Vatikan-Reisebericht :Das erste Mal im schrillen, pulsierenden Indien mit allen Gegensätzen

Mandvi, the quiet beach

Kind in einer Brettersiedlung in Mandvi

Kind in einer Brettersiedlung in Mandvi

Mandvi-Fernab von jeglichem Tourismus

Ruckartig hielt der Bus in Mandvi an und wir wurden aus unseren tiefsten Träumen (soweit das möglich war) gerissen und aufgefordert auszusteigen- Das Ziel war endlich erreicht, nach einer furchtbaren Zugfahrt im überfüllten Zug nach Ahmedabad und nun nach 8h Holperfahrt im Bus. Der Bus hielt an einer Brücke, die über einen Fluss führte, in dem eine Werft war, in der aufwendig von Hand noch Holzschiffe gebaut wurden. Verschiedene Bauetappen waren dort zu sehen und riesige Schiffe, die je nach Wasserstand (Ebbe/Flut) weitergebaut werden konnten.

Da in meinen Reiseführer lediglich eine 1/2 Seite etwas über Mandvi stand und die Unterkünfte mich nicht überzeugten, liessen wir uns von einem Auto Riskha Fahrer zu den möglichen Guesthouses/Hotels bringen. Die Auswahl war sehr bescheiden, eher auf indischen Tourismus ausgelegt, was ich bald an der Toilettenart feststellen musste... Wir entschieden uns für ein Hotel in der Nähe des Kutch Strandes wohl eher die "Luxusklasse" (Kutch Inn), sauber, mit Restaurant, kaum Englischkenntnisse. Die Lage war klasse, nur 300m bis zum Strand, wo wir keine Menschenseele vorfanden, hier stritten sich lediglich die Hunde um einen freien Strandplatz.

Die Werft, natürlich sind die Kühe nicht weit..

Die Werft, natürlich sind die Kühe nicht weit..

Mandvi entdecken

In Mandvi gab es zwei Strände, den bekannten Mandvi Beach, zudem die Inder gerne gingen, um Pferd/Kamel am Strand zu reiten und den sehr ruhigen und verschlafenen Salaia Beach, der ganz in der Nähe unseres Hotels war. Dieser Strand war ein Traum; endlose Dünenlandschaften, feiner Sand, Möwen, spielfreudige Hunde und ab und an ein Fischer. Hier konnte man stundenlang am Strand spazieren gehen und den Rummel der indischen Städte hinter sich lassen.
Mandvi Beach ist weniger zu empfehlen, da hier viel mehr Trubel herrscht, es gibt Eis/Essenstände, eine Riesenrutsche und viele Busse halten dort, um indische Reisegruppen den Strand zu zeigen. Der Strand ist schmutziger, lauter und die Dünenlandschaft ist nicht vergleichbar, Windräder im Hintergrund tragen auch nicht gerade zu einem schönen Landschaftsbild bei.

Während man in anderen indischen (Touri-) Städten an jeder Straßenecke Fahrräder und Mopeds problemlos ausleihen konnte, fragten wir in Mandvi vergeblich. Hier war man einfach nicht auf ausländische Touristen eingestellt, in den 6 Tagen in Mandvi sahen wir gerade mal 4 Europäer in der Stadt. Dafür war das Essen umso besser, im Osho gab es flat rate Thalis, jeden Tag variierten das Thalis und man bekam Nachschub ohne Ende. Sehr lecker und sehr üppig. In Indien isst man sehr zügig, nach dem Essen wäscht man sich die Hände (da die Inder auch mit den Fingern essen), steht auf, zahlt und geht.
Die Leute in Mandvi waren anders als in den bisher besuchten Städten Indiens. Da die Region Gujarat selten von Touristen aufgesucht wird, wird man hier auch mehr angestarrt. Wir haben jedoch selten eine solche Gastfreundschaft, Großzügigkeit und Neugierde erlebt. Alle wollten uns kennenlernen und zumindest uns die Hand schütteln oder uns nach Hause zum Essen einladen. Unser Terminkalender füllte sich immer öfters mit Einladungen zum Essen/Chai/ Familie kennenlernen.

