Moon, Malheur & Minidoka

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai / Juni 2016  |  von Ulrich Mattheus

River of No Return

River of No Return
Die historische Expedition von Lewis und Clark fand heraus, dass der Salmon River nach Westen fliesst. Die Expeditionsteilnehmer stellten aber bald fest, dass der Fluss in seinem mittleren Lauf wegen vieler Stromschnellen praktisch nicht schiffbar war. Diese Tatsache gab ihm bald den Namen "River of No Return". Der gleichnamige Spielfilm mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum greift lediglich den Namen des Flusses auf - die Geschichte ist frei erfunden, aber dennoch sehenswert. Hier am F>uss der Sawtooth Mountains entspringt der Fluss und ist hier ein kleines Rinnsal. Erst viel später wird er zum Scheusal...

River of No Return
Die historische Expedition von Lewis und Clark fand heraus, dass der Salmon River nach Westen fliesst. Die Expeditionsteilnehmer stellten aber bald fest, dass der Fluss in seinem mittleren Lauf wegen vieler Stromschnellen praktisch nicht schiffbar war. Diese Tatsache gab ihm bald den Namen "River of No Return". Der gleichnamige Spielfilm mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum greift lediglich den Namen des Flusses auf - die Geschichte ist frei erfunden, aber dennoch sehenswert. Hier am F>uss der Sawtooth Mountains entspringt der Fluss und ist hier ein kleines Rinnsal. Erst viel später wird er zum Scheusal...

Der Salmon River entspringt im Tal der Sawtooth Mountains. Er ist der grösste Zufluss des Snake River. Er fliesst 680km durch das zentrale Idaho, entwässert mehr als 36000 Quadratkilometer und hat ein Gesamtgefälle von 2300 Metern. Er wird auch „River of No Return“ genannt, weil die Lewis & Clark Expedition von 1805 den Fluss wegen seiner Stromschnellen und zerklüfteten Canyons als unpassierbar einstufte. Nachdem 1954 der Film „River of No Return“ mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum veröffentlicht wurde, wurde das Gebiet ein populäres Urlaubsziel.

Bergkette der Sehnsüchte
Geht's noch malerischer? Die Kette der Sawtooth Mountains throhnt hoch über dem Tal des Salmon River, der auch als "River of no return" bekannt wurde.

Bergkette der Sehnsüchte
Geht's noch malerischer? Die Kette der Sawtooth Mountains throhnt hoch über dem Tal des Salmon River, der auch als "River of no return" bekannt wurde.

Der Königslachs (Chinook), die grösste der drei in Idaho vorkommenden Lachsarten, hat hier seine Kinderstube, bevor er die lange Reise bis in den Pazifik antritt. Nach drei bis vier Jahren kommen die erwachsenen Tiere hierher zurück, um abzulaichen und zu sterben. Mit gut 1500 Kilometern zwischen dem Sawtooth Valley und dem Pazifik gehört die Reise der Königslachse zu den längsten Tierwanderungen in Nordamerika. Früher produzierte das Tal 45 Prozent der Königslachse im gesamten Einzugsgebiet des Columbia River.
Der Redfish Lake in 1996m Meereshöhe wurde nach den brillianten Farben der laichenden Fische benannt. Der heute bedrohte Blaurückenlachs kam einst in Tausenden und Abertausenden zu den Seen im Sawtooth Valley um zu laichen. Davon sind heute nur noch jämmerliche Reste vorhanden.

Wo ist der See?
Über dem Redfish Lake in den Sawtooth Mountains in Idaho lag am frühen Morgen ein Nebelfeld, das sich später lichtete. Dennoch fand ich das Motiv reizvoll...

Wo ist der See?
Über dem Redfish Lake in den Sawtooth Mountains in Idaho lag am frühen Morgen ein Nebelfeld, das sich später lichtete. Dennoch fand ich das Motiv reizvoll...

