Zum Naadam Festival in die Mongolei

Iran-Reisebericht  |  Reisezeit: März - August 2019  |  von Anja & Wolfgang

IRAN: Teil 3 – von 30.04. bis 09.05.2019 2300 km

Ziel: Von Mashhad, dem heiligsten Ort und zugleich mit knapp 3 Mio Ew. der zweitgrößten Stadt des Iran Richtung Westen bis Badab-e Surt und zurück über Bajgiran nach Sarakhs dem Grenzort zu Turkmenistan.

Wetter: Nachts kühl, tagsüber sonnig <25º.

Morgens um 9:00 ein Anruf von Vali, unserem „Guten Geist‘ in Mashhad, wenn wir bis 11h bei ihm sind, dann haben wir heute noch unser Tukmenistan Visum im Pass – machen wir doch sofort. Treffen ihm in der Nähe seines Hauses, fahren gemeinsam den knappen km bis zur Botschaft – und tatsächlich noch vor 12h Mittags klebt die Visa Marke in unsren Pässen. Der Punkt ist abgehackt, wir können uns den Sehenswürdigkeiten der Stadt widmen. In Mashhad ist das Mausoleum von Reza, dem 8. der 12 Imame Mohameds, (mehr darüber wieder bei Tante Google) und zugleich das einzige Grabmal eines Iman im Iran – daher der heiligste Ort des Landes, etwa 27 Mio. Wallfahrer kommen jährlich hierher und heute besichtigen wir diese Stätte, soweit wie es uns Ungläubigen eben erlaubt wird. Der Haram Complex, eine riesige, eingezäunte Anlage, die von Unglaeubigen natürlich nur in Begleitung eines kostenlosen Führers betreten werden darf. Drinnen beeindrucken verspiegelte Gebets-Hallen,

Freiflächen von prachtvollen Bauwerken umrahmt,

deren Inhalt uns Teils verschlossen bleibt.

Das Mausoleum selbst, eigentlich für uns nicht zugänglich und fotografieren drinnen dazuhin noch verboten. Wir gönnen dem Iman seien Frieden und den Gläubigen drin am Grabmal ihre Andachtsruhe, verlassen den Bereich und streifen weiter durch die Stadt, finden noch das ‚Golden Gate‘

und diesen Riesenbilderrahmen,

bevor wir zu Valis Non-Smoking Homestay zurückkehren, wo wir vor dem Haus in SL3 übernachten dürfen, uns aber die traditionelle Hausmannskost seiner Frau nicht entgehen lassen wollen.
Am nächsten Tag kehren wir nochmals in den Bereich den Haram Complex zurück, den wir wollen uns heute noch das gestern leider schon geschlossenen Carpet Museum (E nur noch zusammen mit den National Museum =IR 300.000). Die meist alten Teppiche hier wirklich beeindruckend, als Türvorhang genutzt wurden sie sogar in der Mitte geschlitzt,

Riesenteppiche mit 4x9m sind genauso zu sehen wie Stücke der Nomaden die wegen der wesentlich kleineren Web- und Knüpfstühle eher so 1x2m gross sind. Teppiche aus den verschiedenen Provinzen nebeneinander aufgehängt,

so dass man(n) die regionalen Unterschiede in den Mustern schön herausarbeiten, erkennen kann.
Zum Abschluss des Besuches hier nochmals eine kurze Runde am heiligen Bereich vorbei,

bevor wir für ein paar Stunden im nahegelegenen Reza Basar verschwinden, doppelstöckig, gedeckt und nur ca. 700m lang. Der Nase fallen hier vor allem die Unmengen von Safran auf,

dem Auge eher die überreichliche Auswahl sowohl an gefassten als auch ungefassten Türkisen. Zum Abendessen kehren wir wieder zu Vali zurück, lernen dort noch einen netten Japaner auf Weltreise kennen, der zwischenzeitlich eingetroffen ist und verbringen die Nacht wie gehabt in SL3 ‚draussen vor der Tür‘.
Wir haben noch 8 Tage Zeit, bis wir den Iran verlassen müssen, ist doch eine gute Gelegenheit noch schnell eine kleine Runde durch den nördlichen Teil des Landes zu drehen.
Wir verlassen Mashhad Richtung Westen und erreichen Kang, ein ‚idyllisches Bergdorf‘ das irgendwie an einen der autolosen Schweizer Urlaubsorte erinnert, bevor dort die Renovierungssucht ausbrach. Hier ist noch alles mehr oder weniger Original,

die Häuser werden wie seit Urzeiten übereinander den Berghang hochgebaut, aufeinandergestapelt,

dazu enge, schmale Wege, Stiegen die bergauf führen und dazwischen zur Bewässerung, zur Viehtränke einige Wassergräben, die notfalls auch das Regenwasser ableiten sollen.

Man wandert bergauf und bergab und bewundert die Leute, die trotz aller Erschwernisse hier leben. Unsere nächste Station ist die ehemalige Karawanserei von Zafaraniyeh, heute u.a. ein kleines Eco-Hotel, für uns aber von besonderer Bedeutung dieses Eishaus, das doch sehr an einen Bienenstock erinnert.

Ein paar km weiter erreichen wir Sabzevar, eine nette Stadt, mittendrin einer Karawanserei, die heute teils als Museum, teils als Restaurant genutzt wird, ein paar Mausoleen,

der üblichen Moschee,

dem Bazar

und draussen vor der Stadt einen kleiner Park, der u.a. auch als Stellplatz benutzt werden darf.
Unser erster halt am nächsten Morgen in Shahrud, einer modernen Universitätsstadt, in der es eigentlich nicht zu sehen gibt – und an einem Freitag sogar noch weniger, dafür beeindruckt der Vorort Bastam umso mehr mit seinem Moschee-Mausoleum-Minarett Komplex,

von Schönheitsreparaturen abgesehen alles aus dem 13. Jh,.

Irgendwo am Strassenrand noch diese gut renovierte Karawanserei

bevor wir am frühen Abend Badab-e Surt erreichen,

dort im Eingangsbereich übernachten dürfen und den Besuch der Sinterterrassen gleich mal auf Morgen verschieben.
Hier irgendwie am Ende der Welt, wo sich allenfalls Fuchs und Hase ‚Gute Nacht‘ sagen, herrscht eine heilige (Nacht-)Ruhe, keine Flugzeuge, keine Lastwagen, keine PKW mal mit – mal ohne Dröhnradio, keine Mopeds und keine Kinder die bis Mitternacht spielen, lärmen dürfen, nichts, nur Stille,….was für eine Nacht, traumhaft traumlos.
Am nächsten Morgen sind wir immer noch allein hier droben und machen uns an die Besichtigung dieses Geländes. Der Vergleich mit Pamakkule hinkt schwer, was dort weiss ist, ist hier meist gelb-braun,

von der Größe her, da dürfte die ganze Anlage hier in ein bis zwei der Terrassen von P. verschwinden und was an beige-braun bis mittelbraun farbenfroh sein soll verstehen wir auch nicht,

da kann ich dem Autor von LP nur den Besuch der Terrassen in Huang Long empfehlen (siehe in unserem China Bericht) bevor er weiter solchen Unsinn verzapft oder irgendwas falsch abschreibt. Irgendwann trifft dann noch diese Busladung an Touristen ein, tut sich an den Wasserlöchern gütlich.

Wir haben genug gesehen und fahren weiter, passieren ein paar nette Dörfer,

fragen uns wem hier wohl die Stunde schlägt

und wie alt diese Wasserleitung zum bewässern der umliegenden Reisfelder wohl ist,

bevor wir Gaz am Südufer des Kaspischen Meeres erreichen. Braunes Wasser, ein bisschen Pier,

Nix mit Nixen im Strandbad, auch gut, fahren wir halt gleich weiter, bewundern in Gorgan den Gorgan Tower mitten in einem riesigen Kreisverkehr

und ein paar alte Häuser in der Altstadt,

bevor wir bei den Ali Abad Waterfalls den Tag beenden.

Gefühlte 100 Familien campen hier, verbringen so das Wochenende, stellen wir uns halt auch dazu an den Bach, gehen mal schnell die 30 Min. zum Wasserfall hoch und lassen den Abend bei dem guten persischen 0% Alc. Bier ausklingen.
Heute geht es mit viel Geduld im typischen Sonntagmorgenstau mitten rein nach Gonbad e Kavus, denn da wartet der Mil e Gonbad auf uns, steht da wie eine 10-eckige Rakete kurz vor dem Abheben, macht von aussen einen relativ jungen, gut erhaltenen Eindruck

und ist doch schon über 1.000 Jahre alt, selbst seine Echos sowohl von drinnen als auch von draussen funktionieren immer noch unverändert gut. Der nahegelegene Golestan NP darf leider nur mit Genehmigung und Führer betreten werden, uns bleibt so nur die Durchquerung auf einer relativ verkehrsreichen Strasse übrig. Hier im Park Wildschweine heimisch, die dank der sicher gutgemeinten Fütterung der Besucher am Strassenrand, jegliche Scheu verloren haben.

Sobald ein Auto irgendwo stehen bleibt kommt eine Rotte aus dem Wald und bettelt,…

Glaubt man den Warntafeln am Strassenrand, so sind droben auf dem i.A. unzugänglichen Plateau Rotwild, Braunbären und Leoparden heimisch, von denen es lt. LP ganze 22 Stück hier geben soll.

Der nächste für uns interessante Ort am Wegesrand ist Espakho, mit dem einzigen noch existierenden Feuertempel im Nord-Osten des Iran,

ein nettes Bauwerk, dessen tieferer Sinn uns aber mangels weiterer (Geschichts-)Kenntnisse verschlossen blieb. In Bojnurd füllen wir wieder einmal unsere Vorräte auf, bevor wir uns auf dem lokalen CP im Besh Qardash Park niederlassen. Warum auch immer, wie schon so oft im Iran (vor allem bei Autobahnzahlstellen und Parkplätzen) erlebt, will man auch hier von Ausländern kein Geld annehmen, der Wärter öffnet einfach die Schranke, winkt uns rein – Danke & Gute Nacht.

Mit Roein besuchen wir ein weiteres dieser meist aus Adobe erbauten alten Dörfer,

bewundern natürlich mitten drin dieser angeblich 800 Jahre alte Chinar Tree,

wandern die alten Stufen hoch bis zur obersten bebauten Ebene

und bestaunen von da droben diese bunte Mischung aus neu und alt.

Bei Esfarayen besuchen wir dann die alte Zitadelle von Belqays (Alt Esfarayen),

die bereits erste Spuren von begonnen Renovierungsarbeiten aufweist,

während 12km weiter in Dowlatab sich alles noch im ‚originalen Verfall‘ befindet.

Wir fahren jetzt auf einer neu gebauten Strasse quer durch die Berge

bis wir nach einer Kurve plötzlich vor einem Berghang stehen und sehen, dass die Neubaustrecke von der anderen Seite kommend ebenfalls in ca. 300m Entfernung endet. Grosses Haare raufen, was jetzt??, denn der Hang ist selbst für SL3 unpassierbar. Des Rätsels Lösung, etwa 1km zurück führte eine Lehmpiste runter in dieses Dorf,

dort die Spiegel eingeklappt und durch die Adobe Häuser geschlängelt und schon geht es am anderen Dorf-Ende Lehmaufwärts wieder zurück auf die Neubaustrecke. Irgendwann werden diese fehlenden 300m Dorfumfahrung sicher auch fertig gestellt sein, bis dahin eben ungeplantes Abenteuer pur. Wir fahren noch weiter bis Bajgiran, das einen absolut einsamen, fast verlassenen Eindruck auf uns macht, von seiner Bedeutung als Grenzort zu Turkmenistan ist wenig zu spüren. Wir testen trotzdem abends schon mal die Festigkeit des jetzt verschlossenen Grenztores

und übernachten dann (nach Rücksprache) im Park hinter dem Polizeiposten.

