorf daheim, in der Welt zu Hause

Panama

Panama City

Tja, so schnell geht das, gestern noch schnell Lima angeguckt (moechte ueber diese Stadt nur ein paar wenige Worte verlieren: haesslich, gross, stinkig, dreckig, zu viele Autos, zu viele Menschen) und dann Markus verabschiedet, der nach viel Hick und Hack doch schon eine Woche frueher zurueck ins kalte Deutschland geflogen ist. Grund war einfach, dass ein Flug von Lima nach Panama City letztendlich ca. 600 € gekostet haette und ein Flug von Lima nach Koeln und das Stornieren des anderen Flugs von Costa Rica nach Koeln zusammen nur ca. 400 €. Und da das Geld sowieso knapp wurde und er seine Freundin daheim ueberraschen wollte (aus Geheimhaltungsgruenden darf ich deshalb seine Abreise jetzt erst bekannt geben , ist er halt von Lima aus geflogen. Fuer mich heisst das leider, dass ich Zentral-Amerika komplett alleine erkundschaften muss, aber machste nix.
Mit Markus wars auf jeden Fall eine sehr lustige, wenn auch teilweise menschlich nicht ganz reibungslose Zeit, ums mal so zu sagen. Wir sind halt doch recht verschiedene Menschen, der eine ein wenig hyperaktiv und ueber-kommunikativ und der andere eher der Schweiger und stille Geniesser, duerft auch hier mal wieder raten, wer wer ist nein, aber wir hatten auf jeden Fall tolle Erlebnisse und Abenteuer, wisst ihr ja und ich wuerd mal sagen, dass wir uns im Laufe der Reise aneinander angepasst und gewoehnt haben, was die Kommunikation und den Umgang miteinander angeht. Auf jeden Fall vielen Dank fuer die tolle Reise Pybus, hat Spass gemacht!!! (endlich mal ein Moment, wo ich Spass wirklich mit zwei ss schreiben wuerde)

Jedenfalls hier ein kurzes Feedback von meinen ersten Panama-Eindruecken: Ich bin aus dem Flieger ausgestiegen und mir ist sofort eine Welle warme Luft entgegengekommen. Hab dann den aus Peru schon angewoehnten Pulli ausgezogen, die Beine der Zip-Hose abgemacht und die Flip-Flops ausgepackt, so schnell ist wieder Sommer

Den Menschen hier scheint die Sonne gut zu tun, denn alle waren super freundlich und offen, die ich was gefragt habe. Abgesehen davon haben die Frauen hier wieder weniger an (ist ja auch waermer,ne?), was manchen gar nicht sooo schlecht steht

Der Hautfarbe tut die Sonne anscheinend auch ganz gut, denn sie sind im Schnitt deutlich dunkler als in Suedamerika, karibisch halt.

Der groesste Unterschied ist aber tatsaechlich, dass einen keiner mehr sekundenlang anstarrt, wenn man vorbei geht und niemand "Amigo! Amigo!" hinterherschreit, um einem irgendein Scheiss zu verticken, was am Ende in Peru echt genervt hat. Aber hier ist alles multikultureller und deswegen ist ein Tourist nichts besonderes, was wirklich ein angenehmes Gefuehl ist.

Panama City an sich ist ehrlich gesagt ziemlich haesslich, alles ist voll gebaut mit Hochhaeusern und in ihrem Schatten gibt es riesige Highways, die verpestet sind mit Abgasen der tausenden von Autos hier. Als Fussgaenger ist man auf jeden Fall erstmal am Sack, wenn man irgendwo hin will. Deswegen muss man eigentlich einen der wie eine getunte Harley kantternden Busse nehmen, die alle alte gelbe Schulbusse aus den USA sind, aber so voll mit Malerein und Graffiti, dass sie aussehen wir der Band-Bus einer Rock-Band.
Abgesehen davon ist alles voll mit Muell und Dreck und wenn man abends ins Hostel kommt (das ueberigens genau so schaebbig ist und vor allem dreimal so viel kostet wie in Peru), hat man Fuesse wie Frodo, als er monatelanger Reise in Mordor ankommt, nur nicht so behaart vielleicht

Es gibt einige angeblich sehr gefaehrliche Viertel und nach Einbruch der Dunkelheit soll man am besten ein Taxi nehmen. Aber wenn ich etwas aus Suedamerika mitgenommen habe, dann, dass man solange man auf den Hauptstrassen bleibt und nicht mit dem teuren Handy rumwedelt, locker sich auch abends bewegen kann. Deshalb tue ich das auch hier, schliesslich will man nicht jeden Abend ab 6 im Hostel rumhocken!

