ein paar Tage am Niederrhein

Deutschland-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2018  |  von Herbert S.

Kunst und Archäologie reizten uns - Grund genug sich in die Römerzeit zu begeben und dabei das Mittelalter nicht zu vergessen.

Xanten

Nur 70 m hoch ist der in der vorletzten Eiszeit entstandene Fürstenberg unweit des heutigen Xanten, aber er gewährt eine vorzügliche Fernsicht auf das niederrheinische Land. Mit sicherem Blick erkannten die Römer diese strategische Bedeutung, die einst noch durch die Mündung der Lippe in den Rhein verstärkt wurde. Zur Abwehr der Germaneneinfälle errichteten sie auf dieser Höhe um 15 v. Chr. ein Legionslager, das sie castra vetera nannten. Das Lager wurde zunächst in einer Erde-Holz-Konstruktion erbaut, um 50 n. Chr. in Stein. 4-5 m war die Mauer hoch und 1,5-2 m dick. Zusätzlichen Schutz boten zwei vorgelagerte tiefe Gräben. Das Lager entsprach dem üblichen römischen Schema. Im Bataver-Aufstand 70 n. Chr. wurde es zerstört.
Im Schutz des Legionslagers stand die Zivilsiedlung der Cugerner. Kaiser Trajan gab ihr Anfang des 2. Jh. die Stadtrechte und seinen Namen colonia ulpia traiana. Angelegt war sie wie die meisten römischen Städte: auf dem Reißbrett entworfen, mit einem Netz annähernd rechtwinklig verlaufender Straßen, umgeben von einer hohen Mauer mit Türmen. Im Unterschied zu Köln und Trier wurde die mittelalterliche Stadt Xanten später nicht auf ihren Fundamenten erbaut.


Der Besuch des archäologischen Parks auf dem Areal der Colonia Ulpia Traiana 'kostet' Stunden, der Eintritt ist mit 9 Euro hoch aber angemessen.
Man darf überall fotografieren - aber bereits auf der Eintrittskarte wird jedwede Veröffentlichung untersagt - es sei denn man wird autorisiert. Daher kann ich leider von den zahlreichen Dokumentationsfotos hier keine zeigen. Mir ist völlig unklar warum hier keine Bilder veröffentlicht werden sollen, bringen sie doch ggf. weitere Besucher in dieses lohneneswerte Ziel.

Man sieht Bäder, Wohnräume, Erläuterungen zu Bauweisen und man gewinnt in einem aufwändig als Glas-Stahlbau neuerbauten Museum über den Thermenbereichsausgrabungen Eindrücke der Bäderlandschaft.
Archäologischer Park Xanten [/f]


Colonia Ulpia Traiana (in der Blütezeit mit mehr als 10000 Einwohnern) teilte den wirtschaftlichen Niedergang vieler Römerstädte der Spätantike und begann zu veröden. Bereits im 4. Jh. wurde ein Teil ihrer Bauten eingerissen. Der Niederrhein ist steinarm. Die verlassenen Gebäude waren als Steinbruch sehr willkommen. Kein Wunder, daß heute kaum mehr als die Fundamente übriggeblieben sind, mit einer Ausnahme, dem Amphitheater, soweit es von Erde bedeckt war.
Einstmals war in der Römerstadt die Legio Victrix stationiert. Wie ein Nachhall auf sie wirkt der Heldenname Siegfried, den das Nibelungenlied mit Xanten in Verbindung bringt. Später bauten die ersten Christen auf dem Friedhof der Römerstraße eine Kapelle über dem Doppelgrab zweier gewaltsam getöteter Männer, in denen sie Märtyrer sahen. Der Märtyrerkult begründete den Aufstieg der mittelalterlichen Stadt. Ad Sanctos - Zu den Heiligen -, in ihrem Schutz die eigenen Toten zu bergen, war schon der Wunsch der Franken. Die günstige Lage der Stadt am Rhein kam dem Handel zugute. Als der Strom sich um 1535 ein neues Bett suchte, begann der wirtschaftliche Niedergang. Kriege und Besatzungszeit taten ein übriges. Xanten wurde ein Landstädtchen