Am nächsten Morgen besuchen wir einen der lokalen Geldwechsler um übrige IR gegen TMT (Turkmenischen Manat) zu tauschen, bevor wir uns auf dem Weg machen um eine der landschaftlich schönsten Strassen des Iran abzufahren, die Strecke von Bajgiran über Dargaz und Kalat nach Mashhad, auf der uns auch schnell klar wird, warum Bajgiran so ein verschlafenes Grenzdorf ist, der ganze Schwerverkehr muss nördlich von Dargaz die Grenze passieren und rollt dann auf dieser Strecke bis Quchan, bevor er sich dort auf der W-O Schnellstrasse Teheran – Mashhad verteilen kann.
An diesem Dorf vorbei geht es da hinten den Berg hoch auf über 2400m

und dann sofort wieder runter in diesen fantastischen Canyon,

der erst kurz vor Dargaz sein Ende findet.

Hinter Dargaz dann für uns mal wieder Abenteuer pur, denn unser Navi schickt uns auf die alte Strasse nach Kalat, die leider droben auf einer neuen Staumauer ihr Ende findet. Also erst mal ein Stück zurück, dann eine ‚Abkürzung‘ über Feldwege gesucht, bis auch wir endlich auf den neuen Strasse sind. Vorbei an smaragd grünen Bergseen,

geht es bergauf / bergab durch endlos erscheinende Hügelketten,

wir stossen auf mehrere Herden wohlerzogener Schafe

und erreichen so Kalat, wo wir auf einem Picknickgelände beim Wasserfall Gara Soo eine sehr ruhige Nacht verbringen.
In Kalat besichtigen wir kurz den Sun Palace, eigentlich ein unfertiges und daher disproportioniertes Mausoleum,

bevor uns dann der weitere Weg an solchen Nomaden Zelten vorbei

zurück bis an die Umfahrung von Mashhad bringt. Hier biegen wir Richtung Osten ab, machen erst bei Mazdavand einen kleinen Abstecher auf die Finger Ridge, von der wir eine herrliche Aussicht auf das Umland haben,

dann noch einen Abstecher zur Robat Sharaf Karawanserei, den man sich eigentlich sparen sollte, erinnert das ganze dank seiner doch recht heftigen Umzäunung mehr an einen Hochsicherheitstrakt als an ein Historischen Bauwerk.

Gegen 17h erreichen wir Sarakhs, unser Etappenziel für heute und dürfen hier im ummauerten Hinterhof des Doosti Hotel übernachten. Die Nachtruhe müsste so eigentlich gesichert sein, morgen läuft zum einen unser Visum für den Iran aus, zum anderen wird hier um 8:00 die Grenze nach Turkmenistan geöffnet, wir werden uns also ‚nach dem Frühstück‘ in die Schlange einreihen und uns dann mit dem nächsten Kapitel von jenseits der Grenze wieder melden.

© Anja & Wolfgang, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem wir letztes Jahr die Mongolei aus Visa- und Zeitgründen rechts liegen gelassen haben, kehren wir dieses Jahr nochmals dahin zurück mit dem Ziel das alljährliche stattfinden Naadam Festival (heuer vom 11. Juli bis 15. Jul) mitzuerleben.
Details:
Aufbruch: 25.03.2019
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 31.08.2019
Reiseziele: Deutschland
Türkei
Iran
Turkmenistan
Usbekistan
Kirgisistan
Kasachstan
Russland / Russische Föderation
Mongolei
Norwegen
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.