Heute habe ich mir mit Tomek, einem Polen aus meinem Hostel, der fuer 2 Jahre ein Praktikum in Costa Rica macht, den beruehmten Panama-Kanal angeschaut, der so riesig ist, das wir uns nur einen kleinen Teil angucken konnten. Durchschnittlich zahlt jedes Schiff fuer die Durchfahrt 30.000 $ und es dauert insgesamt 8 - 10 Stunden! Was fuer ein Aufwand, aber wenn man bedenkt, dass man sonst ganz Suedamerika umsegeln muesste verstaendlich
Das Interessanteste ist allerdings die Geschichte des Kanals, bei dessen Bau in den 20ern ca. 30.000 Arbeiter gestorben sind, hauptsaechlich an Malaria und Erdrutschen. Aber letztendlich ist er doch fertig geworden und die USA haben ihn sich clevererweise direkt untern Nagel gerissen, Panama laecherlich wenig Kohle ueberwiesen und eine Art Militaeruebungsplatz neben dem Kanal errichtet, wo sie jahrelang zu Zieluebungen Bomben abgeschmissen haben. Panama hatte dann irgendwann die Schnauze voll und hat nach viel hin und her den Kanal 1999 bekommen, das Dschungelgebiet bleibt aber praktisch unbegehbar, weil noch ca. 130.000 undetonierte Bomben da rumliegen, top nachgedacht die Amis die kriegsgeilen Bombenleger.

Ach ja, eine Kategorie wurde schon lange nicht mehr bedient und wartet mit zwei echten Knallern auf diesmal:

Begegnung 1:
Eine Schweizerin, die wir im Hostel in Lima getroffen haben, die seit 2 Monaten in Suedamerika unterwegs ist und jetzt von Manaus in Brasilien mit 2 Zwischenstopps (war billiger) nach Lima geflogen ist und da ist ihr Gepaeck einfach nicht angekommen! Der ganze Rucksack, der, wie der Name schon sagt, essentiell fuer einen Rucksackreisenden ist, einfach weg! Die Airline kann nix machen und sie auch nicht warten, weil am naechsten Tag ihr Weiterflug nach Cusco ging. Also hat sie sich erstmal einen Pulli und ne Zahnbuerste besorgt, weils so kalt war und ihr Kulturbeutel im Rucksack. Weiss echt nicht, was ich machen wuerde, wenn mein Rucksack weg waer, wahrscheinlich einfach ausrasten

Begegnung 2:
Ein 75-jaehriger britischer Ex-Soldat, der von 1952-53 in Osnabrueck in einer Baracke stationiert war. Von Deutschland hat er nicht viel gesehen, ausser einmal aus Versehen Frankfurt, als er einen Zug nach Hamburg nehmen wollte und erst in Frankfurt aufgewacht ist Ansonsten aber ein echter Weltenbummler: Er hat sein Leben lang den oberen Teil von Schuhen (also ohne die Sohle) ausgeschnitten, frueher noch mit einem scharfen Messer, spaeter dann maschinell. Jedenfalls hat er immer was zur Seite gelegt und ist dann auf Reisen gegangen (momentan sein 6er Around-the-World-Trip). Er hat zwischendurch in den USA und Kanada gelebt, aber nach einem Jahr auf Reisen wurde seine Einreise verweigert und da hat er sich gedacht, geh ich doch mal nach Australien, weil Briten in den 80ern da noch kein Visum brauchten. Dort hat er dann 10 Jahre gelebt und ist sogar australischer Staatsbuerger geworden, so dass er dort schonmal wieder reingelassen wurde. Spaeter hat er dann noch ne Weile in Neuseeland gelebt und so hat er sich aus all diesen Laendern eine Rente von 115 $ zusammengeklaubt (davon 10 $ aus den USA und 9 $ aus Australien, der Rest aus England) und reist jetzt halt durch die Welt. Respekt alter Mann!

