Finnland-Reisebericht :3 Wochen mit dem Wohnmobil durch Finnland

Hin- und Rückfahrt mit Finnlines Fähre Travemünde - Helsinki
3.501 Km in Finnland: Karelien, Lappland, Seenplatten

Camping mit dem Wohnmobil in Finnland

Auf dem Stellplatz in Egestorf. 
Steht die Antenne richtig?

Auf dem Stellplatz in Egestorf.
Steht die Antenne richtig?

Rüdiger, Claudia. Petra - es gibt viel zu erzählen

Rüdiger, Claudia. Petra - es gibt viel zu erzählen

Claudia auf dem Außendeck

Claudia auf dem Außendeck

Hafen Helsinki

Hafen Helsinki

Am Hafen von Lapeenranta

Am Hafen von Lapeenranta

Schöner Stellplatz am Vuoksi - Fluss auf dem Campingplatz in Imatra

Schöner Stellplatz am Vuoksi - Fluss auf dem Campingplatz in Imatra

Brücke vor Puumala

Brücke vor Puumala

Burg Olavinna in Savonlinna

Burg Olavinna in Savonlinna

Grösste Holzkirche der Welt in Kerimäki

Grösste Holzkirche der Welt in Kerimäki

"Stubenreinigen" in Kajaani
Vorbei die Kälte - die Sonne scheint!!!

"Stubenreinigen" in Kajaani
Vorbei die Kälte - die Sonne scheint!!!

Am Campingplatz in Kuusamo

Am Campingplatz in Kuusamo

Ren bei Vuotso

Ren bei Vuotso

Der Inari - See

Der Inari - See

Campingplatz Lomakylä in Inari

Campingplatz Lomakylä in Inari

[f] Bis Egestorf - das soll als Tagesetappe genügen[/f]:-D

25. 06. Deckenbach - Schwalmstadt - Neuental - A 49 - A 7 - AS Egestorf

Abf.: 09:30 Uhr
Ank.: 14:00 Uhr
Km Stand Abfahrt : 38383
Ankunft: 38737 gesamt: 354
Gegen 09:30 Uhr fahren wir in Deckenbach ab. Es geht über die Dörfer nach Neuental zur A 49. Haben wir nichts vergessen? - Ist alles dabei?
Zügig kommen wir über die A49 in Kassel zur A 7. Die Kasseler Berge sind schnell überwunden und wir schnurren an Göttingen vorbei. Selbst die lange Baustelle wird ohne Stau passiert. Schon gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Abfahrt Egestorf. Wir fahren durch die kleine Gemeinde und biegen am Ortsausgang nach links in den Ahornweg ein. Dieser führt uns zum "Aquadies" und dem "Barfußpark". Hier sind die Stellplätze für Womos. Wir schließen den Strom an (€ 2,00 für 16 Std.) und schauen uns die parkähnliche Anlage mit den sehr sauberen Toiletten an. Kurz danach kommt der "Platzwart" und kassiert die € 6,00 für den Stellplatz.

Dann kommen Petra und Rüdiger aus Buxtehude zu Besuch, die wir Pfingsten in Geiselwind beim Country - Festival kennengelernt haben. Mit ein paar Krombachern wird geklönt, ehe sie uns verlassen. Wir gehen anschließend auch ins Bett

Der Schreck in Travemünde

26.06. Egestorf - Travemünde 117 km
Nach dem Frühstück fahren wir um 10:30 Uhr von Egestorf ab. Im Nu sind wir wieder auf der A7 Richtung Hamburg. Kurz vor Hamburg der obligatorische Stau. Am Horster Dreieck fahren wir auf die A1. Hier geht's mit Stopp & Go weiter. Uns juckt das wenig, wir haben ja Zeit.
An Lübeck vorbei biegen wir auf die A226 ab und erreichen problemlos um 12:45 Uhr den Skandinavienkai in Travemünde. Wir sind das 2. Fahrzeug vor dem Abfertigungshäuschen. Aber alles ist noch geschlossen und die Schranken unten.
Wir schlendern ein wenig auf dem Hafengelände herum, trinken im Fährhaus einen Cappuccino und warten.
Endlich - um 20:30 Uhr kommt Bewegung in die nun doch beträchtlich angewachsene Autoschlange. Da wir ganz vorn stehen, sind wir auch gleich dran. Doch dann: Ganz ruhig und sachlich stellt die Dame der Finnlines fest, dass wir einen Tag zu spät sind. Ich bekomme den Unterkiefer nicht mehr hoch und verstehe die Welt nicht mehr. Das passiert mir, der alles genauestens vorbereitet. Ich habe mich durch die Eincheck- und Abfahrtszeiten verwirren lassen.
Ich fahre erst mal ein Stück vor, um die Abfertigung nicht länger zu blockieren. Die Dame rät mir, in das Fährhaus zum Hauptbüro zu gehen. Ich hechte die vielen Treppen hinauf und erfahre, dass die Fähre ziemlich ausgebucht ist und ich evtl. keine Kabine mehr bekomme. Er hämmert im Computer herum, stellt einen freien Platz und eine Kabine fest und erwähnt, dass ich 50% des Gesamtpreises als Umbuchungsgebühr zu zahlen hätte. Meinen Einwand, dass dies doch nur die Hinfahrt betreffen kann, da die Rückfahrt von meiner Dusseligkeit unbenommen bleibt, akzeptiert er schließlich. Er tröstet mich sogar, in dem er mir sagt, dass ich nicht der Einzige sei, der mit den Eincheck- und Abfahrtszeiten ins Schleudern käme. Egal - Dummheit muss bestraft werden: ich zahle 349,75 € und hechte .zu meinem Wohnmobil und reihe mich in der Autoschlange an. Trotz dieser Verzögerung heißt es weiter warten. Erst gegen 23:30 Uh (!!!) können wir aufs Schiff. Hier suchen wir zunächst unsere Kabine auf und gehen dann zum Büfett ins Restaurant. Durch das sehr gute, abwechslungsreiche Angebot ist der Ärger auch bald verflogen und wir sinken danach müde ins Bett. Von dem Ablegen in Travemünde bekommen wir nichts mehr mit.

Ruhige - aber auch langweilige Überfahrt

27.06. Travemünde - Helsinki (auf See)

Gegen 09:00 Uhr, jetzt finnische Zeit (deutsche Zeit + 1 Std.) gehen wir frühstücken. Danach sehen wir uns ein wenig auf dem Schiff um und stellen fest, dass außer gutem Essen wenig geboten wird. Wir sitzen auf dem Sonnendeck und vertreiben uns die Zeit mit Lesen und Kreuzworträtseln.
Nach dem Mittagessen verziehen wir uns in unsere Kabine, wo wir das WM Spiel Deutschland - England im Fernsehen verfolgen. 4:1 für Deutschland - das lässt sich sehen!
Nach dem Abendessen wieder zurück zur Kabine, fernsehen - schlafen, denn morgen ist ab 06:00 Uhr Frühstück.

