Wanderreise in Jordanien

Jordanien-Reisebericht  |  Reisezeit: April 2015  |  von Markus Blackmar

Gerasa, Aijoun

Vergangene ,Nacht hört man nicht nur wieder den Muezzin um etwa fünf Uhr rufen, sondern auch noch die Kirchenglocken, die zum Gottesdienst in der orthodoxen Osternacht läuteten. Noch nie zuvor habe ich während eines Urlaubes ähnlich wenig geschlafen - glücklicherweise fühle ich mich dadurch tagsüber nicht wirklich übermüdet.
Während des Frühstückes regnet es teilweise stärker, während der Fahrt nach Gerasa bestätigt sich aber mein Optimismus: es wird sonnig, unterbrochen von nur wenig Regen. Gerasa ist trotz zweier größerer Erdbeben die vermutlich besterhaltenste römische Stadt dieser Größe. Während die erfahrenen Gruppenreisenden enttäuscht sind, daß sie während der Fahrten nicht mehr Infos vom Guide erhalten, finde ich Osamas Wissen aus verschiedenen Gebieten gut, zumal er ja sehr unterschiedliche Touren macht.
Hier war eine wichtige Schule zur Herstellung von Mosaiken, leider fielen viele Darstellungen von Menschen und Tieren einem Bilderverbot zum Opfer, das vermutlich erstmals der aus Syrien stammende byzantinische Kaiser Leo der Dritte erließ.
Im marktähnlichen Komplex am Eingang trinken wir Kaffee; ein mit Osama befreundeter Guide taucht mit zwei britischen Touristinnen auf, er verteilt eine Menge Fladenbrot und eine gelbliche talgähnliche Masse als Frühstück und bietet auch Osama an, dem das aber deutlich zu fett ist.

der Hadriansbogen

der Hadriansbogen

so schön hatten die Römer Fontänen gestaltet

so schön hatten die Römer Fontänen gestaltet

Die verschiedenen Ebenen der Tempel sind noch zu erkennen.

Die verschiedenen Ebenen der Tempel sind noch zu erkennen.

Das Tor zum Artemis Tempel.

Das Tor zum Artemis Tempel.

...und wer ein Auge dafür hat, setzt die Säulen noch besser ins Bild :
(c) C. Hartig

...und wer ein Auge dafür hat, setzt die Säulen noch besser ins Bild :
(c) C. Hartig

Das kleinere Theater.

Das kleinere Theater.

Vielfalt an Mosaiken

Vielfalt an Mosaiken

Das große Theater mit einer beeindruckenden Akkustik neben dem Artemis Tempel.

Das große Theater mit einer beeindruckenden Akkustik neben dem Artemis Tempel.

Das Forum, der Weg zum Südtor ist wegen zweier großer Erdbeben nicht gerade.

Das Forum, der Weg zum Südtor ist wegen zweier großer Erdbeben nicht gerade.

In Gerasa gehen wir in einen Imbiß, wo es wieder Falafel gibt: die Soße dazu schmeckt mir hier besser als in Deutschland. Die Theken werden hier oft gewischt, der untere Bereich augenscheinlich weniger. Durchfall bekommt aber niemand von unserer Gruppe während der Reise, obwohl anscheinend alle auch Salat essen.
Es geht weiter nach Norden ins kleine Naturschutzgebiet Ajloun. Osama erkundigt sich im Besucherzentrum: die Wege sind wegen des Regens offiziell gesperrt, wir gehen aber einen kurzen Trail – wie wir annehmen, einen verkürzten Weg (unter 3 km) – Osama erklärt aber später, daß dieser kurze Weg vorgesehen war; immerhin gibt es Orchideen, Pistazienbäume und „wilde Erdbeerbäume zu sehen. Die „Erdbeerbäume“ gibt es auch im Madrider Stadtwappen und auf den Kanaren, botanisch ist es ein Heidekrautgewächs mit Früchten, die wie Mini-Orangen aussehen.
Vom Gehen auf dem aufgeweichtem Boden haben wir ordentlich Matsch in den Sohlen und Osama rollt die Teppiche im Minibus zusammen, um den Busfahrer nicht zu verärgern .

der "wilde Erdbeerbaum"

der "wilde Erdbeerbaum"

Verschiedene Orchideen und Salbeiarten wachsen hier auch.

Verschiedene Orchideen und Salbeiarten wachsen hier auch.

Die Gruppe ist enttäuscht über die Mini-Wanderung bzw. darüber, daß wir auf den Weg nach Madaba, 50 km südlich von Amman, nicht noch die islamische Burg aus Kreuzfahrerzeiten, auch Ajloun genannt, besichtigen. Die Stimmung sinkt im Hotel in Madaba noch: Osama vermutet, daß die Schlucht „Wadi Mujib“ gesperrt sein wird, da die Strömung aufgrund der Regenfälle der letzten Tage stark sein wird. Wir sind auch leicht frustriert über die fehlenden Reiseinformationen, als wir hören, daß man dort eigentlich immer bis über die Knöchel im Wasser steht und die anderen Veranstalter für diese Tour jeweils Neoprenschuhe und Shorts empfehlen.
Beim Auspacken merke ich, daß ich das Gutscheinheft vom Veranstalter, in dem v. a. Die Bahnfahrkarte zurück enthalten ist, in Amman gelassen habe: ich lasse von der Rezeption hier im Hotel anrufen, die haben aber nichts gefunden.
Nach intensiverer Suche finde ich das Museum von Madaba (einige Wegweiser sind mit Werbung überklebt), wo ich der einzige Besucher bin. Ich sehe mir das Mosaik in der Kapelle an und frage den Ticketverkäufer nach dem Alter des Werkes. Daraufhin macht der (45 min vor Schließzeit) seinen Schalter zu und führt mich durch das komplette Museum: er spricht zwar sehr wenig Englisch und ich verstehe kein Arabisch, aber es ist doch ganz interessant

Die Mosaiken sind meist aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Hier bekam ich extra ein Eisengitter aufgeschlossen, daß beim Fotografieren gestört hat .

Die Mosaiken sind meist aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Hier bekam ich extra ein Eisengitter aufgeschlossen, daß beim Fotografieren gestört hat .

Sinnenfrohe Transvestiten in der byzantinischen Kirche ???
Ich getraute mich nicht zu fragen.

Sinnenfrohe Transvestiten in der byzantinischen Kirche ???
Ich getraute mich nicht zu fragen.

Anschließend kaufe ich noch einen Sekundenkleber für einen abgegangenen Magnetverschluß und fühle mich wieder besser, da selbständiger.
Die Andeutung von Osama, daß wir bei ausgefallener Schluchtenwanderung essen gehen könnten, ist bei niemand gut angekommen, und ich schlage beim Abendessen vor, daß wir gemeinsam gegenüber ihm Alternativen benennen. In verschiedenen mitgebrachten Reiseführern suchen wir nach Zielen Richtung Süden. An diesem Abend empfinde ich das bisher stärkste Gemeinschaftsgefühl der Gruppe während sich zugleich verstärkt mentale Differenzen abzeichnen, was schließlich zu zwei Gruppen führt. Wie fast während der ganzen Reise ist der Speisesaal unerwartet leer; in der Bar sind noch etwa 10 andere Gäste; da der Billiardtisch belegt ist spielen wir zu dritt wieder Mau Mau: diesmal gibt Hilde die recht zuverlässige Verliererin .

© Markus Blackmar, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
meine erste Gruppenreise
Details:
Aufbruch: 11.04.2015
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 20.04.2015
Reiseziele: Jordanien
Der Autor
 
Markus Blackmar berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.