An einem sonnigen Morgen fuhren wir von Ketchum über einen Pass ins Quellgebiet des Salmon River. Hoch über dessen Tal thront die beeindruckende Kette der Sawtooth Mountains und unter den Bergen, in einem Seitental, liegt der Redfish Lake, dessen Namensgeber leider nicht mehr so häufig anzutreffen sind. Unser Plan für den Tag war eine Wanderung am Redfish Lake. Auf dem Pass war die Strasse leicht überfroren und als wir am Redfish Lake ankamen, froren wir auch. Da half nur noch Bewegung, um den Körper zu wärmen. Vom Parkplatz aus führte der Pfad durch ein sonnenbeschienenes Birkenwäldchen steil bergan und sehr bald verschwand jegliche Aussicht, weil wir durch dichten Nadelwald laufen mussten. Eine gute Stunde stetigen Bergauflaufens wärmte uns gut durch und als in höheren Regionen der Wald stellenweise lichter wurde und die Sonne durchkam, konnte ich sogar die Jacke ausziehen, behielt aber die Handschuhe sicherheitshalber an.

Frühlingsfrische
Als wir in der Sawtooth Wilderness wanderten, lag in mittleren und hohen Lagen noch reichlich Schnee. Der einsame See war wohl gerade aufgetaut und sobald eine Wolke vor die Sonne zog, wurde es empfindlich kalt.

Frühlingsfrische
Als wir in der Sawtooth Wilderness wanderten, lag in mittleren und hohen Lagen noch reichlich Schnee. Der einsame See war wohl gerade aufgetaut und sobald eine Wolke vor die Sonne zog, wurde es empfindlich kalt.

Bench Lakes
Die Bench Lakes sind eine Gruppe von 5 hochalpinen Seen, die sich in einer Höhe von 2362m bis 2632m befinden und untereinander durch einen Bachlauf verbunden sind. Zum Ende des Winters (Ende Mai) liegt noch reichlich Schnee selbst um die tieferliegenden Seen. Nichsdestotrotz fanden wir ein trockenes Plätzchen für ein Outdoorpicknick in der Einsamkeit der Rocky Mountains.

Bench Lakes
Die Bench Lakes sind eine Gruppe von 5 hochalpinen Seen, die sich in einer Höhe von 2362m bis 2632m befinden und untereinander durch einen Bachlauf verbunden sind. Zum Ende des Winters (Ende Mai) liegt noch reichlich Schnee selbst um die tieferliegenden Seen. Nichsdestotrotz fanden wir ein trockenes Plätzchen für ein Outdoorpicknick in der Einsamkeit der Rocky Mountains.

Hoch über dem Redfish Lake schien die Sonne, aber unter uns versperrte ein Nebelfeld den Blick auf den See. Eine Abzweigung stellte uns vor die Entscheidung, ob wir eine kleine Stichwanderung zu den Bench Lakes machen sollten. Die Bench Lakes liegen 400 bis 700 Meter über dem Niveau des Redfish Lake. Wir vermuteten, dass wir wegen des in höheren Lagen noch liegenden Schnees nicht sehr weit kommen würden, aber da wir genügend Zeit hatten, nahmen wir gerne einen kleinen Umweg in Kauf. Nach kaum einer halben Stunde mussten wir auch schon das erste Schneefeld überqueren. Der unterste der Bench Lakes war für uns gerade noch erreichbar, dann wurde das Gelände doch zu unwegsam. Da vor uns keiner hier gelaufen war, konnten wir auch den Pfad über den Schnee nicht weiter verfolgen. Anstrengend wurde auch das Laufen im Schnee. Einige Schneefelder waren hart wie Fels und man konnte bequem darauf laufen, bei anderen hielt die vereiste Kruste unseren Gewichten nicht stand und brach ein. So erreichten wir mit Ach und Krach den ersten See, suchten uns ein trockenes, sonniges Plätzchen für ein spätes Frühstück und machten uns auf den Weg zurück auf unsere ursprüngliche Route.

Redfish Lake hat seinen Namen von den Millionen und Abermillionen roten Lachsen (Oncorhynchus nerka), die in vergangener Zeit zum Laichen in den See kamen. Heute werden nur noch wenige Fische gesehen und Angler müssen Rotlachse sofort wieder in den See werfen, um die Art hier nicht noch mehr zu schädigen. Der Seespiegel liegt auf 1996m Meereshöhe und vom Wanderweg um den See herum hat man immer wieder spektakuläre Aussichten über See und Berge.