Viel Sonne - viel Stress

28.06. Helsinki - Porvoo - Saaramaa 178 km

Wir erreichen gegen 07:30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein den Hafen in Helsinki. Da wir ziemlich weit vorne stehen, sind wir schnell aus dem Schiff und ohne angehalten zu werden durch den Zoll und aus dem Hafengelände heraus. Das Navi führt uns auf der 170 nach Porvoo, der 2. ältesten Stadt Finnlands. Wir fahren zunächst zum Info-Center am Marktplatz und suchen uns dann einen Parkplatz, den wir am Hafen finden. Zu Fuß gehen wir in die Innenstadt mit ihren alten Holzhäusern, kaufen im Supermarkt ein, stellen dabei fest, dass die Preise kaum anders sind als in Deutschland und fahren auf der 6 in Richtung Kouvala. Fast immer durch Wald, etwas Weideland, einzelne Gehöfte und wenig Ortschaften führt die Straße.
Bei Kouvala biegt die 6 nach Osten ab. Wir bleiben auf dieser Straße und wählen eine Seitenstraße hinter der kleinen Ortschaft Kaipilainen, die zur 26 führt. An dieser 26 liegt etwas abseits Saaramaa am See Saaramaanjärvi. Freundlich werden wir empfangen und können uns einen Platz aussuchen. Wir stellen das Fz ab, schließen den Strom an und starten den Fernseher - kein Empfang. Ich hole die Bedienungsanleitung heraus und bin der Meinung, ich müsse die Antenne umbauen. Also Leiter herbei - auf's Dach und Antenne auf -15° stellen. Ist ja schnell gemacht. Wieder einschalten - nichts. Jetzt fummel ich weiter an Receiver- und Antenneneinstellung herum, mit dem Erfolg, dass nichts mehr geht. Das soll dann die nächsten Wochen, bis wir zu Hause sind, so bleiben! Die Nerven liegen blank!!!

Nahe der russischen Grenze

29.06. Saaramaa - Imatra 100 km

Auf der 6 geht es eintönig aber zügig voran. Dass wir nahe der russischen Grenze sind, merkt man an den vielen Autos mit entsprechendem Kennzeichen (RUS). Bald sind wir in Lappeenranta. Diese 72.000 Einwohner zählende Universitätsstadt in Südkarelien liegt am Südufer von Europas 5. größtem Seengebiet. Wir finden einen Parkplatz am Yachthafen und schlendern ein wenig durch das bunte Treiben am Hafen. Da sich auch hier viele russische Touristen tummeln, ist auch ein entsprechendes Sprachengewirr zu vernehmen.

Wir fahren auf der 6 weiter. Sie ist eine reine Baustelle, da sie autobahnmäßig ausgebaut wird. Dennoch kommen wir zügig voran. Von dem großen Saima-See sehen wir fast gar nichts von der Straße aus, obwohl wir uns über 40 km unweit seines östlichen Ufers bewegen. So kommen wir nach Imatra.
Imatra selbst hat kein eigentliches Stadtzentrum, sondern ist aus 3 Gemeinden zusammengelegt und zählt ca. 29.000 Einw. Es liegt unmittelbar an der russischen Grenze. Nur 7 km sind es bis zur russischen Stadt Svetogorsk, bis nach St. Petersburg 210 km.
Direkt am Ufer des Vuoksi-Flusses finden wir den kleinen, aber herrlich gelegenen Campingplatz Vuoksi Fishing Park, dem ein kleines Restaurant angeschlossen ist. Er hat nur 20 Stellplätze, die um diese Zeit (14:00 Uhr) nur wenig belegt sind.
Wieder dürfen wir uns den Stellplatz selbst suchen (es ist von Vorteil, wenn man relativ früh eintrifft). Wir wählen uns ein Plätzchen direkt am Ufer.
Zunächst sitzen wir vor dem Womo und schauen den vielen Ruder- und Paddelbooten auf dem Vuoksi-River zu. Claudia füttert ein paar Enten, die immer zutraulicher werden. Mit den Möwen hat sie weniger Glück, die sind zu scheu, schimpfen aber um so kräftiger und lauter.
Am Ufer des Vuoksi gehen wir ein wenig spazieren. In einem angrenzenden kleinen Waldstück stehen in einer Lichtung alte Holzhäuser. Ein Finne bleibt mit seinem Fahrrad stehen, erklärt uns in Deutsch, als er erfuhr, wo wir herkommen, das dies die Reste einer alten karelischen Siedlung seien. Wir sollten ruhig hineingehen und uns die alten Gebäude ansehen. Dies taten wir dann auch.
Zurück auf dem Campingplatz leisten wir uns 2 Bier für je € 4,50.

Viel Seen - viel sehen

30.06. Imatra - Puumala - Savonlinna - Joensuu 284 km

Erst gegen 11:00 Uhr verlassen wir Imatra. Da ich nun kapiert habe, dass von den großen Hwy. die Seen kaum zu sehen sind, verlassen wir die 6 nach ein paar km und biegen nach links auf die 62 entlang des Saima-Sees ab. Dass wir nun auf einer Nebenstrecke sind, merkt man sofort. Schaut man in den Rückspiegel, bemerkt man keinen Verkehr, schaut man nach vorne, das gleiche. Es ist, als wenn wir allein wären auf der Gasse.
Nach 60 km einsamer Fahrt kommt der kleine Ort Puumala. Er gilt als schönstes Dorf im Saima-Gebiet. Über 3.700 Mökkies (Hütten) bieten Feriengästen Unterkunft, sodass die Einwohnerzahl von knapp 3.000 sich im Sommer durch die Touristen verdreifacht.
Vor Puumala halten wir auf einem Rastplatz, von dem man einen herrlichen Blick auf die 781 m lange Brücke hat, die über die Wasserenge Puumalansalmi führt.

