USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Ein bisschen Weltuntergang

Ein bisschen Weltuntergang

Alabama werden wir noch ein zweites Mal passieren. Jetzt allerdings geht es gewissermaßen Schlag auf Schlag, denn es ist auf unserer Westroute nicht mehr weit zum nächsten Bundesstaat und der heißt Mississippi. Einmal winkt ein Mann am Straßenrand, sein Wagen ist stehen geblieben wegen eines Batteriedefekts. Wir nehmen ihn zum nächsten Ort mit, wo er Hilfe holen kann. Viel mehr passiert zunächst nicht. Die Landschaft, die wir durchqueren, hat keine besondere Anziehungskraft. Das gilt auch für die kleine Stadt Monticello, deren italienischer Name ihr auch nicht helfen kann. Der dortige Campingplatz ist jetzt nach Ende der Ferien nur spärlich besucht. Die Frau, die sich um ihn kümmert, ist, wie sie uns erzählt („Und das erzähle ich ja sonst niemals herum“), Halbindianerin, sie hat Cherokeewurzeln und sie bringt uns zu einem hölzernen Pavillon, von dem aus man auf lauter marode Tennisplätze blickt. Der Pavillon steht auf Stelzen und unter seinem Dach sollen wir schlafen, nicht da unten auf dem Boden. Alligatoren? Nein, Regenwetter. Aber der Boden ist doch ganz … Nein, es regnet bestimmt noch, versichert uns die Frau. Zwei streunende Hunde attackieren uns (oder wollen nur spielen), sie verziehen sich jedoch rasch wieder. Die Sonne brennt, als wir, weil kein vernünftiges Restaurant zu entdecken ist, unser Abendessen in einem Supermarkt zusammensuchen. Als wir den wieder verlassen, fängt es, wie prophezeit, zu regnen an. Nicht so ein bisschen, zur Abwechslung geht nur wieder mal die Welt unter. Unser Zelt stünde bereits mitten in einem kleinen Teich, hätten wir es denn auf dem Boden aufgeschlagen. Es ist trotzdem keine angenehme Nacht auf dem Lattenrost dieses Pavillons (zehn Dollar kostet's), wo wir nur das Innenzelt mit dem Moskitonetz aufstellen. Frühmorgens werden wir von den Hupsignalen unseres Autos geweckt. Ich hatte zuvor vergessen, die Klimaanlage auszuschalten. Halb so schlimm, der Motor springt sofort an.

Memories of Heidelberg

Memories of Heidelberg

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.