Peru-Reisebericht :In 6 Monaten um Südamerika...

Nach Peru (Chiclayo, Huanchaco)

Hi Leute

Es ist wiedermal Zeit für ein Update. Momentan befinde ich mich in Huaraz, das sich am Fusse der Cordillera Blanca auf rund 3'100m.ü.M. befindet. Man nennt das Gebiet hier auch die Peruanische Schweiz, da die Gipfel der Berge hier das ganze Jahr hindurch mit Schnee und Eis bedeckt sind. Aber dazu dann nächstes Mal mehr...

Eigentlich wollte ich ja letzte Woche am Donnerstag, am 1. November los von Quito Richtung Peru. Ich hatte nämlich einen Direktbus nach Piura (Peru) gebucht, der morgens um 08.30 losfahren sollte. Blöderweise wurde die Fahrt gestrichen. Wenn ich meinen Spanischkenntnissen trauen darf, angeblich aufgrund irgendwelchen Protesten in Peru. Ich ging also mit meinem ganzen Gepäck wieder zurück zum Hostel und traf dort zwei deutsche Mädels, die auch nach Peru wollten. Einen anderen Direktbus von Quito nach Peru zu finden stellte sich aber als ziemlich schwierig zu bewältigende Aufgabe heraus. Als wir uns entschieden hatten, stattdessen einen Bus bis zur letzten Stadt an der Grenze (Huaquillas) zu suchen, waren alle Plätze besetzt. Deshalb blieben wir noch eine weitere Nacht in Quito, um am nächsten Tag direkt zum grossen Busbahnhof Quitumbe zu gehen und dort einen Bus zu buchen. Als wir dann am nächsten Tag am Busbahnhof ankamen, mussten wir feststellen, dass auch von dort keine Direktbusse nach Peru fahren. Ok, also haben wir einen Bus nach Huaquillas gebucht, der dann auch wirklich um 16.10 losfuhr. Halleluja... Endlich gehts los! Ich hasse Warterei... Die Busfahrt sollte gemäss Internet angeblich rund 14 Stunden dauern. Blöderweise dauerte die Fahrt nur 12 Stunden. Deshalb sind wir also schon um 4 Uhr nachts irgendwo am Arsch der Welt an der Grenze zu Peru angekommen. Als ich den Busfahrer fragte, wo wir nach Peru immigrieren können, und ob man dahin zu Fuss gehen könne, sagte der ziemlich kurz angebunden, dass es möglich wäre, aber viel zu gefährlich. Toll! Danke vielmals... Zuerst war natürlich auch weit und breit kein Taxi in Sicht. Wir standen also wie bestellt und nicht abgeholt am Strassenrand, um es mal auf Schweizerdeutsch auszudrücken. Irgendwann kam ein Mann vorbei und fragte uns, ob wir ein Taxi zur Grenze brauchen. Also rief er einen Kollegen an, der zwei Minuten später mit einem nicht offiziellen Taxi dastand. Da wir alle schon Geschichten von Entführungen an der peruanisch-ecuadorianischen Grenze gelesen hatten, verzichteten wir lieber auf dieses "Taxi". Daraufhin hat dieser inoffizielle Taxifahrer einen anderen Kollegen angerufen, der auch wieder prompt dastand, diesmal mit einem gelben offiziellen Taxi. Mit einem immer noch etwas unguten Gefühl sind wir also eingestiegen. Der Fahrer stellte sich aber als äusserst freundlich und hilfsbereit heraus, und erklärte uns, dass wir um diese Uhrzeit an der Grenze keine Taxis vorhanden sind und besser mit ihm nach Huaquillas zurückfahren sollten, um dort ein Taxi nach Peru zu finden. Glücklicherweise traf aber, kurz bevor wir die nötigen Stempel in unseren Pässen hatten, ein Direktbus nach Mancora ein. Das war sowieso das Ziel der deutschen Mädels, und wir hüpften auf diesen Bus. In Mancora verabschiedete ich mich von den Girls. Mein Ziel war Chiclayo, nur 7 läppische Busstunden weiter. Als ich auf den Bus wartete, traf ich zwei Schweizer und ein deutsches Pärchen, Markus und Sarah. Am Nachmittag des 2. November kam ich dann endlich in Chiclayo an. Nach den Strapazen (Autsch, mein Steissbein!!!) dieser gesamthaft 24-stündigen Reise, gönnte ich mir wiedermal ein Einzelzimmer.

