3 Tage Waldviertel - Besser als gar nichts!

Österreich-Reisebericht  |  Reisezeit: April 2007  |  von Ilse Brandt

Kultur - Natur - Genuss -
Anleitung für einen Frühlingsausflug ins Waldviertel/Österreich

Krems - Zwettl - Freimaurermuseum in Rosenau

Frühlingsreise ins Waldviertel

Donnerstag, 11.5.06

Das herrliche Frühlingswetter lädt uns ein, die alljährliche Reise ins Waldviertel zu machen, diesmal fahren wir aber zuerst nach Krems, - wo wir im Kunsthaus die Manfred-Deix-Ausstellung angesehen haben. - Fritz war relativ schnell durch, ich wäre vielleicht noch ein klein wenig länger geblieben, - mich interessieren noch mehr die Techniken und Tricks beim Karikatur-Zeichnen als ihn, - aber eigentlich hatten wir nach einer Stunde Penissen, Hoden, Busen, Ärschen und schlechten Zähnen genug. Wir wollten lieber etwas zum Lachen und nicht zum Fürchten. - Schade.
Fritz hatte außerdem Hunger, war müde, es war nicht sein Tag. Trotzdem fuhren wir 6 km hinaus zum Winzer-Restaurant Nigl in Senftenberg. Es wurde zwar zum ersten Mal in diesem Jahr draußen gedeckt, aber wir blieben lieber in der hübschen Gaststube (weiß und dunkelbraun, Leinengardinen) - Bedienung hübsch und freundlich, Essen sehr gut, Preis angemessen. - Als Fritz nachher in der Vinotek noch 12 Flaschen Kremstaler Zweigelt (8,40) für 100,80 über den Thekentisch gehen lässt, fand ich es schon ziemlich korinthenkackerig, dass der junge Herr Chef sich tatsächlich die 73 Cent einsteckt, die Fritz aus der Geldbörse als letztes Kleingeld zusammenkramt. Ein großzügiges "Na, sagen wir 100 Euro!" wäre wesentlich sympathischer gewesen und hätte ihn nicht arm gemacht. Das ist meine Meinung!
Trotzdem: Der Wein ist gut!

Um 15 Uhr sind wir in Zwettl. Die Natur ist hier herb und weit zurück hinter den Grazer Blütenmeeren, trotzdem hat auch diese Gegend ihren Reiz. -

Wir kennen Zwettl gut, das Stift und das Stadtmuseum im Alten Rathaus, den Hauptplatz mit dem Hundertwasserbrunnen und die Ranaissance- und Barockwohnhäuser, und so vieles mehr, was Zwettl an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. - Am meisten jedoch imponiert uns bei jedem Besuch in der Stadt, dass jeder im Parkhaus umsonst und unbegrenzt sein Auto abstellen und von dort bequem flanieren kann. Ach, würden sich die Grazer Stadtherren doch daran ein Vorbild nehmen!

Unser Übernachtungsziel ist Schloss Rosenau, ein paar Kilometer östlich von Zwettl Richtung Weitra.

Bei der Hochzeitsfeier unseres Sohnes gab es eine Tombola. Damals haben wir ein Los gezogen mit dem Gewinn: Eine Schlossbesichtigung! -
Na ja, - man zeigte uns ein Vorhängeschloss, und wir durften es so lang wir wollten besichtigen...

Diesmal wollen wir nicht nur das wunderschöne Schloss Rosenau besichtigen, wir haben ein Zimmer gebucht! Da wir jedes Jahr einmal zur Mitzi-Tant' nach Zwettl fahren, haben wir schon einige Male eine Wanderung an diesem Schloss vorbei gemacht und uns immer wieder vorgenommen, einmal ganz vornehm darin zu wohnen.
Man kann dort ganz romantisch heiraten: kirchlich in der kleinen Schlosskapelle und genüsslich im wunderschönen Prunksaal!

Die Schlossfrau, Margit Zulehner, empfängt uns äußerst freundlich, wir bekommen den Schlüssel Nr. 6 für das Gutshof-Zimmer mit einem wunderschönen Ausblick auf den Teich und das Jagdhaus. - Die Fahrt, das Staunen, das Museum, die Waldviertler Luft, - alles hat uns so müde gemacht, dass wir das Abendessen einfach verschlafen, bei offenem Fenster Mitte April im Waldviertel, das sich uns meistens als Kaltviertel präsentiert, - ist schon ein besonderes Glück !

