Brasilien-Reisebericht :Ein Jahr Auszeit

Brasilien

Rio de Janeiro

Wir waren von Rio de Janeiro nach Buenos Aires etwas enttäuscht. Aber nichtsdestotrotz gab es auch hier einige Highlights. Wir wohnten in einem netten Appartement am Hügel mit Blick auf den Strand von Ipanema. Die Aussicht vom Zuckerhut über die Stadt ist einfach atemberaubend. Was uns gleich veranlasste, trotz Höhenangst, mit dem Flugdrachen über Rio zu fliegen. Ein tolles, wenn auch einmaliges Erlebnis! Schließlich stand im Reiseführer das es ein "must do" ist. Von oben sind die zahlreichen Favelas, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Vierteln der Reichen liegen, kaum zu sehen. Favelas sind eigene Städte in der Stadt. Sie sind von Gewalt geprägt und eine organisierte Drogenmafia verschafft den Armen Arbeit und das nötige Geld zum Leben. Die Zusammengehörigkeit und Hilfsbereitschaft unter den Leuten sucht aber seinesgleichen. Ja und natürlich nicht zu vergessen, die Strände von Rio, Ipanema und Copacabana.Selbst auf den Straßen und in der U-Bahn sind alle Leute nur mit Bikini und Badehose bekleidet und strömen in Massen zu den Stränden, wo sich das Leben abspielt - bei 35 Grad im Schatten kein Wunder! Am besten man mietet sich Liege und Schirm und beobachtet einfach das Strandleben. Sicher genbedingt mit perfektem Körper präsentieren sich die jungen Brasilianer wie auf dem Laufsteg. Strandverkäufer bieten Caipirinhas und Queso an.( Käse auf Stäbchen über Holzkohlegrill wird vor einem zubereitet) Händler gehen mit Schirmen voll behängt mit Bikinis, Strandtüchern und Hüten durch die Menge und bieten lauthals ihre Waren feil. Die Fröhlichkeit und gute Laune der Cachoeros, wie sich die Brasilianer selbst nennen ist ansteckend und so gesellen auch wir uns zu Ihnen ins Meer, hüpfen und freuen uns, wenn die hohen Wellen anrollen.

Favela Rocinha

Favela Rocinha

Ausblick vom Zuckerhut auf das abendliche Rio

Ausblick vom Zuckerhut auf das abendliche Rio

Silvester an der Copacabana

Silvester ist ein großes Event in Rio, wo 2 Millionen weiß gekleidete Leute an den Strand von Copacabana pilgern, um sich das wirklich sensationelle Feuerwerk über dem Meer nicht entgehen zu lassen. Blumen zu Ehren der Göttin Imanje werden ins Meer geworfen und die Leute springen gleich hinterher. Auch ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und sprang auch voll bekleidet in die Wellen. Es war ein tolles Erlebnis, das wir nicht missen wollen, obwohl wir erwartet haben, dass Sambatänzer und Musik für Stimmung sorgten - war aber nicht.

Salvador de Bahia

Gleich im neuen Jahr flogen wir weiter nach Salvador de Bahia. Was wir in Rio suchten fanden wir in Salvador. Die Stadt sprüht vor Lebensfreude!!! In der Bahiaregion ist die größte Dichte an afroamerikanischer Bevölkerung, Nachfahren der ehemaligen Sklaven, die in den Zuckerrohrplantagen arbeiteten und sich in dieser Region niederließen. In Pelourinho, der Altstadt, reihen sich bunte, windschiefe Kolonialhäuser in den engen, steilen Gassen. Der dumpfe Rhythmus der Trommelbands hallt über das Kopfsteinpflaster und die Leute bleiben stehen um sich im Takt zu bewegen. Michael Jackson drehte hier das Video zum Song " They don`t care about us". Baianas verkaufen in ihrer weißen Tracht Acaje, kleine Kugeln aus Bohnen, frittiert in Palmöl und mit Garnelen und scharfen Gewürzen gefüllt. Dieses "Street Fast Food" schmeckt vorzüglich. Gleich um die Ecke üben sich junge Männer in der Kampfsportart Capoeira, auch ein Überbleibsel aus der Sklavenzeit. Ebenso die spirituellen Candomble Messen, die wir uns auch anschauen mussten. Weißgekleidete "eingeweihte" Frauen und Männer fallen beim vom Trommeln begleiteten rituellen Tanz in einen tranceähnlichen Zustand in welchen sie ihren Körper den Geistern (Orixa`s) zur Verfügung stellen. Es war sehr interessant für uns zuzuschauen und miteinbezogen zu werden. Aber wenn es statt der 4 Stunden nur Eine gedauert hätte, wären wir auch nicht böse gewesen. Wir waren insgesamt 5 Tage in Salvador und machten auch 2 Ausflüge, einmal auf die Insel Itaperica, um zu baden und einmal einen organisierten Ausflug zu den Allerheiligeninseln, die geschützt in der Bucht vor Salvador liegen. Auf einer der Inseln wurde uns dann die Geldbörse gestohlen, oder ist auf andere Weise verloren gegangen. Okay, wir rechneten ja damit, dass das einmal passiert und es waren ja zum Glück auch keine Karten drin. Aber - das es unbedingt auf einer Insel passieren musste, wo wir vorher im Restaurant gut und teuer gegessen hatten, war nicht nett. Wir mussten das "im besten Portugiesisch" dem Inhaber erklären und versprachen dann, das Geld dem Veranstalter zu bringen, sobald wir wieder in Salvador wären. Sehr peinlich!!!