Chiclayo ist neben Lago Agrio die hässlichste Stadt, die ich bis anhin zu Gesicht bekommen habe. Viel gibt es dort eigentlich nicht zu tun, ausser dem Besuch der Pyramiden von Tucume. Auf den Strassen von Chiclayo bin ich abends zufälligerweise wieder auf Markus und Sarah gestossen. Da auch sie die Pyramiden besuchen wollten, haben wir zusammen eine Tagestour gebucht. Bei den Pyramiden von Tucume handelt es sich um einen Komplex von 26 Gebäuden, die von den Simu errichtet wurden. Die Simu herrschten dort von 800 bis rund 1350 n.Chr., bevor sie später von den Inka vertrieben wurden. Auf den ersten Blick könnte es sich bei den Pyramiden auch einfach um Sandhügel handeln. Regen und insbesondere starke Winde haben die ursprüngliche Struktur der mit Sandsteinen gebauten Pyramiden ziemlich zerstört. Von einem Aussichtspunkt aus sieht man dann aber das ganze Ausmass des Komplexes, was doch sehr beeindruckend ist. Auch auf dem Programm der Tour standen der Besuch des Museums in Lambayeque und des regionalen Trockenwaldes. Am nächsten Morgen wollte Sarah den Hexenmarkt von Chiclayo besuchen. Da ich noch etwas Zeit zur Verfügung hatte, habe ich mich den zweien angeschlossen. Auf dem Hexenmarkt gibt es von potenzsteigernden Mitteln bis zu Stinktierfellen alles zu kaufen. Und noch mehr... als Markus und ich im Gespräch über Ayahuasca (ein traditionelle psychedelische Droge der Schamanen der Amazonas-Region) waren, hat uns ein Händler angesprochen, er verkaufe Ayahuasca, San Pedro (Droge aus einem Kaktus)... oder auch Cannabis. Ja, also alles was das Herz so begehrt...

Am Nachmittag hab ich mich dann schon wieder auf den Weg gemacht. Von Chiclayo hatte ich die Nase ziemlich voll. Mein nächster Halt wäre eigentlich Trujillo gewesen. Da ich aber gelesen hatte, dass Trujillo Chiclayo ziemlich ähnlich sei, hatte ich mich entschieden, stattdessen nach Huanchaco zu gehen. Die Fahrt von Chiclayo nach Trujillo war sozusagen eine Offenbarung was Busfahren anbelangt. Ledersitze, in die fast zwei Personen passen, super TV (Prometheus, leider auf Spanisch), und eine nette Bedienung... Sogar was zu essen gabs. Wie fliegen, nur mit mehr Platz. War fast schon schade, dass die Fahrt nur 3.5 Stunden dauerte. Von Trujillo gings dann eine Dreiviertelstunde wieder mit einem "Holzhacker-Bus" nach Huanchaco. Dies ist ein Surfer-Mekka mit ca. 18'000 Einwohnern. Am ersten Abend dort lernte ich im Hostel Thieu, einen Holländer, kennen, mit dem ich übrigens immer noch unterwegs bin. Er liess sich von mir überreden anstatt nach Mancora nach Huaraz zu gehen. Berge statt Strand... ja manchmal kann ich ziemlich überzeugend sein.

In der Nähe von Trujillo befinden sich weitere interessante archäologische Stätten. Die Ruinen von Huaca de la Luna und Huaca del Sol sowie die von Chan Chan. Thieu und ich besuchten also am nächsten Tag diese beiden Fundorte. Huaca de la Luna sowie Huaca del Sol wurden von der Moche-Kultur erbaut, die vom ersten bis zum achten Jahrhundert nach Christus die Gegend um Trujillo beherrschte. Ausgrabungen unterrichten unter anderem von Menschenopfern, mit denen die Moche die Götter in dieser wüstenreichen Region um Regenfälle baten. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, vermutet man, dass die Moche das Gebiet aufgrund von jahrelangen Dürreperioden verlassen haben. Eine andere Theorie besagt, dass eine starre Ideologie zum Untergang führte, indem man meist die jungen und produktiven Mitglieder der Gemeinschaft opferte, und sich somit selbst die Grundlage zu einer blühenden Zukunft nahm. Am späten Nachmittag besuchten wir dann noch Chan Chan. Dies wurde von der Nachfolge-Kultur der Moche, den Chimu, erbaut. Diese herrschten dort von 1250 bis 1470 n.Chr., bevor sie von den Inka erobert wurden. In der Blütezeit um 1300 n.Chr. beherbergte die Stadt rund 100'000 Einwohner.

