Niederländische Antillen-Reisebericht :Freude und Leid einer Segelreise in die Karibik

Endlich Segelurlaub, aber Zeitdruck

Inzwischen haben wir Freitag, den 9.Februar 2013. Seit vergangenem Sonntag wird Werner und Monika in St.Marten sitzen und dringend auf uns warten. Also so schnell wie möglich los!

Doch noch sind so viele Kleinigkeiten an Bord zu erledigen, die den ganzen Vormittag verschlingen: Baum festmachen und Lazyjacks justieren, den Decksdurchlaß am Mast abdichten, alle Wantenspanner mit Splinten sichern und am Ende: Ausklarieren bei der Immigration.
Mitten in einem heftigen Regenschauer kann endlich der Anker aufgehen, von nun an wird der Wind unser Fortkommen bestimmen.
Auf der Leeseite von Martinique kommen wir auch zunächst flott voran, nach meiner Wache schlafe ich erst einmal 14 Seemeilen und übernehme bei Sonnenuntergang meine nächste Wache.

Wir haben kaum noch Wind und müssen motoren, wenigstens heute noch nach St. Pierre. Ich halte auf ein weißes Blinklicht zu, das scheinbar genau an Lands End an der Nordwestseite der Insel zustehen scheint, Sigi versucht derweil, einen Korrosionsschaden an der Zweifarbenlaterne am Steven zu reparieren.
Das weiße Blinklicht sehe ich inzwischen nicht mehr, aber bleibe auf Kurs. Plötzlich knallt das weiße Blinklicht an den Steven, eine Warntonne für ein schwimmendes Fischzuchtgebiet. Sie poltert an Backbord am Boot entlang, nichts ist passiert.
Aber was hätte passieren können ! Das Toppzeichen der Tonne genau in Kopfhöhe von Sigi, das ihn hätte schwer verletzen können!
Und bei Annmarie kommen alle nur erdenklichen Horrorszenarien ins Gedächtnis zurück! Wir sollten doch nicht im Dunklen fahren, und das, wo wir gar nicht wissen, ob der neue Mast hält, nun aber schnell in St. Pierre ankern und dort übernachten !
Müssen nun schon wieder die Nerven blank liegen, zumindest bei Annmarie ?
Dass wir an dem überfüllten Ankerplatz 40 Minuten nach einer geeigneten Ankerstelle suchen müssen, hebt die Stimmung auch nicht und Sigi höre ich brummeln, nun drohe auch noch ein Nachtfahrverbot......

Am nächsten Morgen hört Sigi den Wetterbericht. Bis Sonntag abend wird es bei leichtem Ostwind ruhig bleiben, am Montag und Dienstag ist kräftiger Nordost bis Nord zu erwarten und deutlich höherer Schwell.
Da kann es nur eine Entscheidung geben: die ruhige Zeit ausnutzen und nonstop Kurs auf St. Marten nehmen, also auch die Nacht durch zu Sonntag, aber Sonntagabend könnten wir dort sein.

Es wird ein durchaus respektabler Törn, vorbei an Dominica, wo wir eigentlich an Land gehen und Muskatnüsse einkaufen wollten, an Guadeloupe entlang, wo Wolfgang doch so gern an der Bucht schnorcheln wollte, wo schon Cousteau getaucht ist. Der Wind bringt uns zwischen den Inseln mit guten 7 Knoten flott voran und im Windschatten wird motort, sobald wir langsamer als 4 Knoten werden, die Zeit drängt !

Auf Monserrat zu geht es nachts.
Man kann die Insel nicht sehen, weil Neumond ist und auf der Südseite der Insel niemand mehr wohnt; erst im Nordteil blinken einige Lichter, die morgens gegen 4 Uhr querab liegen. An Steuerbord sieht man den Lichtsmog von Antigua ebenso wie achteraus den von Guadeloupe.
Bei Sonnenaufgang haben wir Kurs Nevis und St. Kitts, die nur an einer Wolke über der See auszumachen sind, mittags liegen sie an Backbord querab. Die Sonne wärmt uns mit nacktem Oberkörper gerade soweit auf, wie uns der Wind wieder abkühlt, eigentlich ein Traumsegeln.
Etwas luven wir an, um am Nachmittag an Gustavia vorbeizugleiten, der Hauptstadt von St.Bath. Dann legt der Wind schon etwas zu, und mit flotten 7 Knoten laufen wir noch bei Tageslicht in Philippsburg auf St. Marten ein.
Die eigene Küche bleibt heute abend kalt, Sigi lädt uns ins Green House zum Essen ein, dann noch ein kleiner Roter an Bord und wir schlafen so gut wie lange nicht mehr.
Endlich, der Urlaub hat begonnen.

© Manfred Sürig, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
die Vorfreude war nicht zu überbieten: "Ich möchte mit niemand tauschen", so erfuhren es alle Bekannten vorab, aber kam dann vor dem Beginn schon das abrupte Ende ?
Details:
Aufbruch: 27.01.2013
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 02.03.2013
Reiseziele: Martinique
Niederländische Antillen
Britische Jungferninseln
Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad