Italien-Reisebericht :Abruzzen: Der Gran Sasso Nationalpark

Castelli - Stadt der Majolika-Keramik

Castelli liegt eingebettet in üppig wucherndes Grün am Zusammenfluss des Rio San Donato und des Rio Leomagna. Die Flüsse mit ihren Tonvorkommen sind die Grundlage für Castellis Ruf als Zentrum der Majolikaherstellung. Majolika ist ein anderes Wort für Fayence und bezeichnet eine besondere Technik der Keramikherstellung. Zwar geht hier die Keramikherstellung bis in das 13. Jahrhundert zurück, doch entwickelte erst Carlo Antonio Grue (1655-1723) einen eigenen Stil, der weit über die Landesgrenzen hinaus Verbreitung fand und der von nachfolgenden Generationen der Familie Grue - mindestens zehn Majolika-Künstler sind daraus hervorgegangen - weitergeführt wurde. Weitere Namen im Zusammenhang mit dieser herausragenden Keramikkunst sind Candeloro Cappelletti und Mitglieder der Familie Gentile.

Das Keramikmuseum befindet sich etwas außerhalb des Ortes, den Berg hoch, direkt links neben der Kirche S. Donato (schlecht ausgeschildert). Nach der ersten Tordurchfahrt erreicht man das Museum, das in einem ehemaligen Franziskanerkonvent untergebracht ist und in dessen Kreuzgang sich Fresken aus dem 18. Jahrhundert befinden. Im Untergeschoss wird die Herstellung der Majolika demonstriert, im Obergeschoss sind die Werke alter Meister aus den Jahren 400 bis 900 ausgestellt, unter anderem von Antonio Grue.

Anschließend geht es durch ein zweites Tor zum Instituto d'Arte F.A.Grue (bis 13 Uhr geöffnet). Am Empfang freut man sich über unseren Besuch und gleich wird für unsere Führung eine signora gerufen. Zuerst besichtigen wir die Werkstätten, in denen sich die jungen Künstler üben, um anschließend die überlebensgroßen und äußerst fantasievoll gestalteten Majolika-Krippenfiguren zu bewundern. Besonders interessant ist ein Saal, in dem Arbeiten internationaler zeitgenössischer Keramikkünstler ausgestellt werden.

Castelli selbst quillt über vor unzähligen Läden, in denen Keramik in allen Variationen angeboten wird. Auf der Piazza Roma nehmen wir einen kleinen, sehr überteuerten Imbiss zu uns, bevor wir die daneben liegende Kirche San Giovanni Battista aus dem Jahre 1647 besuchen, in der seitlich eine in wunderbaren blau-gold Tönen gehaltene Majolika-Arbeit Francesco Grues angebracht ist.

© Angelika Gutsche, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Reise möchten wir den nördlichsten Teil der Abruzzen erkunden: den Gran Sasso. Er ist das einzige hochalpine Gebirgsmassiv Italiens außerhalb der Alpen und das höchste Gebirge des Apennin. Hier finden sich überwältigende Natureindrücke und faszinierende Kulturdenkmäler.
Details:
Aufbruch: 24.05.2008
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 06.06.2008
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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