Weiter führt uns die 62 kurvenreich durch Wälder, vorbei an Seen, bis wir über die 435 und dann die 14 nach Savonlinna kommen. Hier kaufen wir in einem Supermarkt ein, und bestaunen später aus der Ferne von einer Eisenbahnbrücke aus die Burg Olavinlinna, die 1475 an der damaligen umstrittenen Grenze zwischen Schweden und Russland. Sie wurde von den Russen 1714 gestürmt, 1721 von den Schweden zurückerobert und 1743 erneut von den Russen eingenommen. In 1809, als Finnland an Russland fiel, verlor die Festung endgültig ihre militärische Bedeutung und wurde Gefängnis.
Es ist sehr heiß, als wir gegen 13:00 Uhr uns in Kerimäki die größte Holzkirche der Welt ansehen
Sie hat 3.400 Sitzplätze und es können bis zu 5.000 Menschen sich gleichzeitig in ihr aufhalten. Sie wurde im September 1847 fertiggestellt und Pfingsten 1848 eingeweiht.
Der Geschichte nach wollte ein reicher, nach Amerika ausgewanderter Finne seiner ehemaligen Gemeinde etwas Gutes tun und stiftete Geld für einen Kirchenbau. Die Pläne dazu verfasste der Architekt aber in Fuß. Die europäischen Baumeister rechneten und bauten aber in Metern. Sie ist 45 m lang, 42 m breit und 37 m hoch
Wahrscheinlicher aber ist, dass der damalige Pfarrer der Meinung war, dass die Gemeinde auch an Markttagen den Gottesdienst gemeinsam aufsuchen sollte.
Wir fahren nach der Besichtigung weiter auf der 17 in Richtung Kitee. Kurz vor dem Ort stoßen wir wieder auf die 6, die uns nach Joensuu bringt.
Hier checken wir auf dem Linnunlahti Campingplatz für 2 Nächte ein und dürfen uns den Platz wieder selbst aussuchen.
Da wir auf einer großen, freien Fläche stehen, versuche ich wieder mein Glück mit dem Einstellen der Antenne. Vom nebenan gastierenden Finnischen Staatscircus leihe ich mir eine Leiter, um auf das Dach des Womo zu kommen. Antenne wird wieder auf "0" gestellt - eingestellt laut Bedienungsanleitung - nichts. Jetzt liegen Claudias und meine Nerven wieder blank. Claudias, weil sie Angst hatte, dass mir bei der wackeligen Aktion mit der Leiter etwas passiert (sie fährt das Womo nicht), - meine, weil ich mich für saublöd halte und an meinem Verstand zweifele.

01.07. Joensuu

Um 06:00 Uhr morgens weckt uns ein Gewitter. Doch bald darauf ist wieder Ruhe und wir schlafen nochmal ein. Als wir gegen 09:30 Uhr aufwachen, können wir draußen frühstücken, denn die Sonne scheint wieder vom blauen Himmel.
Um 11.00 Uhr gehen wir in die Hauptstadt Nordkareliens. Sie hat 57.000 Einwohner, die sich aber auf 120 km² (!) verteilen. Somit ist der eigentliche Stadtkern mit seiner Fußgängerzone nicht groß. Hier suchen wir einige Geschäfte auf, schlendern über den Markt, beobachten das kleine Markttreiben und kehren entlang des Pielisjoki-Flusses durch einen schönen, gepflegten Park zurück zum Campingplatz. Gerade noch rechtzeitig, denn wieder geht ein kurzes Gewitter herunter. Aber wie morgens ist auch das schnell vorbei, und die Sonne scheint wieder vom Himmel.

Dann wollen wir dem in der Nähe liegenden Botanischen Garten einen Besuch abstatten, der etwas oberhalb der Trabrennbahn liegt. Doch Claudia ist von den äußeren Eindrücken so enttäuscht, dass wir es vorziehen, nicht hinein zu gehen.

Enttäuschung in Nurmes - Kälte in Kajaani

02.07. Joensuu - Kajaani 258 km

Wir verlassen Joensuu gegen 09:30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Der nebenan gastierende Staatscircus hat über Nacht seine Zelte abgebrochen - nichts ist mehr davon zu sehen.
Wieder geht es auf die 6 Richtung Norden. Durch eine waldreiche Strecke am Westufer des Pielinen entlang Kareliens kommen wir nach Nurmes. Hier gehen wir erst in das Infocenter, ehe wir die Feriensiedlung mit dem Bombahaus am Nordufer des Pilienen-See aufsuchen.
Das als die Attraktion schlechthin gepriesene Bombahaus entpuppte sich als Feriendorf, welches im karelischen Stil erbaut und 1978 fertiggestellt wurde. Das Bomba-Haus war einst das größte Blockhaus. Jegor Bomba baute es 1855 im heutigen russischen Teil Kareliens. Es war richtig groß: 25 m lang, 10 m breit und 3 Stockwerke hoch. Es hatte 24 Zimmer. Das ganze Bauwerk wurde nur mit Axt und Säge ohne Eisenbeschläge in einem Sommer errichtet.
Das heutige Bomba-Haus ist ein Nachbau und 5 m breiter und 10 m länger. Im Gebäude selbst ist ein Restaurant untergebracht, wo karelische Küche angeboten wird.
Warum diese karelische Feriensiedlung - speziell das Bomba-Haus - so als Attraktion gepriesen wird, ist mir nicht klar geworden.
Mittlerweile hat sich der Himmel mit dicken Regenwolken verdunkelt und es ist saukalt geworden. Wir beraten uns und wollen weiter fahren bis Kajaani.
Nun regnet es leicht.
In Kajaani erfahren wir, dass etwa 3,5 km südlich der Stadt ein kleiner Campingplatz am Hotel Kainuunporti vorhanden ist.
Dort angekommen, checken wir für eine Nacht ein. Es ist ca. 16:00 Uhr und wir machen im Womo die Heizung an. Irgendwann gegen 19:00 Uhr wird es wärmer und die Sonne kommt zum Vorschein. Wie schnell das hier wechselt!
Jetzt ist erst mal "Stuben- und Revierreinigen" angesagt.

Kusamo: Deutschland - Argentinien verpasst!!!

03.07. Kajaani - Kuusamo 254 km

Die Sonne strahlt wieder vom Himmel, vorbei die Kälte und der Nieselregen. Wir starten, wobei wir von der Stadt nicht viel sehen. Obwohl - sie ist die Partnerstadt des Schwalm-Eder-Kreises, meiner alten Heimat. Egal - wir werden vom Navi über eine Umgehungsstrasse zur 5 geleitet.

Ab Soumossalmi fahren wir an einigen Seen vorbei.. Die Abstände zu einzelnen Gemeinden werden immer größer. Gelegentlich laufen einige Rentiere über oder auf der Straße herum.
Gegen 12:00 Uhr erreichen wir Kuusamo. Diese Stadt hat ca. 17.000 Einw., die sich auf einer gesamtfläche von 5.805 km² verteilen. Nur etwa 6.000 Einwohner leben in der Stad, der Rest ist im dünn besiedelten Umland zu Hause.
Der Campingplatz ist auch hier nahe einem Hotel. Es ist das Ratatropiiki. Auch hier laufen bei der Ankunft ein paar Rentiere auf dem Platz herum.
Wir checken ein für die nächste Nacht und schauen uns ein wenig auf dem Platz um.
Neben dem Hotel befindet sich auch ein kleiner See.
Abends will ich mir in der Sportbar des Hotels das Spiel Deutschland - Argentinien ansehen. Pünktlich um 21:15 Uhr (in Deutschland 20:15 Uhr) bin ich da. Doch das Spiel war bereits am Nachmittag. Ich kann gar nicht glauben, als sie hier noch einmal die 4 Tore zeigten, dass Deutschland 4:0 gewonnen hat und das Spiel bereits nachmittags war.

