Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien

Laos-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2004 - Januar 2005  |  von Ralf Knochner

laos - land der schmetterlinge: pakse: wo es weder fuchs noch hase gibt

heiss, heiss, heiss - so unterschiedlich kann es in diesem land sein. in vang vieng fast im regen ersoffen und hier diese affenhitze. na gut - besser als regen. aber irgendwie auch sehr gemuetlich, ruhig, fast verschlafen.
ich wanderte die strassen ab um eine passable unterkunft zu finden, sah mir einige an und war nicht zufrieden. entweder ein winziges kaemmerchen zu einem hohen preis oder voellig alleine, beides nicht wirklich gut. ich warf noch einen blick in meinen fuehrer und entdeckte das sabayde 2 (oder so?). dort angekommen war ich angenehm ueberrascht. super zimmer fuer einen guten preis und die leute machten einen sehr sehr netten eindruck und auch einen sehr professionellen - das ist selten. es gab viele gaeste aus vielen landen, einen rollerverleih (sogar eine rabattstaffelung - ein laotisches wunder - war moeglich), essen und einen fernseher fuer alle, auf dem auffaellig oft die deutsche welle lief. haaaach, warum nicht immer so? ich wollte unbedingt einen roller fuer mehrere tage nehmen, wollte aber auch gerne jemanden mitnehmen. mein "opfer" wurde marina aus belgien. nach einer gemeinsamen probefahrt (sie bestand darauf, weil sie sehen wollte, ob ich auch ordentlich fahre), genossen wir noch ein abendessen auf einem der schwimmenden restaurants am mekong und wieder wurde mir schmerzlich bewusst, wie viele culinarische unterschiede in nur 5 km luftlinie verborgen sein koennen. drueben thailand, wo es schwerfaellt nicht staendig zu essen und hier laos, wo es schwerfaellt nicht staendig zu weinen. soviel zu den wohltaten des sozialismus. nicht das das essen total grausam waere, aber man merkt - eigentlich in jedem aktuell oder ehemals sozialistischen land - das die gerichte allesamt ein art notgerichte sind. es gibt halt nicht viel, vor allem kaum abwechslung und daraus versuchen die menschen eben das beste zu machen. andererseits, bevor jetzt zuhause die brust schwillt, ist die westliche kueche ja schon wirklich ekelhaft dekadent. unter brust und filet macht es doch bei uns schon keine hausfrau mehr. na ja, jedenfalls:

das pferd aehhh der scooter gesattelt, marina hinten drauf, geht es in aller fruehe richtung attepeu (gesprochen: atpoe), ein ort im laotischen hinter- und hochland. wir haben eine kleine karte dabei, auf der die hauptstrassen verzeichnet sind und ein paar der nebenstrassen mit sehenswuerdigkeiten. die strasse ist fast leer, leicht zu finden .... es geht gut und schnell voran. auf den besuch des ersten wasserfalls verzichte ich - der weg steht unter wasser und ich kann mir nicht vorstellen, dass der eindruck ueberwaeltigend sein wird. fuer eine belgierin ist so was natuerlich trotzdem pflicht:

marina aus belgien im abenteuerurlaub

marina aus belgien im abenteuerurlaub

wir kommen in einen kleinen ort, wie ueblich eigentlich nur entlang der strasse gezogen und entdecken am ende desselben eine ca. 8 m breiten, unasphaltierten weg. da muss die strecke durch den dschungel beginnen. nichts wie hinein. die strasse ist wirklich schlecht und hat viele loecher. ich will aber trotzdem nicht schleichen, bin ja schliesslich erffffffffffffffff ... fuck, ein platter. wir beide sind wohl zuviel fuer den scooter. ob das an meinem gewicht liegen mag? waaaaaas ...... ich bin nicht fett .....hoechstens ein weeenig vollschlank (danke obelix)!
wir beginnen den roller zurueckzuschieben, sind ja "nur" 5 km in praller sonne. zum glueck kommt bald darauf ein laster mit leerer ladeflaeche und zum glueck sind wir weithin sichtbar auslaender ..... ich kann mir nicht vorstellen, dass der auch fuer seine brueder und schwestern stehengeblieben waere. wir wuchten unter gemeinsamem fluchen den roller auf die ladeflaeche und schaukeln zurueck in den ort. dort laesst uns der gute mensch direkt vor einer reparaturwerkstatt runter. genial. waehrend das rad zu einem absolut fairen preis geflickt wird, setzen wir uns noch zu einem kleinen snack hin. es gibt ... wie fast immer, weil wir alles andere nicht erklaeren koennen: foe, eine art nudelsuppe mit allem drin was sonst uebrig bleibt. der hunger und die gewuerze am tisch treibens in den magen.
die fahrt beginnt von neuem, diesmal ein wenig vorsichtiger. ueberall an der breiten strasse gibt es benzin aus faessern gepumpt zu kaufen und ab und an kommt ein kleines dorf in greifweite. es ist frueher nachmittag und wir gutgelaunt. den naechsten wasserfall koennen wir nicht finden, fragen kann man auch keinen, also fahren wir die strasse weiter. nach ueber zwei stunden wird der weg langsam ein wenig schmaeler und ich nehme mir vor bei naechster gelegenheit zu tanken. der weg wird schmaeler und schmaeler, tankstellen sehe ich nicht mehr. mittlerweile sind wir bei einer strassenbreite von ca. 2 m angelangt und ich beginne mich zu fragen, ob wir uns vielleicht verfahren haben. es gab zwar sogut wie keine abzweigungen und der karte nach geht es immer geradeaus, aber moeglich waers. ich wuerde gerne jemanden fragen, aber dieses land ist wirklich duenn besiedelt, kein aas da.
wir fahren weiter, mittlerweile ist es schon kurz vor fuenf. das benzin wird langsam knapp und wir sind schon ueber 60 km auf diesem dschungelpfad. gegen sechs wird es dunkel und wir sind immer noch am arsch der welt. wir machen halt und versuchen uns gegenseitig ein wenig aufzuheitern.

fluss am rastplatz auf der dschungelfahrt

fluss am rastplatz auf der dschungelfahrt

die landschaft ist ja schoen, aber ein wenig sorgen mache ich mir schon, dass es dunkel wird, uns das benzin ausgeht und wir hier irgendwo unter den baeumen schlafen muessen. unsere outdoorsachen haben wir beide im gaestehaus zurueckgelassen, es gibt also im notfall kein moskitonetz oder einen schlafsack. ich male mir aus wie ich in ein paar wochen gefunden werde: ein skelett, bei dem die moskitos noch das knochenmark rausgesaugt haben - formerly known as "ralf". endlich, eine kleine behausung und sogar ein mensch. tja, leider spricht er kein wort englisch und wir kein wort laotisch. attepeu, attepeu ..... keine reaktion .....attepeu ....... ahhhh, da lang. gut, gut, aber wie lange noch? oh, jaaaa, mmmmhhh, oh hehe ......ja, gut das wir uns unterhalten haben. ohne neue nachrichten machen wir uns auf den weg. wann immer wir an einer huette vorbeikommen, mache ich gedanklich einen punkt auf die karte und merke mir den kilometerstand .... damit ich weiss wie lange ich zuruecklaufen muss .... fuer den fall der faelle. die letzten sonnenstrahlen erhellen den tag, der tank koennte schon lange lehr sein und wir fahren in ein dorf ein. die einwohner, insbesondere die kinder, laufen zusammen und wir fangen wieder mit haenden und fuessen an zu fragen. attepeu, attepeu und gas, benzin, petrol ...... ahhh, 4 km von hier. das ist ja komisch. wenn leute nicht wissen was sie sagen sollen, dann sagen sie meiner erfahrung nach 5 km oder 10 kilometer, aber 4 km .... das muss man ja fast ernstnehmen. und gepriesen sein sie, diese dorfbewohner, denn sie haben recht. nach exakt 4 km kommt die kreuzung zur aspaltierten strasse und auch eine tankstelle. ueber 80 km sind wir durch den dschungel gefahren.
nach dem tanken erleichtern wir blase und gedanken und fahren so schnell wie moeglich nach attepeu. mittlerweile ist es dunkel und die strasse nicht immer geteert. der wind reisst mir einen plastikbeutel vom gepaecktraeger, aber da war eh nur eine plastikflasche drin .... dachte ich. leider nicht, es war auch mein in indien erstandener "kamellederhut" drin. na ja, hoffentlich steht er dem finder besser als mir - das duerfte nicht schwer sein.
es faengt an zu regnen, prima. macht ja nichts, dafuer ist es stockdunkel (ihr dachtet doch nicht es gaebe hier so was wie eine strassenbeleuchtung?). wir kommen um halb neun in attepeu an, voellig durchnaesst, muede und mit der positiven gewissheit, das wir unseren enkeln was zu erzaehlen haben.