Pelourinho

Pelourinho

Candomble Zeremonie

Candomble Zeremonie

Baiana

Baiana

In der Bahiaregion unterwegs

In Salvador mieteten wir ein Auto, um die nächsten 3 Wochen die Bahiaregion zu genießen. Wir fuhren um die Allerheiligenbucht herum nach Cachoeiro, einem ganz kleinen und gemütlichen Kolonialstädtchen, wo es auch noch eine Zigarrenfabrik gibt, wo Frauen die Zigarren noch von Hand drehen. Wir durften zuschauen, und Norbert nutzte gleich die Gelegenheit eine davon zu kaufen. Weiter ging es mit dem Auto südlich entlang der Küste und jetzt wurden die Straßen katastrophal. Entweder unbefestigt oder mit vielen Schlaglöchern versetzt, Bodenschwellen, die manchmal angezeigt wurden und manchmal auch nicht, bereitete auch das Fahren in den Städten auf dem zwar schönen aber holprigen Kopfsteinpflaster auch kein Vergnügen. Dazu kam noch unser Auto - ja was soll man sagen - es sorgte für ständige Aufregung. Angefangen von meist aufleuchtender Motorlampe, abgebrochenem Außenspiegel und zu guter Letzt mit im Nirgendwo für einen Reifenplatzer. Aber wir oder besser Norbert meisterte das alles bravourös. Sein portugiesisch wurde immer besser. Den abgebrochenen Spiegel reparierte uns ein Junge innerhalb einer halben Stunde am Straßenrand. Er zerlegte unsere Autotür in alle Einzelteile, dass mir schummrig wurde, schraubte und klebte den Spiegel und setzte wieder alles zusammen - unglaublich! Wir fuhren weiter in den Süden entlang der Kakaoküste und erholten uns dann in Itacare, einem Fischerdorf mit herrlichen endlosen Stränden, einem Paradies für Surfer. In einer sauteuren Ecolodge ließen wir uns die nächsten 2 Tage verwöhnen und die Sonne auf den Bauch scheinen. Das hatten wir uns verdient!! Dann verbrachten wir einige Tage in Morro Sao Paulo, auf der Insel Tinhare gelegen, wo motorisierte Fahrzeuge verboten sind. Als die Fähre anlegte, warteten schon die Einheimischen auf uns mit den Scheibtruhen auf denen Taxi stand, um unser Gepäck und auch gleich uns in die Pousada Colibri zu bringen, die malerisch auf einem Berg liegt. Die Aussicht auf die Bucht vom Pool aus war wunderschön, wie auch die ganze Pousada. Geführt wird sie von einem netten deutschen Ehepaar, das einfach vor 35 Jahren nach einem Urlaub beschloss, hier zu bleiben. Wenn man das kleine Örtchen und die Strände sieht, kann man das auch gut nachvollziehen. Es gibt nur einen Weg, der einem zu den Stränden führt und viele offene Fischrestaurants, mit den Tischen davor, laden zum Verweilen ein. Überall stehen Kokospalmen, die Strände haben feinen weißen Sand, der unter den Zehen knirscht und aus den zahlreichen Bars vernimmt man Bassa Nova oder Sambamusik. Hier kann man in der Hängematte ein gutes Buch lesend den Sonnenuntergang genießen. Margit, die Besitzerin war letztendlich auch für die weitere Route verantwortlich. Wir hatten ja für Brasilien keine Pläne und waren für jede Hilfe dankbar.