Überquerung des Polarkreises - ohne Hinweis

04.07. Kuusamo - Sodankylä 189 km

Der Himmel ist etwas bewölkt, als wir gegen 09:00 Uhr losfahren. Es ist kaum Verkehr auf der Straße, die uns weiter nach Norden bringen soll. In Ruka machen wir einen Abstecher zum Wintersportstadion mit seinen 2 Sprungschanzen am Rukatunturi. Im Ort selbst laufen wieder ein paar Rentiere über die Straße.
Wir überqueren bei Rakka den Polarkreis, ohne das ein Zeichen oder sonst etwas darauf hinweist. An vielen Seen vorbei kommen wir nach Kemijärvi. Kurz vorher hat es angefangen zu regnen. Kemijärvi am gleichnamigen See gelegen ist die nördlichste Stadt Finnlands.
An diesem See entlang fahren wir weiter auf der 5 bis Sodankylä auf den Nillimello Campingplatz, wo schon 3 andere deutsche Womos stehen. Hier machen wir die erste Bekanntschaft mit den Mücken. Es nieselt leicht.
Dennoch grill ich abends an der Feuerstelle Würstchen. Ich hoffte, dass sich jemand am Feuer dazu gesellt. Aber alle blieben in ihren Wohnmobilen bzw. Caravans.
Wir sind jetzt ca. 100 km nördlich des Polarkreises.

Jetzt sind wir richtig in Lappland

05.07. Sodankylä - Inari 205 km

Wir machen morgens eine kurze Rundfahrt durch das wohl noch schlafende Sodankylä, ehe wir auf der 4 weiter nach Norden fahren. Durch wunderschöne Landschaft, fast immer entlang des Kitinen, mit vereinzelten Bauernhöfen und Siedlungen machen wir den ersten Stopp in Vuotso. Es ist ein reines Lappendorf. Mit nur wenigen Einwohnern (ca. 350). Am Vuotso-Kanal bleiben wir stehen. Dieser Kanal ist 10 km lang und verbindet die künstlich angelegten Seen Lokka und Porttipahta.
In Vuotso sind die Rentiere noch Lebensinhalt der Samen und so ist es nicht verwunderlich, dass wir etliche am Straßenrand sehen.
Gegen Mittag erreichen wir Ivalo. Hier ist das Verwaltungszentrum der Gemeinde Inari und auch der größte Ort in Nordlappland.
Ein Einkaufsstopp, dann noch 40 km weiter bis Inari. Unterwegs haben wir noch etliche Begegnungen mit Rentieren.
Wider Erwarten ist es mittlerweile sehr warm geworden und die Sonne scheint, als wir in Inari auf den Lomakylä Campingplatz eintreffen. Hier wollen wir die nächsten 2 Nächte verbringen.
Der Ort Inari verteilt sich über 17.334 km², davon sind 2.128,5 km² Wasserfläche. Ca. 7.000 Einwohner leben hier, das bedeutet 0,4 Einwohner pro km² !!! Der Inari-See ist mit 1.040 km² der 3. größte See in Finnland und somit der 6. größte Binnensee Europas. Über 3.300 Inseln befinden sich in ihm und die maximale Tiefe beträgt 92 m.
Um 18:00 Uhr wollen wir die Bootsfahrt auf dem Inarisee mitmachen. Doch kurz vorher setzt ein heftiger Regen ein, so verschieben wir die Tour auf den nächsten Tag (es kann ja nur besser werden).
Schon eine Stunde später wird es wieder heller, hört auf zu regnen und die Sonne knallt wieder vom Himmel. So schnell geht das hier.

Rentier Unterstand im Siide Museum

Rentier Unterstand im Siide Museum

In solchen Hütten trockneten die Samen ihre Fische

In solchen Hütten trockneten die Samen ihre Fische

Die Kultinsel Ukko

Die Kultinsel Ukko

Blick über den Inari von der Insel Ukko

Blick über den Inari von der Insel Ukko

Nachts um 00:30 Uhr am Kemjoki in Rovaniemi

Nachts um 00:30 Uhr am Kemjoki in Rovaniemi

Fußgängerzone von Rovaniemi

Fußgängerzone von Rovaniemi

Heißer Sommertag am Polarkreis

Heißer Sommertag am Polarkreis

"The Arctic Circle"

"The Arctic Circle"