Das war in drei Tagen ziemlich viel Geschichte. Zeit für ein Abwechslung. Thieu und ich haben deshalb am nächsten Tag eine Surf-Lektion gebucht. Meine erste... Auch wenn wir nur auf den kleinen Wellen reiten durften, war das ein Riesenspass. Ich habs sogar drei-, viermal geschafft, aufzustehen und ein Paar Meter weit zu surfen. Das muss ich unbedingt wiedermal machen, auch wenn das wahrscheinlich eine Weile warten muss, da in nächster Zeit keine Strände in Sicht sind.

So Leute, soviel für dieses Mal. Für morgen gehen Thieu und ich auf den Santa Cruz Trek. Dies ist ein dreitätiger Trek rund um die Cordillera Blanca. Freue mich schon riesig. Einziger Nachteil: um 05.30 Uhr klingelt der Wecker. Also, bis zum nächsten Mal...

GLG
Oli

Eine Parade in Chiclayo - auch die Mädchen mussten ran

Eine Parade in Chiclayo - auch die Mädchen mussten ran

Eine der Pyramiden von Tucume

Eine der Pyramiden von Tucume

Der ganze Komplex in einem Modell rekonstruiert

Der ganze Komplex in einem Modell rekonstruiert

Vom Aussichtspunkt - linke Seite

Vom Aussichtspunkt - linke Seite

Vom Aussichtspunkt - rechte Seite

Vom Aussichtspunkt - rechte Seite

Museo Tumbas Reales de Sipan in Lambayeque

Museo Tumbas Reales de Sipan in Lambayeque

Eine Priestermaske - Fund in den Pyramiden von Tucume

Eine Priestermaske - Fund in den Pyramiden von Tucume

Aufgrund des Schädels hat man das Gesicht rekonstruiert - hübsches Kerlchen

Aufgrund des Schädels hat man das Gesicht rekonstruiert - hübsches Kerlchen

Im Hexenmarkt von Chiclayo - unten im Bild - Vodoopuppe

Im Hexenmarkt von Chiclayo - unten im Bild - Vodoopuppe

Alternative zum Spinat von Popeye

Alternative zum Spinat von Popeye

Unzählige Mittelchen

Unzählige Mittelchen

Der hat auch schon bessere Zeiten erlebt

Der hat auch schon bessere Zeiten erlebt

Lauter hässliches Zeugs

Lauter hässliches Zeugs

Stinktierfell

Stinktierfell

Huaca de la Luna - Zentrum der Opferriten der Moche

Huaca de la Luna - Zentrum der Opferriten der Moche

Innerhalb Huaca de la Luna

Innerhalb Huaca de la Luna

Die Moche - Erfinder des Smileys

Die Moche - Erfinder des Smileys

Huaca del Sol - politische Einrichtung - wird momentan gerade renoviert und kann deshalb nicht besichtigt werden

Huaca del Sol - politische Einrichtung - wird momentan gerade renoviert und kann deshalb nicht besichtigt werden

Zwischen den beiden Pyramiden befand sich die Stadt der Moche

Zwischen den beiden Pyramiden befand sich die Stadt der Moche

Etwa so

Etwa so

Der Opferaltar

Der Opferaltar

Der Eingang - das grosse Loch an der Aussenseite stammt von Grabplünderern

Der Eingang - das grosse Loch an der Aussenseite stammt von Grabplünderern

Chan Chan

Chan Chan

Beim "Fiirobig-Bier" in Huanchaco

Beim "Fiirobig-Bier" in Huanchaco

© Oliver Heeb, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
... zumindest hoffe ich das... Wer träumt nicht davon einmal im Leben alles hinter sich zu lassen um die Welt zu entdecken. Mit bald 35 Jahren darf auch ich endlich diese Erfahrung machen. Da ich noch überhaupt kein Spanisch sprechen kann, beginne ich mit einem einmonatigen Spanischkurs in Cartagena, Kolumbien. Leute, ich bin sowas von gespannt... Mit meinen Berichten und Fotos möchte ich euch an meiner Reise teilhaben lassen. Viel Spass...
Details:
Aufbruch: 04.08.2012
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 24.01.2013
Reiseziele: Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Brasilien
Der Autor
 
Oliver Heeb berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt.