Chile-Reisebericht :Von Pattaya nach Zittau

Pucon: Zwischenstand

Ich bin jetzt seit neun Tagen im Hostal Donde Egidio in Pucon und ich muss sagen, hier kann man es aushalten. Als ich ankam, hat man mir einen Zimmerpreis von 15.000 Pesos pro Nacht gesagt. Nach kurzer Verhandlung habe ich nun 90.000 Pesos für neun Nächte im Einzelzimmer mit Frühstück und super Internet bezahlt. Morgen geht es weiter Richtung Norden.
Der Wetterbericht kündigt etwas Regen an. Ich sollte also wieder Kilometer schruppen, um aus dem im Süden kreisendem Regengebiet heraus zu kommen.

Ich habe die Tage genutzt, nicht nur um die Region zu erkunden und meinem angekratztem Herz ein wenig Ruhe zu gönnen, sondern auch um etwas Spanisch zu lernen. Eigentlich kann ich schon eine Millionen Wörter, aber es sind nur die Zahlen. Und ich spreche sie zwar, aber verstehen kann ich sie nur auf mehrfache Nachfrage.

Und ich habe so einige Dinge erledigt. Mein europäischer Führerschein liegt in irgendeinem Keller in Halle und der Internationale ist abgelaufen. Ich besitze also kein so richtig gültiges Dokument. Nun ja, ich hatte die Reise nicht geplant, sie ist mehr oder weniger aus der Situation heraus erwachsen und das finde ich auch gut so. Okey, ich habe meine Thaifahrerlaubnis, aber, aber, aber. In irgendeiner Cloud habe ich noch ein Foto von der Europäischen gefunden, sie ausgedruckt, eingeschweißt und das da oben ist dabei herausgekommen. Natürlich sieht man gleich, das die nicht echt ist, aber schauen mir mal.
Dann habe ich gelesen und gehört, dass ich für die anderen Staaten hier eine Motorradhaftpflicht brauche. Die habe ich gekauft. Sie hat 140 Euro für 6 Monate gekostet.
Und ich habe meiner neuen chinesischen Freundin ein Verwöhnprogramm spendiert, Öl und Filterwechsel. Damit verliere ich zwar die Garantie, die nach 10.000 km ehe abläuft, weil ich keine Durchsicht machen lasse, spare aber 120.000 Pesos. Hoffentlich geht's gut.

Meinen internationalen Führerschein habe ich an der Stelle geknickt, wo das Ablaufdatum steht und die Bruchstelle so lange mit der Schere behandelt, bis es nicht mehr zu lesen war. Da kommt jetzt noch ein Klebestreifen drauf und dann wird das Ding im Notfall so geknickt überreicht.

Der Verkehr

Ich versteh ihn nicht. Gut man fährt hier so vorsichtig wie in Holland. Aber ich steh manchmal an einer Kreuzung und habe keine Ahnung was los ist. Schaut euch das Bild unten an und sagt mir wer hier fahren darf.

Auf meiner Straße ist kein Verkehrszeichen, also denke ich, alles ist gleichberechtigt. Nein! Als erstes geht der Fußgänger und zwar immer und überall. Die übersehe ich oft. In den Ländern wo ich zuletzt war, hatten Fußgänger keine Daseinsberechtigung. Dann bin ich dran, denn am rotem Pfeil kann man das Verkehrsschild der Seitenstraße erkennen oder auch nicht. Ich denke also mal, wenn kein Verkehrsschild da ist, habe ich Vorfahrt oder auch nicht. Ich weiß nicht. Übrigens die weisen Pfeile an den von mir blau eingezeichneten Pfeilen sagen mir, ob dies eine Einbahnstraße ist und in welche Richtung sie verläuft. Alles sehr ungewohnt.

Noch so ein Beispiel. Dies ist doch ein Stoppschild oder? Hmm, vielleicht.
Es gilt nur für Radfahrer, ich als Motorradfahrer bin auf der Hauptstraße.
Nun das Gute ist, die Chilenen scheinen zu begreifen, das sie einen Idioten vor sich haben, der nichts versteht und warten geduldig bis ich weg bin.

Einkaufen

Mit Geduld bin ich beim nächstem Thema. Eine Nummer ziehen und geduldig in der Schlange stehen ist hier Volkssport, dem ich mich gerne entziehe, obwohl ich in der DDR hart dafür trainiert habe. Neulich war ich Sonntagnachmittag an der Fleischtheke im Supermarkt, kein anderer Kunde weit und breit und das große, hellstrahlend Nummernschild stand auf 00. Als ich die Verkäuferin ansprach, sagte sie etwas von Numero. Ich hielt kurz inne, zog eine Nummer von der Rolle, übergab sie ihr und erst danach ging es los.
An der Kasse wird gerne mal ein Schwätzchen gemacht oder der Kassierer liest erst mal in Ruhe seine eingehenden SMS, bevor der nächste Kunde an der Reihe ist. Überhaupt gibt es hier sehr viel Personal in den Geschäften. Dafür fehlen aber des Öfteren die Preisschilder an den Waren. Wenn ich dann jemanden frage, gehen wir durch die ganze Halle zu irgendeinem Gerät, was dann den Preis ausliest.

Gesundheit

Gesundheit hat mich nie interessiert, die war eben da. Meine Versicherung ist vor einem Jahr ausgelaufen und ich bin auch schon früher ohne unterwegs gewesen. Ich will das auch nicht breittreten, sondern mehr ignorieren. Eins ist Fakt, ich habe es im Laufe der Jahre mit dem Wein verkosten übertrieben. Ich bin ein leidenschaftlicher, exzentrischer Inspirations. und Genusstrinker, aber der Warnschuss letztens war unmissverständlich gewesen. Also entweder fühle ich mich jetzt fit genug, fahre weiter und verzichte ganz auf Alkohol oder ich bin zu schwach, breche ab und fliege nach Deutschland zur Untersuchung.
Nun es fühlt sich nicht an wie zuvor, ich spüre noch irgendwas in der Brust und im Arm, aber ich denke, das wird wieder. Immer schön langsam, nichts übertreiben. Toi, Toi, Toi

© Bernd Feurich, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Insgesamt habe ich in den letzten 20 Jahren 5 bis 7 Jahre in Thailand gelebt und gearbeitet. Die letzten zwei Jahre war ich fast am Stück dort gewesen. Jetzt ist das Ende des Geldes abzusehen und ich reise in östliche Richtung über die Pazifikinseln und Südamerika nach Deutschland zurück.
Details:
Aufbruch: 04.01.2016
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 15.12.2016
Reiseziele: Thailand
Philippinen
Fidschi
Neuseeland
Französisch Polynesien
Chile
Argentinien
Bolivien
Peru
Brasilien
Der Autor
 
Bernd Feurich berichtet seit 26 Monaten auf umdiewelt.
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