Markt in Oulu

Markt in Oulu

Fußgängerzone in Oulu

Fußgängerzone in Oulu

Übernachtungsplatz in Keskipiiri

Übernachtungsplatz in Keskipiiri

Der kleine Grill ist an - herrliche Sicht auf den Finnischen Meerbusen

Der kleine Grill ist an - herrliche Sicht auf den Finnischen Meerbusen

Nachtstimmung auf dem Übernachtungsplatz

Nachtstimmung auf dem Übernachtungsplatz

Der Tastulanjärvi am Campingplatz in Kaustinen

Der Tastulanjärvi am Campingplatz in Kaustinen

Inari - Helsinki - Deckenbach

Das Siida Museum - ein Highlight

06.07. Inari

Um 09:00 Uhr weckt uns die Sonne. Wir frühstücken in Ruhe und fahren gegen 10:45 Uhr die 1.500 m auf den großen Parkplatz vor dem Siida Museum. Hier wo der Juutanjoki in den Inari mündet, war während des 2.Weltkrieges ein Lager der deutschen Truppen.
Herrlich und in vielen Sprachen wird die Geschichte und Lebensweise der Samen in vielen Exponaten und Zeugnissen dargestellt.
Ein wirklich sehenswertes Museum!
Wenn schon das Museum ein Highlight ist, so ist das im Sommer geöffnete, sich hinter dem Museum befindliche Freiluftterrain für mich noch die Steigerung. Hier wurden u.a. ein Bauernhof mit seinen Nebengebäuden, ein Gerichtsgebäude und vieles anderes mehr aus der Zeit der Sami vom Anfang des 20. Jahrhunderts aufgebaut. Die Erklärungen dazu u.a. auch in Deutsch.
Ca. 2 Std. verbringen wir im Museum. Es ist ein Muss für jeden Nordlappland - Besucher. Prädikat: Sehr empfehlenswert.
Wir essen danach etwas in unserem Womo auf dem Parkplatz und gehen dann gegenüber auf der anderen Straßenseite in die Silberschmiede. Hier werden Ringe und andere Schmuckstücke in Handarbeit hergestellt. Wir können dem Silberschmied bei seiner Arbeit zuschauen. Seine Frau erklärt uns in deutsch, dass er überwiegend Motive der Samen verwendet. Claudia kauft sich einen Ring. Er passt, so behält sie ihn gleich am Finger.
Schließlich gehen wir die paar Schritte zur Anlegestelle der M/S Inari. 180 PS hat der Kahn, kann bis zu 99 Passagiere befördern und durch die kleine Bar mit Lizenz für Alkohol auch bewirten. 1982 wurde er in Dienst gestellt und befördert jetzt im Sommer die Touristen zweimal täglich (14:00 Uhr und 18:00) zur 8 km entfernten Insel Ukko. Dies ist eine alte Kultstätte der Samen, die unter Naturschutz steht. Hier wurde der Donnergott verehrt und Opfer gebracht.
Schon von weitem hebt sich die 300m lange, 100 m breite und 30 m hohe Insel von den anderen ab: sie ist pyramidenförmig, wobei die anderen Inselchen eher flach sind.
Hier also war die Opferstätte für den Gott des Himmels, des Wetters und des Gewitters. Wir haben hier 20 min. Aufenthalt.
Unweit danach ist die Insel Ukonkivi, einer alten Begräbnisstätte, wo noch einige Kreuze des Friedhofes zu sehen sind. Langsam fahren wir daran vorbei.
2 ½ Std. dauerte die Fahrt und kostet € 16,00 pro Person, wobei viele Erklärungen auch in deutscher Sprache während der gesamten Fahrt abgegeben werden.
Auf dem Campingplatz schaue ich mir noch in der Reception das WM Spiel Holland - Uruquay an. Aber pünktlich um 23:00 Uhr (in D ist es 22:Uhr) macht die Dame Schluß. Das Spiel steht 3:1 für Holland, es sind noch ca. 20 min. zu spielen. Am anderen Tag erfahre ich, dass es 3:2 ausgegangen ist.

Es regnet und ich teste das Womo auf einer Schotterpiste

07.07. Inari Kittilä - Rovaniemi 341 km

Es regnet, als wir gegen 09:00 Uhr starten. Auf der 955 verlassen wir Inari in Richtung Kittilä. Jetzt wird das fast menschenleere Nordlappland richtig deutlich. Kein Auto überholt uns und nur vereinzelt kommt uns eins entgegen.
Durch waldreiche Gegend führt uns die Straße zunächst bis Pokka. Hier wurde die kälteste jemals in Finnland gemessene Temperatur mit -51,5° C am 28.01.1999 gemessen. So kalt ist es hetue längst nicht - aber es regnet weiter. Pokka ist ein Dorf mit 8 "warmen Häusern", so nennt man die Häuser, die bewohnt sind.
Aber jetzt geht es auf einer sehr löchrigen unbefestigten Schotterpiste weiter - ursprüngliches Lappland. Irgerndwann hüpft vor uns ein Caravan Gespann durch die Löcher auf der Piste. Auch mein Wohnmobil beschwert sich teilweise sehr lautstark, dass ich ihm eine solche Quälerei zumute. An überholen ist nicht zu denken. Aber irgendwann hat der Fahrer mich wohl im Rückspiegel gesehen und macht an einer Haltebucht Platz, sodass ich vorbei kann. Nur gelegentlich zeigt sich ein Ren am Straßenrand
Und noch immer regnet es. Die Piste ist richtig schmierig. Claudia, mein Womo und ich sind froh, als wir kurz vor Köngäs auf die 956 stossen, die geteert ist. Weitere 10 km weiter erreichen wir die 79, die sehr gut ausgebaut ist und uns zu unserem Etappenziel Kittilä bringt.
Als wir in dem Ort mit seinen 6.000 Einw. (incl. derer, die außerhalb wohnen) , der etwa 150 km nördlich des Polarkreises liegt, beschließen wir weiter bis Rovaniemi zu fahren, denn es regnet immer noch stark.
Das Navi sagt uns noch 120 km bis dorthin. Immer entlang des Ounasjoki, der manchmal von der Straße aus zu sehen ist.
Kurz danach sehen wir die Skihänge von Levi, dem bekannten 2. größten finnischen Wintersportort. 26 Skilifte und 48 Loipen sagen etwas über die Dimensionen aus.
Kurz vor Rovaniemi hört es endlich auf zu regnen. Wir fahren auf den Campingplatz am Zusammenfluss von Ounasjoki und Kemijoki.
Schon an der Reception bei der Anmeldung fällt uns auf, dass hier jemand einwandfreies Deutsch sprechen und schreiben muß. Plakate und Informationen sind in perfektem Deutsch verfasst. Später stellt sich heraus, dass die Betreiber des kleinen Cafes ein deutsches Ehepaar sind. Abends sitzen wir mit einem internationalen Publikum in diesem Cafe und sehen uns das Spiel Deutschland - Spanien an. Das Spiel ging 1:0 für uns verloren. Aber interessant waren die Reaktionen der hier vertretenen Nationen.

Wenn auch die Stimmung durch das verlorene Spiel etwas getrübt war, so war es draußen mittlerweile wärmer geworden und es hatte aufgehört zu regnen, es schien die Sonne. So erleben wir einen schönen Sonnenuntergang am Kemijoki-Fluss.

+32° C beim Weihnachtsmann am Polarkreis

08.07. Rovaniemi - Arctic Park - Rovaniemi 28 km

Die Sonne scheint sehr stark vom blauen Himmel, und lässt den gestrigen verregneten Tag vergessen. Nach dem Frühstück gehen wir über die "Jätkänkyntilla - Brücke >Holzfällerbrücke< zur Innenstadt von Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Rovaniemi selbst hat ca. 4.100 Einwohner. Aber wie oft in Finnland gehört ein riesiges Umland dazu. So schreibt man Rovaniemi insgesamt etwas über 59.000 zu. Die leben auf einer Gesamtfläche von 8.017,2 km². Das entspricht der 3-fachen Größe von Luxemburg. Somit ist Rovaniemi die flächengrößte Stadt in Europa.
Wir gehen in der Fußgängerzone durch ein paar Geschäfte, schauen dem Treiben ein wenig zu und kehren zurück - jetzt über die alte Kombibrücke, wo oben die Eisenbahn und unten der Straßenverkehr geleitet wird - zum Campingplatz.
Nun wird das Womo abgeklemmt, und wir fahren zum Nordic Circle Parc, wo ja auch der Weihnachtsmann wohnt.
Bei über 30°C kommt aber bei mir keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Außerdem wird mir das alles zu touristisch vermarktet. Ein Souvenierladen reiht sich an den anderen und überall Lametta, Weihnachtsschmuck, das Postamt verkauft entsprechende Karten und Briefmarken, dazu noch einige Restaurants.
Auch wir werden beim Weihnachtsmann durchgeführt. Man muß sogar in einer Schlange warten. Dann nimmt man Platz neben dem "alten Herrn". Er spricht natürlich mehrere Sprachen. Als er hört, dass wir aus Deutschland sind, will er mich wegen der Niederlage gegen Spanien trösten. Er meinte, dass unsere Mannschaft sehr, sehr jung, aber auch sehr, sehr gut sei und ihr deshalb die Zukunft gehöre. - Recht hat er, der weise Mann.
Wir schreiben auch ein paar Karten an die Enkel und deponieren sie in dem extra für Weihnachtspost vorgesehenen rot angestrichenen Briefkasten. - Bin ja mal gespannt!!!
Wir machen die obligatorischen Fotos und ich filme noch ein wenig den Rummel am Polarkreis und fahren zurück. Unterwegs kaufen wir noch etwas ein bei Lidl, danach sitzen wir lange in der Sonne und relaxen.