die gaestehaeuser am tad lo wasserfall

die gaestehaeuser am tad lo wasserfall

attepeu erwies sich leider als eine typisch laotische stadt. es gab ein paar alte kolonialbauten, einen markt, einen fluss, viel gruen drum rum und ansonsten oednis. vielleicht lag es auch an dem grauen wetter, aber ich fragte mich wirklich was andere touristen an orten wie diesen machen? lag es an mir, war ich reisemuede (ja !!!!) oder waren die anderen alle in gruppen unterwegs und haben unabhaengig vom ort mehr spass? was machen eigentlich die einwohner dieser staedte? gucken ob jemand guckt?
ich war mir mit marina recht bald einig aufzubrechen. wir machten uns auf den weg nach tad lo, einem wasserfall mit gaestehaeusern. der weg dorthin wuerde voraussichlich an die fuenf bis sechs stunden dauern und fuehrte uns durch das kaffee-hochland von laos. die strasse war fast durchgehend geteert, aber es gab nur sehr wenig bis gar keinen verkehr. wir fuhren durch etliche doerfer, vorbei an vielen schulen, kleinen kuechen, aber hauptsaechlich baeumen. zu essen gab es ..... na? foe natuerlich.
laos ist ein sehr gruenes und ein sehr armes land. nicht so arm wie indien, aber das liegt vermutlich nur daran, dass dort mehr menschen leben. strom ist auf dem land eine seltenheit und ich konnte mir gut vorstellen, dass es jeden tag genau das gleiche zu essen gibt wie tags davor. abgesehen von den vielen netten und freundlichen begegnungen, machten viele menschen einen etwas apathischen eindruck. die armut indiens ist anders. dort findet man oft noch in der unvorstellbarsten armut ein fuenkchen hoffnung. dieses fuenkchen sah ich hier nicht und das bedrueckte mich ein wenig. ich glaube das wort "trist" passt hier sehr gut.

fischer am tad lo wasserfall

fischer am tad lo wasserfall

tad lo war eine schoene ueberraschung. die zimmer gut, die veranda prima, die lokale hatten richtiges essen und es erklang franzoesische cafehausmusik. eine oase in der wueste. daneben gleich die wasserfaelle - eigentlich eher stromschnellen, die zwar nicht gigantisch, aber doch recht interessant sind. wir blieben eine nacht und so schoen die gegend war, die feindseligkeit der umgebung entging mir nicht. die doerfer, die nicht weit von den unterkuenften entfernt waren, wollte ich, die blicke der einwohner brannten auf der haut, nicht wirklich besuchen. schade, aber vielleicht auch verstaendlich, wenn man das gefuehl hat, vom kuchen nichts abzubekommen und nur staffage im "abenteuerlichen" leben anderer zu sein. vielleicht habe ich mich auch getaeuscht - probiert es selber mal aus?!

die rueckfahrt nach pakse verlief problemlos bis auf die ueblichen probleme .... fffffffff. diesmal musste ich nur 2 km schieben, dann kamen wir in einen ort, an dem es eine honda-vertragswerkstatt gab .... hehe .... spaessle gmacht. aber es ging echt flott und ich konnte wieder staunen, mit welch vorsintflutlichen mitteln man doch viele dinge ganz prima hinkriegt. handeln mussten wir hier nie, die leute waren freundlich und fair, aber zurueckhaltend.

der reifenflicker am werk. von gummi verstand er was - siehe t-shirt.

der reifenflicker am werk. von gummi verstand er was - siehe t-shirt.

die restliche zeit in pakse verbrachte ich mit den zu schreibenden berichten. wieder fand ich dafuer unterschlupf in einem eigentlich nicht dafuer vorgesehenen ort - einem fotogeschaeft. es gab einen computer und einen verhandlungsbereiten besitzer, das reicht ja schon. die internetcafes vor ort waren recht teuer und machten keinen unterschied zwischen online und offline. ich raechte mich indem ich das zufaellig erspaehte masterpassword nutzte und so kostenlos surfte.
mit ein paar deutschen gaesten ging ich zum barbecue und spielte karten. es tat schon gut mal wieder deutsch zu reden und wirklich das ausdruecken zu koennen, was man sagen will. irgendwo in der stadt war auch eine gute sauna und der besitzer des gaestehauses lieh mir sogar seinen roller, damit ich dahin fahren konnte. es war klasse, aber ausnahmsweise war es mir nicht recht von allen nur angestarrt zu werden. vielleicht waren das schon wieder zeichen der reisemuedigkeit, vielleicht war es aber auch ein hinweis auf das staerker werdende gefuehl krank zu sein und meine ruhe haben zu wollen. das gefuehl wurde auch tage spaeter nicht besser, aber trotzdem nahm ich das boot in den sueden - nach don kong.

