Deutschland-Reisebericht :Die kleine Sauerkrauttour

Nachdem wir unsere Sommerurlaube die letzten zwei Jahre in kroatischen Gewässern verbrachten, war es wieder mal an der Zeit, etwas anderes zu unternehmen.
Aber, wohin?
Zunächst kam ich auf die Idee, den Rhein komplett runter zu fahren, bis zur Nordsee. Die Idee an sich war nicht schlecht, aber wenn man schon in Holland ist, dann sollte man auch weiter, ... und dafür war die Zeit einfach zu knapp.
Wir entschieden uns deshalb für eine Alternative, der Kleinen Sauerkrauttour.

Sa., 31.07.2010 ... Es geht los

Die letzten Wochen waren irgendwie "komisch" .... denn es war alles anders als sonst.
Wir brauchten praktisch nichts vorzubereiten. Natürlich unsere Klamotten, natürlich Papiere, Lesestoff, Laptop und all den Kram den man so zu brauchen meint. Aber wenn wir was vergessen sollten, war das nicht schlimm. Entweder brauchte man es doch nicht, oder es war kein Problem, gleichwertigen Ersatz zu beschaffen! Denn wir waren in Deutschland!
Außerdem war es komisch, bei der Autobahnauffahrt vorbeizufahren und genau zu wissen, dass man in ein/zwei Wochen da nicht drauf fährt, sondern eine Auffahrt weiter in die entgegengesetzte Richtung, dass man keine 1000 km mit dem Auto fährt, sondern nur 180 km.
Man musste dieses mal das Boot vor der Abreise betanken und an Reservekannister denken, nicht, wie sonst, im Ausland auf dem Weg wo der Sprit billiger war.
Auch der Zeitpunkt unserer Abfahrt - normalerweise so zwischen 18.00 und 20.00 Uhr, und jetzt morgens, gemütlich nach dem Frühstück!
Obwohl auf der A5 Karlsruhe - Basel auf vielleicht 60 km 3 Baustellen waren, kamen wir noch vor 12.00 Uhr bei der Schiffswerft Krieg an.
Beim Anblick der Slippstelle allerdings entschloss ich mich, Slipphilfe vom Trecker der Firma Krieg in Anspruch zu nehmen. Die Slippstelle ist im ersten Teil sehr steil, und wozu sollte ich mein Auto dermaßen plagen?

Slippen mit Treckerhilfe bei der Schiffswerft Krieg

Slippen mit Treckerhilfe bei der Schiffswerft Krieg

Wir ließen Auto und Trailer auf dem Firmengelände und machten uns auf den Weg. Um 14.00 Uhr stachen wir in See. Zunächst lief alles bestens. Wir fuhren mit etwa 40 - 45 km/h bis zur Schleuse Iffezheim. Dort kamen wir gegen 14.40 Uhr an. Am Wartesteiger warteten bereits zwei Sportboote, also gesellten wir uns dazu und warteten. Wir mussten fast eine Stunde warten, bis wir schließlich nach einem Containerschiff einfahren konnten. Dann ging alles sehr zügig und um 16.00 Uhr hatten wir die Schleuse hinter uns gebracht.
Jetzt hatten wir freie Fahrt bis Koblenz, aber so weit wollten wie ja zunächst gar nicht. Das Reffental als erster Anlaufpunkt reichte uns schon.

Am Wartesteiger im Oberwasser der Schleuse Iffezheim

Am Wartesteiger im Oberwasser der Schleuse Iffezheim

Ausfahrt aus der Schleuse Iffezheim

Ausfahrt aus der Schleuse Iffezheim

Doch nicht mal so weit sollten wir kommen!
Bei km 347, aus dem "Goldkanal" kam plötzlich ein Polizeiboot direkt auf uns zu und forderte uns auf, ihm zu folgen. Was war los?
Ob wir ein Funkgerät an Bord hätten, fragte uns der Waschpo. Nein, hatten wir nicht, warum? Tja, auf dem Rhein war die Hochwassermarke I überschritten, und das bedeutet, dass man nur fahren darf, wenn man Funk an Bord hat, und dann ist die Geschwindigkeit auch auf 20 km/h über Grund beschränkt. Nun,. Wir waren mit gut 40 km/h unterwegs gewesen.
Pech, zwei Ordnungswidrigkeiten, die Rechnung wird kommen. Wir wussten zwar nichts davon, denn im Oberwasser der Schleuse Iffezheim war ja alles OK, aber Unwissen ......
Aber was jetzt tun?
Ins Reffental konnte uns der Polizist nicht weiterfahren lassen. Hier, im Goldkanal bleiben konnten wir auch nicht. Wir einigten uns darauf, dass wir unter Polizeibegleitung bis ins Auer Altwasser bei km 354 zum YC Oberrhein fahren würden und dort einen Gastliegeplatz nehmen würden.
Das wars dann! Wir "durften" unter Polizeibegleitung bis zum YC Oberrhein fahren!