Übernachtungsplatz südlich von Oulu

09.07. Rovaniemi - Keskipiiri 266 km

Mist - wieder leichter Nieselregen. Wir verlassen Rovaniemi auf der 78 in Richtung Südosten. Nach ein paar km durch Waldgebiet hört es auf zu regnen. Gott sei Dank!
Nach 80 km erreichen wir Ranua. Hier gehen wir in den1983 eröffneten Zoo. Arktische und nordische Tiere, wie Bären, Elche, Wolverines (Vielfraß), Polarfüchse, und die einzigen Eisbären in Finnland u.v.m., neben etlichen Vogelvolieren werden in naturnahen großen Gehegen gezeigt.
Ca. 60 km weiter südlich biegen wir nach rechts auf die 20 ab. Jetzt wird der Verkehr dichter. Man merkt, es ist Freitag, der Wochenendverkehr ist in vollen Zügen.
Nach weiteren 60 km kommen wir an die 6. größte Stadt Finnlands: Oulu Sie ist mit 130.000 Einwohnern die nördlichste Großstadt der EU.
In der Nähe des Marktplatzes finden wir einen Parkplatz und stürzen uns in das bunte Treiben, denn es ist Markt. Ausserdem gibt es wohl auch etwas zu feiern, denn es ist ein Festzelt aufgebaut und eine Jazzkapelle unterhält von einer Bühne aus die Gäste.
Wir gehen danach noch durch die Fußgängerzone, besuchen einige "Klamottenläden" und wollen dann Oulu verlassen.
Wir wollen heute auf keinen Campingplatz, sondern uns einen Stellplatz für die Nacht suchen. Ein paar km südlichvon Oulu sehe ich auf der Karte eine kleine Halbinsel, die in den Bottnischen Meerbusen hineinragt. Ich stelle auf dem Navi Keskipiiri ein und werde nach einem kurzen Stück Autobahn (4) über die 816 dorthin geführt. Nun fahre ich einfach weiter durch die kleine Ansiedlung durch und am Ende der Straße ist ein Bootanleger. Hier ist ein großer Platz und sogar Toiletten sind vorhanden. Ein idealer Platz zum Übernachten.
Mit wunderschönem Blick auf die Bucht und die gegenüberliegenden Inseln, wird der Grill ausgepackt und bald schmoren die Rippchen vor sich hin. Dazu noch ein paar Fläschchen Krombacher - Seele, was willst du mehr?

Flucht vor dem "Rummel" in Kokkola

10.07. Keskipiiri - Kaustinen 255 km

Wir verlassen den schönen Stellplatz am Bottnischen Meerbusen und fahren an der Küste entlang auf der 8 (von der aus von der Küste nichts zu sehen ist). Es ist viel Betrieb auf der Straße. An Raahe vorbei kommen wir nach 120 km nach Kokkola. Hier wollen wir auf den dortigen Campingplatz. Im Campingführer steht: "Kleiner gemütlicher Campingplatz am Meer - und doch nur einen kurzen Fußweg von dem Stadtzentrum enfernt. 2009 komplett renoviert usw." Als wir dorthin kamen, war nicht nur die Badebucht total überfüllt, sondern auch der Campingplatz. Das sah, abgesehen von den fehlenden Hotelbauten, fast wie in Arenal/Mallorca aus. Nee - das wollen wir nicht. Also einmal komplett durch den Kreisverkehr - und ab!

Irgenwie ist das klar - herrlicher Sonnenschein - Wochenende, ideales Badewetter.
Ich entschließe mich, über die 13 Richtung Landesinnere zu fahren. Jetzt ist es so, wie wir das eigentlich von Finnland gewohnt sind: kaum Verkehr auf der Straße. Auf einem Rastplatz an einem See machen wir Mittagspause. Wir stöbern im Campingführer und finden ein Platz in der Nähe. Es ist der Tastulan Lomakylä bei Kaustinen. Es sind noch knappe 20 km.
Der Platz hat vielleicht 30 Stellmöglichkeiten und liegt sehr ruhig an einem See. Hier checken wir ein für die nächste Nacht.
Am Tastulanjärvi-See gelegen, wo einige gerade am Baden sind. Eine Grillmöglichkeit und saubere sanitäre Anlage mit Geschirrspülbecken, alles vorhanden.
Bei Kaffee und Plätzchen geniessen wir die Ruhe dieses idyllischen Platzes in der Nachmittags und später in der Abendsonne.

Vergebliche Suche nach einem Übernachtungsplatz

11.07. Kaustinen - Jyvaskulä 239 km

Wieder scheint die Sonne kraftvoll vom Himmel, als wir um 11:30 Uhr starten. Wir fahren zurück zur 13 in Richtung Jyvaskulä. Durch Wälder, an einzelnen Häusern vorbei, etwas Weideland, wenig Siedlungen, so erreichen wir Kyyärvi. Hier sehen wir hinter dem Kreisverkehr das Paletti - Einkaufszentrum. Es soll das größte Outlet-Zentrum in Nordfinnland sein. Natürlich gehen wir dort hinein - und sind enttäuscht - für uns nichts umwerfendes oder lohnendes. Alles was wir kaufen ist für € 1,90 ein ½" Wasseranschluss für das Womo.
Dann geht's weiter auf der 13. Als wir vor Äänekoski auf die doch verkehrsreiche 4/E75 stossen, biegen wir nach links ab, um in den Ort zu kommen. Wir suchten eigentlich wieder nur einen Stellplatz für die Nacht. Wir sind an dem große Päijänne-See, wo wir uns versprachen ein geeignetes Plätzchen zu finden. Doch in Äänekoski und auch später in und um Jyväskulä stehen an den Zufahrtswegen zum See überall Häuser. Wir geben die Suche auf und fahren an dem großen Einkaufszentrum in Jyvaskulä durch den Kreisverkehr in Richtung Skistadion. Hier geht es hinauf zum Höhenzug des Harju, wo sich nach 5 km der neu angelegte Campingplatz Laajavuori befindet. Es ist extrem heiß, als wir dort eintreffen. Einen schattenlosen Platz (die frisch gepflanzten Bäume müssen erst wachsen) finden wir vor. Wir bekommen den Platz zugewiesen, schließen alles an und fahren die Markise aus. Während Claudia das Bad in der Sonne genießt, schaue ich mir den Platz und seine Umgebung genauer an.

