"Unsere" Route des Grandes Alpes

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: September / Oktober 2019  |  von Inge Waehlisch Soltau

Barcelonette

Unsere nächste Station war Barcelonette, die auf 1135 m Höhe gelegene Stadt mit typisch südfranzösischem Charakter.
Barcelonette und der Nachbarort Jausiers liegen im Tal der Ubaye, und nur entlang dieses Flusses und über Pässe gelangt man in diese Städte
Der Platz Manuel umgeben von Häusern mit bunten Fassaden befindet sich im Zentrum der Stadt. Der Glockenturm Cardinals aus dem 15. Jahrhundert überragt den Platz mit Cafés und Restaurants. Von da aus gehen die vielen Gassen mit kleinen Geschäften in alle Richtungen.
Barcelonette wurde im Jahr 1231 gegründet und war vor allem im späten 15. Jahrhundert umstritten zwischen den Grafen von Savoyen und denjenigen der Provence. Über Jahrhunderte war diese Gegend Zankapfel der Mächtigen, allein zwischen 1388 und 1718 wechselte die Herrschaft siebzehnmal.
Das Tal war im 17. und 18. Jahrhundert besiedelt von einer Landbevölkerung, die Schafe hielt, Wolle spann und Tuche und Kammgarnstoffe herstellte.

Glockenturm Cardinals

Glockenturm Cardinals

Die Umgebng von Barcelonette

Die Umgebng von Barcelonette

Place Valle de Brave

Place Valle de Brave

Hôtel de Ville

Hôtel de Ville

Barcelonette ist bekannt für die historischen Villen, die in der Zeit von 1880 bis 1930 errichtet wurden von Leuten dieses Ortes, die zuvor in Mexiko vor allem durch Textilhandel und später durch Brauereien und Versicherungsgeschäfte zu Reichtum gekommen waren. Heute wird die Zahl der Nachkommen dieser Auswanderer im Ubayetal auf ca. 50.000 geschätzt.
Nach Rückker der Auswanderer in ihre Heimat wurden pompöse Villen mit parkähnlichen Grundstücken und von Alleebäumen gesäumten Zufahrten gebaut.
Teilweise gleichen die Villen kleinen Schlössern mit Türmchen, Erkeranlagen, ausladenden Veranden und Doppeltreppen zum Eingang.
Die meisten Villen sind gut versteckt hinter meterhohen Hecken und Mauern, so dass man sie nur von weitem etwas sehen kann.
Jedes Jahr im August findet 2 Wochen lang das latein-mexikanische Fest statt mit Konzerten und Paraden.
In der Villa La Sapinièe - der Bau dauerte Jahrzehnte - sind ein Museum und das Haus des Regionalen Naturparks Mercantour untergebracht. Bei unserem Besuch war das Gebäude wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Villa Mexicaine

Villa Mexicaine

Schöner Blumenschmuck im Ort

Schöner Blumenschmuck im Ort

Das gebuchte Hotel "Azteca",befindet sich in einer ehemaligen Villa. Wir erhielten ein geräumiges Zimmer mit Balkon und Blick auf die Berge. Das reichhaltige Frühstück konnte man in zwei dafür eingerichteten Zimmern im Erdgeschoss einnehmen.
Es gibt eine grosse Gartenterrasse mit Tischen, Stühlen und sogar Liegen.
Gratis Parkplätze und überdeckte Plätze für Fahrräder sind genügend vorhanden.
Nach unserer Ankunft erkundigten wir erstmal den Ort und nahmen am Manuel Platz einen Drink.
Als wir wieder ins Hotel zurückkamen, kam die Managerin auf uns zu "Madame, Madame, können Sie helfen?" Was war passiert?" Im Hotel übernachtete auch eine Radfahrergruppe aus Deutschland. Einer der Teilnehmer fühlte sich nicht wohl und machte sich allein auf den Rückwweg von einer Tour. Dabei war er schwer gestürzt und hatte sich eine tiefe blutende Fleischwunde am Arm zugezogen. Man wollte ihn zum Arzt bringen, aber konnte sich mit ihm nicht verständigen, da er weder französisch noch englisch sprach, und im Hotel sprach niemand deutsch.
Man telefonierte dann mit einem Arzt und nach dem alle persönlichen und Versicherungsfragen geklärt waren, ging jemand vom Hotel mit dem Mann zum Arzt - nur ein paar Gehminuten entfernt.
Madame war so froh über die Hilfe, dass sie uns ein Glas Weisswein spendierte, welchen wir auf der sonnigen Terrasse genossen.
Es war mir unverständlich, dass man den Mann allein zurückfahren liess, jemand von der Gruppe hötte ihn begleiten sollen.
Am Abend war die Gruppe zufällig im gleichen Restaurant wie wir, und der Verletzte bedankte sich nochmals überschwänglich bei mir für die "Übersetzungs"-Hilfe. Aber die Ferien waren für ihn natürlich vorbei.

Hotel "Azteca"

Hotel "Azteca"

Der Blick vom Hotel

Der Blick vom Hotel

Jausiers

Vom kleinen Bergdorf Jausiers in de Nähe von Barcelonette ist es nicht weit zum Nationalpark Mercantour. Auch in diesem Ort gibt es einige "mexikanische" Villen.
Jausiers hat eine sehenwerte Kirch aus dem 18. Jahrhunder - sie ist 26 m lang und 18 m breit. Im Inneren gibt es 9 Altäre und Altarbilder aus dem 17. bis 19. Jahrundert.

Die Kirche

Die Kirche

Nicht weit von Barcelonette entfernt liegt der Nationalpark Mercantour mit einsamen Seen, grünen Wiesen, dunklen Wäldern und wilden Schluchten sowie hohen Bergen bis zu 3143 m. Der Park grenzt an das italienische Piemont.
Der Nationalpark umfasst insgesamt 215.000 Hektar, davon zählen aber nur ca. 68.500 ha zur unbewohnten und besonders geschützten Zone.
Die Tier- und Pflanzenwelt ist eine der artenreichsten von Europa. Hier leben u.a. 53 bedrohte Tierarten, und man hat es geschafft, den Steinbock und den Lämmergeier sowie den Wolf wieder anzusiedeln.
Auch die Flora ist einzigartig, es wachsen hier seltene Orchideenarten ebenso wie Edelweiss.
Im Park gibt es rund 1700 km Wanderwege. Im Winter kann man hier Langlauf und Schneeschuhwanderungen machen., im Sommer Kanufahren und Rafting.
Beim nächsten Mal sollten wir uns wirklich etwas mehr Zeit für den interesssanten Nationalpark nehmen.

Nationalpark Mercantour

Nationalpark Mercantour

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Chamonix - Val d'Isère und Tignes - Col de l'Iseran und Col du Galibier - Briancon - Col d'Izoard und Col du Vars - Barcelonette - Col de la Bonnette - Gorge du Verdon - Lac Serre-Poncon - Stopover in Chambéry
Details:
Aufbruch: 22.09.2019
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 06.10.2019
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 18 Monaten auf umdiewelt.