Wanderreise in Jordanien

Jordanien-Reisebericht  |  Reisezeit: April 2015  |  von Markus Blackmar

Wadi Rum und Reiseende

in die Wüste

Ruth freut sich anscheinend sehr auf die Wüste: auf dem Weg von Little Petra ist sie bester Stimmung summt vor sich hin und frägt mich nach dem Lied von der „Schwäbschen Eisenbahn“ - von dem ich fälschlicherweise annehme, daß es aus der Augsburger Puppenkiste kommt; mir kommt es vor als wären an diesem Nachmittag unsere beiden Rollen vertauscht, auf dem Weg nach Wadi Rum über viele Serpentinen hole ich mein Schlafdefizit etwas auf.
Am Eingang des Wadi (übersetzt eigentlich: ausgetrockneter Flusslauf) meldet uns Osama im Besucherzentrum an und wir können die Felsen fotografieren.
Das Wüstencamp liegt nahe dem Ort Rum, vorne das Bewirtungszelt, nebenan die Duschen und Toiletten und zwischen zwei Felsen die Gästezelte. Es ist überraschend leer: außer uns sind nur wenige Einzelreisende bzw. noch eine kleinere Gruppe da – ein volles Camp mit über 200 Gästen hätte der Atmosphäre aber vermutlich nicht gut getan. In den Zelten stehen große bzw. mehrere Betten (in meinem sogar drei) und eher rustikale Stühle. Vor dem Abendessen gehen wir zu einem Felsen, die Entfernung ist mangels Anhaltspunkte (am Rande ist nur ein Parcour für Kamelrennen abgesteckt) schwierig abzuschätzen, laut GPS sind es dann 3,5 km einfach. Zum ersten Male sehe ich wirklich, daß ich mit sportlichen Wanderern unterwegs bin: im Sand sinkt man leicht über 10 cm ein und ich muß mich ranhalten, um mitzukommen.

Die sieben Säulen der Weisheit, wie Lawrence von Arabien sie genannt hat.
Der blaue Wüstenhimmel wirkt fast unwirklich.

Die sieben Säulen der Weisheit, wie Lawrence von Arabien sie genannt hat.
Der blaue Wüstenhimmel wirkt fast unwirklich.

die Schlafzelte

die Schlafzelte

(c) C. Hartig
Die Felsen nahe dem Camp bei unserer abendlichen Kurzwanderung

(c) C. Hartig
Die Felsen nahe dem Camp bei unserer abendlichen Kurzwanderung

(c) C. Hartig

(c) C. Hartig

Beginn des Tanzes                                                              (c) C. Hartig

Beginn des Tanzes (c) C. Hartig

Wüstenzeit

Vor dem Abendessen gibt es Musik, während wir im Zelt um das offene Feuer sitzen. Der Musiker ist wie alle, die hier arbeiten Beduine und spielt auf einem traditionellen Instrument. Er stellt sich als Muhammed Ali vor und spielt erstmal ein Lied von Johnny Cash, schwenkt dann aber doch wieder auf Traditionelleres um. Die Kombination mit anschließend aus der Erde (über Kohlen geröstetem) Essen, Musik und Tanz beim Essen und ungleich ausgeprägter Flirtneigung weckt wieder meine melancholische Seite – so daß ich am nächsten Abend der Stimmung etwas ausweiche und später zum Essen komme. Beim Kreistanz der Beduinen, entfernt verwandt dem Sirtaki, werden auch die Gäste einbezogen.
Ich lege mich relativ früh hin und bekomme mit, daß das Camp akkustisch leider weit weniger abgeschirmt ist als optisch: die Straße durch den benachbarten Ort und somit durch die Wüste führt nur wenige hundert Meter am Camp vorbei und der Wind geht vermutlich in unsere Richtung, so hört man fortwährend Lkw, deren Motoren nach Überqueren der Tempobegrenzungsbuckel am Ortsausgang auf Touren gebracht werden; trotzdem falle ich bald in einen unruhigen Schlaf. Normalerweise bin ich ein relativ kontrollierter Mensch, der sich auch beim Schlaf in einem Camp nicht völlig entspannt. Ich werde jedoch durch ein Mißverständnis ausgetrickst: der gedämpfte bellende Husten kommt nicht etwa von Ruth, die im Zelt neben mir ist (und genesen ist), sondern von der frisch erkälteten Jutta ein Zelt weiter; zwei Zeltwände aus dem groben Stoff halten weit weniger Geräusche ab. Demzufolge hört mich Ruth, die auch schlecht schläft, die Nacht über immer wieder im Schlaf bzw. Halbschlaf reden und lachen – originellerweise also gerade die Hauptperson meiner Träume dieser Nacht. Immerhin spreche ich anscheinend nichts Verständliches über sie, sonst hätte sie es kaum am anderen Morgen lachend erzählt (was mich so ja schon etwas überrascht hat).

