Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien

Laos-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2004 - Januar 2005  |  von Ralf Knochner

laos - land der schmetterlinge: vangvieng, vientiane: vom regen in die traufe

blick von der - leider ungemuetlichen - terrasse

blick von der - leider ungemuetlichen - terrasse

regen, regen, regen ...... so blieb mir vang vieng in erinnerung. dabei ist die landschaft dort wirklich schoen und abwechslungsreich. der rest allerdings ..... darueber wuerde ich gerne den mantel des schweigens decken, aber das ist ja hier ein reisebericht. es wurde auch schon in anderen beitraegen einiges von vang vieng berichtet, selten positives und leider kann auch ich nicht viel erquicklicheres beisteuern.
nach lektuere des reisefuehrers hatte ich mir das dorf natuerlich mal wieder anders, wesentlich huebscher, vorgestellt. das ist nun mal die aufgabe von reisefuehrern ...... alles ein wenig positiver darstellen als es in wirklichkeit ist ..... sonst wuerde ja keiner hinfahren. aber vang vieng liegt auf der einzigen verbindungsstrasse von nord nach sued, da kommt man also eh vorbei. fuer eine pause ist es schon in ordnung und wenn es natuerlich nicht regnet (ich war ja nun mal zur regenzeit unterwegs, da ist regen wohl auch keine ueberraschung), ist die erkundung der umgebung sehr wahrscheinlich eine sehr schoene sache.

die hauptstrasse - ein bild des grauens

die hauptstrasse - ein bild des grauens

es ist nicht die schuld der laoten, eher der touristen, aber wie auch immer ..... es ist zum fuerchten. die ganze, nicht geteerte und mit pfuetzen geflasterte strasse, ein billiges restaurant am naechsten. jedes lokal voellig identisch mit einem oder mehreren fernsehern an zentraler stelle. die filme kann man sich, wenn man zur rechten zeit kommt, aussuchen oder es laeuft gleich ein serie wie "friends" den ganzen tag. da sitzt man dann, draussen regnet es, der verkehr knattert und aechzt vorbei, aus den nachbarlokalen hoert man den ton und es wird in allen ecken gegessen oder sich unterhalten. und nein, drogen gibt es hier nicht. da muss ich allen berichten widersprechen. ich habe nie, nie, absolut gar nie, irgendjemanden hier rauchen gesehn. und es gibt auch keine israelis, ne, keinen einzigen. die strassen waren uebrigens mit gold gepflastert und die zimmer waren umsonst. und falls ich das noch nicht erwaehnt haben sollten ..... drogen gab es keine.

ok, die zimmer waren billig und gut. der nebeneffekt war leider, das ich immer irgendwie das gefuehl hatte ich muesse mein zimmer in diesem ort besonders gut absperren. trotzdem waren die unterkuenfte eine enttaeuschung, denn die waren nicht wie vermutet am fluss entlang mit schoenen terrassen, sondern irgendwo kreuz und quer im ort verteilt, manche gross und ohne jegliche atmosphaere, andere klein, aber mit demselben nachteil. die unterkuenfte, die tatsaechlich am fluss waren, waren fuer mich leider zu teuer.

die ungeschoente wahrheit ueber die stromleitung in armen laendern

die ungeschoente wahrheit ueber die stromleitung in armen laendern

an einem tag klarte es nach regenschauern in der frueh doch noch auf und ich machte eine kajaktour, um der eintoenigkeit und tristess zu entkommen:

in einem alten pickup geht es zum startplatz, 20 km den fluss hinauf. schon beim aussteigen wird mir klar, dass das fuer mich kein rundweg lustiger tag werden wird. mit dabei sind dana (die ich schon aus thailand kenne, aber auch in laos staendig wiedertreffe), ein israelisches paerchen, ein muskelbepackter kanadier, eine amerikanerin, die drei fuehrer und doof & doof, zwei junge israelische bubeles, die staendig versuchen sich gegenseitig mit kindischem verhalten zu uebertreffen (auf sie wirke ich vermutlich wie ein griesgraemiger alter sack). nach der ein wenig kindlichen einweisung geht es los, ich alleine, weil ich ja zumindest vorher mal ein kajak gesehen habe leider entsprechen diese kajaks nicht im mindesten dem, was ich mir so erhofft hatte. es gibt keine rueckenstuetze, was auf dauer unglaublich schmerzhaft wird und was die stabilitaet betrifft, kann ich nur annehmen das die erbauer auf der jungfernfahrt ersoffen sind, die erben das ding aber noch an entwicklungs- und schwellenlaender verkaufen konnten. wir halten bei der sogenannten elefantenhoehle, das bruchstueckhaft vorhandene englisch des hauptfuehrers verhindert wirkliches verstaendnis. die hauptattraktion ist aber sowieso der angekettete affe, der auf den kuehen kunststuecke vollfuehrt. essen gibt es auch und auch gar kein so schlechtes. weiter geht es zur wasserhoehle, die sich als hoehepunkt des tages erweist. auf einem aufgepumpten lkw-reifen sitzend ziehen wir uns an einem seil entlang in die hoehle. der eingang ist so klein, das wir teilweise untertauchen muessen (der wasserstand ist in der regenzeit auch viel hoeher als sonst). innen geht es im stockdunkeln (nur der fuehrer hat eine kerze angemacht) an einem anderen seil durch die hoehle bis wir schliesslich vom reifen in das brusthohe wasser huepfen. jetzt bekommt jeder eine kerze, wir waten, schwimmen und schliesslich kriechen wir im schlamm durch enge hoehlengaenge voran. hinaus geht es aehnlich wie hinein und spass hat das wohl jedem gemacht.