Freitag, der Dreizehnte April 2007
Ich habe bestens geschlafen, Fritz weniger gut, er hat wohl gefroren! Das ist aber gar kein Problem, - Frau Zulehner wird dafür sorgen, dass er in der nächsten Nacht ein märchenhaft warmes Daunenbett bekommt! Ich glaube, es gibt keine Bitte, die von dieser Schlossherrin mit dem lustigen Schalk in den Augen nicht erfüllt wird, und zwar nicht zähneknirschend, sondern freundlich und liebenswürdig. -
Das Frühstücksbuffet ist nicht nur ausreichend, es ist von allem etwas da: Liebevolle Behältnisse für das Körnermüsli, ein Honigroller, Marmeladentöpfchen, Mozzarella und Tomaten, Käse, Aufschnitt, Säfte, Eier von glücklichen Hühnern - und die besten und knusprigsten Semmeln, die ich seit ewigen Zeiten gegessen habe!!! Und das alles in dieser Abgeschiedenheit! Es sind noch nicht viele Gäste hier, - wer fährt auch im April auf Urlaub ins Waldviertel! - , aber wir wenigen fühlen uns "Auserwählt". Ich bin rundum zufrieden. -
Die schönen Bilder in den Fluren, - die liebevollen Kleinigkeiten, die freundlichen Hinweise auf Zigarette, Hund und Kind, alles wirkt persönlich und gepflegt. Es gibt Sauna und Fitness-Einrichtungen, eine große Bibliothek und geschmackvolle Zimmer und großzügige Suiten. Wir sind mit unserem Zimmer in der preiswertesten Kategorie sehr zufrieden, die Dusche ist gut, aber die Waage im Badezimmer lässt nicht mit sich handeln...

Einige Wandervorschläge liegen auf dem Tisch, und so ziehen wir die Bergschuhe an und gehen den Weg Nr. 1, den Weltkugelweg. Die Landschaft ist ungewöhnlich frühlingshaft, wenn auch zurückhaltender als im nahen Donautal. Wir gehen immer der gelben Markierung nach , passieren eine wunderschöne alte Kastanienallee mit einem geschützten Riesenbaum, den Aufstieg zum Triebschneiderberg verpassen wir leider und zur Weltkugel, einem der vielen imposanten Granitsteine, können wir nicht, weil auch dort immer noch wie überall ringsherum durch den ernormen Windbruch im Januar 07 die Bäume kreuz und quer herumliegen, wie Mikadostäbe, nur eben schwerer! Überall sieht man Waldarbeiter mit Kettensägen und Traktoren, die im Augenblick für das Holz lediglich ein Trinkgeld kriegen, - weil die Sägewerke übervoll sind. -

Wurde Zwettl im Jahr 2002 durch ein Jahrhundert-Hochwasser gebeutelt, so war es der Jänner-Sturm, der nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Wäldern zu immensen Schäden geführt hat.

Nach 3 ½ Stunden sind wir wieder zurück im Schloss und genehmigen uns ein kühles Zwettler Bier auf der angeblich schönsten Terrasse des Waldviertels(!), was stimmen könnte.

Das Abendessen ist haubenverdächtig! - Ein Geburtstagsgast aus Graz bekommt ein Ständchen von Schülern der Musikhauptschule Zwettl, und diese wiederum kräftigen Applaus von den Gästen. Man feiert hier sehr schön und stilvoll, und nicht nur Hochzeiten!

Samstag, 14.4.2007
Fritz hat unter dem dicken Federbett sehr gut geschlafen und ist besser gelaunt als gestern morgen. - Nach dem Frühstück machen wir einen Besuch im Freimaurermuseum, das im ersten Stock eingerichtet ist, Österreichweit einzigartig und sehr interessant.

Danach (11.00) treten wir unsere Heimreise nach Graz an: Auf kleinen Straßen bewusst abseits des Verkehrs durch unscheinbare Orte wie Dietmanns - Mühlbach - Griesbach - Arbesbach - Altmelon, ab Marchstein romantisch am Sarmingbach entlang ins Donautal hinunter, - hier blüht und grünt alles in üppiger Pracht.
Wir überqueren die Donau bei Persenbeug, - und erinnern uns an den Donauradweg, den wir
2004 gemacht haben. Dann über Ybbs (13.00)- Wieselburg - Scheibbs nach Gaming. http://www.geocities.com/bodenteich/donauradweg.htm
452 Jahre lebten hier die Kartäuser, genannt "Weiße Mönche", bis 1984 die Kartause in Privatbesitz überging und sorgfältig restauriert wurde. Das werden wir uns beim nächsten Kurzausflug näher ansehen. Diesmal haben wir nur unsere billa-Semmel ganz bescheiden auf einer Parkbank neben dem Kartäuserkloster verspeist, - denn nichts ist schlimmer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen (mit Haubenkoch-Essen!).
Auf der Bundesstraße B71 fahren wir die sehenswerte Zellerrain-Straße über Neuhaus und die Passhöhe (1125 m) Richtung Erlaufsee und Mariazell, dann die B20 über Gusswerk - Seebergsattel (1253 m) - Thörl nach Kapfenberg. Das ist so eine wunderschöne Urlaubsstrecke und man sieht noch viel, viel Schnee auf den Alpen!
Über Bruck auf der Autobahn dann nach Graz, wo wir um 17 Uhr unseren abwechslungsreichen Frühlingsausflug beenden und vor der Haustür nach längerem Suchen merken, dass wir keine Schlüssel dabei haben und niemand zu Hause ist....

Nachsatz: Dieser und andere Reiseberichte sind mit vielen Links zu den erwähnten Orten und Fotos in meinen Webseiten
www.geocities.com/bodenteich/Ilsebrandtschreibt zu finden.

© Ilse Brandt, 2007
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 12.04.2007
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 19.04.2007
Reiseziele: Österreich
Der Autor
 
Ilse Brandt berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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