Zigarrenfabrik bei Cachoeira

Zigarrenfabrik bei Cachoeira

Pousada Colibri

Pousada Colibri

Taxi in Morro Sao Paulo

Taxi in Morro Sao Paulo

Nationalpark Chapada Diamandina

Also fuhren wir weg von der Küste 450 Kilometer ins Landesinnere zum Nationalpark Chapada Diamantina, wo ehemals Diamantenminen waren. Wir machten dort drei organisierte Tagestouren, da uns abgeraten wurde auf eigene Faust loszuziehen. Hohe Tafelberge prägen die Landschaft und hier gibt es zahlreiche Höhlen, Wasserfälle und natürliche Pools, wo wir uns immer wieder abkühlen konnten. Ein Wasserfall, der über eine glatte Felsplatte fließt, ladet zum Rutschen ein. Wahnsinnige Einheimische surfen hier auch hinunter. Am letzten Tag machten wir eine Fahrt in einem Langboot im kleinen Pantanal und lautlos fuhr das Boot zwischen Wasserhyazinthen und Seerosen durch das Wasser. Die Stille wurde nur von Vogelgezwitscher unterbrochen. Das Ufer ist mit Bananenstauden und Kokospalmen gesäumt- sehr schön!. Auf einer Farm aßen wir zu Mittag. Die Hausfrau kochte auf einem noch mit Holz befeuerten Ofen typisch baianische Küche und man konnte sich gleich von den Töpfen bedienen. Wenn ich dann nicht voll bekleidet beim Einsteigen ins Boot ins Wasser gefallen wäre, wäre das ein perfekter Tag gewesen. Na Hauptsache die anderen einschließlich Norbert haben sich auf meine Kosten amüsiert. Mir war aber dafür bei der Rückfahrt nicht heiß.

Abendstimmung im Chapada Diamandina

Abendstimmung im Chapada Diamandina

Naturpools

Naturpools

Kleines Pantanal

Kleines Pantanal

Bahiaküche

Bahiaküche

Estrada do Coco

Am nächsten Tag fuhren wir wieder zurück an die Küste ganz in den Norden Bahia`s. Mangue Secco, nur mit dem Boot erreichbar, ist ein einfaches Fischerdorf am Rande von schneeweißen Dünen und Palmen, die man mit einem Buggy befahren kann, um an den Strand zu kommen. Hier gibt es keine festen Wege, sondern nur Sand und so kommt man am Besten ohne Schuhe weiter. Die nächsten Tage fuhren wir gemütlich weiter die Küste Richtung Salvador entlang der Estrada do Coco und erholten uns in kleinen Fischerdörfern, die an kilometerlangen weißen Sandstränden liegen. Umso befremdlicher sind für uns die überfüllten Strandabschnitte voll mit Brasilianer. Aber die haben eine andere Mentalität. Ein Urlaub ohne all diesen Trubel wäre für sie unvorstellbar. An den Stränden gibt es einfache "Barracas", wo einem frittierte Fisch oder Moqueca de Peixe (Fisch in Kokosmilch gekocht) serviert wird und kühles Bier im Schatten des Sonnenschirms in Strömen fließt. Wir machen lange Dünen- und Strandspaziergänge, planschen im Wasser oder liegen in der Hängematte, in der Hand einen Caipirinha und genießen die letzten Tag in Brasilien, bevor wir Ende Jänner nach Neuseeland fliegen.

Flusslangusten in Kokosmilch gegart

Flusslangusten in Kokosmilch gegart

So schaut ein Frühstück aus, wenn die Pousada von einem waschechten Bayer und einem Italiener geführt wird

So schaut ein Frühstück aus, wenn die Pousada von einem waschechten Bayer und einem Italiener geführt wird

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Reise führt uns von Alaska - Yukon, über die Südstaaten und Neuengland, drei Monate mit dem Rucksack durch Südamerika, danach mit dem Wohnmobil durch Neuseeland. Drei Monate Seele baumeln in der Südsee soll uns den Alltag vergessen lassen. Dann wartet noch ein großes Offroad-Abenteuer in Westaustralien gemeinsam mit unserem 18 jährigen Neffen, der extra eingeflogen wird.
Details:
Aufbruch: 26.07.2014
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juli 2015
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Kolumbien
Bolivien
Brasilien
Neuseeland
Französisch Polynesien
Der Autor