Redfish Lake hat seinen Namen von den Millionen und Abermillionen roten Lachsen (Oncorhynchus nerka), die in vergangener Zeit zum Laichen in den See kamen. Heute werden nur noch wenige Fische gesehen und Angler müssen Rotlachse sofort wieder in den See werfen, um die Art hier nicht noch mehr zu schädigen. Der Seespiegel liegt auf 1996m Meereshöhe und vom Wanderweg um den See herum hat man immer wieder spektakuläre Aussichten über See und Berge.

Thompson Peak ist mit 3277m der höchste Berg der Sawtooth-Kette in Idaho. Er erinnerte mich ein wenig an die Dolomiten. Von den Bench Lakes aus gesehen wirkt er sehr mächtig. Immerhin müsste man von den Seen aus nochmal fast 1000 Höhenmeter bis zu seinem Gipfel hinter sich bringen.

Thompson Peak ist mit 3277m der höchste Berg der Sawtooth-Kette in Idaho. Er erinnerte mich ein wenig an die Dolomiten. Von den Bench Lakes aus gesehen wirkt er sehr mächtig. Immerhin müsste man von den Seen aus nochmal fast 1000 Höhenmeter bis zu seinem Gipfel hinter sich bringen.

Gezackte Gipfel
Jetzt weiss ich, woher die Sawtooth Mountains ihren Namen bekommen haben. Die Gipfel sehen nicht nur aus der Ferne gezackt aus, sondern auch noch, wenn man ihnen näher kommt.

Gezackte Gipfel
Jetzt weiss ich, woher die Sawtooth Mountains ihren Namen bekommen haben. Die Gipfel sehen nicht nur aus der Ferne gezackt aus, sondern auch noch, wenn man ihnen näher kommt.

Auf dem Höhenrücken zwischen Bench Lakes und dem Redfish Lake wurden wir - rückwirkend gesehen - für den mühseligen Umweg belohnt: in der Zwischenzeit hatte sich die Nebelbank über dem Redfish Lake aufgelöst. Glasklar lagen See und umliegende Berge vor uns. Die anstrengenden Höhenmeter hatten sich gelohnt. Auf langgezogenen, sonnigen Serpentinen ging es zum Südende des Sees hinab. Unterwegs beobachteten wir 3 junge Maultierhirsche, die von jungem Holz naschten. Oder beobachteten sie uns, die wir vom Müsliriegel naschten? Wer weiss das schon? Eine Mehrheitsentscheidung wäre 3:2. Dort unten am Südende des Redfish Lake gibt es eine Bootsanlegestelle. Wanderfaule können sich also direkt hierher bringen lassen. Da aber ausser uns keine Menschenseele dort war, liessen wir uns gemütlich auf dem Bootssteg nieder und picknickten in der Sonne. Da unsere Füsse heissgelaufen waren, bot sich das kalte Wasser zur Erholung an. Ich zog die Schuhe aus und hielt meine Füsse in Wasser - allerdings keine drei Sekunden lang. Das Wasser war eiskalt! Wen wundert's? Heute Morgen gab es schliesslich noch Frost und auch wenn es um die Mittagszeit angenehme Temperaturen gab, ist und bleibt der See hochalpin. Meinen Reisegenossen schreckte das nicht. Er zog sich aus und schwamm eine kurze Runde.

Mule Deer
3 junge Maultierhirsche im Fellwechsel sehen wir auf der Wanderung um den Redfish Lake in Idaho. Vielleicht sind es auch mehr. Wenn sie in lichtem Gestrüpp stehen, sind sie kaum auszumachen, wenn sie sich nicht bewegen...

Mule Deer
3 junge Maultierhirsche im Fellwechsel sehen wir auf der Wanderung um den Redfish Lake in Idaho. Vielleicht sind es auch mehr. Wenn sie in lichtem Gestrüpp stehen, sind sie kaum auszumachen, wenn sie sich nicht bewegen...

Der Grand Mogul, mit 2967m nur knapp 5m höher als die deutsche Zugspitze, wacht in der Sawtooth Wilderness über das Südende des Redfish Lake, den wir auf einer langen Tagestour einmal umrundeten. Der Rundweg ist etwa 30km lang und startet am Nordufer des Sees.

Der Grand Mogul, mit 2967m nur knapp 5m höher als die deutsche Zugspitze, wacht in der Sawtooth Wilderness über das Südende des Redfish Lake, den wir auf einer langen Tagestour einmal umrundeten. Der Rundweg ist etwa 30km lang und startet am Nordufer des Sees.