mein vielleicht bestes bild aus laos

mein vielleicht bestes bild aus laos

es begab sich ..... in pakse, attepeu und tad lo

wie man das reisebudget ausschoepft
man mache folgendes: man gehe einfach in ein gaestehaus in laos und habe gottvertrauen in die ehrlichkeit der menschen. man lasse beim weggehen - ausnahmsweise - den rucksack unverschlossen und das geld darin. die tuer hat man, um den schwierigkeitsgrad zu erhoehen, abgeschlossen. probiert das mal aus, die wahrscheinlichkeit, dass das klappt ist recht hoch.
das war der wirkliche tiefschlag der zeit in laos. ich hatte indien und thailand ueberstanden ohne jemals beraubt oder bestohlen zu werden und war in einem gaestehaus in dem ich mich wirklich wohl fuehlte. das sabayde 2 war klasse und der besitzer schon fast aristokratisch. ich ging nur abends mal zum essen und bin fuer fuenf minuten auf das zimmer um geld zu holen. beim rausgehen dachte ich noch daran den rucksack zu verschliessen - welch ironie der geschichte. ich verschloss ihn nicht, weil ich mir sagte hier koenne ich doch wirklich mal vertrauen haben und diese paranoia ablegen. gesagt, getan, gestohlen. ich hatte mein geld noch am tag gezaehlt, weil ich am naechsten tag tauschen wollte, wusste also ganz genau wie viel drin war. als ich wiederkam, wollte ich das geld fuer das umtauschen vorbereiten und da fiel es mir auf. nein, nicht das ganze geld war weg, sondern ein paar dollar, ein paar euros und ein paar baht. so, das man es vielleicht nicht gleich merkt und sich spaeter, wenn man es dann gemerkt hat, nicht sicher sein kann wo es passiert ist. insgesamt fehlten umgerechnet 120 euro.
es war schon spaet und die meisten schliefen schon als ich nach dem besitzer fragte. der schlief auch schon, aber sein franzoesischer freund war noch wach. er versprach sich darum zu kuemmern. am naechsten tag wurden die zimmer der angestellten unauffaellig durchsucht, aber leider nichts gefunden. das besitzerehepaar war natuerlich sehr aufgeregt, das war "das erste mal" und sie hatten da auch einen verdacht, aber wenn man nichts finde ......

tja, seit diesem vorfall gibt es dort einen safe und alle nachschluessel werden im zimmer des besitzers verwahrt. immerhin konnte ich nach zaehen verhandlungen einen 20prozentigen nachlass auf alles aushandeln.
bei dieser gelegenheit eine warnung: in laos wird geklaut wie wahnsinnig. ich habe wirklich viele leute getroffen, denen was geklaut wurde, also bitte hoechste vorsicht.

der englischspezialist
in attepeu angkommen nahmen wir das erstbeste zimmer. es hatte sogar klimaanlage und einen fernseher. offensichtlich waren wir aber nicht die einzigen, die das zu schaetzen wussten. als wir die tuer zur dusche kurz aufmachten, machten wir sie auch gleich wieder gaaaanz vorsichtig zu. die anwesenden kakerlaken fuehlten sich beim skatspielen gestoert und schauten grimmig. wer laesst sich schon gern beim kartenspielen stoeren oder nassmachen. dafuer hatten wir verstaendnis. was solls, warmes wasser gab es eh nicht und wir waren ja schliesslich noch nass von der fahrt.
darum flugs in das angegliederte lokal. wir waren die einzigen gaeste und hatten das gesamte personal fuer uns. die speisekarte war voll mit leckeren sachen, die es aber offenkundig nicht gab - oder es verstand uns mal wieder keiner.
eine frau - sie sprach drei brocken englisch - machte einen erhellenden gesichtsausdruck und deutete ins dunkel: english master coming. die angestellten gackerten aufgeregt durch den raum, legten aber keine eier. nach zehn minuten der auftritt des mit spannung erwarteten superstars ....... ein achtjaehriger junge, der - mit einem zugegebenermassen intelligenten gesichtsausdruck - seinen namen sagen konnte und auch noch yes/no beherrschte. immerhin zog er uns in die kueche und wir deuteten einfach auf das gewuenschte im rohzustand. das essen war uebrigens dann doch ganz ok. yes .... sir.

