Portugal - Sept/Okt 2010

Reisezeit: September / Oktober 2010  |  von Andreas Schneidenbach

Mértola

Heute fällt uns das Aufstehen schon wesentlich leichter
Einige von uns sind schon ganz gamprig - steht doch ein Autoausflug ins Alentejanische Hinterland auf dem Programm.
Knappe 100km nördlich von Tavira liegt das Städtchen Mértola, das ist für heute unser Ziel.

Bei der Abfahrt versteckt sich die Sonne noch hinter ein paar Wolken, schon bald aber ist der Himmel strahlend Blau und wir cruisen mit unserem Ford durch die wellige Alentejo-Landschaft gemütlich Richtung Norden.
Eher zufällig biegen wir ab, wir wollen wissen was es mit dem oftmals ausgeschilderten "Foz de Odeleite" auf sich hat. Die Straßen werden schmäler, der Weg zieht sich. Überraschenderweise sehen wir auf einmal einen richtig fetten Fluss vor uns. Ich frage: "Kann das da drüben schon Spanien sein?" Antwort: "Unmöglich. Spanien ist viel weiter östlich."

Na gut, wird wohl so sein. Diesmal haben ja die Routenplanung die beiden Ladies übernommen, die werden es schon wissen...
Dass man dabei mit Glück und Intuition besser fährt als mit geographischen Kenntnissen oder gar der hohen Kunst des Landkartenlesens beweist sich als wir in das pittoreske Städtchen Alcoutim einreiten.

Azulejos am Ortseingang von Alcoutim

Azulejos am Ortseingang von Alcoutim

Schon ein gutes Stück vorher scheinen uns die 2 Windmühlen auf der anderen Flussseite zu verhöhnen: "Na, auch hergefunden!" Selbstverständlich war die andere Seite die spanische und freilich waren wir bereits seit geraumer Zeit entlang des Grenzflusses, des Rio Guadiana, unterwegs.

Alcoutim und die gegenüberliegende Stadt Sanlucar de Guadiana haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich, oft kriegerisch wie die Festungen beweisen und manchmal auch dem gegenteiligen Vorteil dienend wie uns Paul erzählt hat. So wurden zu Zeiten der Diktatur in den 1970ern Waren des täglichen Bedarfs aus den alten Kolonien wie z.B. Kaffee nach drüben und Zigaretten nach hüben geschmuggelt.

Heute präsentieren sich die beiden Orte als Kleinod, Postkartenmotive gibt es an jeder Ecke.

Wir spazieren durch die Gassen und weil Sonntag ist gönnen wir uns einen Bica (kostet ja immerhin 60 Cent) und genießen die Aussicht.

Danach sind es noch einige Kilometer in die Museumsstadt Mértola, unserem eigentlichen Ziel. Schon die Römer und Mauren schätzten den Ort ob seiner strategisch günstigen Lage und so finden sich heute hier an vielen Stellen Ausgrabungen die Gemäuer aus grauer Vorzeit zutage fördern.

Die Stadt selber scheint uns ein wenig ausgestorben, kaum jemand ist zu sehen. Ob es am Sonntagnachmittag liegen mag? Jedoch ist der Portugiese für seine ausgedehnten Siestas weniger bekannt als sein großer Nachbar, der Spanier.

Wir jedenfalls haben Hunger und weil wir der Beschilderung Richtung "Restaurante Migas" folgen finden wir uns folgerichtig dann am Kastell wieder. Inklusive Friedhof und Römerausgrabung!

Auch das Restaurant finden wir dann noch, aber auch nur weil uns der einzige Portugiese, der auf der Straße zu sehen ist, bis vor die Eingangstür führt.
Nach diesem späten Mittagessen machen wir uns wieder auf den Rückweg. Die Altstadt von Tavira will noch besichtigt werden und so ein Sonntagsausflug strengt ja auch an...

Ach ja, wir haben etwas Neues entdeckt: Die Früchte des westlichen Erdbeerbaumes! Dass diese Früchte roh ungenießbar sind dafür können wir ja nichts. So müssen wir uns eben an dessen destilliertem Produkt, dem Medronho, schadlos halten

Du bist hier : Startseite Europa Portugal Mértola
Die Reise
 
Worum geht's?:
Saudade in Lusitania
Details:
Aufbruch: 24.09.2010
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 06.10.2010
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Andreas Schneidenbach berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.