Die Hälfte war geschafft und da es weder ein Boot noch eine Abkürzung zurück gab, beschlossen wir, den See komplett zu umrunden. Die Anstrengung wäre ohnehin in beide Richtungen gleich gewesen. Wir mussten auf der Südostseite des Sees wieder Höhen erklimmen, die nahe an die Höhen der vorher besuchten Bench Lakes heranreichten. So überwanden wir im Lauf des Tages so etwa 1200 Höhenmeter. Einige Wochen zuvor machten wir auf Hawai'i eine knapp über 20km lange Wanderung am Kilauea und nannten sie hinterher unseren "death march", da die Wanderung über dampfende, zerklüftete Lavafelder führte. Unsere heutige Wanderung mit diesem enormen Höhenunterschied und einer zurückgelegten Entfernung von 32km hätte auch einen eigenen Namen verdient, aber wir hatten unser vokabularisches Pulver schon verschossen und es fiel uns nichts besseres ein als "death march number two".

Sawtooth Mountains
Sägezahn-Berge. Eine treffendere Bezeichnung für die 70km lange Bergkette in Idaho gibt es wohl nicht.

Sawtooth Mountains
Sägezahn-Berge. Eine treffendere Bezeichnung für die 70km lange Bergkette in Idaho gibt es wohl nicht.

© Ulrich Mattheus, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diese Reise führte uns von den Grand Tetons in Wyoming durch Idaho und Oregon. Wir besuchten Mesa Falls, Craters of the Moon National Monument, die Sawtooth Mountains, das wenig bekannte Konzentrationslager Minidoka, Shoshone Falls und Boise. Das Malheur National Wildlife Refuge erkundeten wir wie die John Day Fossil Beds und wanderten gegen Ende der Reise durch den grössten Vulkankrater der Cascades.
Details:
Aufbruch: 23.05.2016
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 04.06.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (1/1):
Blula 1556971208000
Lieber U­LI,­
Du hast recht, schon allein der Titel zu diesem Rei­se­bericht macht neu­gier­ig. Mir ging es je­den­falls so. Moon, Malheur & Mi­ni­do­ka ? Was er­war­tet mich hier, wofür stehen diese Worte, diese Namen ? Also habe ich mich doch gleich drüber­ge­macht. Das wollte ich alles wissen, von Dir aus erster Hand. Da ich ja in­zwischen einige Berich­te von Dir kenne, wusste ich von vor­nhe­rein, dass ich auch hier wieder voll auf meine Kosten kommen würde, aus­ser­dem handelt es sich ja um die For­tset­zung zu den zwei vorigen Berich­ten, die Du hier in diesem Forum bereits verö­ffent­licht has­t.
Sicher ist die Lektüre nicht immer ganz ein­fach, aber muss sie das denn sein? Ich will ja was erleben auf solch einer vir­tuel­len Reise, z.B. noch un­be­kan­nte Lan­dschaften und be­ein­drucken­de Na­tur­schauspi­e­le sehen und.... einfach auch was da­zu­ler­nen, ja, und genau da ist man bei Dir immer rich­tig. Ich gehöre nicht zu den kom­plett a­ben­teu­er­lichen Na­tu­ren, aber Dir bin ich hier lesen­der­wei­se wie­der­mal mit wach­sen­der Be­geis­te­rung ge­folgt, so un­weg­sam das Gelände auch oft war
Kur­zer Rede langer Sinn... ich habe auch von diesem Bericht wieder viel pro­fi­tiert. Die aus­sa­gek­räfti­gen Fo­tog­ra­fien, die Du ihm bei­gefügt hast, taten noch ein Übri­ges.
"Dan­ke für's Mit­neh­men" kann ich auch diesmal nur wieder sagen.
Du hättest ein Ka­mera­team dabei haben sollen, denn dieser Bericht ist in allen Teilen fil­mreif. Viel­leicht tust Du's ja beim nächsten Mal, träume nicht nur davon, sondern "mach's noch einmal" und ... viel­leicht sogar tats­ächlich noch ein wenig länger. Ja, warte nicht zu lang da­mit.
LG Ursula