Die sanitären Anlagen (natürlich mit Sauna) sind vom Feinsten. Zwei komplett eingerichtete Küchenzellen, einen Aufenthaltsraum mit großem Flachbildschirm, einen kleinen Supermarkt und Gastronomie, alles das finden wir vor.
Die Loipen (jetzt im Sommer Wanderwege), die Sprungschanze und das Stadion, alles in unmittelbarer Nähe. Sogar der Schlepplift ist in Betrieb. Mit ihm lassen sich Mountainbiker den Hang hoch ziehen, um dann auf der Piste herunter zu rasen!
Abends sehe ich mir gemeinsam mit 5 jungen Finnen im Aufenthaltsraum das Endspiel Spanien - Holland an. Wir alle drücken Spanien den Daumen - komisch?
Diese jungen Finnen sind die ersten, mit denen ich auf einem Campingplatz in Finnland ins Gespräch komme. Das ist schon seltsam. Wenn ich da an meine Canada-Touren denke ?!

Wieder ein herrlicher Übernachtungsplatz (Hirvensalmi)

12.07. Jyväskulä - Mikkeli 167 km

Über die 9 verlassen wir Jyväskulä und einigen uns darauf auf die 13 abzubiegen. Diese einsamen Straßen gefallen uns besser und wir sind gegen Mittag in Mikkeli, der Provinzhauptstadt von Ostfinnland. Wieder ist es sehr heiß, als wir einen Parkplatz finden und am Mannerheim- Denkmal vorbei den Markt besuchen.
Mikkeli hat ca. 48.000 Einw. Auch hier zählen alle Einwohner der weitläufigen Fläche von 2.127,21 km² dazu. Damit ist flächenmäßig Mikkeli größer als Berlin, Hamburg und Köln zusammen.
Wir schlendern in der Hitze noch durch die Fußgängerzone, gehen durch klimatisierte Kaufhäuser und kaufen im Supermarkt ein paar Lebensmittel und zum ersten mal finnisches Bier in Dosen. Mein Krombacher ist mittlerweile alle.
Auf der 5 fahren wir in Richtung Lahti. Die Straße wird autobahnmäßig ausgebaut. Mit großem, schweren Gerät treiben sie die Trasse durch das felsige Gelände.
Wir beschließen, diesen Hwy. zu verlassen und biegen auf eine Nebenstraße ab. Es ist die 431, die uns durch dichten Wald und sehr kurvenreich nach Hirvensalmi führt.
Gleich am Ortseingang finden wir einen schönen Übernachtungsplatz am See, wieder an einem Bootanleger. Gegenüber der Straße ist ein Supermarkt, wo wir ein wenig einkaufen. Unter anderem frischen Kuchen, mit dem wir uns etwas später mit Kaffee am Womo gemütlich machen.
Wir sitzen lange draußen und genießen den Sonnenuntergang, nun mit finnischem Bier und deutschem Wein.

Sonnenuntergang - unvergleichlich schön in Heinola:

13.07. Hirvensalmi - Heinola 80 km

Da wir heute nur bis Heinola fahren wollen, haben wir morgens viel Zeit. Wir fahren die 13 km zurück bis zur 5. Wie bereits erwähnt, ist diese Straße eine einzige Baustelle. Man kann nur staunen, welche Felsmassen hier abgesprengt und bewegt werden.
Kurz vor Heinola fahren wir auf die 170, die parallel zur 5 verläuft, aber nicht so eintönig ist.
In Heinola gehen wir auch wieder über den Markt.
Wir gehen ein wenig durch den Ort, der auch von den Finnen zur Sommerzeit sehr gern aufgesucht wird, ehe wir durch den gepflegten Park zum Womo zurückkehren.
1,5 km sind es bis zum 1999 renovierten Campingplatz auf der Halbinsel Heinäsaari. Wir treffen auch hier alles vor, was man braucht und dürfen uns den Platz wieder selbst aussuchen. Wir stellen uns unmittelbar ans Wasser mit Blick auf die Heinolan-Tähti-Brücke.
Diese Brücke ist mit 924 m eine der längsten in Finnland. Die Pyllone ragen 105 m aus dem Wasser.
Während ich baden gehe und erstaunt bin über die Wärme des Wassers hier am Ruotsalainen-See, hat sich Claudia einen "Aussichtspunkt" auf einem Felsen gesucht.
Abends erleben wir einen unvergleichlichen, wunderschönen Sonnenuntergang

Imponierendes Skistadion von Lahti - Übernachtungsplatz am KKW Loviisa

14.07. Heinola - Lahti -- Loviisa 132 km

Über die 140 fahren wir nach Lahti. Das wir uns einem Wintersportzentrum nähern, merkt man auch im Sommer. Viele Sportler sieht man, die auf den Loipen (Jetzt Rad- und Wanderwege) auf Sommerski trainieren.
In Lahti fahren wir erstmal zum Skistadion mit seinen imponierenden Salpausselkä Sprungschanzen. Benannt sind sie nach dem Höhenzug. Diese Schanzenanlage wurde in der jetzigen Form 1985 fertiggestellt.
Wir sehen sogar einen Springer trainieren, der von der kleineren Schanze springt. Bei dieser Hitze die Ski herumtragen, - es hat was für sich. Wenn er von der großen Schanze gesprungen wäre, hätte die Landung genau im darunterliegenden, gut besuchten Schwimmbad stattgefunden. Vielleicht hätte die Erfrischung ihm gutgetan.
Es ist erstaunlich wie kurz der Auslauf nach der Landung ist. Im Fernsehen sieht das viel weiter aus.
Auf den kleinen Schanzen ist auch ein Jugendlicher am üben. Ehrgeizig läuft er immer wieder hinauf zum Schanzentisch und springt hinunter.
In diesem Sportzentrum befindet sich auch das Leichtathletik- und Fußballstadion, sowie eine große Schwimmhalle.
Eine kleine Stadtrundfahrt, dann verlassen wir Lahti über die 167. Wir fahren jetzt durch überwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit vereinzelten weit verstreuten, großen Bauernhöfen. Neben Kartoffeln wird hier auch Mais und Halmfrucht angebaut. Wir fahren durch 2 kleine Ortschaften auf der ca. 80 km langen Strecke, die viele Kurven, aber kaum Verkehr aufweist, ehe wir in Loviisa landen. Hier tanke ich das Auto randvoll, ehe wir noch einkaufen (wieder bei Lidl).