Salaia Beach in Mandvi

Salaia Beach in Mandvi

Das Leben in Mandvi

Die Fischer in der Nähe von Salaia waren sehr einfache und zufriedene Menschen, die allem Anschein nach glücklich mit ihrem Leben und ihrer Arbeit waren. Das Streben nach mehr Besitztum war hier nicht wichtig, jeder war mit seinem Stand zufrieden. Die Fischer und ihre Familien halten gut zusammen und helfen sich gegenseitig, wenn ein Fischer wegen Krankheit ausfällt. So sind auch immer alle Türen offen und man weiß eigentlich nie, wer zu welchem Haus gehört.
Im Gegensatz zu dieser Einfachheit gibt es auch ein "Luxusressort" in Mandvi mit Privatstrand, die Übernachtung kostet 100 € in super noblen Zelten (mit Klimaanlage), dort kann man abgeschieden von jeglichem indischen Leben und wohl behütet/bewacht bei europäischem Essen seinen Urlaub geniessen. Nur im Vergleich: ein Fischer verdient ca 150 € im Monat und muss damit seine 6 köpfige Familie ernähren.
Als wir mal wieder am Strand spazieren liefen, lud uns ein Fischer zu einem Chai in sein Lagerhaus ein. Strom gab es nicht, aber man wusste sich mit Kerzen/Taschenlampen zu helfen. Während man hier die besten Meerestiere/Fische fischen kann, gibt es diese in Mandvi nirgends zu essen, da die Inder (Hindus & Moslems) größtenteils Vegetarier sind, so wird der Fischfang exportiert. Gleich am nächsten Tag wollte er jedoch für mich speziell frisch gefangen Fisch zubereiten. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt fanden wir uns dort ein, aber es gab hier wohl ein Missverständnis mit dem Treffpunkt, so dass wir nicht die Gelegenheit hatten, frischen Fisch zu essen. Auf unserem Rückweg wurden wir direkt in das nächste Haus zum Chai eingeladen, wo uns auch kurze Zeit später das Essen aufgetischt wurde. Ismael, der Fischer war der einzige der Familie der Englisch sprach, Zuschauer insbesondere Kinder hatten wir reichlich. Sie starrten uns alle neugierig an und kicherten bei jeder unserer Bewegung. Gegessen wurde auf dem Boden, nur der Vater durfte mit uns essen, die anderen schauten zu und zogen sich dann nach unserem Essen zurück, um selbst zu essen. Ich hatte öfters nachgefragt, warum die Ehefrau nicht mit uns aß, bekam aber keine Antwort. Das Essen war super lecker, auch wenn ich mich nach wie vor blöd anstelle mit den Händen zu essen und dafür immer belächelt werde.

Essen im Hause von Ismael

Essen im Hause von Ismael

ein neugieriges Kind im Fischerhaus

ein neugieriges Kind im Fischerhaus

Festival in Mandvi

Während unseres Aufenthaltes fand ein wichtiges moslemisches Festival statt, das 3 Tage dauerte. Unsere Fischerfamilie lud uns ein mit ihnen zu dem Festival zu gehen, eine laute bunte Prozession war gefolgt von Gesängen und vielen Essenständen.
Alle wollten ständig von uns fotografiert werden und hatten Spaß daran, die digitalen Fotos zu sehen, selbst die Polizei forderte mich auf, sie abzulichten, was ich erst gar nicht glauben wollte.
Nach 3 Tagen zogen wir in ein anderes guest house, ein ehemaliges Krankenhaus, das jetzt zu einem super gemütlichen guest house mit tollen Balkonen/Terassen auf verschiedenen Ebenen umgebaut war (Rukmavati). Dadurch waren wir auch näher an der Stadt und konnten öfters durch die Gassen schlendern und die Menschen beobachten. Es gab dort wunderschöne hochwertige Stoffe zu kaufen, nur leider konnten die Schneider nur klassische indische Kleider nähen, so dass ich mir einen Stoff kaufte, in der Hoffnung auf der nächsten Etappe etwas fittere Schneider zu finden.
Mandvi ist ein wunderschönes sehr verwinkeltes Dorf mit vielen unterschiedlichen Gesichtern, wo es viel zu entdecken gibt und auf alle Fälle eine Reise wert.

Das Cricket Team

Das Cricket Team

Bei Ebbe trifft man sich im Flussbett, dort vereinen sich die verschiedenen Dörfer

Bei Ebbe trifft man sich im Flussbett, dort vereinen sich die verschiedenen Dörfer

Festival in Mandvi

Festival in Mandvi

Ein Ausflug nach Bhuj

Mit einem Sammel-Jeep fuhr ich in das 1h entlegene Bhuj (mit 15 Indern zusammengepfercht in einem Jeep). Vor dem verheerenden Erdbeben im Januar 2001 wurde Bhuj oft als Jaisalmer von Gujarat bezeichnet. Auch Bhuj liegt mitten in der Wüste und war früher eine bedeutendes Handelszentrum auf den Karawanenrouten, hat jedoch inzwischen an Bedeutung verloren.
Das Erdbeben hat hier deutliche Spuren hinterlassen, viele Sehenswürdigkeiten sind noch zerstört und nur teilweise zu besichtigen, in der Stadt ist oft nur die untere Etage zu bewohnen, darüber liegt alles in Schutt und Asche. An den Sonntagen sind hier viele Läden geschlossen, so dass man in aller Ruhe durch die Gassen schlendern kann. Bhuj kann jedoch mit dem Charme von dem kleinen Mandvi nicht mithalten, den Ausflug fand ich trotzdem spannend, zumal ich mir die Erdbebenschäden nicht ganz so schlimm vorgestellt hatte.

Bhuj, Zerstörung durch das Erdbeben im Jahre 2001

Bhuj, Zerstörung durch das Erdbeben im Jahre 2001

Bhuj Prag Mahal

Bhuj Prag Mahal

© Kathrin S., 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Köln - Mumbai erste Etappe, die weitere Planung ist noch offen Alle Reiseführer sind veraltet, Mumbai ist viel moderner & sauberer als ich erwartet hatte. Kühe auf den Strassen, das war einmal!
Details:
Aufbruch: 31.10.2011
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 23.12.2011
Reiseziele: Indien
Vatikan
Der Autor
 
Kathrin S. berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.