Moon, Malheur & Minidoka

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai / Juni 2016  |  von Ulrich Mattheus

Little Joe Monahan

Im 19. Jahrhundert waren Teile dieses Gebiets Rückzugsgebiet für Menschen, die sich eine eigene Existenz abseits des Mainstreams aufbauen wollten. So siedelten sich viele Familien in der Nähe der wenigen vorhandenen Süsswasserquellen an und bauten sich Farmen und Ranches auf. So auch Joe Monahan. Er lebte fast 4 Jahrzehnte im Owyhee County und züchtete Rinder und Pferde, die er von Zeit zu Zeit auf die lokalen Märkte trieb und verkaufte. Im Spätherbst 1903, als Joe Monahan 53 Jahre alt war, erkrankte er und suchte Zuflucht bei seinen Freunden Barney und Kate Malloy, die genau an der Grenze zwischen Oregon und Idaho lebten und zusammen mit ihren Kindern Joe Monahan ab und zu als Gast auf ihrer Farm hatten. In den ersten Tagen des Jahres 1904 verschlimmerte sich seine Krankheit zusehends und in der Nacht des 5. Januar starb er im Kreise seiner Freunde.

Frühling in der Halbwüste
Der Südosten Oregons ist ausgesprochen trocken. Im Frühling blüht es da und dort, aber das Land wirkt jetzt schon recht ausgetrocknet. Im Sommer möchte ich lieber nicht hier sein...

Frühling in der Halbwüste
Der Südosten Oregons ist ausgesprochen trocken. Im Frühling blüht es da und dort, aber das Land wirkt jetzt schon recht ausgetrocknet. Im Sommer möchte ich lieber nicht hier sein...

Viele Menschen starben damals recht früh wegen des harten Lebens, das sie führten und weil medizinische Hilfe nicht um die nächste Ecke zu haben war. Die Besonderheit der Geschichte Joe Monahans fing jedoch erst mit seinem Tod an. Als die Nachbarn und Freunde ihn für seine Beerdigung vorbereiteten, entdeckten sie unter der Männerkleidung einen weiblichen Körper! Verstört und irritiert zogen sie den nächsten Pfarrer hinzu. Auf der Beerdigung wurde kein Wort gesprochen, keine Bibelstelle vorgelesen, kein Kirchenlied gesungen, kein Gebet gesprochen. Später schrieb ein Bekannter Joe Monahans in einer Zeitung: „Little Joe tat niemandem etwas zuleide. Soweit wir wissen, führte sie ein reines, unbeflecktes Leben, obwohl sie als Mann verkleidet war. Wer weiss, warum sie es getan hat. Vielleicht wären andere in dieser Situation zu Vagabunden, Trunkenbolden oder Kriminellen geworden. So lasst uns denn beten, dass die Seele von Little Joe am Himmelstor so gnädig aufgenommen wurde wie wir es für unsere eigenen Seelen wünschen würden.“
Die Geschichte von Little Joe Monahan habe ich aus dem Buch „Re-Dressing America’s Frontier Past“, von Peter Boag, erschienen 2011 in der University of California Press.

© Ulrich Mattheus, 2019
Du bist hier : Startseite Die Amerikas USA USA-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Diese Reise führte uns von den Grand Tetons in Wyoming durch Idaho und Oregon. Wir besuchten Mesa Falls, Craters of the Moon National Monument, die Sawtooth Mountains, das wenig bekannte Konzentrationslager Minidoka, Shoshone Falls und Boise. Das Malheur National Wildlife Refuge erkundeten wir wie die John Day Fossil Beds und wanderten gegen Ende der Reise durch den grössten Vulkankrater der Cascades.
Details:
Aufbruch: 23.05.2016
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 04.06.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (1/1):
Blula 1556971208000
Lieber U­LI,­
Du hast recht, schon allein der Titel zu diesem Rei­se­bericht macht neu­gier­ig. Mir ging es je­den­falls so. Moon, Malheur & Mi­ni­do­ka ? Was er­war­tet mich hier, wofür stehen diese Worte, diese Namen ? Also habe ich mich doch gleich drüber­ge­macht. Das wollte ich alles wissen, von Dir aus erster Hand. Da ich ja in­zwischen einige Berich­te von Dir kenne, wusste ich von vor­nhe­rein, dass ich auch hier wieder voll auf meine Kosten kommen würde, aus­ser­dem handelt es sich ja um die For­tset­zung zu den zwei vorigen Berich­ten, die Du hier in diesem Forum bereits verö­ffent­licht has­t.
Sicher ist die Lektüre nicht immer ganz ein­fach, aber muss sie das denn sein? Ich will ja was erleben auf solch einer vir­tuel­len Reise, z.B. noch un­be­kan­nte Lan­dschaften und be­ein­drucken­de Na­tur­schauspi­e­le sehen und.... einfach auch was da­zu­ler­nen, ja, und genau da ist man bei Dir immer rich­tig. Ich gehöre nicht zu den kom­plett a­ben­teu­er­lichen Na­tu­ren, aber Dir bin ich hier lesen­der­wei­se wie­der­mal mit wach­sen­der Be­geis­te­rung ge­folgt, so un­weg­sam das Gelände auch oft war
Kur­zer Rede langer Sinn... ich habe auch von diesem Bericht wieder viel pro­fi­tiert. Die aus­sa­gek­räfti­gen Fo­tog­ra­fien, die Du ihm bei­gefügt hast, taten noch ein Übri­ges.
"Dan­ke für's Mit­neh­men" kann ich auch diesmal nur wieder sagen.
Du hättest ein Ka­mera­team dabei haben sollen, denn dieser Bericht ist in allen Teilen fil­mreif. Viel­leicht tust Du's ja beim nächsten Mal, träume nicht nur davon, sondern "mach's noch einmal" und ... viel­leicht sogar tats­ächlich noch ein wenig länger. Ja, warte nicht zu lang da­mit.
LG Ursula