videokultur
in laos gibt es musikvideos .... echt! haette ich vorher nicht gedacht, aber nachdem das in thailand ja boomt. das beste musikvideo in laos habe ich auf dem weg von tad lo nach pakse gesehen, als gerade unser platter reifen repariert wurde. in dem video ging es offensichtlich um die tragischen folgen der alkoholsucht. vorgetragen wurde das bewegende liedchen von einer jungen frau. selbst ohne kenntnisse der laotischen sprache war der sinn zu erfassen, aber insbesondere die melodie war - neben der dramaturgischen leistung der schauspieler - der schlichte wahnsinn. aus bayerns tiefem sueden kommend empfange ich ja den sender orf1. da lief in meiner fruehen jugend die verkehrswachtsendung "helmi". das war ein weisses wesen unbestimmtes geschlechts mit rotem motorradhelm. der refrain war immer irgendwas mit "helmi ist da, helmi ist da". genauso war diese melodie in laos. anruehrend einfach oder einfach anruehrend. seitdem ueberlege ich mir wieder mit dem trinken anzufangen.

das maerchen von der gluecklichen armut
erzaehlt wurde mir das maerchen diesmal von einem jungen israelischen paerchen.
hier in laos waere alles noch so urspruenglich und die menschen noch so unverdorben (ich dachte: wenn noch mehr leute wie wir kommen, wird sich das ganz schnell aendern). hier koennten sie sich vorstellen zu leben, das einfache leben ohne stress (ich dachte: joints rauchen und die eltern schicken das geld). der ganze konsum in der westlichen welt kotzt sie nur noch an, hier gibt es das nicht (ich dachte: ihr lebt und koennt reisen weil andere fuer euch das bett gemacht haben und hier haetten sie gerne nur halb soviel wie ihr habt, kriegen es aber nicht). die menschen hier haben nicht viel, aber sie sind gluecklich (ich dachte: die menschen sind scheinbar gluecklich, aber nicht weil sie sowenig haben, sondern hoechstens trotzdem).

das ist ja eines meiner lieblingsthemen: die maer von der gluecklichen armut. als ob armut gluecklich machen wuerde. so was hoert man nur leute sagen, die selber nicht arm sind. die gleichen leute glauben wahrscheinlich auch, dass reichtum gluecklich macht. obwohl, das koennen sie gar nicht glauben, denn dann muessten sie ja selbst gluecklich sein und das stimmt nicht. oder sie reden sich ein, geld wuerde nicht gluecklich machen, weil es ihnen dann leichter faellt den vermoegenden nachbarn nicht zu erschlagen.
die armen menschen, die uns gluecklich erscheinen, wuerden zu einem hohen prozentsatz gerne mit uns tauschen, aber ich bezweifle, dass einer von uns wirklich tauschen moechte. arme menschen haben natuerlich auch glueckliche momente, aber die sorgenvollen momente duerften im tagesablauf doch dominieren. arme menschen wirken vielleicht zufrieden, weil sie wissen, dass sich in und an ihrem leben nichts mehr aendern wird - das macht sie zu fatalisten. was kinder betrifft, ja, die sind bis zu einem gewissen alter wirklich eine ausnahme. kinder koennen mit unglaublich wenig unglaublich viel spass haben. das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man mal ein deutsches kinderzimmer sieht. aber spaetestens wenn diese armen kinder alt genug sind um zu arbeiten (mit vier oder fuenf jahren) oder ihren koerper zu verkaufen (ab sechs jahren), dann hoert der spass auch fuer sie auf. und wenn sie erst alt genug sind um zu verstehen, dass ihre zukunft nicht die ist, die sie im fernsehen sehen, dann resignieren die meisten.
glueckliche armut ..... was fuer ein schwachsinn ..... erfunden von leuten die vermutlich damit ihr gewissen beruhigen und sich nicht schlecht fuehlen muessen, weil sie - wie wir alle - auf kosten dieser leute hier billig einkaufen.
aber eigentlich beneide ich diese leute ja .... ich wuenschte ich wuerde mich auch mal besser fuehlen, was wuerde ich dafuer geben ...... leider gelingt es mir nicht.

endlich ein produkt mit zusatznutzen

endlich ein produkt mit zusatznutzen

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Indien, die "Mutter" aller Laender, ist vorbei, aber Thailand, Laos und Kambodscha warten noch... Das Motorrad habe ich nicht mehr, aber solange ich noch ueber mich selbst lachen kann, fehlt es mir an nichts :))
Details:
Aufbruch: 19.07.2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 29.01.2005
Reiseziele: Laos
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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