der rueckweg zu den booten fuehrt ueber einige zaeune. ueberquert werden diese mit holzstufen, aehnlich den weidezaeunen im bayrischen gebirge. und wie soll es anders sein, eine stufe bricht unter meinem gewicht zusammen. im fallen und in panik greife ich nach dem erstbesten haltversprechenden gegenstand. das ist leider der stacheldrahtzaun. natuerlich uralt und verrostet, aber durchaus noch spitz und deshalb "ein wenig" schmerzhaft. das gute an diesem schmerz ist, dass ich den anderen schmerz vergesse. ich staune nicht schlecht, als die bootsfuehrer tatsaechlich ein paeckchen pflaster rausholen. die amerikanerin hat sogar ein wenig jodtinktur dabei, ich freue mich ueber meine tetanusspritze und sogar doof & doof sind fuer einen augenblick still.
der rest der fahrt verlaeuft schon fast harmonisch, wenn die rueckenschmerzen nicht waeren und der fluss weniger wasser fuehren wuerde. obwohl ich weiss, dass wasser gefaehrlich ist, nehme ich es trotzdem immer wieder auf die leichte schulter. ich halte mich fuer einen guten schwimmer, aber glaubt mir das .... das nuetzt euch in reissendem wasser einen feuchten dreck. in einer biegung passe ich nicht auf und treibe in die naehe des flussufers, wo die buesche und entwurzelten baeume lauern. zong .... voll dagegen, wasser schlucken, brille fast verlieren und ueber den boden schleifen. endlich kann ich mich an einem der baeume festhalten. der hauptfuehrer schlaegt sich bis zu mir durch und ich beginne zu begreifen, was fuer ein glueck ich habe, dass sich ueberhaupt jemand um mich kuemmert. die anderen boote sind auch in schwierigkeiten, die restlichen fuehrer aber ueberfordert und ich weiss aus erzaehlungen, dass es hier jedes jahr ein paar tote touristen gibt. manche sollen diese fahrt sogar antreten ohne ueberhaupt schwimmen zu koennen. mit grossen schwierigkeiten lande ich wieder im boot und treibe in ruhigere gefilde.
wir machen einen zwischenstop am sprungturm, aber nach einem unruehmlichen erlebnis mit einem solchen sprung in der tuerkei (ich verlor beim eintauchen meinen gleichgewichtssein und bin deswegen statt richtung oberflaeche nach unten geschwommen) verzichte ich auf diese freuden. die fahrt endet an einer art sauf- und grillplatz. es gibt bier und grillfleisch zu kaufen und von einem riesigen baum haengt eine schaukel ueber den fluss. nach einer pause, mittlerweile hat es zu regnen begonnen, lassen wir uns bis zur ausstiegsstelle treiben und traben von dort aus durchnaesst bis zu unseren zimmern.
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am ende der kajaktour - leider regnete es schon wieder

am ende der kajaktour - leider regnete es schon wieder

den urspruenglichen plan mit einem kajak von hier aus nach vientiene zu fahren gab ich nach diesem erlebnis auf. selbst wenn das wetter besser gewesen waere, bei diesen kajaks haette ich mir schon eine wiederholung dieser fahrt gut ueberlegt. deshalb nahm ich bald darauf den bus nach vientiane.

vientiane kann ich eigentlich ganz kurz abhandeln:

die meisten billigeren zimmer sahen grausam aus und waren doch schon verhaeltnismaessig teuer. da ich nur eine nacht blieb, war das nicht sooo tragisch, aber auch schade, denn das zimmer praegt auch ein wenig den eindruck von einem ort. aussser am mekong selber fand ich die hauptstadt nicht besonders reizvoll und leider kam auch mein geplanter ausflug zum buddhapark nicht zustande. na gut, wenigstens war das internet mal billig. wie toll mir vientiane gefallen hat, sieht man daran, dass ich insgesamt sage und schreibe 4 fotos (alle am mekong) gemacht habe. dort habe ich abends ganz dekadent mal einen gegrillten fisch gegessen und den sonnenuntergang beobachtet. das war der schoenste sonnenuntergang, den ich seit zwei monaten gesehen habe. immerhin. als ich am ende des zweiten tages den nachtbus nach pakse bestieg, hoffte ich doch stark auf besserung .... und siehe da,
ich wurde erhoert.