Jeepsafari

Am Samstag melden sich mit der Morgendämmerung die Singvögel, ca. eine halbe Stunde später dann die Tauben, die ein paar Meter über uns im Fels hausen, was durch die andere Frequenz deutlich störender wirkt: an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Nachdem Petra spätnachmittags kaltes Wasser hatte versuche ich es morgens: es liegt nicht nur daran, wieviele gleichzeitig duschen, sondern auch daran, wie verkalkt die Dusche ist – die Haare wasche ich nach dem Frühstück (der Morgen ist nicht kalt, aber kühl).
Die Jeepsafari ist keine Dünenrally – wie ich Bedenken hatte – sondern dient dazu, ein größeres Gebiet der Wüste kennenzulernen. Viele Hügel sind aus Sandstein, je nach Mischung der Mineralien schimmern die Felsen mehr oder weniger rosa (Cobalt), rot, schwarz, (kann beides durch Eisen geschehen) grün oder sonstwie; in einigen zehntausend Jahren wird der Sandstein vom Wind abgetragen sein, die härteren Steine dementsprechend langsamer. Wadi Rum ist keine sehr trockene Wüste, im Januar fallen 50 l/m² Regen; das Wasser tritt dann teilweise über porösen Sandstein aus (so hat wohl auch Moses seine Quelle im Stein gefunden). Osama zeigt uns mehrere bunte Eidechsen und Vögel und teilweise antike Felszeichnungen, außerdem kommen wir an einigen kleinen Dromedarherden vorbei; ein- bis zweimal pro Stunde sehen wir auch einzelne Menschen durch die Wüste laufen. Ein bekanntes Fotomotiv ist eine „Felsenbrücke“, über die man gehen kann – ich gebe dem Guide meine Kamera. Leider, leider ist mir die Fototasche vorher im Jeep auf den Boden gefallen und dabei die Speicherkarte herausgerutscht, auf dem in der Sonne stark spiegelnden Display registriere ich die Warnmeldung nicht; als ich Osamas Foto betrachten will und es ihm sage meint er, jetzt hätte ich den Vogel abgeschossen .

(c) C. Hartig
Auf den Jeeps hatten wir uns als Sonnenschutz mehr oder weniger traditionell Tücher um den Kopf gebunden - mein Schal war etwas zu kurz.

(c) C. Hartig
Auf den Jeeps hatten wir uns als Sonnenschutz mehr oder weniger traditionell Tücher um den Kopf gebunden - mein Schal war etwas zu kurz.

blonde Schönheit

blonde Schönheit

(c) C. Hartig
Die Leittiere bekommen die Vorderbeine zusammengebunden, damit sie nicht weglaufen - sie sind laut Osama meist recht vernünftig

(c) C. Hartig
Die Leittiere bekommen die Vorderbeine zusammengebunden, damit sie nicht weglaufen - sie sind laut Osama meist recht vernünftig

(c) C. Hartig
...anscheinend hat ihm das Streicheln gefallen

(c) C. Hartig
...anscheinend hat ihm das Streicheln gefallen

(c) C. Hartig
...so eben nur ein Foto auf dem Weg zur Felsenbrücke

(c) C. Hartig
...so eben nur ein Foto auf dem Weg zur Felsenbrücke

(c) C. Hartig
...wo die Sonne schon länger auf den Sand scheint merkt man deutlich den Unterschied

(c) C. Hartig
...wo die Sonne schon länger auf den Sand scheint merkt man deutlich den Unterschied

Bei der Wanderung nachmittags

Bei der Wanderung nachmittags

Patchwork Familie                                                      (c) C. Hartig

Patchwork Familie (c) C. Hartig

frühabendliche Stimmung im Camp                                      (c) C. Hartig

frühabendliche Stimmung im Camp (c) C. Hartig

Die Zelte nochmal abends - zeitweise mein Bilschirmhintergrund

Die Zelte nochmal abends - zeitweise mein Bilschirmhintergrund

...und der Eingang des Camps.

...und der Eingang des Camps.

Nach einer ausgedehnten Siesta machen wir am späten Nachmittag noch eine Wanderung (über weniger tiefen Sand). Wir sehen viele verschiedene Sträucher, u. a. einen, den man als Seife verwenden kann, und weitere beeindruckend geformte Steine und Dünen.
Sonst wundere ich mich über die Leute, die schon zwei Tage vor Urlaubsende vom Rückflug reden, diesmal bin ich in Gedanken auch schon bei der Rückreise – 10 (bzw. eher 9) Tage sind zu kurz, um sich richtig vom Alltag zu lösen.
Nach dem Abendessen wird wieder getanzt und der Tag klingt recht angenehm mit Teetrinken um dem Feuer aus.

zum Abschied von der Wüste nochmal ein Dromedar

zum Abschied von der Wüste nochmal ein Dromedar

Hier, gegenüber vom Toten Meer, soll Lots Frau zur Salzsäule erstarrt sein.

