Grönland-Reisebericht :Grönland / Island - Wo Europa wild wird

15.08. Kulusuk, Rückflug nach Reykjavík

Als ich Langschläfer aufwache, packen die meisten schon wieder ihr Lager zusammen. Bisher war ich aber immer noch pünktlich genug, um auch etwas vom Frühstück abzubekommen.
Es ist 9 Uhr, als wir zu einem Dorfrundgang aufbrechen. Gerade die richtige Zeit, einkaufen zu gehen. Noch sind keine Tagestouristen aus Island herüber gekommen. Der Supermarkt hat schon geöffnet, der Souvenirladen aber noch nicht. Und so vertreibe ich mir die Zeit damit, das Dorf etwas näher zu erkunden.

Husky-Babys in Kulusuk

Husky-Babys in Kulusuk

Heute beginnt nach den Sommerferien hier wieder die Schule. An den Hauseingängen der neu eingeschulten Kinder hängen Girlanden und wehen Fähnchen. Ein paar junge Hunde testen, wer denn der stärkere ist und die älteren Hunde stimmen zeitweise ein monotones Jaulen an.
Die Dorfkirche muss schon ziemlich alt sein, denn sie trägt eine zweistellige Hausnummer. Ihr erinnert euch? Die Nummern werden in der Reihenfolge der Erbauung vergeben.
Endlich hat auch der Souvenirladen geöffnet und ich bekomme die Chance, ein paar dänische Kronen loszuwerden. Viele Gelegenheiten dazu bekommt man ja nicht in Ostgrönland. Vor der Türe treffen wir unseren Skipper wieder, der uns drei Tage durch die Fjorde gefahren hat. Heute braucht sich Katharina nicht vor ihm zu verstecken, denn heute brauchen wir kein Gepäck zu stapeln.

Kulusuk

Kulusuk

Um 12:00 sollte eigentlich von den Einheimischen ein traditioneller Trommeltanz aufgeführt werden. Aus diesem Grund verbringen wir den kompletten Vormittag im Dorf anstatt eventuell die Insel näher kennen zu lernen. Wir sollen uns der Gruppe Tagestouristen anschließen, doch die sind jetzt erstmal im gesamten Dorf verteilt. An der Kirche fragen wir mal höflich nach, doch bekommen nur als Antwort, da wir nicht zu deren Gruppe gehören, würden wir den Trommeltanz auch nicht sehen dürfen.

Kulusuk

Kulusuk

Da langsam die Zeit drängt (heute fliegen wir zurück nach Island), brechen wir in Richtung unserer Herberge auf. Und wenn mich mein Gehör nicht komplett verlassen hat, bekommt heute gar niemand einen Trommeltanz zu sehen.
Vor unserem Gästehaus baut Ívar gerade die Zelte ab, die er über Nacht zum Trocknen draußen hat stehen lassen. Wie kann der denn jetzt noch mit solch einer Ruhe trödeln? Wir fragen mal nach, wann denn unser Flieger geht. "14 Uhr, vielleicht auch 14:30". Für uns ist das ein himmelweiter Unterschied und wir haken noch einmal nach. "Ach, die werden auf uns warten."

Kulusuk

Kulusuk

Der kleine Flughafen, etwa 20 Minuten zu Fuß vom Ort entfernt, ist leicht zu finden. Besonders schön finde ich den Sicherheitsbereich: Am Gebäude beginnt ein Zaun, der das Rollfeld von der Straße trennt. Dieser Zaun hört ein paar Meter weiter einfach so auf und könnte von jedem umgangen werden.
Das Gepäck wird normal aufgegeben und dann per Traktor zum Flugzeug gefahren. Spezialfahrzeuge gibt's hier nicht und ich bin mir sicher, der Traktor wird außerhalb des Flugbetriebs auch noch für andere Zwecke eingesetzt.

Flughafen Kulusuk

Flughafen Kulusuk

An Bord schnappt sich. Ívar direkt eine Zeitung und fragt etwas scheinheilig, warum wir uns keine nehmen. Na ja, vorher müssten wir wohl erst einen Sprachkurs in Zungenverdrehen belegen und unser Alphabet um 3 Buchstaben erweitern: Ð, ð und þ (werden alle so ähnlich wie das englische th ausgesprochen). Also liest er uns vor, dass gestern ein Flugzeug auf dem Weg von Zypern nach Athen abgestürzt sei. Im nächsten Moment vollzieht auch unser Flieger einen eleganten Hopser, was Katharina, die ein wenig unter Flugangst leidet, nun überhaupt nicht gefallen will.

Flughafen Kulusuk

Flughafen Kulusuk

Die Zeit vergeht wahrhaftig wie im Fluge und es ist Abend, als wir wieder in Reykjavík festen Boden unter den Füßen haben. Ívar macht sich erst einmal über den Duty Free Laden her und schon bald hat jeder für ein paar Minuten etwas Hochprozentiges im Gepäck.
Durch die Zeitverschiebung verlieren wir leider zwei Stunden, so dass der Tag sich unerwartet schnell dem Ende neigt. Das erste, was mir auffällt, nach 5 Tagen Grönland: zu viele Autos, asphaltierte Straßen, zu viele Menschen, zu viele und zu hohe Häuser, alle Straßen und Wege durchgeplant, durch Mauern und Zäune abgegrenzt und zubetoniert. Und wir befinden uns "nur" in Reykjavík. Ein Glück, dass wir nicht auch noch New York oder ähnliches angeflogen haben.

Innenstadt von Reykjavík

Innenstadt von Reykjavík

Ich freue mich zwar sehr auf mein voll ausgestattetes Gästezimmer, doch ebenso freue ich mich darauf, morgen wieder in der Natur zu wandern und abends abseits der Zivilisation im Zelt zu übernachten. Ein abendlicher Rundgang durch Reykjavík bringt mich wieder zu den Plätzen, die ich vor gut einer Woche schon einmal besucht habe, und weiter herunter zur Küste. Ich blicke auf den scheinbar endlosen Ozean Richtung Westen. Irgendwo dahinten, nur lächerliche 2 Stunden entfernt, ist praktisch die Welt zu Ende. Da wohnen Menschen, die in ihrem Leben nie eine Stadt betreten haben, nie Auto gefahren sind, überhaupt nicht wissen, was Hektik und Stress sind. Sie kennen einzig den Wunsch, den nächsten Winter zu überstehen.

Übernachtung: Gästehaus Snorri
Bewertung: durchschnittlich, aber besser als beim ersten Mal, denn nach vier Übernachtungen im Zelt ist man schon mit minimalem Komfort mehr als zufrieden.

© Markus Keune, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Viele sehen in Grönland nur Eis. Da muss es doch unglaublich kalt sein. Es stimmt zwar, dass der Sommer hier nicht ganz mit dem Mitteleuropäischen konkurrieren kann, aber dass man da außer Schnee nichts sehen könnte, mit dem Vorurteil wollte ich endlich aufräumen. In Grönland waren wir an verschiedenen Stellen Zelten und haben uns dazwischen per Boot durch die bizarre Welt der Eisberge gekämpft. Anschließend sind wir auf Island über diverse Lavafelder gekraxelt. Ein aufregendes Erlebnis!
Details:
Aufbruch: 09.08.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 28.08.2005
Reiseziele: Grönland
Island
Der Autor
 
Markus Keune berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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