1228 erhielt Xanten einen Tag nach Rees durch den Kölner Erzbischof Heinrich I. von Molenmark Stadtrechte. Dazu gehörte auch die Pflicht, den Ort künftig ordentlich zu befestigen.
Die älteste Befestigung bestand aus einer Holzpalisade und einem Graben. Sie wurde im 14. Jh. mehrfach zerstört und wieder neu errichtet.
Zwischen 1392 und 1500 erfolgte der Bau einer rund 8 m hohen Stadtmauer aus Ziegeln. Sie hatte vier Haupttore sowie 18 Rundtürme sowie mehrere Kleintore.
Im Dreißigjährigen Krieg schleiften die hessischen Belagerer 1641 die Stadtmauer. Die Tore und Türme blieben bestehen und wurden zu Gartenhäusern umfunktioiiuert.
Um 1820 baute man auch die Staattore ab und verkaufte die Steine. Nur das monumentale Klever Tor blieb erhalten, weil es zu jener Zeit als Gefängnis diente.

Klever Tor

Klever Tor

Klever Tor - Stadtaußenseite

Klever Tor - Stadtaußenseite

Die Kriemhildmühle ist eine historische Windmühle in Xanten und die einzige Mühle des Niederrheins, welche täglich betrieben wird.
Erbaut wurde die sie als Teil der Xantener Stadtbefestigung in Form eines Wach- und Wehrturms (als sogenannte Bärwindmühle) am Ende des 14. Jahrhunderts.

dass Xanten eine Kleinstradt ist, erkennt man an der Tatsache, dass eine Gruppenskluptur mitten auf der Straße steht, wie die Wasserstellen wohl früher einmal Dorf- und 'Tratsch'-Treffpunkte waren.

dass Xanten eine Kleinstradt ist, erkennt man an der Tatsache, dass eine Gruppenskluptur mitten auf der Straße steht, wie die Wasserstellen wohl früher einmal Dorf- und 'Tratsch'-Treffpunkte waren.

Mauerturm am Westwall

Mauerturm am Westwall

Dom und Stiftsimmunität
Zu Beginn der 2. Hälfte des 8. Jh. wurde der erste Dom erbaut und das Stift gegründet. Namenspatron ist der hl. Viktor, der Ende des 3. Jh. wegen seines christlichen Glaubens den Märtyrertod erlitten hatte.

Der Immunitätsbezirk von Dom und Stift wurde im 10. Jh. an drei Seiten mit einer Palisade und einem davor gelegenen Graben befestigt. Im Osten begrenzte ein Altrheinarm den Bereich.
Im 14. Jh. wurde die Palisade durch eine massive Mauer ersetzt und der Graben verbreitert. Mauerfundamente finden sich noch in einigen Kellern der Umgebung.
Der Stiftsbezirk mit Umwehrung und Bischofssitz, im Mittelalter
Im Westen der Immunität entstand ebenfalls im 10. Jh. der Wohnsitz des Bischofs. 1389 begann der Ausbau zu einer 25 m hohen, rechteckigen Burg mit über 2 m starken Mauern.

Namenspatron des Doms ist der hl. Viktor. Er erlitt Ende des 3. Jh. zusammen mit anderen Soldaten der thebäischen Legion auf Grund seines christlichen Glaubens den Märtyrertod.
1263 begann man mit dem Bau des gotischen Doms, der bis in das 16. Jh. andauerte. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau 1966 vollendet.

Wie auch am Dom hatte der WK II auch am Kreuzgang starke Schäden hinterlassen. Wiederaufgebaut zeigt er heute die Form, dioe er um 1550 erhielt.

Die kleine Innenstadt bietet einige architektonische Besonderheiten.

Gotisches Haus - hier sind die Kreuzstockfenster nicht gemauert

Gotisches Haus - hier sind die Kreuzstockfenster nicht gemauert

das Rathaus

das Rathaus

Rathausrückseite mit Turm

Rathausrückseite mit Turm

ev. Kirche

ev. Kirche

historische Stufengibel-Haus mit Kreuzstockfenstern.

historische Stufengibel-Haus mit Kreuzstockfenstern.

© Herbert S., 2018
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 12.06.2018
Dauer: 4 Tage
Heimkehr: 15.06.2018
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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