seufz - leider ein seltener anblick zu dieser jahreszeit

seufz - leider ein seltener anblick zu dieser jahreszeit

es begab sich .... in vang vieng und vientiane

service (-gedanken)
es regnete. auf der suche nach einem zimmer wurde mir angeboten mir doch auch ein paar bungalows kurz hinter vang vieng anzuschauen. ich sollte mein gepaeck gleich mitnehmen. der anlageneigene kleinbus fuhr mich raus. es war etwa 2 km entfernt vom zentrum und recht bald wurde mir klar, dass ich dort nicht bleiben wollte. die anlage war zur haelfte noch eine baustelle und die billigeren zimmer waren auch nicht so dolle. der hauptgrund nicht dort zu bleiben war aber die ueberlegung fuer jeden furz die 2 km in das dorf gehen zu muessen ..... und das bei dem dauerregen. das sagte ich dem fahrer und manager, worauf er meinte, dass ich dann aber den weg zurueck alleine gehen muesse! nach kurzer diskussion ueberzeugte ich ihn mit der - sehr sehr freundlich ausgesprochenen - androhung koerperlicher gewalt. ich hasse es mit solchen drohungen arbeiten zu muessen und ich wuerde sie auch nicht umsetzen, aber wenn ich sie ausspreche, dann muss das schon ernst rueberkommen .... dann hilfts. bei dem wetter, nach mehrstuendiger fahrt und der leichten enttaeuschung ueber den ort, habe ich es einfach nicht mehr geschafft, meine normalerweise gute laune und meine engelsgleiche geduld zu erhalten. ich kann halt auch nicht immer ein netter mensch bleiben und mal unter uns ..... das ist auch ab und an ganz gut so.

falscher geiz
normalerweise wasche ich meine waesche ja selbst, aber manchmal hab ich einfach keinen bock dazu - ausserdem schafft das arbeit im land. ich ging also durch den ort und suchte das guenstigste angebot. die unterschiede koennen betraechtlich sein und abgerechnet wird immer per kilo. eigentlich ein gutes system ..... wenn es denn funkioniert. die suche war erfolgreich, der preis gut und ich gab mein kleines paeckchen zum wiegen aus der hand. fast eineinhalb kilo ... waaaaas, das sind doch hoechstens 500 gramm. als ich mir die waage angesehen habe, war mir schnell klar, dass eine genaue anzeige nicht zu erwarten war. es war eben keine kuechenwaage, sondern eine eisenwaage. so, jetzt mach mal jemandem klar, dass das nicht fair ist, wenn derjenige kein wort englisch spricht und freundlich treuherzig guckt. was lernt man daraus? die waage ist wichtiger als der preis )

der plausch am fruehen morgen (vang vieng)

der plausch am fruehen morgen (vang vieng)

stadt der vergeblichen versuche
ich haette ja gerne mehr gemacht in vientiane, aber ich bin an prinzipien gescheitert ... meinen und denen der laoten.
zuerst versuchte ich mir einen roller zu mieten. da ich wusste, dass ich am abend schon weiterfahren wuerde, wollte ich den roller nur fuer ein paar stunden oder einen halben tag mieten. war nicht zu machen, entweder 24 stunden oder gar nicht. nach einem denkwuerdigen telefonat mit dem besitzer eines rollers und mehreren erfolglosen versuchen den vermietern die vorteile einer kundenorientierten vermietpraxis naeherzubringen gab ich auf. ich will halt aus prinzip nicht fuer 24 stunden zahlen, wenn ich nur 4 stunden nutzen will.
na gut, dann eben keinen roller ...... seh ich mir halt einen film an. dem schild vor dem lokal zufolge konnte man dort dvd's schauen. der fernseher stand im ersten stock, das abspielgeraet und die dvd's daneben. film schauen konnte ich trotzdem nicht, denn laut kellner wird erst am abend um acht ein film gezeigt. da bin ich nur "leider" nicht mehr da. auch mein angebot essen und trinken zu bestellen, konnte ihn nicht umstimmen. gut dann eben nicht.
danach zu fuss richtung mekong. wenn schon sonst nichts klappt, dann wenigstens mal ein nobles essen in einem der guten franzoesisch angehauchten restaurants. leider haben die lokale dort erst so gegen acht uhr abends geoeffnet, also dann, wenn mein bus geht. mmmmmhhh, es gibt tage, da geht einfach nicht viel so wie mal will. dadurch lernt man dann sich wieder ueber die kleinen dinge zu freuen, die klappen.

ein versoehnlicher anblick oder?

ein versoehnlicher anblick oder?

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Indien, die "Mutter" aller Laender, ist vorbei, aber Thailand, Laos und Kambodscha warten noch... Das Motorrad habe ich nicht mehr, aber solange ich noch ueber mich selbst lachen kann, fehlt es mir an nichts :))
Details:
Aufbruch: 19.07.2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 29.01.2005
Reiseziele: Laos
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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