Unter Polizeibegleitung

Unter Polizeibegleitung

Im YC Oberrhein

Im YC Oberrhein

Um 17.00 Uhr legten wir dort am Gastliegeplatz an. Wir hatten lt. GPS 44,7 km Strecke gemacht, hatten 1:45 Std. reine Motorlaufzeit und 23 l Benzin verfahren.

Rückblickend war es einfach eine Verquickung unglücklicher Umstände. Denn mit Hochwasser am Oberrhein hatten wir nicht im Traum gerechnet, zumal ja im staugeregelten Rhein, oberhalb von Iffezheim jede Menge Boote unterwegs waren.
Naja, Lehrgeld könnte man das nennen.
..... und wir haben auch einige Boote gesehen, die nicht mit den vorgeschriebenen 20 km/h unterwegs sein konnten, aber was solls ....
und weil wir schon beim unnötigen Geld ausgeben waren, gingen wir am Abend noch ins benachbarte Zollhaus zum Essen!

Das "Zollhaus"
Von dieser Position aus links ist die Anlegestelle der Rheinfähre

Das "Zollhaus"
Von dieser Position aus links ist die Anlegestelle der Rheinfähre

© Kurt Kadletz, 2010
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 31.07.2010
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.08.2010
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Kurt Kadletz berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Kurt über sich:
Wir waren während der letzten rund 15 Jahre immer mit dem Wohnwagen unterwegs. Südfrankreich oder Kroatien waren unsere Ziele, immer am Meer.
Wir haben auch immer ein klein wenig neidisch auf diese großen, weißen Boote geschielt, die da im Yachthafen rumdümpelten. Nun gut, wirklich neidisch waren wir nicht, aber der Wunsch nach so einem Boot war schon da. Der Urlaub mit den Kindern im Wohnwagen, meistens ziemlich nah am Meer, das hat auch was. Daneben hatte ich das Tauchen als Hobby, da blieb eigentlich keine Zeit mehr für ein Boot ....
Bis sich im Herbst 2001 doch die Gelegenheit ergab, ein Schlauchboot zu kaufen. Dann mussten im darauffolgenden Frühjahr noch die SBF's gemacht werden und dann konnte es losgehen.
Wir gingen auf "große Fahrt" mit Wohnwagen, Schlauchboot, 2 Tauchausrüstungen, 2 Erwachsene und 2 Kinder.
Aber das "große" kleine Schlauchboot (4 m lang, mit AB 15 PS) war sehr schnell zu klein und was größeres musste her. Das kam ziemlich bald. Unser Sohnemann wollte nicht mehr mit in den Urlaub und es war absehbar, bis wann die Tochter auch nicht mehr mitging. C'est la vie. So kauften wir im Herbst 2003 die "Sunny", eine drei Jahre alte Drago Fiesta 600, 6 m lang, mit Kabine, kleiner Küche, Kühlschrank und WC-Kabine. Für uns das ideale Urlaubsboot für zwei Personen (Mehr konnten wir uns sowieso nicht leisten).
Mit der "Sunny" gingen wir drei Jahre lang auf Tour, an der Küste Kroatiens entlang und zweimal zu Pfingsten in den Lagunen von Venedig. Zu Hause fuhren wir am Rhein und (wenig) am Main.
Im Herbst 2006 schließlich war auch die "Sunny" zu klein und wir leisteten uns einen Meter mehr Boot, nämlich die neu erschienene Drago Fiesta 22, im Prinzip die "Sunny", nur mit 7 m Länge.
Das Boot heißt "Bijou" (= Schmuckstück) und wird wohl auf absehbare Zeit das letzte sein, denn ein größeres passt nicht in unseren Carport. Es geht jetzt schon sehr eng zu. Mit dem Tandemtrailer braucht man die ganze Straßenbreite zum Einparken und hat dann links und rechts vielleicht knappe 10 cm Platz.

Zur Zeit arbeite ich auf, was ich auf unseren Touren alles zu Papier gebracht habe. Für uns entsteht eine Art Logbuch, die Kurzfassung hier ist der Versuch, anderen von unseren Touren zu erzählen.