So, genug gequatscht, jetzt muss ich der lokalen Bierindustrie mal wieder unter die Arme greifen in Panamas Nachtleben, das naechste Mal gibts dann auch Fotos aus Panama, bis dahin, haltet euch warm im verschneiten weihnachtlichen Deutschland (waehrend ich mir schmunzelnd hier Djingle Bells und den ganzen andern Kram bei schwuelen 35 Grad im Supermarkt anhhoeren muss und draussen der geschmueckte Coca-Cola-Weihnachtsbaum sich wahrscheinlich voellig missverstanden fuehlt).

Euer immer noch kahle lampino

erstes Bild von Panama und diekt,wie man sich das vorgestellt hat, Boote ohne Ende...

erstes Bild von Panama und diekt,wie man sich das vorgestellt hat, Boote ohne Ende...

tja, das mit dem Weihnachten feiern laeuft hier ein bisschen anders als bei uns mit Schlitten und Rehntieren und Schnee und dem ganzen Gebamsel

tja, das mit dem Weihnachten feiern laeuft hier ein bisschen anders als bei uns mit Schlitten und Rehntieren und Schnee und dem ganzen Gebamsel

maechtig viele haessliche (zumindest wenn man direkt drunter steht) Hochhaeuser haben sie hier in Panama City

maechtig viele haessliche (zumindest wenn man direkt drunter steht) Hochhaeuser haben sie hier in Panama City

das erste Mal, das ich mein Gepaeck vom Kinder-Karussel abholen musste, anstatt vom Gepaeckband

das erste Mal, das ich mein Gepaeck vom Kinder-Karussel abholen musste, anstatt vom Gepaeckband

Diese Busse kennt man eigentlich eher aus alten amerikansichen Filmen und dort sind sie gelb, aber schnell "umlackiert" dienen sie mehr oder weniger gu als Hauptverkerhsmittel zwischen den Hochhaeusern

Diese Busse kennt man eigentlich eher aus alten amerikansichen Filmen und dort sind sie gelb, aber schnell "umlackiert" dienen sie mehr oder weniger gu als Hauptverkerhsmittel zwischen den Hochhaeusern

das ist also der beruehmte groesste Kanal der Welt? Naja, die arbeiten halt auh nur mit Wasser hier...

das ist also der beruehmte groesste Kanal der Welt? Naja, die arbeiten halt auh nur mit Wasser hier...

© Marius Schebaum, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mein Around-the-World-Ticket, mein Backpacker-Rucksack und Ich in einem Jahr einmal links rum um die Welt von Lateinamerika über Mittelamerika, USA, Fiji, Neuseeland, Australien und Indonesien bis nach China...
Details:
Aufbruch: 10.10.2010
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 10.10.2011
Reiseziele: Brasilien
Paraguay
Bolivien
Peru
Panama
Costa Rica
Nicaragua
Vereinigte Staaten
Fidschi
Neuseeland
Australien
Indonesien
Malaysia
Hongkong
China
Katar
Türkei
Deutschland
Der Autor
 
Marius Schebaum berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Marius über sich:
Tach auch!
Ich bin Marius, ne waschechte Rheinländer aus dem Herzen Düsseldorfs und wurde mit einer gehörigen Portion Fernweh und Lebenslust ausgestattet. Diese beiden Dinge lebe ich nun in meinen Mitt-Zwanzigern voll aus, bereise die große weite Welt Stück für Stück und möchte andere reisebegeisterte Menschen gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.
Vielleicht lockt es ja den ein oder anderen nach der Lektüre auch in eines der Länder, um dort dann genau so spannende Erfahrungen zu machen... Es würde mich aber auch schon glücklich machen, wenn es dem ein oder anderen rauchenden Studentenkopf in der Lernphase eine kleine Auszeit und andere Gedanken beschert