Wir wollen wieder auf einem freien Stellplatz übernachten. So fahren wir südlich von Loviisa durch ein mit dicken Felsstücken übersätes Waldgebiet. Große Strommasten und -leitungen zeigen uns den Weg zum Kernkraftwerk. Die von der Sowjetunion gebaute Anlage wurde 1977 (der erste Reaktor), bzw. 1981 (der zweite Reaktor) in Betrieb genommen. Etwa 1/10 der in Finnland benötigten Strommenge wird hier produziert.
Gegenüber von dem Kernkraftwerk ist ein kleiner Boothafen mit Parkplatz, wo wir einen Übernachtungsplatz einnehmen.
Hier am Finnischen Meerbusen wollen wir die Nacht verbringen. Wieder haben wir eine fantastische Aussicht auf die Bucht und die in ihr liegenden kleinen Inselchen.
Fast bis Mitternacht bleiben wir sitzen und geniessen wieder die Stille und den wunderschönen Ausblick.
Jetzt zum Ende der Reise ziehen wir das Fazit, dass wir viel öfter dieses "Jedermannsrecht" hätten in Anspruch nehmen sollen.
Wenn auch die finnischen Campingplätze meist an schön Seen oder Flüssen liegen, so ist doch die Stille und meist auch der Standort mit solch selbst ausgesuchten Übernachtungsplätzen nicht vergleichbar.
Das und anderes waren unsere Themen, als wir in der warmen Sommernacht lange vorm Womo saßen.
Was wir suchten in Finnland, haben wir gefunden. Es ging uns fast wie bei unseren vielen Reisen nach Canada, bzw. Yukon und Alaska. Wir wollten die Stille, die Einsamkeit, die Natur geniessen. Oftmals war der Weg das Ziel. Vor allem die unendliche Weite in Nordkarelien und Lappland, vielmals die unberührte Natur, haben mir persönlich sehr gut gefallen. Deshalb haben wir den Rummel der Städte (wie z.B. Tampere, Turku und die Küste am Bottnischen Meerbusen) gemieden. Für viele evtl. Leser dieses Berichtes vielleicht unverständlich. Für uns war es ideal.
Im Nachhinein war es auch ein Segen, dass der Fernseher ausgefallen war. 3 Wochen keine Merkel, kein Westerwelle, Koch und und Co. - es hat was für sich.

Wir verzichten auf die Metropole Helsinki

15.07. Loviisa - Vuosaari (Helsinki) 96 km

Die letzte Etappe (abgesehen von der Fahrt zur Fähre) führt uns über die 7/E18 Schnellstraße nach Vuosaari, einem Vorort von Helsinki. Schnell sind wir da und erreichen den Rastila Campingplatz. Dies ist ein **** Sterne Platz mit entsprechender Größe. Wieder ist es sehr, sehr heiß. Dazu kommt, dass es kurz danach auch noch sehr schwül wird. So ziehen wir es vor, nicht vom Campingplatz zur nahen Metro-Station zu laufen und in die Metropole reinzufahren.

Wir taten gut daran, denn bald schon zog ein heftiges Gewitter und es regnete stark.
Erst gegen Abend wurde das Wetter wieder klar.

Die Suche nach dem Fährhafen

16.07. Camping Rastila - Hafen Vuosaari 19 Km

Die Anfahrt zum Hafen erwies sich als sehr schwierig, trotz Navi Die von Finnlines angebene Straße war irgendwo an einem Kreisverkehr zu Ende. Kein Hinweiszeichen "Ferry" oder dgl. wie in anderen Ländern üblich. Nachdem ich in einem Supermarkt gefragt habe, fanden wir die Hafenanlage . Wir reihten uns als 2. Fahrzeug ein. Schon bald begann das Einchecken - hier ging alles viel schneller, als bei der Herfahrt. Wir konnten unsere Kabinen aufsuchen. Pünktlich um 17:30 Uhr legte die Fähre ab.

Wieder in Deutschland

17.07. Travemünde - Egestorf 99 km

Die Überfahrt war wieder sehr ruhig, obwohl wir ein paar Gewitterzonen durchfuhren.
Wie schon bei der Hinfahrt war das Essen hervorragend. Irgendwie wurde die lange Überfahrtzeit totgeschlagen und pünktlich um 20:30 Uhr (jetzt deutsche Zeit) legte das Schiff in Travemünde an.
Als 3. Fz. Verliessen wir das Autodeck und waren schnell auf der Autobahn Richtung
Hamburg.
An einer Raststätte wurde noch etwas Bier gekauft, dann erreichen wir den Stellplatz in Egestorf, wo wir bei der Hinfahrt schon übernachtet haben.

Die letzte Etappe

18.07. Egestorf - Deckenbach 360 km

Um 07:30 Uhr werden wir geweckt, um die 6,00 € Standgeld zu zahlen. Claudia schimpft wie ein Rohrspatz. Ich zahle, hau mich aber noch mal auf's Ohr. Noch ist Urlaub!!!
Dann geht's auf die letzte Etappe. Um 14:30 Uhr erreichen wir Deckenbach
---------------------------------------------------------------------------------------Gefahrene km: 4.501
davon in D : 950
in FIN : 3.551

getankt : 412,23 l
Preis : 505,25 €

Camping:
Egestorf (mit Strom) 10,00 €
Saamaara 17,80 €
Imatra 18,00 €
Joensuu (2 Nächte) 30,00 €
Kajaani 17,50 €
Kuusamo 20,20 €
Sodankylä 19,00 €
Inari (2 Nächte) 44,00 €
Rovaniemi (2 Nächte) 52,00 €
Keskipiiri Stellplatz
Kaustinen 19,50 €
Jyväskulä 24,00 €
Hirvensalmi Stellplatz
Heinola 24,00 €
Loviisa Stellplatz
Rastila (Vuosari) 24,00 €
Egestorf 8,00 €
Gesamt 328,00 €
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Gezahlt haben wir die Campingplätze immer bar, wobei ich die Scandinavian Camping Karte (7,00 €) vorlegte und immer einen Preisnachlass erhielt.
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© Werner Bachmann, 2010
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 25.06.2010
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 18.07.2010
Reiseziele: Finnland per Wohnmobil
Der Autor
 
Werner Bachmann berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.