St. Lucia-Reisebericht :Starker Tobac in Tobago

Zurück nach St. Lucia

Morgens glitzert das Wasser in der Sonne und mit einem leisen schmatzenden Geräuch lecken die Wellen am Ufer.
Der Tag hält was der Morgen verspricht. Unsere Rückfahrt nach St. Lucia ist Segeln vom Feinsten. Halber Wind Stärke 4, ruhige See, Sonnenschein. Herz was begehrst du mehr.

Der morgens in Le Marin zu Hilfe gerufene Mechaniker kann nur den Kopf schütteln. Dieser Schalthebel wäre ja wohl der größte Mist, der ihm je untergekommen ist. Wir sollen uns nur schleunigst unsere alte Schaltung wieder montieren lassen.

Abends macht sich Mechaniker Lawrence sofort über die Schaltung her, nimmt sie komplett auseinander und meldet dann Vollzug. Originalton von seinem Chef Ulrich: "Siehst Du, der Mechaniker in Martinique hatte wohl doch nicht so viel Ahnung."

Nun, wenn er das sagt!!

Am nächsten Morgen verlegen wir in die Bucht, um nachzusehen warum das Echolot nicht funktioniert. Der Geber ist nicht übermalt, das hab ich schon kontrolliert, also muss es etwas Anderes sein. Aber was? Ich messe sämtliche Kabel durch, alles erfolglos, das Teil ist tot. Natürlich ist kein Ersatz zu bekommen.

Wirklich toll, wir gondeln in der Karibik herum und haben kein Echolot!

Ich werde mein erstes Magengeschwür doch nicht Carla nennen, sondern Tortuga. Kismet!! Nicht zu ändern!!

Am 19.8.2004 ist es endlich so weit. Customs erledigt, in der Marina Bescheid gesagt, dass wir auf "Long-Distance-Trip" gehen. Der Hafen hängt uns wirklich zum Hals heraus.

Leinen los und auf geht's.

Alle Leinen sind los. Gang einlegen. Dieser Scheißhebel hängt völlig willenlos nach unten. Adrenalin schießt mir in den Magen, als wäre ein gezackter Blitz durch mich hindurch gefahren. Eine Windbö erfasst Tortuga und treibt sie auf die gegenüber liegenden Schiffe zu.
Chaos pur!

Ich rase nach vorne, lasse den Anker rauschen. Wie Speedy Gonzales hechte ich zurück, versuche mit dem Bugstrahlruder wenigstens ein bisschen Richtung zu bekommen. Plärre Carla an, dass sie alle Fender raushängen soll. Hilfreiche Hände stürzen herbei, fangen uns auf.
"Nimm die Hände aus der Hose, du Ferkel", schreit Carla mich an. Dabei suche ich doch nur mein Herz, das mir in die Hose gerutscht war, als ich sehe, dass Boot und Mannschaft ohne allzu große Blessuren davon gekommen sind.

Aber dann.

Mit eingezogenem Hals wie eine Schildkröte darf ich durch den Hafen schleichen. Jeder winkt und grüßt freundlich lächelnd zu mir herüber. "Hi, Long-Distance-Sailor, comming from dock B 14 to A 12." (Das sind die Dock-Nummern)

Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung und die Schadenfreude ist die größte Freude.

Ich bin wild entschlossen irgendeinem den Hals umzudrehen. Doch von DSL ist natürlich niemand da. Alles in Urlaub. Irgendwann können wir Lawrence erreichen und überreden sich der Sache anzunehmen.

Unser sogenannter alter Schalthebel war bereits auf einem anderen Schiff installiert und wird dort ausgebaut. nach zwei Stunden ist er wieder an seinem angestammten Platz und seither können wir wieder ohne Probleme vor und zurück und in den Leerlauf schalten.

© Doris Sutter, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Karibik, das ist Sonne pur und blaues Wasser! Das ändert sich schlagartig, wenn der Hurrikan kommt. Karibische Impressionen von Carla und Karl-Heinz mit ihrem Segler Tortuga und dem Treffen mit Hurrikan Ivan, erzählt von Doris Sutter
Details:
Aufbruch: August 2004
Dauer: circa 9 Wochen
Heimkehr: Oktober 2004
Reiseziele: Trinidad und Tobago
Martinique
St. Lucia
Grenada
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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