ANTARKTIS-SOUTH GERORGIA_FALKLAND

Antarktis-Reisebericht  |  Reisezeit: Februar / März 2018  |  von Jörg M. Seifert

Anreise: Auf See

Auf See

Seit Jahren frisst sich ein gewaltiger Riss durch das Larsen C-Eisschelf am Rande der antarktischen Halbinsel. Er ist 100 Meter breit und einen halben Kilometer tief. Am 15.02.2017 war es soweit. Das größte jemals registrierte Schelfeisstück, mit der neunfachen Fläche von Hamburg hat sich gelöst. Es wird nun bei seiner jahrelangen Reise in den antarktischen Strömungen langsam zerfallen und schmelzen. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht einig, ob dies ein normaler Vorgang ist, oder ob mit diesem Ereignis der Klimawandel nun endgültig in der Antarktis angekommen ist. Dem schlimmsten Szenario zufolge, könnte die Schmelze die Meeresspiegel weltweit in einem oder zwei Jahrhunderten um drei Meter anheben.

An diesem denkwürdigen Tag chillen wir in Ushuaia. Die Wahrheit ist, wir langweilen uns zu Tode und schimmeln nur in diversen Cafés rum. Café & Bar Tante Sara, San Martin/Juan Genuveva Fadul, Café Dublin, Av. San Martin. Beide pflegen europäisches Qualitätsniveau und haben argentinische Banditenpreise. Am Nachmittag geht es dann endlich zum Hafen. Herzlich Willkommen an Bord der MV Plancius. Die erste Etappe unserer Reise führt durch den von Kapitän Fitz Roy und Charles Darwin 1834 entdeckten, wild zerklüfteten Beagle Kanal nach Osten auf den offenen Atlantik. Während das Schiff Kurs auf die Falklandinseln nimmt, folgt eine Einweisung auf die andere. Was wo, wann, wie und warum verboten oder erlaubt ist. Eine Rettungsübung auf dem Schiff und an den Rettungsbooten wird durchgeführt und dann stellen sich die Crew Mitglieder vor. Die Crew besteht aus einem bunten Nationalitätenmix. Russen, Schweden, Niederländer, Dänen, Phillipinos, Deutsche ein Argentinier und eine Französin. Bis auf den Kapitän sind es alles junge Leute zwischen 25 und 35 Jahren, die sich gut verstehen und Spaß miteinander haben. Keiner der Freelancer übt hier nur einen Beruf aus. Alle folgen ihrer Berufung und leben ihre Träume und Ideale. Das wird den entscheidenden Unterschied zwischen einer guten Reise und einer erfolgreichen Expedition ausmachen. Die Mehrheit der Passagiere kommen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Belgien und den USA. Rekordverdächtig sind die allein reisende 85 jährige rüstige Frau, sowie die 92 jährige Französin, die ebenfalls an allem aktiv teilnahm. Überrascht hat uns auch die Küche, die wir so nicht erwartet hatten. Ob Buffet oder al la card, die Vielfalt und die Qualität kann man unter den Bedingungen auf einem so kleinen Schiff nur als überragend bezeichnen. Nach dem Abendessen fallen wir übermüdet von der langweiligen Zeit in Ushuaia und unserer Medikation gegen Seekrankheit ins Bett.

Auf dem offenen Meer begann das Schiff in der Nacht an zu rollen und zu stampfen. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie, denn unsere Medikation gegen Seekrankheit scheint zu wirken. Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet gehen wir an Deck und beobachten die Kapsturmvögel und die Schwarzbrauenalbatrosse, die bei ihren Runden um das Schiff so dicht vorbeisegeln, dass man die Federn zählen kann. Wer jedoch kein Ornithologe ist, wird sich auf einem Seetag langweilen. Einzige Abwechslung bringen nur das Briefing für die Zodiak Touren, die Verteilung der Gummistiefel, die wir bei jedem Landgang tragen müssen und am Nachmittag ein Fotokurs, sowie ein weiteres Briefing für die Anlandungen am folgenden Tag. Währenddessen wühlt sich das Schiff stoisch durch die Wellen des Atlantiks. Ringsumher nur tiefblaues kaltes Wasser. Wir bekommen jetzt eine Vorstellung davon, wie klein das Schiff in dieser scheinbaren Unendlichkeit des Ozeans ist. Auf der Route des Schiffes gibt es Abschnitte, an denen der Meeresgrund neun Kilometer unter dem Kiel des Schiffes liegt. In dieser Entfernung fliegen Verkehrsflugzeuge über dem Meeresspiegel!

Buffet an Bord

Buffet an Bord

© Jörg M. Seifert, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir standen inmitten tausender Pinguine, sahen Robben, Seeleoparden und Seeelefanten. Wale, zum Anfassen nah und Vögel die keine Angst vor Menschen kannten. Im Sturm wurden wir seekrank bevor wir über haushohe bizarre Eisberge staunen konnten.
Details:
Aufbruch: 12.02.2018
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 06.03.2018
Reiseziele: Antarktis
Der Autor
 
Jörg M. Seifert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (1/1):
Daniel 1545053644000
Hallo Jörg, Danke für den schönen Berich­t.Da kommen E­rin­ne­run­gen hoch­.
Ich war 2014 auf der kurzen Route 7 Tage mit Quark Ex­pe­di­tions. Ich empfand die Größe
­
der Schiffe von ca. 90 Per­so­nen als sehr an­ge­nehm. Es war meine erste und bisher einzige Kreuz­fahrt, das gefällt mir sonst nicht so...