Hier, gegenüber vom Toten Meer, soll Lots Frau zur Salzsäule erstarrt sein.

letzter Urlaubstag

Wir frühstücken recht früh und fahren mit unserem gewohnten Minibus weiter zum Toten Meer. Bei einer Rast in einer Cafè-Laden-Tankstellen-Kombi (viel Kosmetikprodukte) bin ich enttäuscht über Beuteltee, nachdem wir hier bisher so verwöhnt wurden. Zur Straße entlang des Toten Meeres führen staubige Wege von Kaliminen, während wir durch den Rückgang des Wasserspiegels teilweise meterhohe Salzverkrustungen am Seeufer beobachten können.
Das Hotel, dessen Strand wir benutzen, führt in mehreren Ebenen mit Pools zum See hinunter, das Seeufer ist etwa 430 m unter dem Meeresspiegel. Zuletzt hat man festgestellt, daß durch sinkenden Wasserdruck unterirdisch Süßwasser zuströmt, in der Nähe dieser Quellen wachsen auch Algen.
Brust- oder Kraulschwimmen ist hier nicht zu empfehlen, da das Wasser in den Augen brennt und ggf. die Atemwege verätzen würde bzw. bei Verschlucken meist Übelkeit hervorruft. Nach dem Baden bzw. Sitzen im Toten Meer kann man das Salz auf der Haut zu einer Kruste trockenen lassen und sich dann mit Schlamm, der in großen Schalen bereitsteht, einreiben. Wenn der Schlamm auf der Haut trocknet hat man das Gefühl, in einem Panzer zu stecken – gerade an den Armen sieht man solange sehr unvorteilhaft aus. Während wir zuerst fast alleine sind kommen schließlich zwei Dutzend Gäste hinzu, darunter viele Deutsche. Die stark wärmende Sonne und der starke Sonnenbrand einiger Weniger lässt mich sehr vorsichtig sein, aber angesichts der Luft hier, die weniger UV-Strahlung durchlässt, muß man wohl schon richtig dumm sein, um sowas abzubekommen.
In Amman findet in einem feinen Lokal das Abschiedsessen statt, in dem Osama, wie er sagt, nur zu besonderen Anlässen diniert. Zwei große Tische werden vollgestellt mit Vorspeisen, viele davon mit cremiger Konsistenz – man reisst dann jeweils eine Ecke vom (Fladen)Brot ab und tunkt sie in das jeweilige Schälchen bzw. lädt sich mit der Gabel etwas aufs Brot. Anschließend gibt es Spieße und Lammfleisch und zum Nachtisch kunstvoll geschnittenes Obst; daß Essen ist tatsächlich sehr gut und wir sind mehr als satt.

Wir kommen wieder in unser erstes Hotel (ich erfahre, daß mein Gutscheinheft im Buch war, das ich zu meiner neuen Kamera gekauft hatte), aber die Stimmung ist natürlich sehr verschieden, deutlich auf Abreise ausgerichtet, auch Osama verabschiedet sich jetzt; wir haben auch weniger schöne Zimmer wie bei unserer Ankunft - was am letzten Tag wohl relativ normal ist. Immerhin sind die irakischen Feuerwehrleute noch da, aber wir spielen keine Karten mehr. Es war mir aber auch ein Bedürfnis, mich mal noch mit der „anderen Hälfte“ unserer Gruppe auszutauschen: wie zu vermuten war haben sie die Reisebeschreibung völlig anders gelesen wie die drei Vielwanderer und haben der Kategorisierung (anspruchsvolle Wanderungen) keine Beachtung geschenkt, demzufolge beurteilen sie die Reise v. a. auch mit Vergleichen zu den üblichen (Kultur-) Reisen, auch bedingt durch die für sie unglücklichen Umstände sehen sie viel mehr auch die Mängel des Reiseleiters. Wieder mal erkenne ich, wieviel Humor jemand mehr oder weniger sympathisch macht (vielleicht nicht nur der Humor, sondern auch eine etwas andere Lebenseinstellung, die humorvollere Menschen meist haben) – während gerade jemand mit einer weniger flexiblen Einstellung schnell lieber ein offenes Gespräch abwürgt und den Verdacht ausspricht, etwas vorgeschrieben bekommen zu sollen (mehr im Fazit). Kurz spreche ich noch Petra und Claus und gehe dann ins Bett, angesichts der Frühstückszeit um 6.30 h schlafe ich sogar relativ gut.

Abreise

Es ist zwar eigentlich ein guter Service, daß der Veranstalter uns die Bordkarten schon besorgt hat, aber dadurch hat man auf die Sitzordnung kaum noch Einfluss, wir beschäftigen uns auf dem Rückflug vorwiegend mit Lesen bzw. Musik.
Ich denke, die Antwort auf meine Abschiedsfrage an Ruth im Flughafen hilft mir zumindest etwas in meinem dauernden Bemühen, Frauen allmählich mal besser zu verstehen bzw. einzuschätzen .

© Markus Blackmar, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
meine erste Gruppenreise
Details:
Aufbruch: 11.04.2015
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 20.04.2015
Reiseziele: Jordanien
Der Autor
 
Markus Blackmar berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.