Italien-Reisebericht :Im Herzen der Basilikata

Der Dom von Acerenza

Unter den vielen Orten, deren Sehenswürdigkeiten einen Besuch lohnen, entscheiden wir uns als nächstes für einen Ausflug nach Acerenza, ehemals an der römischen Überlandstraße Via Popilia gelegen. Die besonders imposante Kathedrale von enormen Ausmaßen liegt am höchsten Punkt des Orts und war Mittelpunkt des ältesten und angesehendsten Bischofssitzes der Basilika. Erbaut wurde sie im elften Jahrhundert, um den Gebeinen des Heiligen Canio eine angemessene letzte Ruhestatt in der Kirchenkrypta zu geben. Der Hl. Canio wirkte in Kathargo. Auf wundersame Art wurden 1080 seine Gebeine in Acerenza "gefunden", auf ebenso wundersame Art müssen sie auch wieder verschwunden sein, denn sein Sarkophog ist leer. Die 1524 im Renaissancestil errichtete Krypta lohnt trotzdem einen Besuch, auch wenn man einen Euro berappen muss, damit die elektrische Beleuchtung angeht. Ein besonderer Augenschmaus im rechten und linken Querhaus sind die Gemälde aus dem sechzehnten Jahrhundert der Gebrüder Stabile, führende Künstlerpersönlichkeiten ihrer Zeit. Und wenn man das Gotteshaus verläßt, sollte man unbedingt am rechten, äußeren Eingang einen Blick auf die "incroyable obscenité" werfen - so beschimpft von einem französischen Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts: eine sehr unkeusche Darstellung weiblicher Sexualorgane. Eine kleine Bar mit vorzüglichem Capucciono stärkt dann vor dem Rundgang durch den Ort, der die übliche lukanische Geschichte vorzuweisen hat: Im Jahre 1090 ein Großbrand, bei dem kein Haus verschont blieb, im Jahre 1656 Einfall des "schwarzen Todes", der Pest, und in den Jahren 1456, 1851, 1901, 1930 verheerende Erdbeben.

Das Städtchen Acerenza mit seiner Kathedrale

Das Städtchen Acerenza mit seiner Kathedrale

© Angelika Gutsche, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Besuch in der italienischen Provinz Basilikata, um ein etwas anderes Italien kennen zu lernen.
Details:
Aufbruch: Juli 2004
Dauer: unbekannt
Heimkehr: Juli 2004
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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